Forelleneier und Hochwasser ….

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon pehers » 20.01.2018, 20:38

Servus!

Würde das auch mal versuchen, da ein Auflockern des Kieses oft erstaunlich gute Erfolge bringt! Wird zB an der Gmundner Traun gemacht (wegen Kolmatierung) und von den Fischen gut angenommen! Auch an der Enns, in einer Restwasserstrecke wurden mir Erfolge berichtet! Ist zwar mit Eurem Wasser schwer vergleichbar, aber das Problem scheint dennoch gleich gelagert zu sein!

LG
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Harald aus LEV » 21.01.2018, 10:41

Wir hatten in früheren Jahren eine Brutstation für Lachs-, Mefo- und zeitweise Bachforelleneier.
Hier wurden die Eier täglich, meist sogar 2 mal am Tag kontrolliert und die abgestorbenen und verpilzten ausgesondert.
Daher frage ich mich, ob eine 10-14-tägige Kontrolle nicht zu wenig ist.
Natürlich ist das bei frei im Fluss liegenden Boxen ungleich schwieriger und umständlicher als in einer Brutanlage.

Obwohl ich den Besatz mit Brutboxen faszinierend finde, schließe ich mich Hans' Meinung an, mit der Frage, ob ein Besatz mit Brütlingen nicht sinnvoller ist, wenn das Habitat grundsätzlich einen eigenen Besatz nicht hergibt.

Gruß
Harald
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon fly fish one » 21.01.2018, 21:17

Harald aus LEV hat geschrieben:Wir hatten in früheren Jahren eine Brutstation für Lachs-, Mefo- und zeitweise Bachforelleneier.
Hier wurden die Eier täglich, meist sogar 2 mal am Tag kontrolliert und die abgestorbenen und verpilzten ausgesondert.
Daher frage ich mich, ob eine 10-14-tägige Kontrolle nicht zu wenig ist.
Natürlich ist das bei frei im Fluss liegenden Boxen ungleich schwieriger und umständlicher als in einer Brutanlage.

Obwohl ich den Besatz mit Brutboxen faszinierend finde, schließe ich mich Hans' Meinung an, mit der Frage, ob ein Besatz mit Brütlingen nicht sinnvoller ist, wenn das Habitat grundsätzlich einen eigenen Besatz nicht hergibt.

Gruß
Harald


Lieber Harald,

in meinen Augen ist das genau der Schlüssel zum Erfolg in schwierigen Habitaten. Ich habe die Ehre Mitglied eines kleines Vereines zu sein, der in einem schwierigen Bach genau das mit Erfolg exerziert. Die Brutboxen werden unter Woche und am Wochenende gepflegt. Ich selber muss gestehen, dass ich zu den Flaschen gehöre, die das nur am Wochenende "mal" machen. Wir haben aber Mitglieder die das regelmäßig unterstützen. Denen kann man gar nicht genug danken.
Neben der eigenen Zucht, werden aber auch Forellen besetzt. Nur mit eigenen Brütlingen würden wir nicht durchkommen.

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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon pehers » 21.01.2018, 21:28

Servus!

Hier noch ein Link zu einem Bild eines Cocoons - man sieht es leider nicht ganz genau, aber er hat ein Netz rund herum und daher funktioniert das Thema auch in der Donau perfekt...

http://www.landesfischereiverein.at/?page_id=138&paged=2#jp-carousel-3559

Die einzig wichtige Voraussetzung ist, dass es eine gute Strömung gibt. Wie ihr an den anderen Bildern auf dieser Homepage seht, bringt die Donau sicher nicht weniger Schwebstoffe und Sediment, als das Gewässer, in dem Christian kämpft und es ist keine Kontrolle möglich oder notwendig. Die Schlupfraten in diesen Boxen sind excellent und auch in der Donau. Das kann man genau feststellen, da die Eier in einzelnen Boxen gezählt werden, um beim Freilassen der Brütlinge, eben diese Erfolgskontrolle machen zu können. Aufgrund des Stahlnetzes können die Larven alleine nicht aus dem Cocoon heraus, sodass man sie freilassen muss. In der Donau haben wir beim Huchen Schlupfraten von ca. 90%. An der Steyr bei der Bachforelle deutlich darüber...

