kaum leben in flüssen und bächen

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon fjorden » 03.04.2018, 08:47

Hallo,
ganz aktuell aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage der Grünen zur Biodiversität in Flüssen und Bächen, die einen besorgniserrregenden Zustand aufzeigt.
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/014/1901415.pdf
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/wi ... 64869.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 00865.html
Gruß
Fjorden
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon AlexWo » 03.04.2018, 09:58

Schlimm, aber noch schlimmer ist, dass man jetzt tut, als wäre diese Erkenntnis neu!

75% Rückgang bei den Insekten.

Singvogelsterben

Mikroplastik in den Flüssen

Mal sehen bis diese Themen entdeckt werden?!


LG

Alex
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Hickey » 03.04.2018, 12:12

Natürlich sollte diese Erkenntnis nicht neu sein. Und vielleicht / wahrscheinlich ist es auch gut, dass durch die Anfrage mal wieder eine etwas breitere Öffentlichkeit von dieser Angelegenheit Wind bekommt. Ich muss aber zugeben, dass ich diese Öffentlichkeit nicht ganz ohne Sorge wahrnehme: Zu oft sucht der moderne Naturschutz dann die Schuld pauschal bei allen Naturnutzern (also z.B. auch den Anglern) und nicht nur bei denen, die tatsächlich schuld sind (also z.B. Pestizid-Nutzer, Plastik-Nutzer, Kleinkraftwerksbetreiber etc.). Oder anders ausgedrückt: Ich wäre froh, wenn durch so eine Anfrage und deren mediale Folgen Verbesserungen eintreten würden, habe aber Angst davor, dass als einfache Kurzschlusslösung Angelverbote und Co. die Folge sind...

Gruß
Michael
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon dreampike » 03.04.2018, 22:24

"Kaum Leben in Flüssen und Bächen"??? Das lässt sich ja aus den aktuellen Meldungen so nicht entnehmen und das hat in der Stellungnahme der Bundesregierung auch niemand behauptet. Und es entspricht auch nicht den Tatsachen. Laut Wissenschaftlern weisen 93% aller Fließgewässer nicht den Artenbestand auf, der erwartbar wäre. Und das ist eher nachvollziehbar als die reißerische Überschrift. Als Mitverursacher werden intensive Landwirtschaft, Begradigung und Wehre genannt, Angler werden da nicht an den Pranger gestellt (oder habe ich da was überlesen?). Wo wir uns an die eigene Nase fassen müssen, ist das Besatzverhalten vieler Gewässerverantwortlichen, das überwiegend nicht nach Biodiversität, sondern nach Fangerfolg und Küchentauglichkeit der besetzten Fische ausgerichtet ist.
Wolfgang aus Ismaning
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Harald aus LEV » 04.04.2018, 19:35

Hallo Wolfgang,

dreampike hat geschrieben:"Wo wir uns an die eigene Nase fassen müssen, ist das Besatzverhalten vieler Gewässerverantwortlichen, das überwiegend nicht nach Biodiversität, sondern nach Fangerfolg und Küchentauglichkeit der besetzten Fische ausgerichtet ist.
Wolfgang aus Ismaning

=D> So sieht`s aus.

Gruß
Harald
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Rolandus » 05.04.2018, 21:58

Im schweizer Fernsehen SRF kam eben heute ein sehr interessanter Beitrag
https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur

Es gibt hoffnungsvolle Beispiele und Bestrebungen. Aber an vielen Gewässern sieht es wirklich dramatisch aus.
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Rattensack » 07.04.2018, 09:52

dreampike hat geschrieben:"Kaum Leben in Flüssen und Bächen"??? Das lässt sich ja aus den aktuellen Meldungen so nicht entnehmen und das hat in der Stellungnahme der Bundesregierung auch niemand behauptet. Und es entspricht auch nicht den Tatsachen. Laut Wissenschaftlern weisen 93% aller Fließgewässer nicht den Artenbestand auf, der erwartbar wäre. Und das ist eher nachvollziehbar als die reißerische Überschrift.


