Insektenschwund

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Insektenschwund

Beitragvon Peter S. » 18.10.2017, 22:35

Hallo,
habe heute in Spiegel-online folgenden Beitrag gelesen

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 73525.html

und war baff. Denn genau das beobachten wir/ich seit Jahren an unseren Vereins- und Privatgewässern. Dabei handelt es
sich um Mittelgebirgsflüsse/bäche an deren Ufern es keinerlei Ackerbau gibt, nur Wald und Wiese/Weide. Auch im weiteren
Umland wird kein Ackerbau betrieben. Werden Wiesen/Weiden auch mit Pestiziden behandelt? Fest steht, dass es die
Massenschlüpfe von Eintagsfliegen & Co. der Vergangenheit nicht mehr gibt. Warum? Fischbestände sind auch quantitativ
zurückgegangen. Klar, die haben nix mehr zu fressen! Liegt es möglicherweise an den inzwischen sehr effektiv arbeitenden
Kläranlagen? Fragen über Fragen...

Gruß
Peter S.
Sei auf der Hut bei schönen Frauen und allem was Chinesen bauen. ;-)
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Re: Insektenschwund

Beitragvon Olaf Kurth » 19.10.2017, 08:52

Wahrscheinlich ist es eine Verkettung von äußerst ungünstigen Bedingungen, die sich in der Masse sehr negativ auf das Insektenvorkommen auswirken, lieber Peter,

wenn es mehr und mehr Monokulturen gibt, die Flächen ganzjährig genutzt werden, den wenigen Grünflächen mit Unkrautpotential mittels Pestiziden der Garaus gemacht wird, die Umgebungsluft durch Abgase belastet ist, die Gewässerböden immer nahrungsärmer (und sauberer) werden - dann, ja dann geht mit Sicherheit das Insektenaufkommen zurück.

Peter S. hat geschrieben:Werden Wiesen/Weiden auch mit Pestiziden behandelt?


Nicht mit Pestiziden, aber regelmäßig und immer intensiver mit Düngemittel z.B. durch Güllestreuer, denn irgendwo muss der Landwirt ja hin mit seiner Gülle. Wenn im schlimmsten Fall die Böden den zusätzlichen Stickstoff-Eintrag nicht aufnehmen können (z.B. wegen vereister Oberfläche), dann läuft die ganze Suppe sehr schnell in den nächsten Bach mit den folgenden Problemen....... :evil:

Just my two pence,

Olaf
Und Gott sprach zu den Steinen im Fluss: "Wollt ihr Mitglieder der UNERSCHROCKENEN werden?" Und die Steine antworteten: "Nein Herr, dafür sind wir nicht hart genug."
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Re: Insektenschwund

Beitragvon dr-d » 19.10.2017, 10:17

hallo peter,


1. leider scheint das Gegenteil(bzgl.kläranlagen) der fall zu sein:sie sind ineffizient bezgl.den heutigen einleitungen
(östrogenderivate,diazepame,mikrokunststoffe,sdiv.schwermetalle,etc - vgl.aktuelleuntersuchungen anstalt langenargen/biolog.instit.uni tübingen).
zudem fehlt überwiegend die stufe 4 oder 5 der reinigung und häufig lässt die wartung zu wünschen und es gibt bei 2.) überläufe.

2. starkwasserereignisse "versiffen" den flussgrund (dto.kwk`s).

3.die landwirtschaft "leistet" mit gülle,div.pestiziden und biogasabfällen ihrer ganze arbeit".

4.durch die erwärmung - v.a.juli bis september - bricht zunenehmend die pdk aus und vernichtet die bafo - pyramide oberhalb der jährlinge v.a.regelmässig.

5.auch die hydrodynamischen binnenschädigungen durch Kraftwerke werden nicht nur die fische betreffen m.e.(uni münchen weihenstefan/sendung xenius-arte 18.10.2017) .

alles hausgemacht vom 2 - beiner und immer schön unter der Prämisse meines grossvater:

"und schmiert man nicht die kärren, dann schmiert man halt die herren".

die natur wird's überstehen - wir nicht - man wird das mal das 6.artensterben nennen. :twisted:


schöne Woche und nicht verzweifeln.


thomas


p.s. ich wurde schon 2 mal mit einem leserbrief von einer überregionalen zeitung geschnitten, weil das wohl nicht den wünschen und gefühlen
der verbraucher und produzenten entspricht - also der gefühlten mehrheit... :D
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Re: Insektenschwund

Beitragvon dr-d » 19.10.2017, 12:55

ff,


sorry, ich hatte noch die neonicotinoide und ihre lokale unkontrollierte ausbreitung vergessen (durch landwirtschaft und privatgärtner!).


das zeug ist neurotoxisch und tötet auch aufsteigend in der nahrungskette...halt wie mikrokunststoff in fischen z.b. :evil:


immer noch schöne Woche.


thomas
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Re: Insektenschwund

Beitragvon jpick » 19.10.2017, 20:48

Hier mal ein link zu Fakten (Originalia), kann man sich mal ein Bild machen

http://journals.plos.org/plosone/articl ... ne.0185809
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Re: Insektenschwund

Beitragvon Headi » 19.10.2017, 23:24

Hallo,

Der KORMORAN ist schuld.

