Grundeis ...

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Re: Grundeis ...

Beitragvon Gammarus roeseli » 08.02.2012, 22:04

So da bin ich wieder :D Hallo.
Danke schon mal für eure Antworten!

Was ich interessant finde und euch gern zeigen möchte, dass Grundeis wächst vom Flussgrund aus nach oben und sorgt so für einen erhöhten Wasserstand bzw. erhöhten Pegel im Fluss.

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04.02.2012
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Unterwasser schaut das Grundeis im Fluss so aus ….
04.02.2012
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Das Grundeis hier, besitzt eine poröse Konsistenz und fühlt sich so wie nasser gefrorener Schnee an.



Die Lufttemperatur ….
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Die Wassertemperatur im Fluss ist schwankt von ca. 0,6 °C bis 0,9 °C
04.02.2012
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Ein anderer kleiner Fluss ...
Die Schwarze Laaber fliesst durch das Oberpfälzer Jura. (Sedimentgestein- Kalkstein) In der Schwarzen Laaber ist das Wasser sogar noch kälter, die Wassertemperatur schwankt zwischen ca. 0,3 °C bis 0,6 °C aber Grundeis scheint sich hier auf Grund von einströmenden Grundwasser nicht bilden zu können?!

04.02.2012
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Re: Grundeis ...

Beitragvon smbike » 08.02.2012, 22:40

Liebe Leute,
das ist der beste Beitrag im Forum, den ich je gelesen habe! =D>
Ein Hoch auf die Dichteanomalie! Und die Erklärung dazu. Ernst gemeint :!:

Aber, ehrlich, wenn es weiter so kalt bleibt, geht mein A**** auf Grundeis!

Grüße
Marco
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Gammarus roeseli » 08.02.2012, 23:05

Noch ein paar schööööne Bilder vom Grundeis …. :D

04.02.2012
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Peter Pan » 08.02.2012, 23:10

Da friert man ja beim hinschauen schon fest. Brrrrrrrrrrrr

Gruß

Peter
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Gammarus roeseli » 09.02.2012, 00:19

Ein weiterer kleiner Fluss, die Fichtelnaab oberhalb von Erbendorf.

Hier wirkt das Grundeis an einer Stelle wie eine Staustufe, sorgt so für einen langen Rückstau und eine kleinere Überflutung im flachen Umland …

08.02.2012
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Siegfried. hat geschrieben:Jeder darf gerne mal raten warum es unterhalb von Kläranlagen meist keine Grundeisbildung gibt.


08.02.2012
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Hallo Siegfried,

das aus der Kläranlage in den Fluss eingeleitete Wasser ist warm, oder
gibt es noch nen anderen Grund?

LG
Christian
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Gammarus roeseli » 09.02.2012, 00:51

Noch ne Frage.
Ich habe gelesen, dass die Äsche Wassertemperaturen unter 4°C schlecht vertragen.
Ist da wirklich was dran oder nur ein Ammenmärchen?

LG
Christian
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Siegfried. » 09.02.2012, 10:09

Hallo Christian,
das sind ja wirklich beeindruckende Bilder. Besonders auch die schönen Temperaturbelege und die Unterwasseraufnahmen, die den "Schaumcharakter" des Grundeises zeigen.
Zu den Frage der Wasserstände füge ich hier mal einen link zu einem online Pegel ein (leider bin ich zu blöd um direkt ein Bild einzufügen), wo man sehr schhön sieht, wie vom Niedrigwasser aus regelrecht HW-Stände durch den Rückstau, den das Grundeis bewirkt, erreicht werden und wie die sich mit der Wettermilderung (Nachts < 10 Grad) bei uns vor 2 Tagen (hallo MIchael) und dem sich damit vom Grund ablösenden Eis wieder in den tatsächlichen Niedrigwasserstand zurückbegeben.
http://luadb.lds.nrw.de/LUA/wiski/pegel ... =&neuname=