Servus Wolfgang,

finde dein statement sehr gut. Genau mit solchen verkürzten Aussagen untergräbt die Fischerei häufig ihre Glaubwürdigkeit.

Allerdings find ich diesen sehr gut gemeinten Ansatz evtl. etwas problematisch:

dreampike hat geschrieben:Wo wir uns an die eigene Nase fassen müssen, ist das Besatzverhalten vieler Gewässerverantwortlichen, das überwiegend nicht nach Biodiversität, sondern nach Fangerfolg und Küchentauglichkeit der besetzten Fische ausgerichtet ist.


Beim Besatz an der Nase fassen: JA. Aber falls unter Biodiversität hier etwa der verstärkte Besatz von Beifischarten gemeint ist, so führt das zu einer Menge neuer Probleme. V.a. auch in Hinblick auf die Biodiversität.

Hab dazu mal aus gegebenem Anlass veröffentlicht.
http://ratschan.at/downloads/OeF_56_201 ... besatz.pdf

Wahrscheinlich hattest du aber eh gemeint, dass verstärkt auf die Herkunft bzw. Genetik von Besatzfischen geachtet werden sollte.

Lg,
Clemens
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Beppo » 07.04.2018, 10:48

Hallo in die Runde,
sicherlich muss hier auf die Herkunft und die Genetik beim Besatz geachtet werden. Viel wichtiger ist es aber einem dem Gewässer entsprechenden und natürlicherweise dort vorkommenden Fischbestand aufzubauen. Wir befinden uns hier nicht in der Sendung "Wünsch dir was". Genauso wichtig ist es auch nicht über den natürlichen Ertragswert des Gewässers hinaus Fische zu entnehmen. Das beschwört immer wieder die gleiche Problematik herauf.
Dieses aber dem "normalen Kochtopfangler" begreiflich zu machen ist eine Herkulesaufgabe. Daran sind schon viele Gewässerwarte gescheitert und haben das Handtuch geschmissen.
Gruß Beppo
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Rattensack » 07.04.2018, 11:04

Beppo hat geschrieben:Viel wichtiger ist es aber einem dem Gewässer entsprechenden und natürlicherweise dort vorkommenden Fischbestand aufzubauen.

Genau!
Das ist aber in der Regel mit Besatz nicht möglich.
C.
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Gammarus roeseli » 08.04.2018, 23:47

Die aktuelle und reale Ausgangssituation -> VERBAUT, VERSCHLAMMT UND ZUGEODELT
https://www.umweltbundesamt.de/sites/de ... -09-29.pdf
->
https://www.umweltbundesamt.de/daten/wa ... textpart-1

:-k Man bedenke! VERBAUT, VERSCHLAMMT UND ZUGEODELT -> Bewirkt beispielsweise einen enormen (!!) Individuenschwund/Quadratmeter und Artenschwund/Quadratmeter bei den Makrobenthosarten (Fischnährtiere)…. :-k Trefflich gewählte Überschrift „Kaum Leben …“!?

Gruß Christian
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Angler1968 » 24.04.2018, 23:05

Hallo
Bei uns sieht es nicht anders aus , von Potsdam-Mittelmark bis Nuthe-Urstromtal nur noch Spargelfelder .
Man sieht auf den Spargelfeldern nur Plastikfolien und Traktoren mit Giftspritzen gegen alles Grüne was wächst und Brummt ( Insekten ).
Die Felder liegen auf kurzer Entfernung von unseren Salmoniden-Gewässern und ich befürchte das das Gift - Glyphosat dort auch schon vorkommt.
Die Plastikfolien sind für unseren Böden auch ungesund ( Plastikmüll). Ich hoffe das der Profitwahn mit dem Spargel bald wieder ein Ende findet und
die Äcker wieder mit Vernunpft bestellt werden das alle Individuen aller Arten bestehen können .
Jeder Fliegenfischer der keinen Spargel kauft egal von wo der Spargel kommt , sorgt für weniger Nachfrage und somit
vieleicht das die Spargelfelder wieder verschwinden . Ich bin hier aufgewachsen und kann mich gut erinnern wie es zu meiner Kindheit war , jetzt möchte man
am liebsten wegziehen . :cry:
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Beppo » 25.04.2018, 07:56

