Neue Erkenntnisse

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Neue Erkenntnisse

Beitragvon Royal Coachman » 27.12.2016, 11:56

Hallo Freunde!

Da in meinem Bach nun seit 4 Jahren nichts mehr besetzt wurde, haben sich die Laichzeiten kontinuierlich nach hinten verschoben.
Vor 4 Jahren begann die Laichzeit Mitte Oktober und war bis Mitte November großteils beendet.

Heuer war im Oktober keinerlei Laichtätigkeit zu vermelden, erst Mitte November begannen die Bachforellen zu laichen und auch jetzt sind große Forellen (über 1,5 kg) beim Laichen zu beobachten.

Ich erinnere mich, dass wir vor Jahren Bachforelleneier im Augenpunktstadium kurz vor Weihnachten in einen Bach in der Nähe eingebracht haben, so ist mir heute ganz klar, warum diesem Besatz nur geringer Erfolg beschieden war. Es waren eben Eier aus der Zucht und in diesem Falle für einen Besatz wenig brauchbar, da sie im Januar/Februar wenig bis gar keine Nahrung finden oder von den hungrigen Laichforellen einfach aufgefressen wurden.

Als Besonderheit konnte ich einen 2 sömmrigen Tigerling feststellen; da nun wie schon erwähnt kein Besatz eingebracht wurde, gibt es anscheinend also auch Saiblinge im Bach, denn der Fisch war eindeutig ein Wildfisch und konnte weder von oben noch von unten zugewandert sein.

Das Konzept: Fischerei beschränken, Laichgebiete fördern oder neu schaffen und keinerlei Besatz einbringen scheint also auf zu gehen.

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PS: an die Anrainer am Bach wurden Steinschleudern verteilt zur Abwehr der Kormorane : :wink: :badgrin:
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Headi » 30.12.2016, 18:59

Royal Coachman hat geschrieben:Das Konzept: Fischerei beschränken, Laichgebiete fördern oder neu schaffen und keinerlei Besatz einbringen scheint also auf zu gehen.

Genau so!
Mittel- bis langfristig: Renaturieren, so dass Stand- und Laichplätze wachsen und gedeihen können. Die Fische kommen dann ganz von selbst.


Guten Rutsch, Gruß
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon webwood » 30.12.2016, 21:32

Ich kenne Gebhard´s Gewässer ja nun recht gut, durfte dort auch fischen und sogar schon entnehmen.
Anfangs, als Gebhard das Gewässer neu übernahm und im Winter mit Brot gefüttert hatte, war ich skeptisch ob das Sinn macht.
Nun mittlerweile sind echt fette Trutten im Wasser, die Alterpyramide, so ich das bisher sehen konnte stimmt auch und unter jedem zweiten größerem umgedrehten Stein findet man eine Koppe.
Gebhards Bach ist ein kleiner Wiesenbach der teils mitten durch eine Ortschaft fliest. Das Angeln dort ist dennoch auch mitten im Ort recht anspruchsvoll. Die Fische sind keine Pellet-angefixten Forellen sondern verdammt mißtrauisch. Selbst mitten im Dorf ist Schleichgang angesagt und ein versemmelter Wurf war es dann. Die Stelle wechseln ist dann angesagt.

Das Konzept: Fischerei beschränken, Laichgebiete fördern oder neu schaffen und keinerlei Besatz einbringen scheint also auf zu gehen.


Wo er Recht hat, hat er Recht, der Gebhard. Leider würde sein Konzept an den allermeisten Vereinsgewässern mit einem Entnahmeverzicht für ein paar Jahre am Mitgliedervotum wohl scheitern.

TL

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Royal Coachman » 30.12.2016, 22:25

Hallo Freunde!

Danke für die Blumen, es ist jeder, den es interessiert willkommen; ich zeige ihm gerne mein Wasser!

Prosit Neujahr und tight lines für 2017

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Maggov » 02.01.2017, 10:00

Hallo Gebhard,

es freut mich dass der Kormoran nicht das Desaster war wie befürchtet.

Nachdem an einige Gewässern die Forellen später dran sind denke ich dass es vor allem an den sehr milden November der letzten Jahre hängt dass sich die Fische "Zeit" lassen.

