Forellenbesatz

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Forellenbesatz

Beitragvon Hubert.R » 02.04.2004, 14:03

Werte Kollegen,

heute schneide ich ein Thema an, das sicherlich zu kontroversen Diskussionen führen wird. Auch in meinem Kameraden-Kreis haben wir zu dem Thema schon hitzige Diskussionen geführt.

Gewässername oder irgendwelche anderen Ortsbezeichnungen werde ich auf keinem Fall nennen. Ihr werdet dafür sicherlich Verständnis haben. Zum Stand der Dinge:
Es geht um ein Gewässer in einem bulgarischen Mittelgebirge, das der Forellenregion zuzuordnen ist. Die Rahmenbedingungen an diesem Gewässer sind optimal. Gewässer- und Strukturgüte sind als ausgezeichnet zu bezeichnen. Belastungen durch Industrie und Landwirtschaft sind kaum gegeben. Das Insektenaufkommen kann man als hervorragend bezeichnen. Man könnte fast von einem idealen Gewässer sprechen, wenn es keine Probleme mit dem Fischbesatz gäbe. Durch eine komplett falsche Besatzpolitik in den vergangenen Jahren sind reichlich Zuchtforellen aus verschiedenen Quellen in das Gewässer gelangt. Diese haben sich mit den vorkommenden autochtonen Forellen gemischt, so dass das ursprüngliche Genpotential mit all seinen standortangepassten Vorzügen vollkommen verfälscht wurde. Glücklicherweise gibt es noch einige reinrassige Ursprungsforellen, mit denen in einer nahegelegenen Zucht gearbeitet wird. Das Problem besteht darin diese Forellen wieder in dem Gewässer heimisch zu machen. Ein einfacher Besatz ist zum Scheitern verurteilt, da ja wieder eine Durchmischung mit den momentan vorkommenden Forellen geschehen würde.

Als Lösung bietet sich nur die komplette Entnahme der momentanen Forellenpopulation an.

Eine angeltechnische Komplett-Befischung ist aussichtslos.
Nach zahlreichen Gesprächen mit Fachleuten scheidet auch ein E-Befischung aus, da durch die gegebenen Umstände auch bei dieser Methode nicht alle vorkommenden Forellen entnommen werden können.

Als Lösung tauchte ein sehr radikaler Ansatz auf: Der komplette Fischbestand wird vergiftet und dann wird mit reinrassigen Fischen neu besetzt. Ich für meinen Teil bin über diesen Ansatz entsetzt, da hier die eventuelle Schädigung anderer Kleinfischarten nicht ausgeschlossen ist. Der momentane Gewässerpächter ist von dem Ansatz aber ganz angetan.
Als eine weitere Methode wurde die Unfruchtbarmachung der vorhandenen Forellen diskutiert.

Was haltet ihr von diesen Ideen? Das Thema ist sicherlich auch für die vielen Lachsflüsse von Interesse, in denen sich der heimische Bestand mit aus Zuchtanlagen entkommenen Fischen mischt.

Petri Heil
Hubert
Hubert.R
 

Beitragvon Daniel/Bonn » 02.04.2004, 14:43

Der erste April war gestern!!!
Wenn doch etwas Ernst in diesem posting stecken sollte, dann gibt es nur einen Rat:
1. Gründliches Abfischen mit dem E-Gerät und Entnahme aller nicht endemischen Fische.
2. Konsequente Entnahme aller verbliebenen unerwünschten Fische beim späteren Fischen mit der Fliegenrute, ggf. auch unterhalb des Mindestmaßes, soweit dies mit den bestehenden Regularien vereinbar ist.
Dadurch wird der Bestand an Zuchtforellen so stark ausgedünnt, dass sie langfristig verschwinden werden.
Der Ansatz mit dem Gift ist indiskutabel, die Schäden für die Mikroflora und -fauna desaströs und lang anhaltend. Eine Wiederbesiedlung mit Kleinlebewesen dauert sicher länger als das von mir vorgeschlagenene Programm.
daniel
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Beitragvon AndreasSH » 02.04.2004, 14:44

Als Lösung tauchte ein sehr radikaler Ansatz auf: Der komplette Fischbestand wird vergiftet und dann wird mit reinrassigen Fischen neu besetzt. Ich für meinen Teil bin über diesen Ansatz entsetzt, da hier die eventuelle Schädigung anderer Kleinfischarten nicht ausgeschlossen ist.