L.G.
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon dr-d » 22.01.2018, 17:07

hallo,

ich hatte 2017 das zweifelhafte vergnügen, den grossen kamp in nö von los 1-7 mir nähers anzuschauen (auch fischend).

die haben in gars auch seit jahren brutboxen mit grossem engament und ausstoss von bafos; resultat : man steht teilweise in
ganzen grosskindergärten beim waten.aber!!! jenseits der 10 cm ist dann schluss - es sei denn ,man findet noch eine seltene
"grosskampser" bafo oder aber die nunmehr zunehmend ausgebrachten refos.

gründe(auch lt.uni wien): 1. pkd wiederkehrend v.a.im juli-september.dies ist kein isoliertes österreichproblem , wird aber
bei uns tw.noch negiert.

2.massive Kolmation der flusssohle v.a. durch bio!!!-landwirtschaftliche einträge.diese findet man
selbst auf los 1 nahe des böhmerwaldes in idyllischer Umgebung - dort bewegen sich dafür in
beträchlicher mannschaftsgrösse sehr gut gediehene döbel!bafos + äschen in spurenelementen.

3.zus .massive biologische nitrat- und phosphateinträge s.2.

4.auch sollten die nicotinoide nicht vergessen werden.

wir laufen da m.e. in eine sehr komplexe gewässerzukunft und ich habe schon seit jahren mit einigen kumpels hier im
schwarzwald das selbe nachvollzogen.zuerst brechen die pyramiden (bei anstädiger pflege und hege) in der mitte weg
und dann dünn es sich zunehmend nach unten aus.
auch ich bin kein originärer freund von besatz aber ohne diesen wird es an vielen Gewässern nicht mehr gehen m.e.
und die reine bafo-/äschenlehre kann wahrscheinlich nicht mehr lange durchgehalten werden.schade!


gute Woche.


thomas
dr-d
 

Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Maggov » 22.01.2018, 17:55

dr-d hat geschrieben:
wir laufen da m.e. in eine sehr komplexe gewässerzukunft und ich habe schon seit jahren mit einigen kumpels hier im
schwarzwald das selbe nachvollzogen.zuerst brechen die pyramiden (bei anstädiger pflege und hege) in der mitte weg
und dann dünn es sich zunehmend nach unten aus.
auch ich bin kein originärer freund von besatz aber ohne diesen wird es an vielen Gewässern nicht mehr gehen m.e.
und die reine bafo-/äschenlehre kann wahrscheinlich nicht mehr lange durchgehalten werden.schade!


gute Woche.


thomas


Hi Thomas,

Das Problem ist in diesem Fall wirklich sinnvolles Besatzmaterial zu bekommen. Du kannst doch mit Besatz auch dem angeschlagenen Bestand den Rest geben und/oder Krankheiten, Parasiten und Pilze erst importieren...

Wie man's macht wird's falsch...

Der einzige nachhaltige Ansatz den ich bisher gefunden habe ich Durchgängigkeit wiederherstellen und Strukturmaßnahmen die die Produktivität des Wasser erhöhen (mehr laichhabitate, Standplätze, organisches Material in nahrungsarmen Strecken für mehr Biomasse, etc.)...
In solche Strecken würden die Fische zuwandern und sich ansiedeln können. Einziges Problem: Du hättest weder Kontrolle darüber welche Fischarten sich wieder ansiedeln noch wie lange es dauert... schwierig dass einer großen Interessengemeinschaft wie einem Angelverein als Vorteil zu vermitteln.