Hallo in die Runde,
egal wie man zu Glyphosat steht, es tötet keine Tiere(Insekten). Keine wissenschaftliche Studie konnte dies beweisen.
Alle anderen Auswirkungen sind davon völlig ausgenommen.
Gruß Beppo
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon HansAnona » 25.04.2018, 08:53

Beppo,

Wenn alles weggespritzt wird, wovon leben die Insekten?

Grüße, Alf
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Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon dr-d » 25.04.2018, 09:22

hallo,


also das bundesumweltamt mit allen relevanten adlaten ist seit 2016 anderer Meinung:


1.vernichtet Insekten (glyphosat)

2.erhöht im grundwasser - v.a. skandinavien

3.orientierungsverlust bei bienen (bienensterben)

4.aussterben von feldvogelarten, z.b.feldlerche,rebhuhn,u.a.


die Landwirtschaft erlebt derzeit durch ki und 4.0 ohnehin eine konstriktion der anbieter - nur noch die grossen

werden sich jäht-roboting leisten können>>>dafür wird man in einigen jahren auf glyphosat und neonicotinoide

bei uns verzichten können (weitgehend).

dann können wir uns auch gezielt an unsere eigene nase verstärkt greifen und auch was tun:

das wegener - Institut hat in grönland pro Kilogramm eis 12.000!!!! mikrokunststoffpartikel gesichert.eine sauerei! :evil:

trotzdem schöne Woche.


thomas
dr-d
 

Re: kaum leben in flüssen und bächen

Beitragvon Maggov » 17.05.2018, 09:41

Rattensack hat geschrieben:
Beim Besatz an der Nase fassen: JA. Aber falls unter Biodiversität hier etwa der verstärkte Besatz von Beifischarten gemeint ist, so führt das zu einer Menge neuer Probleme. V.a. auch in Hinblick auf die Biodiversität.

Hab dazu mal aus gegebenem Anlass veröffentlicht.
http://ratschan.at/downloads/OeF_56_201 ... besatz.pdf



Hallo Clemens,

vielen Dank für die Publikation. Ist kurz und verständlich genug um sie in Vereinen auch mal rum zu reichen.

Ich denke die Probleme sind die Gleichen wie beim Besatz von Zielfischen (Stichwort Symptonbekämpfung), was mich doch ziemlich überrascht ist dass die Weißfischarten anscheinen nicht so anpassungsfähig sind wie ich annahm. Beim Lesen Deines Artikels habe ich mich daran erinnert dass wir mal in einem Verein über die Produktivitätssteigerung eines Baggersees diskutiert haben und dort auch der Vermerk kam dass Weißfischbesatz schon mal erfolgt aber nicht funktioniert hätte.

Ich erinnere mich auch wie erstaunt ich war als mich ein Hesse beim E-Fischlehrgang fragte ob ich jemand kenne der Aitel als Besatzfisch anbieten würde - der Fluß war durch Vergiftung komplett kollabiert. Meine Antwort war damals dass ich mir sicher bin dass die Aitel als erstes zurückkehren.

Nach meiner Beobachtung von Baggerseen haben sich dort viele Fischarten von selbst etabliert - wie das bei stehenden Gewässern die durch Grundwasser gespeist werden (bzw. keinen sichtbaren Zu- und Ablauf haben) funktioniert habe ich bis heute nicht verstanden aber die Natur erschließt sich die neuen Lebensräume mit der Zeit schon. Vielleicht nicht immer mit den Arten die wir Fischer gerne sehen würden. Oder liege ich da falsch?

LG

Markus
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A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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