Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

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Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Pfifferling » 04.01.2017, 22:25

Ohne jetzt einen Strang über Sinn und Unsinn von C&R aufmachen zu wollen... weiß wer wie die Mentalität und die rechtliche Lage in den USA ist?
Ich frag deswegen, weil ich in einem Bilderportal über einen Thread gestolpert bin in der eine junge Frau in Florida einen wohl Forellenbarsch geangelt hat.
Auf die Nachfrage von Interessenten hat sie diesen wieder released. Leider war auf den Bildern das zu sehen:

http://i.imgur.com/w7AlEvM.jpg
http://i.imgur.com/ZRLWdx8.jpg


Da zieht es mir ja die Fußnägel hoch.
Jedenfalls, hat mich das zum Grübeln gebracht, war schon wer in den USA angeln und weiß wie die Angler dort ticken?

viele Grüße,
Michael
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Royal Coachman » 04.01.2017, 23:01

Hallo Michael!

Das ist von Staat zu Staat verschieden.
In Oregon z.B. darfst Du eine Steelhead nur entnehmen, wenn es ein Hatchery Fisch ist. Das kennt man an der gekappten Fettflosse.
Du darfst eine wilde Steelhead zum fotografieren nur soweit anheben, dass der Bauch im Wasser verbleibt.

Bild

Am North Umpqua z.B. ist jeder Salmonide mit intakter Fettflosse zurück zu setzen, ich habe eine Bachforelle mit 56 cm gefangen und zurückgesetzt.

Die sind da sehr streng, Verstöße haben den sofortigen Verlust der Karte zur Folge und eine Sperre von 2 Jahren.
Man kann in den USA auf der Karte genau nachlesen, was nicht erlaubt ist.
Das ist umgekehrt wie in Europa!

tight lines
RC
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Maggov » 05.01.2017, 12:21

Hallo Michael,

meine Erfahrung bezieht sich auf Montana und Illinois - dort findest Du von den wie überall auf der Welt Rüpel und absolut sinnvoll agierende Fischer. Die Kollegen mit der Bierdose am See die dann irgendwann "etwas aus der Form geraten" habe ich nicht in den USA vorgefunden. Wir hatten hier im Forum schon einige Beispiele wie man es nicht machen sollte und die waren meiner Erinnerung nach länderübergreifend. Das Foto von einem releasten Fisch auf der Wiese siehst auch bei uns.


Die Regelungen war dort analog zu Gebhard C&R freundlich und klar beschrieben. Ob sich jemand daran hält steht auf einem anderen Blatt - genauso wie in anderen Ländern. Ich halte es deshalb für gefährlich aufgrund solcher Einzelfälle auf die Mentalität zurück zu schließen - zumal bei einem derart großem und unterschiedlichem Land.

Die Fliegenfischer die ich dort kennen lernen durfte waren haben die Fische schonend behandelt.

LG

Markus
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon tea stick » 05.01.2017, 13:47

Maggov hat geschrieben: Ob sich jemand daran hält steht auf einem anderen Blatt -

Recht hast Du, Markus!
Ich erinnere mich an ein abschreckendes Beispiel, als mir meine Kinder einen Guide für den Salmon River spendiert hatten. Der hatte zwar seine untermaßigen Fischlein released, aber nachdem er die widerhakige Fliege brutal aus dem Maul gerissen hatte. Auf meine durchaus freundlich formulierte Frgae bekam ich zur Antwort, dass man es hier immer so mache...
Meine 65 cm Brown Trout habe ich ihm zum Räuchern mitgegegeben und erhielt ein hartes Brett, das nicht genießbar war.
Fazit: Nie mehr!
Ist so etwas auch bei uns vorstellbar?

... fragt sich seitdem

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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon CPE » 05.01.2017, 16:57

Hallo Leute, insbesondere aber Freimut und Michael,

Die Menschen auch dort sind sehr verschieden, und "die Angler" haben keine Arme, weshalb sie gar nicht angeln können. Genau deshalb warnt https://de.wikipedia.org/wiki/Anekdotische_Evidenz uns davor, dass Dönekes "epistemisch problematisch" sind.