LG

Markus
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon dr-d » 22.01.2018, 18:35

hallo maggov,


und wenn wir es nicht in den graben setzen dann die richtig schlauen:


oberhalb unserer gewässer hier (Oberlauf gk 1-2) gibt es einen trinkwasserspeicher mit vorsee und hauptsee.das dortige Forstamt
hat im lauf langer jahre daraus eine pacht-petri- schale gemacht, die alle 2-3 jahre für den Publikumsverkehr wg.diverser
seuchen geschlossen wurde.
der hauptsee hat in über 30 m tiefe eine trinkwasserentnahme für alle angeschlossenen gemeinden des verbandes.nun wurde das 50 jährige
recht vom Staat!(grüner kretschmann :twisted: )nicht mehr verlängert.die gemeinden wehren sich wg.trinkwasser - grundversorgung!

preussen reagiert:komplettablass---folge hochwasserverstärkung-wir haben schon genug derzeit,ablass der Sedimente in zig Kilometer
guter gewässer wie auch anderer Feinheiten,monatlicher verlust der dortigen turbine fast 10.000€!trinkwasserpreise werden baldigst angehoben.

cui bono?!der "kohle" und ihrer Besitzer.

alles andere scheint den Funktionsträgern oder sollte ich sagen "kapitalgenoosen" sch.....egal zu sein.

so läufts.

thomas


p.s.:nach dieser aktion müssen wir besetzen wohl und die ggf.neuen Infektionen abwarten.
dr-d
 

Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Gammarus roeseli » 22.01.2018, 22:01

Harald aus LEV hat geschrieben:Wir hatten in früheren Jahren eine Brutstation für Lachs-, Mefo- und zeitweise Bachforelleneier.
Hier wurden die Eier täglich, meist sogar 2 mal am Tag kontrolliert und die abgestorbenen und verpilzten ausgesondert.
Daher frage ich mich, ob eine 10-14-tägige Kontrolle nicht zu wenig ist.

Hallo Harald,
mit steigenden Temperaturen im Wasser beschleunigen sich alle Vorgänge und mit sinkenden Wassertemperaturen verlangsamen sich alle Vorgänge…
Bei einer Wassertemperatur von knapp über 0°C bis 5°C muss man nicht so häufig kontrollieren wie bei 8°C bis 10°C warmer Quellwasserhaltung in bspw. einer Forellenzucht….
Harald aus LEV hat geschrieben: Obwohl ich den Besatz mit Brutboxen faszinierend finde, schließe ich mich Hans' Meinung an, mit der Frage, ob ein Besatz mit Brütlingen nicht sinnvoller ist, wenn das Habitat grundsätzlich einen eigenen Besatz nicht hergibt.

:-k
Besatz von (empfindlichen) Brütlingen….
Besatz ist immer Stress für die Fische… Stress beim Transport, Stress beim Einsetzen (Temperatur usw.), Stress bei der Futterumstellung von Trockenfutter auf Naturnahrung…. Stress macht die Brütlinge sehr anfällig für Krankheiten ( Grießkörnchenkrankheit -> Weiße Pünktchen) usw. Außerdem hatten wir in den letzten Jahren sehr hohe schlupfraten (von ca. 75 bis ca.90%) mit unseren Brutboxen. :D
LG Christian
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Gammarus roeseli » 23.01.2018, 00:54

DerRhöner hat geschrieben:Hallo allerseits

Ich hab sowas noch nie gemacht oder gesehen, aber mir stellt sich im Bezug auf das Ausgangsproblem (Verschlammung der Eierboxen) diese Frage: Kann man die Prallplatte nicht weglassen oder zumindest verkleinern? Dann wäre die Fliessgeschwindigkeit höher und der Sand lagert sich nicht ab. Wäre jetzt so meine naive Idee...

Denn wenn ich das richtig verstehe sind die Eier ja in diesen Metallboxen gegen dem Verdriften geschützt. Ich glaube (aber erklärts mir wenn ich falsch liege) etwas höherer Wasserdurchsatz ist den Eiern lieber als unter Schlamm zu ersticken?