Moin Hubert,

so was kann ja wohl nur ein schlechter Witz sein.
Ahem, erster April war gestern...
Nicht nur die Kleinfische, auch die Nahrungsgrundlage (Insekten etc.)
würden ja mitvergiftet. Und wo bleibt das Gift anschliessend ?
Vermutlich würde es Jahre dauern, bis sich das Gewässer wieder erholt hat,
und Gifte lagern sich ja immer irgendwo ab, bzw. gelangen in einem Fliessgewässer bis sonstwohin.:niederges

E-Fischen wäre meiner Meinung nach das einzig vertretbare, wenn dann nicht alle rauskommen, muss man halt mit ein paar Fremdgenen klarkommen, lässt sich heutzutage eh kaum noch verhindern.
Angeln wird nur von solchen Menschen als langweilig empfunden, die damit nichts anderes verbinden als Fische zu fangen...
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Beitragvon AndreasSH » 02.04.2004, 14:51

Moin daniel,

da warste einen Mausklick schneller... :)
Angeln wird nur von solchen Menschen als langweilig empfunden, die damit nichts anderes verbinden als Fische zu fangen...
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Beitragvon Rudi » 02.04.2004, 15:14

sehr schön, Gift nehmen, Klasse.
Das das Ganze nicht zur Ausrottung der Art führen kann ohne ein Desaster anzurichten haben wir doch schon einmal erlebt in WWII. :mad: :mad: :mad:
nur ein Beispiel. Will jetzt hier aber nicht ins politsche abdriften.
Das Thema "Arische Fische" ist durchaus interessant, aber was ist den da genau definiert??? Von der Zeit an als man die DNA entschlüsselt hat oder davor, wann davor 10, 100, 1000, 1 Mio Jahre?? Würd mich mal interessieren.

Also ikke geh jetzt am Wochenende wieder nen Arischen Rapfen fangen

;)

Servus und gut fang an alle die fangen gehen.
Rudi
 

Beitragvon Daniel/Bonn » 02.04.2004, 17:00

Ganz ruhig, Rudi ;) .
Die Verfälschung des Bestandes durch degenerierte Zuchtforellen ist schon ein großes Problem. Allerdings ist Gift hier definitiv der falsche Weg.
d.
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Beitragvon stekus » 02.04.2004, 18:51

Wenn man den Bach zum freien beangeln freigiebt wird er wohl ziemlich bald fast lehr sein! Anschliessendes abfischen mit e-gerät wird dann wahrscheinlich den rest bringen! Habe selbst ein e-fisch-zertifikat. Wenn man mehrere Umgänge macht ist der Bach danach lehr! Vor allem wenn man es eh nur auf grössere Fische wie Forelle abgesehen hat. Koppen (z.B.) wird man kaum alle erwischen - aber die stöhren ja nicht! Sollte doch was überbleiben gebe ich Daniel recht! - Rigorose Entnahme! Würde aber auch einige grosse ("Raubforellen-grösse") besetzen, die lassen dann wohl etwaige übergebliebene Jungfische mitgehen!

Mit dem Lachsproblem kann man dass nicht vergleichen! Jedes Ajhr entkommen Zuchtlachse! Damit muss man wohl leben oder die Lachszucht aufgeben!
stekus
 

Beitragvon Daniel/Bonn » 02.04.2004, 18:55

Mir gibt mal einer Recht!
Das hats hier im Forum noch nicht gegeben!!
JIIPPIIIEEEHHHH!!!
:kissme: :liebe: :liebe2: :bussi: :herzchen: :flirt: :knutsch:
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Beitragvon Werner » 02.04.2004, 20:12

Hallo,

"Mir gibt mal einer Recht!
Das hats hier im Forum noch nicht gegeben!!"

doch Daniel, ich auch.

