von Siegfried. » 22.12.2011, 16:20
Hallo z´amm,
eigentlich müsste ich einen Rundumschlag an alle machen, weil so viele Aspekte angerissen wurden, will aber erst mal nur zu Frank und Markus was sagen, sonst wird es ein Roman.
@Frank: Gerade bei deiner Beobachtung wäre bei dem gleichzeitigen Verschwinden der Quappe jetzt die Art des Neunauges von herausragender Bedeutung. Ich vermute mal, es hat sich dabei um Flussneunaugen gehandelt, weil nur die bei ihren Wanderungen das von dir beschriebene Massenauftreten zeigen. Bachneunaugen wären theoretisch denkbar, aber sehr unwahrscheinlich, nicht nur weil ich persönlich noch nie mehr als 30 auf einem Haufen gesehen habe, die sind einfach nicht so häufig, weil sie ihr ganzes Leben im Bach zubringen müssen. Für Flussneunauge spricht aber insbesondere das gleichzeitige Abtreten der Quappe. Die macht nämlich auch umfangreiche Laichwanderungen, zwar nicht aus dem Meer wie das Flussneunauge, aber z.B. aus dem Hauptlauf (Aller? Weser?) in die Nebengewässer und beide dürften wohl durch die gleiche, neu aufgetauchte Barriere (chemisch oder baulich) am Aufstieg in dein Beobachtungsgewässer gehindert worden sein. Während die Quappe dann noch manchmal kleine Lokalpopulationen aufrecht erhalten kann, ist für Fluss- und Meerneunauge dann Schicht im Schacht.
@Markus: Je nach Einzugsgebiet kannst du in Bayern mit dem Donaubachneunauge (Eudontomyzon vladykovi) sogar noch eine größere Besonderheit antreffen als im Rest der Republik. Die kleinen Biesterchen sind zwar häufiger als man allgemein denkt, was aber ausschließlich daran liegt, dass ihr Erwachsenenleben in dem sie man ohne spezielle Suche überhaupt erst zu Gesicht bekommt, nur ein paar Wochen dauert. Bei uns in der Gegend von März im Flachland bis Mitte/Ende April im höheren Sauerland. Nach dem Laichen (an den gleichen Stellen wie die Forellen es tun) müssen sie dann auch alle sterben. Dafür hocken sie als leichenblasse Larven bis zu 5 1/2 Jahre tief im Sand und keiner sieht sie. Ich musste mal nach einem Unfall mit Benzin ein Sandgewässer untersuchen und dann fanden wir plötzlich bis zu 3 Querder (Larven) pro qm, wo auf Grund der Erwachsenenfunde angegben war, dass das Bachneunauge sehr selten vorkommen sollte. Allein die Zahl der getöteten Larven betrug aber schon 800 auf ca. 600 m Bachstrecke! Man muss dazu aber sagen, dass das fast ein Idealgewässer für die Viecherl ist. In den grobsedimentreichen Mittelgebirgsgewässern sind sie viel seltener.
Übrigens wenn du einmal einen Laichplatz gefunden hast, kannst du jedes Jahr wieder kommen, die sind auch da sehr treu. In einem von unseren Gewässern kenne ich z.B. 2 Laichbänke, die zumindest die letzten 10 Jahre regelmäßig mit 6 bis 20 Laichern besetzt waren.
Letztlich sind auch wir mit ihnen näher verwandt als mit dem meisten anderen Viehzeugs, deshalb Chordatische Grüße
Siegfried
Fische sind zu schöne Geschöpfe um nur einmal bewundert zu werden