Hallo Christian, hallo Markus,

aufgrund des erhöhten Pegels in einem Bach (Urgestein) konnten wir drei Erbrütungsrohre nicht mit Forelleneiern bestücken…. Wir haben diese Eier auf 14 WV- Boxen verteilt und vor dem Hochwasser (Foto 1) in den kleinen Fluss im Oberpfälzer Jura direkt auf der Fußsohle (übergangsweise) eingebracht, fixiert und gesichert…

WV-Boxen ... vor Hochwasser.JPG
WV-Boxen ... vor Hochwasser.JPG (247.61 KiB) 1019-mal betrachtet


Diese Eier waren der Strömung vom Hochwasser ausgesetzt und sind nicht mit Seekreide verschlammt…. (Waren nur etwas geschützt hinter einem größeren Pflasterstein. Die WV- Boxen haben allerdings während dem Hochwasser viele kleine Äste gefangen…)
Anschließend (gesunkener Pegel) haben wir diese Forelleneier (mit den WV-Boxen) in Rohre gegeben und die Prallplatte gegen eine Lochplatte getauscht, so dass die Rohre stärker durchströmt werden….. (Wir müssen die Lochplatten noch gegen verstopfen mit Treibgut sichern…..) Aktuell haben wir deutlich weniger Seekreide in den Rohren obwohl das Wasser schon wieder stärker getrübt ist. Der Schlupf hat begonnen und der größte Teil ist schon geschlüpft…. Aktuell schaut es in diesen Rohren nach einer Schlupfrate von ca. 90 bis 95% aus. Der Schlupf ist etwas verfrüht und vermutlich durch die Bewegung der Eier in den Brutboxen (erhöhte Wasserströmung) ausgelöst ….
Maggov hat geschrieben:Hallo anderer Christian,
… … …
Wie tief ist das Wasser an der Stelle? Liesse sich das bestehende Kiesbett nicht im Herbst mittels Harken auflockern und etwas ausspülen/durchlüften? Das wäre ein Arbeitseinsatz mehr, ist mir klar. Auf der anderen Seite ist es auf Dauer doch beschwerlich jedes Jahr die aufwendige Brutboxenpflege zu organisieren und zu wissen das die Fische die dazukommen keine Chance haben den Bestand ausreichend zu schützen.


Wie schon gesagt, schlechte Qualität vom Substrat … Die einst kiesigen Laichplätze bestehen mittlerweile zu ca. 30 bis 60% aus feinem bis sandigen Sedimenten... Kolmatierte Flusssohle….

Zitat aus dem Heft „Lebensraum Fließgewässer Restaurierung und Entwicklung“ Seite 24. "Laichareal" ->
Zitat: Der Feinsedimentanteil (< 1mm) sollte möglichst gering sein und 10% Massenanteil nicht überschreiten.

LG Christian
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Maggov » 23.01.2018, 11:14

Maggov hat geschrieben:Hallo anderer Christian,
… … …
Wie tief ist das Wasser an der Stelle? Liesse sich das bestehende Kiesbett nicht im Herbst mittels Harken auflockern und etwas ausspülen/durchlüften? Das wäre ein Arbeitseinsatz mehr, ist mir klar. Auf der anderen Seite ist es auf Dauer doch beschwerlich jedes Jahr die aufwendige Brutboxenpflege zu organisieren und zu wissen das die Fische die dazukommen keine Chance haben den Bestand ausreichend zu schützen.


Wie schon gesagt, schlechte Qualität vom Substrat … Die einst kiesigen Laichplätze bestehen mittlerweile zu ca. 30 bis 60% aus feinem bis sandigen Sedimenten... Kolmatierte Flusssohle….

Zitat aus dem Heft „Lebensraum Fließgewässer Restaurierung und Entwicklung“ Seite 24. "Laichareal" ->
Zitat: Der Feinsedimentanteil (< 1mm) sollte möglichst gering sein und 10% Massenanteil nicht überschreiten.

LG Christian


Hallo Christian,

jetzt stehe ich auf dem Schlauch - ließe sich nicht genau das mit einem Auflockern / Durchlüften verbessern? Das Sediment trägt die Strömung doch ab, der Kies sinkt schneller...