Früher war der November ein Garant für Schnee und Frost doch ich kann mich nicht erinnern dass dies für die letzten 4-5 Jahre (mehr traue ich mir gerade nicht zu) wirklich zutraf. Da war ein Ausnahmejahr irgendwann aber ansonsten konnte man bis Weihnachten auf starken / längeren Frost warten.

Falls ich richtig liege dann ist das also nichts spezifisches für Dein Wasser.

Ein gutes Neues, lieber Gebhard, ich hoffe wir sehen uns bald wieder mal.

LG

Markus
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Royal Coachman » 02.01.2017, 10:21

Hallo Markus!

Es könnte natürlich so sein, wie Du sagst.
Andererseits gebe ich zu bedenken, dass die Forellenzuchten Laich im Augenpunktstadium vor (!) Weihnachten liefern.
Dazu passt der Laichtermin Oktober genau, Wildfische brauchen aber eine bestimmte Wassertemperatur, 8 Grad und weniger soweit mir bekannt, um in Laichstimmung zu kommen, dies würde wieder für einen späteren Laichtermin sprechen, da mein Bach, durch starke Grundwasserspeisung, sommerkühl/winterwarm ist. Auch in großen Hitzeperioden und trotz Seeausfluss steigt die Wassertemperatur niemals über 15/16 Grad.
Dieses Grundwasser begünstigt die Mühlkoppenpopulation, die auch durch den konstanten Wassersstand sehr hoch ist und sogar einem Eisvogel das Überwintern ermöglicht.

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Maggov » 02.01.2017, 13:58

Hallo Gebhard,

wahrscheinlich ist es beides ... oder was vollkomen anderes ;)

Wenn es nur so an Deinem Bach wäre, dann ließe es sich auf die Zuchtfische alleine zurückführen. Das würde aber auch bedeuten dass es davor wirklich gar keine Wildfische gab. Ich denke das ist/war aber auch recht unwahrscheinlich, oder?

Es ist aber echt interessant wie viele Beobachter die Verschiebung festgestellt haben - und es scheint nicht das erste Jahr bei einigen zu sein. Ich habe mir auch schon oft gedacht dass diese milden Winter sicherlich sehr productive Jahre sein müssten, aber die Natur bleibt unberechenbar und mit den Hochwasser im Frühjahr / Sommer relativiert sich die Hoffnung schnell.

Mir macht derzeit das stetig rückgehende Wasser und die zunehmend weniger werdende Schnee Kopfzerbrechen. Zum Einen ist es in den Oberläufen echt knapp für den Aufstieg und zum Anderen fehlen mir die zeitigen Hochwasser im damit sich der Kies durchspült. Das veralgt (gefühlt) immer mehr...

Die Hochwasser im Frühjahr / Sommer kommen (gefühlt) immer später. Oft nicht mehr vom Schnee sondern von starken Regengüssen. Ich habe auch das Gefühl dass die Fische deshalb deutlich länger Egel haben als noch vor 10 Jahren.

Wir warden sehen wie das weiter geht. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und habe wirklich das Gefühl dass man über die letzten 10 Jahre wirklich eine Änderung beobachten kann (ohne dass ich diese wirklich vollumfänglich begreife).

LG

Markus
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Maggov » 02.01.2017, 14:07

webwood hat geschrieben:
Das Konzept: Fischerei beschränken, Laichgebiete fördern oder neu schaffen und keinerlei Besatz einbringen scheint also auf zu gehen.


Wo er Recht hat, hat er Recht, der Gebhard. Leider würde sein Konzept an den allermeisten Vereinsgewässern mit einem Entnahmeverzicht für ein paar Jahre am Mitgliedervotum wohl scheitern.

TL

Thomas


Hi Thomas,

ich denke an den kleinen, privat gepachteten Strecken gibt es neben Gebhard's Beispiel viele andere Beispiele dass das klappt. Dass die Entscheidung nicht mehrheitsfähig (in bayrischen Vereinen zumindest) ist sehe ich leider genauso.