Gruß
Florian
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Re: Insektenschwund

Beitragvon orkdaling » 20.10.2017, 10:20

Moin moin,
das ist ja mal nichts neues.
Hab ja frueher mal was ordentliches gelernt und das ist jetzt ueber 35 Jahre her.
Schon damals gab es Untersuchungen das Windschutz und Gruenstreifen, die etwa 1% der Anbauflæche ausmachen, die Ertræge aber um 20% gesteigert werden.
Als Lehrling durfte ich entlang der Feldwege zB Kirschen, Pflaumen, und Stræucher pflanzen.
In Zeiten wo gerade jetzt ueber die weitere Zulassung von Glyphosat in der EU gestritten wird, Monsanto von Bay... gekauft wurde, hat man fuer so etwas natuerlich kein Gehør.
Monokultur, Ueberduengung, Herbizide, machen alles noch einfacher und man kann richtig Geld damit verdienen.
Uebrigens, ein Insektenhaus kann jeder aufhængen, egal ob Balkon oder Garten.
Gruss Hendrik
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Re: Insektenschwund

Beitragvon dr-d » 20.10.2017, 11:08

hallo miteinander,


und weil das zeug so "harmlos" ist , (neonicotinoide) liegt schon der antrag (2-3x angebl.) für die Neuzulassung des nachfolgepräparates
vor - noch toxischer nach einschätzung der experten.

diese haben derart Respekt vor dem Hersteller(n), daß sie nur unter 4 augen die Schädlichkeit bestätigen - anders als der Engländer
goulsen.dieser hat vor 14 jahren in Frankreich 13 Hektar total renaturiert und legt nun seine eindeutigen ergebnisse bzgl.neonicotinoide u.a.in buchform vor.


viel vergnügen.


thomas
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Re: Insektenschwund

Beitragvon Royal Coachman » 20.10.2017, 12:41

Hallo Freunde!

Da die überwiegende Anzahl der Insekten seinen Ursprung im Wasser hat, was ausnahmslos verschwiegen wird, sind die Überdüngungen durch die Landwirtschaft ein Hauptgrund für den in und am Bach ebenfalls sichtbaren Rückgang des Insektenaufkommens.

Und es ist nicht nur die Landwirtschaft, kaum gibt es an einem See mehr Mücken als sonst, wird die chemische Keule ausgepackt, dabei gehen logischerweise nicht nur die Mückenlarven hopps, sondern auch einiges andere.
tight lines
RC
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Re: Insektenschwund

Beitragvon Kudu » 20.10.2017, 20:51

Ich hatte 18 Jahre ein Jagdrevier gepachtet. Nach Kyrill wurde alles mit Tannenbaumkulturen zugepflastert. Die Niederungen wurden landwirtschaftlich bewirtschaftetet.
In den Kulturen wurde stark mit Roundup gearbeitet, auf den Feldern mit Gülle und anderen Dingen um z.B. die Feldmäuse zu dezimieren, mitten durch ein Bach.

Was meint ihr was da noch lebte, selbst die Enten konnte man da nicht halten.

Ertrag ist das einzige was die Landwirtschaft interessiert!
Andreas
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Re: Insektenschwund

Beitragvon dr-d » 21.10.2017, 09:16

hallo,


genau so isses - dazu gehört aber auch der verbraucher von der sparte viel+billig.


wenn man - wie wir - gegen einen landwirt (langjährig einschlägig bei den Ämtern negativ bekannt) vorgeht, erfährt man
folgende wertschätzung seitens landratsamt/rp.die festgestellten mängel werden "moderiert" vom medizinischen mitarbeiter wie
üblich, da der ehegatte einer der betreuenden tierärzte ist... :twisted: =D>
den kritischen bericht der behörde und die wiederholungsstrafen bekommt der anwalt nur dann zur einsicht, wenn wer sich vorab
zur nichtpublikation verpflichtet hat.

es stimmt schon, unser land steht lt. oecd-bericht im korruptionsindex nicht umsonst auf Augenhöhe mit Zentralafrika.


schönes we.