LG

Markus
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Harald aus LEV » 23.01.2018, 22:43

Gammarus roeseli hat geschrieben:
Harald aus LEV hat geschrieben:Wir hatten in früheren Jahren eine Brutstation für Lachs-, Mefo- und zeitweise Bachforelleneier.
Hier wurden die Eier täglich, meist sogar 2 mal am Tag kontrolliert und die abgestorbenen und verpilzten ausgesondert.
Daher frage ich mich, ob eine 10-14-tägige Kontrolle nicht zu wenig ist.

Hallo Harald,
mit steigenden Temperaturen im Wasser beschleunigen sich alle Vorgänge und mit sinkenden Wassertemperaturen verlangsamen sich alle Vorgänge…
Bei einer Wassertemperatur von knapp über 0°C bis 5°C muss man nicht so häufig kontrollieren wie bei 8°C bis 10°C warmer Quellwasserhaltung in bspw. einer Forellenzucht….

LG Christian


Unser Fluss hat im Winter eine durchschnittliche Temperatur von 4-6°C.

Gruß
Harald
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Gammarus roeseli » 23.01.2018, 22:52

Maggov hat geschrieben:
Hallo Christian,

jetzt stehe ich auf dem Schlauch - ließe sich nicht genau das mit einem Auflockern / Durchlüften verbessern? Das Sediment trägt die Strömung doch ab, der Kies sinkt schneller...

LG

Markus


Hallo Markus,
erstmal alles richtig, nur leider ist es bei uns so (Bäche und Flüsse der Schwäbischen - Fränkischen Alb), dass wir aufgrund von Überdüngung im Flusseinzugsgebiet viel zu viel Fällung -> Kristallisation von Calciumcarbonat im Flusswasser haben. Mit steigenden Wassertemperaturen nimmt neben der Photosyntheseaktivität der Wasserpflanzen (Entzug von CO2 aus dem Wasser) auch die Fällung von Calciumcarbonat noch einmal deutlich zu….

Wassertrübung durch Fällung bei starker Sonneneinstrahlung ….
Wassertrübung= Fällung von Calciumcarbonat.JPG
Wassertrübung= Fällung von Calciumcarbonat.JPG (137.59 KiB) 924-mal betrachtet

Weniger Dünger im Wasser heißt deutlich weniger Fällung von Calciumcarbonat (=Seekreide).

Ausgefälltes Calciumcarbonat auf dem Kies …
Fällung = Calciumcarbonat auf dem Kies ….JPG
Fällung = Calciumcarbonat auf dem Kies ….JPG (371.11 KiB) 924-mal betrachtet

Dieses Auflockern und Durchpflügen (eingebrachter Kies) machen wir in den Bereichen der Brutboxen. Leider wird das Kieslückensystem in rasanter Geschwindigkeit wieder mit Seekreide (oft schon nach wenigen Tagen) verfüllt…. Um einer natürlichen Reproduktion von Forelle, Äsche und Huchen entgegenzukommen, müsste zwingend die Überdüngung reduziert werde (und anschließend der Kies im Bereich der Laichplätze gegen ein optimales Kiessubstrat ausgetauscht werden).

Starkes Algenwachstum im Fluss nach Düngung im Flusseinzugsgebiet mit Gülle usw. So schaut der Kies oft kurz vor der Laichzeit der Forellen aus. Im Frühjahr nach der Düngung mit Gülle im Flusseinzugsgebiet das gleiche Bild, wenn die Äschen laichen….
Algen Ende September ....JPG
Algen Ende September ....JPG (261.97 KiB) 924-mal betrachtet

Staubwolken aus Calciumcarbonat. Die grünfarbenen Algen färben sich durch das aufgelagerte Calciumcarbonat bräunlich ….
Algen... Seekreide.JPG
Algen... Seekreide.JPG (197.57 KiB) 924-mal betrachtet