Meine große Hoffnung ist hier die Marktwirtschaft. Bei dem Rechenmodell "put and take" spielt die Zeit gegen dieses Prinzip. Ich bin mir sicher dass die Vereine dieses Modell angesichts steigender Pachten und Besatzfische nur über steigende Beiträge finanzieren können. Irgendwann kippt das in der Art dass der Beitrag eine kritische Grenze übersteigt. Dann müssen Mitglieder aufhören weil deren Budgetgrenze erreicht ist und damit steigt der Beitrag für andere exponentiell. Somit wird irgendwann bei diesen Vereinen der Befischungsdruck über die Kaufkraft begrenzt und dann kann man auf das Modell oben wechseln.

Motiviert mich nicht extrem aber ist für mich so eine Art Licht am Ende des Tunnels. Leider habe ich den Eindruck dass das eher meine Tochter denn ich erleben werde.

Warum fällt mir schon wieder das Bild von dem Menschen ein, der an dem Ast sägt auf dem er sitzt? :roll:

LG

Markus
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Headi » 02.01.2017, 19:25

Hallo Markus
Maggov hat geschrieben:Motiviert mich nicht extrem aber ist für mich so eine Art Licht am Ende des Tunnels. Leider habe ich den Eindruck dass das eher meine Tochter denn ich erleben werde.

die EU wird das richten. Ein Besatzverbot mit hohen Hürden für Wiederbesatz ist möglich. Schon eine Beschränkung auf Eier/Brut würde das Problem sofort lösen.


Gruß
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Royal Coachman » 02.01.2017, 21:28

Hallo Florian!

Das ist leider nicht so einfach mit Eier/Brut.

Die Bafo-Eier werden noch vor Weihnachten im Augenpunktstadium geliefert!!
Das liegt daran, dass die Fischzucht möglichst schnell wieder Fische produzieren will, wegen der Kosten.
Man hat keine Garantie, dass die Fische nicht triploid sind, was ein 30%iges schnelleres Wachstum bedeutet und heutzutage gang und gebe ist.
Leider bedeutet triploid bei Fischen unfruchtbar.
Außerdem haben diese Fische genetische Informationen ausschließlich von ihren Elterntieren und die haben in der Zucht nur gelernt, wenn ein Mensch ans Ufer tritt gibt's Futter.

Diese Fische haben keine Ahnung wie sie sich im jeweiligen Gewässer zu verhalten haben um nicht sofort gefressen zu werden und was es im Gewässer für sie für ein Nahrungsangebot gibt.

Seit Jahren wird mit Brutboxen in vielen Gewässern gearbeitet, eigentlich sollten unsere Gewässer von Fischen überquellen, dem ist aber nicht so.

In meinem Bach lebt im oberen Teil (ca 1 km) eine beachtliche Hechtpopulation, ich habe in 2 Jahren 8 Hechte entnommen in den Größen von 58 - 93 cm und in keinem Magen konnte ich die Überreste einer Forelle feststellen. Die im Bach aufgewachsenen Forellen wissen anscheinend genau, wie sie sich verhalten müssen um nicht gefressen zu werden.

Meiner Meinung nach und ich behaupte nicht, dass dies die richtige oder allein seligmachende ist, müssen wir komplett umdenken und uns vom Besatz verabschieden, um unseren Gewässern einen Aufbau von reproduzierenden Beständen zu ermöglichen.

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PS: ich weiß, etwas radikal, aber wir befinden uns in einem Teufelskreis, wie schon Markus erläutert hat und den gilt es zu durchbrechen.
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Headi » 02.01.2017, 22:14

Halt, nicht falsch verstehen!
Eine Beschränkung nur auf Eier/Brut wäre ein eleganter Weg, Besatz sehr weit zu beschränken. Das man selbst da noch Unsinn machen kann, ist klar. Aber ein Forellenpuff ist damit nicht mehr drin.


Gruß
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon AlexX!! » 03.01.2017, 01:32

Hi Miteinander,

ich bin ganz bei euch mit den "radiaklen" Ansätzen, würde auch gerne auf Beatz
radikal verzichten.
Leider wären die meisten Vereine dann tot, da sie einfach diese "Puff Pools"
brauchen um die Beitrag zahlende Meute zu "befriedigen".