thomas
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Re: Insektenschwund

Beitragvon orkdaling » 21.10.2017, 10:12

moin moin,
habt ja Recht, sehe ich auch so mit Ueberduengung und Guelleeinsatz sowie dem Einsatz der Spritzmittel im Wald und auf dem Feld.
Man kann den Frust aber nicht nur bei den geschundenen Bauern abladen, die unterliegen Zwængen und werden vom Markt gesteuert.
Billigfleisch und Monokulturen, Mais zur Verstromung usw.
Gerade die Monokulturen, also Landstriche wo alles zu einer kurzen Zeit blueht, sind schuld das Wildbienen, Wespen, Schmetterlinge.... verhungern.
Der Imker fæhrt seinen Wagen zur næchsten bluehenden Kultur und erntet Honig wo man inzwischen die Spritzmittel nachweist
http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/ ... ig250.html
Gruss Hendrik
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Re: Insektenschwund

Beitragvon CPE » 21.10.2017, 11:13

Prof. Dr. Teja Tscharnke über möglich Gründe:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/a ... 07-p2.html

TL, Norbert
La pêche on sèche est la pêche en nymphe, ce qu'est l'amour courtois est à la copulation.
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Re: Insektenschwund

Beitragvon dr-d » 10.11.2017, 11:27

hallo,


nachtrag aktuell lt.goulsen v.a.:


1.halbe "empfohlene" industriedosis für feldersaatgut("bienenunschädlich") für bei amphibien innert 7 tage zum tod.

2.noch stärkere Verdünnung (s.1) keult wasserinsekten und fische (siehe löschunfall jagst).

3.1% der nicotinoide werden vom wind vertragen,4% verbleiben in der pflanze - also auch unserer nahrung.die
neurotoxizität entspricht der Anlagerung von schwermetallen--- Inzidenz MS,alzheimer,parkinson... :twisted:

4.die restlichen 95% marschieren von den"betonierten" eu-flächen beim ersten starkregen abwärts...

5. das zeug hält bis zu 6000 tage und reichert sich an!


alles wissentschaftlich bewiesen seit 2012 von england,frankreich,usa...

wenn wir eine änderung ernsthaft wünschen, müssen wir unser einkaufsverhalten ändern und nicht nur jammern.

as easy as that.


schönes we


thomas
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Re: Insektenschwund

Beitragvon orkdaling » 10.11.2017, 12:53

Moin moin,
du siehst doch gerade in diesen Tagen was bei der Zulassungsverlængerung oder Verbot innerhalb der EU ablæuft.
Lænder dafuer und dagegen - und warum? Menschenfreunde, Bienenfreunde oder wollen die nur einfach Kosten senken um mehr Gewinn zu machen?
Gewinn machen ist ja nicht verwerflich, aber doch nicht auf Kosten unserer Gesundheit.
Da wird eben tot gespritzt damit man keine Biomasse einpfluegen oder grubbern muss, so spart man einen Arbeitsgang.
Die frueher empfohlene Gruenduengung gibts doch lange nicht mehr, erst spritzt man tot, dann wirft man schnell und gern etwas mehr Duenger drauf - effektiv eben.
Vorzugsweise mit Vollduenger NPK (Stickstoff,Phosphor, Kalsium) und wenn noch ausreichen Zeit ist eine Guellegabe, damit man dann zB das Kartoffelkraut tot spritzen kann weil man so schneller,zeitiger ohne størendes Kraut ernten kann. Die ersten Kartoffeln erzielen natuerlich høhere Preise, logisch.
Habt ihr mal so ein Feld gesehen, man spritzt ja nicht alles mit einem mal tot, nur soviel wie man eben erntet, der Rest kann weiter wachsen bis auch er behandelt wird.
Dummer weise fliegt das Spritzmittel in der Gegend umher (Wind wird kaum beachtet) und der letzte Gruen/Seitenstreifen wird gleich mit erledigt.
Diese Spritzmittel haben nur ein Ziel - Effektivitæt bzw dadurch Gewinn zu erzielen! Man braucht eben keine Pflegearbeiten wie (Unkrauthacken), man muss nicht tief einpfluegen was ein weiterer Arbeitsgang ist und Zeit und Diesel kostet, man kann schneller die næchste Kultur sæhen,pflanzen. Dazu bieten sich natuerlich grosse Monoflæchen an und bei diesen Betrieben wird man immer Befuerworter finden ( natuerlich auch bei dem Hersteller)
Man muss ja nicht mal Økofanatiker sein um zu erkennen ,das meist kleinere Betriebe die verschiedene Kulturen dicht nebeneinander anbauen, die natuerlich zeitversetzt bluehen, reifen, krankheitsresisdenter sind... auch sehr gut leben kønnten. Aber dann eben nicht fuer ein Apfel und ein Ei in der Supermarktkette. Und was geschieht dann mit den spritzenden Monokulturbetreibern die mal lieber Mais fuer die Stromerzeugung herstellen? Was geschieht mit Bay... die mal eben Mon.... fuer Milliarden erworben haben?
Solange wir als Verbraucher da mitspielen, solange werden die Insekten weiter sterben und mit ihnen auch wieder Pflanzen die diese brauchen - Monokultur læst gruessen!
Hendrik
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