LG Christian

PS: Auch die Gewässerbiologen der TU München beanstanden die schnelle Verfüllung aufgelockerter Kiessubstrate und die nur kurzfristige Wirkung…. ->
film-video-und-foto-ecke-f27650/-erosion-wenn-der-boden-verschwindet--t273113.html
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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon dr-d » 24.01.2018, 10:53

hallo Christian,


prima Fotos und auch Erklärung.


selbiges habe ich auch bei uns im schwarzwald und auch in Niederösterreich feststellen können.egal ob Oberlauf oder
weiter unten - v.a. wenn es wärmer wird treibt der "landwirtschaftliche dünger" und kolminiert alles.zusätzlich tun
insuffizient ausgestatte und gepflegt Kläranlagen ihr übriges.

vor langen jahren musste ich ganz oben in der königsseeache feststellen, wie empfindlich selbst ein gewässergüte 1 - gewässer
bei niedrigen Wassertemperaturen auf diese exogenen einflüsse reagiert: der flussgrund war glitschig gefährlich veralgt - das
zeug war zudem nahezu durchsichtig!ein experte klärte michdann auf:klimaveränderung haut hier besonders durch und auch
im Nationalpark gibt es Landwirtschaft... :twisted:


schöne Woche.


thomas
dr-d
 

Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Maggov » 24.01.2018, 11:46

Hallo Christian,

versteh mich nicht falsch - ich will Dich nicht aufziehen - aber dann sind wir doch wieder bei der Frage von Hans ob dann genug Laichhabitat vorhanden ist um mit den Brutboxen weiter zu kommen.

Ich gehe mal davon aus dass die Überdüngung sich nicht so schnell und ohne weiteres in den Griff bekommen lässt - und auch dass Ihr da dran seid, denn der Verein/Bewirtschafter scheint ja sehr engagiert zu sein.

Ich kaue noch auf dem Vermerk dass Ihr die Kiesbetten im Bereich der Brutboxen auflockert. Das wäre doch nach der Eiablage und wenn nicht würdet Ihr mit der Pflege der Brutboxen / Auflockerung das laufende Laichgeschäft stören.

Vorschlag: wenn man statt Eiern Brütlinge setzt hast Du weniger Aufwand im Besatz. Die dadurch frei werdenden Arbeitseinsätze investierst Du in die Auflockerung vor der Laichzeit um es den Fischen zu erleichtern. Kieslaicher schaffen doch eine Laichgrube und machen somit das Gleiche wie wir mit dem Rechen. Wenn Du davor soviel Sediment wie möglich raus holst dann machst Du es ihnen leichter und verzögerst die Kolmatierung, hoffentlich ausreichend um einen Schlupf zu ermöglichen.

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LG

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Re: Forelleneier und Hochwasser ….

Beitragvon Gammarus roeseli » 24.01.2018, 20:32

Maggov hat geschrieben: Hallo Christian,

versteh mich nicht falsch - ich will Dich nicht aufziehen - aber dann sind wir doch wieder bei der Frage von Hans ob dann genug Laichhabitat vorhanden ist um mit den Brutboxen weiter zu kommen.

:-k
Warum soll es am Laichhabitat fehlen um mit Brutboxen weiter zu kommen? :-k

2017 war wetterbedingt (viel Schnee = kein Hochwasser und extreme Kälte) der stärkste dokumentierte Schlupf in unseren Erbrütungssystemen! :D :D :D Kaum Ausfälle bei den Eiern (wenig Arbeit damit) :D und anschließend konnten wir (neben Fischen aus den Vorjahren) ein bis dahin noch nie dagewesenes, sehr starkes Jungforellenaufkommen im Fluss dokumentieren … :D :arrow: :smt003

Maggov hat geschrieben: Ich gehe mal davon aus dass die Überdüngung sich nicht so schnell und ohne weiteres in den Griff bekommen lässt - und auch dass Ihr da dran seid, denn der Verein/Bewirtschafter scheint ja sehr engagiert zu sein.