Zur 4 Grad Frage bei den Äschen ist zu sagen, dass das ein Gerücht mit Hintergrund ist. Äschen müssen als Frühjahrslaicher ja prinzipell den Winter über Nahrung aufnehmen und tun das ja auch, was wir als Fischer ja auch schamlos ausgenutzt haben, solange es Äschen gab. Je näher es aber an 0 Grad geht, desto weniger lohnt sich die Nahrungsaufnahme allerdings, weil die Verdauung einfach zu lange dauert und irgendwann kein Nettogewinn an Energie mehr erzielt wird. Fische frieren zwar nicht (ebensowenig wie sie "Schmerz" empfinden obwohl sie logischerweise Rezeptoren für Beschädigungen haben - anderes Thema) nehmen aber Temperatur(unterschiede) wahr und suchen wärmere Bereiche auf, wo das möglich ist. Wo nicht, stellen sie einfach das Futtern ein. Beides wird von uns als "schlecht vertragen" interpretiert. Ich will die Diskussion aus einem anderen Zwirn nicht wieder aufnehmen, aber was die Fische dabei "denken" oder "fühlen" wird uns für immer verborgen bleiben. Für die Fittness im biologischen Sinn, nicht in dem von der Mucki-Bude, ist es jedenfalls vorteilhaft und hilft der Art zu überleben.

Ach ja und Kläranlagen wirken natürlich so wie GW-Zutritte, weil wir ja letztlich doch alle nur Warmduscher sind!

Karibischen Gruß bis zum nächsten Kaltluftschwall

Siegfried
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Gammarus roeseli » 09.02.2012, 10:53

Hi, Siegfried :D

Dankeschön!!!

LG
Christian
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Harald aus LEV » 09.02.2012, 19:45

Ich finde ebenfalls, dass das ein herausragender Thread ist.
Besonders die guten Fotos und Siegfrieds Erklärungen.
Toll!

Gruß
Harald
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Forstie » 09.02.2012, 20:12

In der Tat die Herren,

ein echtes Hochlicht.

Danke dafür!

Gruß


Martin
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Rattensack » 09.02.2012, 20:16

Hallo Leute,

bin auch recht begeistert über das Thema und erstaunt über derart extreme Grundeisbildung.

Nun wär natürlich interessant zu wissen was das für die Fische heißt. Kenn jetzt nix zu dem Thema, könnte mir aber vorstellen dass
- Forellen-Gelege unter der Eiskruste ersticken, aber bei derart kaltem Wasser ist auch der Sauerstoffverbrauch wohl extrem gering
- durch die entstehenden glatten Flächen es für kleine Fische energetisch aufwändig wird, Standplätze zu halten
- wenn sich das Eis in Bewegung setzt mechanische Schäden an Gelegen und Fischnährtieren auftreten oder Fische verletzt werden.
- beim Ausufern Fische in Pfützen zurück bleiben und einfrieren oder trocken fallen.

Vielleicht ists aber eh nicht so schlimm.
Wer weiss was dazu?

C.
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Re: Grundeis ...

Beitragvon FoolishFarmer » 09.02.2012, 23:06

Rattensack hat geschrieben:...könnte mir aber vorstellen dass
- Forellen-Gelege unter der Eiskruste ersticken, ...

Na bei tatsächlichem Grundeis dürfte die Sauerstoffknapopheit noch das geringste Problem sein. Wenn das Interstitial erstmal gefroren ist, braucht´s halt auch keinen Sauerstoff mehr... :roll:
Irgendwo gibt´s tatsächlich ne Arbeit zur Auswirkung von Eisgang auf Salmonidengelege - ich glaub da war die Rede von "Ankereis". Find´s nur gerad nicht, bzw. die Papierversion ist in einem meiner Umzugskartons. :(
Gruß Paddy
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Siegfried. » 09.02.2012, 23:42