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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Maggov » 05.01.2017, 17:20

Hallo Freimut,

das war sicherlich ein komischer "Guide". Die Guides die ich in den USA gesehen habe (meist als Zuschauer denn als Gast) haben nie selbst gefischt, sehr oft ging das auch gar nicht weil diese rudern oder steuern mussten, haben immer darauf bestanden die Fliege zu montieren und wenn Du Dich auf den Seiten von Guides im Netz umschaust wird dort ein anderes Verhalten proklamiert.

Aber wie oben geschrieben gibt es überall schwarze Schafe. In Deutschland ist Guiding m.M. nach kein Hauptberuf da das ein echt hartes Brot wäre nur davon zu Leben. In AT ist meines Wissens nach Stoffel der einzige hauptberufliche Guide. Im Prinzip kann jeder Guiding anbieten, warum sollte es dann nicht auch bei uns schwarze Schafe geben?

LG

Markus

P.S.: Schade dass Du das Geschenk der Kinder deshalb sicherlich nicht so genießen konntest wie sich diese das gewünscht haben!
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Trockenfliege » 05.01.2017, 20:36

Vorneweg: Ich war schon häufiger in den USA fischen.
In den meisten bekannten Forellengewässern (Snake, Madison, MCKanzie, Yellowstone,North Umpqua s.o. usw.) wird C+R praktiziert, wie weit es da auch überall Vorschrift ist, weiss ich nicht.

Es gibt aber auch Gewässer, vor allem in touristischen Gebieten (z.B. Kings Canyon NP), in denen regelmäßiger Besatz eher kleiner Regenbogenforellen stattfindet, die dann von den Amerikanern mit Schwimmer und Wurm beangelt und entnommen werden.
Zur Interpretation der Bilder hat Markus eigentlich schon alles gesagt.
Aber: Was ist daran so furchtbar?? Ich fische regelmäßig auf Hecht und nehme nicht alle mit. Die können auch mal etwas tiefer gehakt sein, dafür hebe ich den Fisch dann so an, dass das Maul weit offen ist um abgehakt zu werden.
Und was macht es einem Black Bass den aus, mal kurz auf die Wiese gelegt zu werden? Ich sage mal: nichts.

Lasst doch bitte mal die Kirche im Dorf. Habt ihr jemals Karpfen nach der Laichzeit gesehen? Wie zerkratzt die sind, mit vielen kahlen Stellen, wo Schüppen verloren gingen?
Oder Hechte nach der Winterzeit? Ich kenne Aufnahmen von Tauchern aus Seen in unserer Gegend, von Hechten im Frühjahr, nachdem sie abgelaicht haben.
Die haben viele Schmarren, offene Stellen, Schuppenverluste und zT. dadurch auch verpilzte Stellen - und das nur aufgrund ihrer natürlichen Lebensweise bzw. Reproduktion!
Nach wenigen Wochen sind die wieder im besten Zustand.

Jeder, der die 2 Bilder verurteilt, sollte sich vielleicht überhaupt keine Gedanken über C+R machen, sondern nur soweit angeln, bis er die Fische für die Entnahme zusammen hat und dann das Angeln ( zumindest mit Haken) einstellen.

LGruß
Reinhard
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Pfifferling » 05.01.2017, 21:26

Hallo Reinhard, vielen Dank für deinen interessanten Beitrag der auch wieder zeigt, dass es eben zwei Seiten einer Medaille gibt.
Ich muss sagen, meine Angelerfahrungen beschränkten sich bisher auf Spinnfischen, dort habe ich es tatsächlich immer so gehandhabt wie du unten geschrieben hast - nach der Entnahme die Sachen gepackt und gegangen. Darum gings mir aber bitte nicht um als Moralapostel den Zeigefinger zu schwingen. Jeder zieht eben anderswo eine Grenze
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon gespliesste » 05.01.2017, 23:16

Hallo,

auf jeden Fall ist C&R in den USA nicht grundsätzlich verboten. Ich finde die Fotos zwar nicht prickelnd, aber jetzt auch nicht so wild. Aber was wollen wir mit den Fingern auf die Amis zeigen, bei uns sieht es ja nicht anders aus.

http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/di ... 0.bild.jpg

Der Wels wurde auch wieder released ...