Eine ausreichend große und sehr engagierte Gruppe (!!) von der Bestellung der Eier bis zu den Kontrollen der Eier ... :D :D :D

Maggov hat geschrieben: Ich kaue noch auf dem Vermerk dass Ihr die Kiesbetten im Bereich der Brutboxen auflockert. Das wäre doch nach der Eiablage und wenn nicht würdet Ihr mit der Pflege der Brutboxen / Auflockerung das laufende Laichgeschäft stören.

Keine Sorge! :smt003 Das Laichgeschäft ist früher beendet und die Laichplätze sind mir (seit Jahren) bestens bekannt (liegen oberhalb der Rohre mit den Brutboxen).

Maggov hat geschrieben: Vorschlag: wenn man statt Eiern Brütlinge setzt hast Du weniger Aufwand im Besatz.

Brütlinge: Dazu habe ich meine Bedenken (auch Erfahrungen) schon geschrieben!
Maggov hat geschrieben: Die dadurch frei werdenden Arbeitseinsätze investierst Du in die Auflockerung vor der Laichzeit um es den Fischen zu erleichtern. Kieslaicher schaffen doch eine Laichgrube und machen somit das Gleiche wie wir mit dem Rechen. Wenn Du davor soviel Sediment wie möglich raus holst dann machst Du es ihnen leichter und verzögerst die Kolmatierung, hoffentlich ausreichend um einen Schlupf zu ermöglichen.

Einfach nur eine Idee...


Mit diesem Thema „Auflockerung vom Laichsubstrat“ habe ich mich sehr gewissenhaft (!) auseinandergesetzt …. :smt003 Wie schon gesagt, das aktuelle Laichsubstrat im Fluss S.L. ist mittlerweile von sehr schlechter Qualität. Wir haben in den Laicharealen der Bachforellen (u. Äschen) eine Strömungsgeschwindigkeit (bei normalen Pegel) von ca. 0,20 eher 0,25 m/s bis ca. 0,40 m/s. Um das Feinsediment beim Auflockern (mit Spitzhacke und Rechen) ausreichend entfernen zu können, bräuchten wir eine Strömungsgeschwindigkeit von ca. 1,00 m/s!! (Die Laichareale liegen teilweise in bis zu ca. 80 cm Wassertiefe bei Pegel normal.) Die Laichareale (mehrere Flussstrecken) sind groß genug um einen Baggereinsatz vorzuziehen…

Schau Dir bitte diesen Film an (Kolmatiertes Laichsubstrat) -> https://www.youtube.com/watch?v=_nfGn-_MOT4
Das Wasser im Film hat ähnliche Bedingungen (schlecht Kiesqualität) wie sie die Forellen bei uns im Fluss aktuell vorfinden. Wie Du im Film siehst, verdriftet ein sehr großer Teil(!) der Eier (wegen der schlechten Qualität vom Substrat) beim und nach dem Ablaichen und wenn sich die Eier im Substrat nicht gut verteilen können (wegen der schlechten Qualität vom Substrat), so dass die Eier mit Berührung oder sehr nahe im Substrat beieinander liegen, reicht ein einziges verpilztes Ei aus, um das gesamte Eigelege nach und nach auszulöschen…. Ich meine, bei entsprechenden Bedingungen ist, wenn überhaupt, mit einem sehr geringen Schlupf zu rechnen… (Lohnt sich in diesem Fall überhaupt der Aufwand einer überaus -> extrem arbeitsintensiven Substratpflege, wenn der eigentlich vorkommende Forellenstamm längst ausgestorben oder verschollen ist? :-k )

Zum Vergleich, optimales Kiessubstrat!! -> https://www.youtube.com/watch?v=vBME9YT3N2M

Austausch vom Kies im Laichareal ist das Einzige was bei uns in der S.L. wirklich Sinn macht. :daumen (Ausgleichsmaßnahme -> Windräder. :D Einen Stapel von Karten -> Flussabschnitte der S.L. vom Wasserwirtschaftsamt…..Wir haben unser Wissen und unsere Erfahrungen eingebracht… :smt003 Kartiert … :smt003 Ich hoffe auf einen Substrataustausch für wenigstens einige der Laichareale in der S.L.

LG Christian :mrgreen:
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