Hallo Clemens und Paddy,
in der Tat gibt es ältere Artbeiten zum Thema anchor ice, logischer Weise fast nur aus USA, aber auch ein paar Sachen aus Schweden, dort auch in Zusammenhang mit dem Schwallbetrieb von WKA´n. Leider habe ich das nur auf Karteikarten und in mittlerweile wohl vergilbten Fotokopien "gespeichert", also nicht mehr wirklich verfügbar. Da mich das so fasziniert hat, weil man a priori nicht darauf kommt, kann ich mich aber z.B. erinnern, dass letztere u.a. dazu führten, dass die durch das angefrorene Eis leichter gewordenen Steine (Dischteeaanoomaliieee!) und, besonders schädlich, die boulder (Findlinge, Großbrocken) wegen der Flutwellen aus dem eigentlichen Gerinne an die Ufer befördert wurden. Das führte dort zu regelrechten Wällen (beeindruckende s/w Fotos) und im Gerinne zu Struktur- und Standplatzverlusten und zu eine Art Kanal"ausbau" ohne Bagger sowie insgesamt zu erheblicher Verminderung der Produktivität.

Für die Laichbetten war es nach den amerikanischen Berichten, wie vermutet, wohl nicht so schlimm, weil, wie der Name ja sagt, es sich um Grundeis und nicht Interstitialeis handelt. Das bestätigen auch eigene Erfahrungen aus meiner Diplomarbeitszeit, wo wir Anfang der 1980er auch einen Winter mit Grundeis hatten, allerdings nicht in der Ausbildung wie Christian es hier vorgeführt hat. Von daher weiß ich auch, dass sich nicht massives Eis bildet sondern ein halbfestes locker/kristallines Zeug, das so ähnlich aussieht (natürlich ohne die Lebensmittelfarbe) wie dieses ständig in den durchsichtigen Schaukisten gerührte Wassereis, dass im Sommer auf der Kirmes und am Strand an die Kinder verhökert wird. An Ergebnisse bzgl. Makroinvertebraten und Jung-/Kleinfische erinnere ich mich leider nicht mehr, was schade ist, weil jetzt fände ich es auch spannend. Aber vielleicht findet ja wer mit Bibliothekszugang noch was Erhellendes dazu.

Gut dass immer Fragen bleiben. Glück auf

Siegfried
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Royal Coachman » 10.02.2012, 18:45

Hallo !

Samonidengelege befinden sich in aufgeschotterten Teilen des Flußbettes, und hier gibt es, wie in den Berichten ausdrücklich erwähnt, durch den Grundwasserstrom kein Grundeis, wobei zu erwähnen wäre, daß der Ausdruck Grundeis absolut irreführend ist, denn der felsige Flußgrund friert durch das Durchfrieren des Bodens ev bis auf die Frosttiefe und zwar vom Ufer her zu. Dadurch erhöht sich der Grundwasserdruck und der Schottergrund und damit auch der Laich bleibt eisfrei.

Anderenfalls wären in unseren Breiten alle Herbst- bzw. Winterlaicher längst ausgestorben.

RC

PS: in Mitteleuropa ist die Frosttiefe zwischen 70 und 90 cm
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Re: Grundeis ...

Beitragvon Rattensack » 10.02.2012, 19:04

Hallo RC!

In den erwähnten Gewässern mit Urgesteinsgrund gibt es abschnittsweise kaum einen Lückenraum (natürlicherweise kolmatiert) bzw. keinen Grundwasserzustrom. Genau das ist ja der Grund für die Grundeisbildung.
Wie weit es in den Kieskörper rein frieren kann weiss ich nicht.
Ausschließen würde ichs aber nicht so einfach dass Gelege unter Grundeis nicht zugrunde gehen können ..
Freilich, die besseren Laichplätze haben auch in solchen Gewässern einen offenen Kieslückenraum, aber in manchen Gewässern im Mühlviertel oder im Bayerischen Wald gibts kaum derartige "klassische" Laichplätze.

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