LG,

Olaf
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon tea stick » 06.01.2017, 12:52

Maggov hat geschrieben:Schade dass Du das Geschenk der Kinder deshalb sicherlich nicht so genießen konntest wie sich diese das gewünscht haben!


Ach. lieber Markus, damit muss man leben können. Mein Schwiegersohn ist selbst Urlaubs-Fliegenfischer und ich hatte ihm meine erste selbstgemachte Bambus-Fliegenrute (Cattanach Ballan Special, fünfteilig, daher fluggeignet) mitgebracht und die wollte er auch von diesem Guide testen lassen. Der war des Lobes voll (überhaupt auch sonst ein sehr netter Kerl, der mir währenddessen seine Rute überließ!).
Rudern musste er auch nicht, da wir "zu Fuß" unterwegs waren. Wir fischten Mitte September im Unterlauf des Salmon River, wenige km vor seiner Einmündung in den Ontario See bei Pulaski, wo in der Lachsaufstiegssaison (September/Oktober) die Fliegenfischer Schulter an Schulter im Fluss stehen. Es war noch sommerlich heiß und beim Einwaten stellten wir fest, dass das Wasser bacherlwarm war. Kein Wunder, dass die Lachse an Aufstieg noch nicht einmal dachten; die Forellen litten an Sauerstoffnot, was mir vermutlich die größte Forelle meine Lebens bescherte - kein vernunftbegabter Fisch hätte sonst meine Nassfliege genommen... Landschaftlich war dieses Abenteuer äußerst reizvoll. Der Fluss lag voller Felsungetüme und angeschwemmter Bäume, die keiner wegräumte, weil man vermutlich auf das nächste Schmelzwasser wartete. So kletterten wir über kleine Gipfel und auch Bäume, um von einem Spot zum nächsten zu gelangen. Abends war ich schlagskaputt!
Von einem Verbot des C&R im Staat New York habe ich nichts gehört; es gibt sensilbe Bereiche, z.B. in der Nähe einer der zahlreichen Fischzuchtanstalten (hatcheries), wo das Fischen gänzlich oder auch zeitweise untersagt ist. Im Übrigen habe ich noch die Warnung vor dem Verzehr von in bestimmten Gewässern gefangenen Fischen im Kopf, da diese übermäßig belastet seien. Schon aus diesem Grund scheint C&R der Standard zu sein... Die beim Ticketkauf ausgehändigte Broschüre ist sehr informativ!
Dein Hinweis, Norbert, auf die philosophisch-wissenschaftliche Hinterfragung meines Beitrags habe ich mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen, habe ich doch ausdrücklich von "einem abschreckenden Beispiel" geschrieben.

Dies als kleine Egänzung

Lieber Gruß

vom Freimut
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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon CPE » 20.06.2017, 16:56

C&R Ruhr: https://www.waz.de/staedte/muelheim/jun ... 62245.html

TL, Norbert


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Re: Kennt sich wer mit der C&R Mentalität in den US aus?

Beitragvon Lolek02 » 06.08.2017, 11:11

Guten Morgen
Als ich vor einigen Jahren Kanada und USA besucht habe .Musste ich für jeden Staat
Eine Urlauber Fishingcard kaufen, jedes Bundesland beschreibt es sehr gut was zu tun und zu unterlassen ist.Meine in den kanadischen Rocky Mountain s gab's es sogar auf Deutsch . Kann nur soviel sagen wenn es ausdrücklich etwas verboten ist dann halte dich in USA und Kanada dran. Es gibt keine Gnade was aber auch richtig ist
LG Martin

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