Fangen die nix, kommen die auch nicht zum Arbeitseinsatz, auch ein Teufelskreis.

Nur ein mehrheitsfähiges Besatzkonzept kann in einem Verein bestehen, die
Mitglieder müssen überzeugt werden, das ist die Hürde.

Gruß
Alex
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Es macht die Angler doof, und süchtig ... sie wollen immer mehr"
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Maggov » 03.01.2017, 13:50

Royal Coachman hat geschrieben:
Seit Jahren wird mit Brutboxen in vielen Gewässern gearbeitet, eigentlich sollten unsere Gewässer von Fischen überquellen, dem ist aber nicht so.



Hallo Gebhard,

schöne Diskussion hier - vielen Dank dass Du das Thema aufgemacht hast (und auch wie wir hier diskutieren finde ich echt klasse).

Bei den Brutboxen-Zitat liegen mir wieder ein paar Kommentare auf dem Herzen.

Ich denke dass Brutboxen nicht dazu führen dass Gewässer überquellen sollten da:

- oft und gerne kommt neben den Brutboxen oder Besatz von Brütlingen noch etwas fangfähiger Besatz dazu (Gründe sind die gleichen wie bei ausschließlichem Besatz mit fangfähigem Fisch). Der Besatz bedankt sich sicherlich gerne für das Mastfutter an Brütlingen oder verdrängt die aufkommenden Einsömmrigen an den Standplätzen
- auch bei reinen Brutbox-projekten stellt das Ökosystem die Rahmenbedingungen und nicht die Art wie ich potentielle Wildfische einbringe. Oft neiden wir wohl auch dazu die Produktivität eines Gewässers zu optimistisch ein zu schätzen
- wenn ich den Befischungsdruck nicht auf die (eigentliche) Produktivität des Wassers anpasse dann helfen auch Wildfische nicht. Fischer sind auch lernfähig und passen sich den schwierigeren Bedingungen an
- Selbst wenn ich die optimistischste Mortalitätsrate bei C&R mit der Fliege ohne Widerhaken & Co. annehme ist diese ungleich "0" Somit ist die Gesamtanzahl der Fischtage (die Anzahl der gefangen (nicht entnommen sonder gefangen) Fische über ein Wasser mit mehr als 3 Fischern zu erfassen habe ich aufgegeben) als Indikator für den Befischungsdruck unerlässlich. Leider scheitern auch hier viele Versuche das zu erfassen da Jahreskarteninhaber die Tage eintragen müssen (=mangelde Selbstdisziplin) sowie über eine Jahreskarte keine sichere Regulierung der Fischtage möglich ist. Hier auf Tageskartenkontigente oder Jahreskarten mit begrenzter Anzahl an Fischtagen um zu schwenken gestaltet sich oft wieder nicht als mehrheitsfähig

Wir beide kennen einen weiteren Bach der elektronisch vom Vorgänger leergefischt wurde und wo gar nichts gemacht wurde. Nach 2-3 Jahren wies dieser einen aus meiner Sicht gesunden und stabilen Bestand an tollen Bachforellen auf. Echte Wildfische durch Zuwanderung ohne jedes Zutun - aus meiner Sicht ein super Beispiel dass man sich auch die Brutbox sparen kann. Bevor die Einwände der Migrationsbarrieren kommt: zumindest ein paar hundert Meter unterhalb der Streckengrenze ist eine natürliche Querverbauung in Form eines umgestürzten Baumes der einen Stau mit einem ca. 2 Meter hohen Wasserfall gebildet hat. An meinem Bach (den Du ja auch kennst gibt es 2 Wehre die über 2 Meter Höhe haben. Da kannst Du bei Niedrigwasser beobachten wie ab und zu Forellen gegen die Wehrmauer in halber Höhe springen und abprallen. Diese Hindernisse können bei Hochwasser überwunden werden - Beleg dafür ist der Bestand an meiner Strecke die oben und unten mit Querverbauungen unpassierbar scheint und wo auch nicht besetzt wird.