Allerdings frage ich mich, ob die "Vergiftungslösung", die der Pächter favorisiert, unter rein pragmatischen Gesichtspunkten nicht die langfristig erfolgreichere Lösung ist. Bevor ich gesteinigt werde, ja ich weiß, dass das ethisch kaum zu vertreten ist, aber meines Wissens gibt es Fischgifte, die nicht das komplette Leben im System vernichten, sondern nur die Fischpopulation.
Es klingt furchtbar, aber wäre das nicht tatsächlich die Lösung, mit der man vermeidet, in 5 Jahren wieder vor dem gleichen Problem zu stehen wie jetzt ?

Gruß Werner
Werner
 

Beitragvon Noellgen, H » 02.04.2004, 20:32

Hallo Leute,
auf die Gefahr hin, dem einen oder anderen auf die Füsse zu treten.:
Die ganze Genetikdiskussion halte ich für einen ziemlichen Blödsinn.
Wenn sich ein Fischbestand in einem Gewässer selbst reproduziert
und damit den Ursprungsbestand dominiert, dann ist das ganz einfach
Evolution im Sinne des alten Darwin.Survival oft the fittest.
Bekanntlich kann man mittlerweile bis hin zu Individuum genetische
Unterschiede entdecken.(genetischer Fingerabdruck). Wieviel Abweichung
vom Idelalgenom will man denn tolerieren, wer legt das fest?
Wenn die ursprüngliche Population mit der heutigen nicht konkurrieren
kann, dann wird sie aussterben, wie es auch dem Mammut und den
Sauriern ergangen ist.
Tight lines,
Heiner
Noellgen, H
 

Beitragvon Gerry » 02.04.2004, 21:33

Hallo zusammen,

wenn in Schweden oder Norwegen ein Gewässer "clean" gemacht werden soll verwendet man dort >>> Rotenon <<<. Es handelt sich dabei um ein Insektizid, das alle Wasserorganismen vernichtet. Wird gerne genommen um Seen von Hechten zu "reinigen" in die dann nur noch Puffforellen eingesetzt werden sollen.

TL Gerry


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Beitragvon Waldforelle » 02.04.2004, 22:38

Hallo Hubert,

habe selten einen grösseren Blödsinn in einem Text versammelt gesehen. Ich möchte Dich hier nicht persönlich beleidigen und hoffe Du kannst auch hartes Feedback vertragen.

Ich bezweifle stark, dass im 'Bulgarischen Mittelgebirge' sich irgendeiner so einen Kopf macht. Es sei er stamm von hier.

Ich bin selbst Pächter eines kleinen Gewässers und es ist mir unvorstellbar, dass ein Pächter sein für teures Geld gepachtetes Gewässer (in diesem Fall mit paradiesischen Bedingungen) vergiften will. Allein das Risiko der unabsehbaren Nebenschäden und die langjährige Regenerierung sowie die dann immensen Besatzkosten stehen in keiner Relation zu dem nicht relevanten Genproblem. Wo will er denn die ursprünglichen Gene nach der Vernichtung wieder herzaubern? Selbst das Nachzüchten, Versetzen und künstliches Füttern stellen doch schwerwiegende Eingriffe dar, die nicht mehr zu dem verlorengegangenen Ursprung zurückführen.

Die Diskussion Deines Textes ist kreaturverachtend!

Du wolltest uns sicher auf eine theoretische Reise(Diskussion) mitnehmen. In Bulgarien, bei uns, wie auch sonst wo wird seit menschengedenken gefischt, Fisch gezüchtet und besetzt. Forellen sind Wanderer (wenn sie nicht einen festen Standort finden) und verbreiten sich über die Wassersysteme. Wer sagt Euch eigentlich etwas über eine (rein)Rassigkeit in deinem virtuellen Bach. Vermutet ihr das oder habt ihr teure gentechnische Massenuntersuchungen bezahlt?

Ich antworte eigentlich nur deswegen so ausführlich, weil ich den Schutzgedanken für autochthone Populationen eigentlich teile. Ebenso stimme ich den Anmerkungen von Heiner zu, daß die rein genetische Argumentation zu nichts führt.

Solange wir als Angler kein billiges Mastvieh aus anderen Regionen, sondern mit Tieren aus den gleichen klimatischen Bedingungen und mit regelmässiger Einzüchtung regionaler Stämme besetzen, sind wir auf dem richtigen Weg.