Trotzdem glaube ich dass "Eibesatz" die beste aller Optionen ist wenn Du einen Bestand der verschwunden ist wieder ansiedeln willst. Wenn das Wasser die Laichhabitate hat glaube ich auch fest daran dass das klappt - belegen kann ich das aber leider nicht. Danach wäre bei grösseren Gewässern das Einbringen von Brütlingen in Seitenbäche mein Favorit.

LG

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Maggov » 03.01.2017, 13:58

AlexX!! hat geschrieben:
Nur ein mehrheitsfähiges Besatzkonzept kann in einem Verein bestehen, die
Mitglieder müssen überzeugt werden, das ist die Hürde.



Hi Alex,

Sehe ich genauso - vielen Dank. Ich bin auch pessimistisch inwieweit die EU mir/uns helfen kann und wird.

Bei den alteingesessenen Mitgliedern habe ich die Hoffnung aufgegeben und setze nun auf Aufklärung und die heranwachsenden Fischergenerationen. Bei denen kann man ein Umdenken erwirken und so altert die einstellung hoffentlich irgendwann einmal aus...

Deshalb finde ich es wichtig und klasse derartige Diskussionen immer wieder und auf allen verfügbaren Medien / Plattformen zu führen in der Hoffnung möglichst viele junge Leute zu erreichen und zum Nachdenken zu motivieren.

LG

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Royal Coachman » 12.01.2017, 20:46

Hallo Freunde!


Ich habe vor kurzem auf einem Feld neben meinem Bach 22 Grau- und Silberreiher gezählt, eigentlich ein Schreckensszenario für einen Wiesenbach wie meinen. :doubt:

Heute habe ich mich zu einer gründlichen Bachbegehung aufgerafft.
Durch den Schneefall konnte ich die Spuren der Reiher genau verfolgen und es waren viel weniger als in den letzen Jahren. Vor 4 Jahren war das ganze Ufer vollkommen mit Spuren übersäht, heute gerade mal an drei Stellen, wo er ins Wasser treten kann.
Der Reiher hat nämlich ein Problem beim Anfliegen direkt im fließenden Wasser zu landen, das funktioniert nicht, er ist ja kein Schwimmvogel. Er braucht Flachwasserstellen um einwaten zu können.

Im Bereich in dem auch schon vor meiner Zeit kein Besatz eingebracht wurde und in dem ich bei zwei Testfischen voriges Jahr feststellen konnte, dass jedes bessere Loch mit zwei und mehr Fischen bewohnt war, sind auf 600 m überhaupt keine Spuren zu sehen.

Fische sieht man auch kaum, aber das ist von mir schon so gewollt, die sollten nur in Deckung bleiben. =D>

Noch ein Wort zur Fütterung, die z.T. anscheinend ein Tabu ist.

Ich habe die Fütterung auf Hartbrot umgestellt, das bedeutet vollkommen ausgehärtetes Brot wird eingeweicht und dann zerdrückt eingeworfen. Beim Einwurf zerfleddern sich die Teile und treiben als Fussel unter Wasser ab. Dadurch kommen auch kleinere Fische und Nichtsteiger ans Futter, überdies kann man eine größere Strecke von einem Standort aus bedienen. Außerdem werden die Fische nicht domestiziert und bleiben scheu.


Fazit: im Laufe der letzten 4 Winter haben die Reiher die Besatzfische anscheinend drastisch dezimiert und da kein Besatz mehr eingebracht wurde baut sich ein Wildfischbestand kontinuierlich auf, der, und das ist für mich der springende Punkt, anscheinend mit dem Reiher zu leben weis, so wie die Forellen im Oberlauf mit den Hechten.

Mir ist selbstverständlich klar, dass diese Beobachtungen und Maßnahmen nur für meinen Bach zutreffen und die Vielfalt unserer Gewässer generelle Regeln ad absurdum führt, aber man muss nun einmal an einer Ecke anfangen.

Tight lines
RC

PS: mir ist noch immer schleierhaft warum es gut und richtig sein soll die Vögel im Winter zu füttern und unsere Forellen dagegen nicht, die nach der Laichzeit doch viel schlechter dran sind als die schon im Herbst an den Futterhäuschen bestens versorgten gefiederten Freunde! :doubt:
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