Ansonsten lasst die Finger davon und angelt nicht mehr - die Evolution wirds schon richten.

Nichts für Ungut

Thomas
Waldforelle
 

Beitragvon maan » 03.04.2004, 19:55

Moin,
auch bei uns in der Nähe, ich möchte auch keinen Namen nennen, wurde ein See "clean" gemacht weg. Barsch glaube ich, hat aber effektiv nicht viel gebracht, es gab hinterher Probleme mit dem vernünftigen abwachsen der neu besetzten Fische. Also Finger weg.
Gruß Maan
maan
 

Gift

Beitragvon tom64 » 05.04.2004, 13:27

...erst mal finde ich das ein interessantes Thema, und sehr mutig, dass es überhaupt angeschnitten wird. Aus meiner Sicht führt eine isolierte Betrachtung eines Baches nicht wirklich weiter. Wie sehen denn die Nachbarbäche aus? Wird dort genau so verfahren mit Fremdbesatz? Dann sind jegliche isolierte Maßnahmen in einem Bach wahrscheinlich wirkungslos, weil die Fische sich irgendwann wieder untereinander mischen (wenn die Bäche Verbindungen haben). Sollte es aber im gesamten Gebiet, Einzugsgebiet zB, ein einzelner Bach sein, der diesen Fremdbesatz erhalten hat, dann ist aus meiner Sicht eine Vergiftung eine durchaus erwägenswerte Lösung. Zwar wird sicher alles Leben vergiftet. Aber Rotenon zB ist nicht sehr langlebig im Wasser (Stunden bis Tage), und eine Schädigung über den Anwendungsort hinaus ist nicht wahrscheinlich.
Das Ethik-Argument ist für mich auch umkehrbar: es ist auch unethisch, unseren Nachkommen einen artlichen Einheitsbrei zukommen zu lassen, nur weil wir heute noch nicht genau wissen, welcher Nutzen in der Vielfalt steckt. Das oft benutzte Wort Nachhaltigkeit verpflichtet uns, die lokalen Besonderheiten zu wahren, selbst unter dem auf den ersten Blick schrecklichen Gedanken, Fremdbesatz in einem Gewässer wieder auszulöschen. Aber für die radikale Lösung spricht, dass es ja sein könnte, dass sich der Fremdbesatz nach und nach über die gesamte Region verbreitet. Dann gibt es einen echten Verlust einer lokalen Rasse.
Natürlich ist das Evolution. Aber der Auslöser war kein natürlicher Prozess, sondern ein (prinzipiell vermeidbarer) menschlicher Eingriff, hier Besatz. Mit dem Argument, dass sich die besten Rassen oder Arten durchsetzen, könnte man überall Regenbogenforellen besetzen, und Namaycush-Saiblinge in die Seen, und all die Bärblinge, Groppen und Schmerlen aktiv weiter verbreiten, die Deutschland im Moment erreichen von außen. Sind alles gute Futterfische für die geliebten Raubfische...
Gruß
Thomas
tom64
 

Beitragvon Peter S., Köln » 05.04.2004, 14:09

Hallo Thomas,
Motto: "Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt!!!"
Menschliches Versagen mit noch menschlicherer Ausrottungsideologie bereinigen. Aber rein ethisch versteht sich, nur für die Nachwelt wollen wir wieder die richtige DNA hinterlassen.
Zwar wird sicher alles Leben vergiftet. Aber Rotenon zB ist nicht sehr langlebig im Wasser (Stunden bis Tage), und eine Schädigung über den Anwendungsort hinaus ist nicht wahrscheinlich.

Wenn du mit diesen Sätzen nicht nur provoziern willst und dich über die Reaktionen kugelst vor Lachen, fehlen mir auch nicht die Worte, aber die Möglichkeit sie ins Forum zu stellen, da mir ein Rausschmiss auf Lebenszeit sicher wäre. Und jede Form der milderen Antwort erspare ich mir.
Zuletzt geändert von Peter S., Köln am 05.04.2004, 14:53, insgesamt 1-mal geändert.
Peter S., Köln
 

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