Waten ist wann erlaubt???

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Waten ist wann erlaubt???

Beitragvon Mc. Cräcker » 01.06.2004, 12:14

Hallo Leute!
Ich besitze den Angelschein seit 1974 (is also schon ne Weile her), ich kann mich auch nicht mehr erinnern ob dieses Thema durchgenommen wurde und oder Grundlage für die Prüfung war. Von daher wende ich mich an Euch.
Wann ist eigentlich Waten erlaubt??? Ich meine klar ist wenn es explizit auf der Karte untersagt ist Aber was ist z.B. wenn Angeln nur vom Ufer aus erlaubt ist und ich wate sagen wir mal zu einer kleinen Insel und fische von dort aus oder der Umlandung eines Brückenpfeilers etc. ???

Vielen Dank für zahlreiche Antworten

Grüße
Mc. Cräcker
Mc. Cräcker
 

Beitragvon Michael. » 01.06.2004, 12:28

Hallo Cräcker,

wenn Waten explizit auf der Karte untersagt ist, ist es untersagt, basta. D.h. nur Fischen von Ufer und zum Zwecke des Uferwechsels Brücken benutzen...

Wenn Waten erlaubt ist, sollte dies auf ein Minimum beschränkt und mit größtmöglichster Sorgfalt getan werden. Oft steht man beim Waten nach wenigen Schritten schon mitten in den Fischplätzen...

Du musst Dir einfach im Klaren darüber sein, dass Du mit jedem Schritt Kleinlebewesen zerstörst. Bei einem entsprechenden Befischungsdruck ist diese Tatsache schon bedeutsam.

Außerdem solltest Du die Laichzeiten der vorkommenden Fischarten kennen, diese nicht bei der Fortpflanzung stören und natürlich nicht in Laichgruben latschen...

Zu Guter Letzt solltest Du Dich nicht in die Mitte eines Gewässers stellen und watend nach beiden Uferseiten fischen, und das auch noch über eine größere Strecke. Dies ist leider oft zu sehen und schon fast eine Krankheit...

Alles gesagte wie immer nur: meine Auffassung !

Gruß
Michael
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Beitragvon Werner » 01.06.2004, 17:08

Hallo Cräcker,
"wenn Waten explizit auf der Karte untersagt ist, ist es untersagt, basta. D.h. nur Fischen von Ufer und zum Zwecke des Uferwechsels Brücken benutzen..."

dem und dem

"Außerdem solltest Du die Laichzeiten der vorkommenden Fischarten kennen, diese nicht bei der Fortpflanzung stören und natürlich nicht in Laichgruben latschen..."

stimme ich zu.
Was jedoch die Furcht betrifft durch Waten Biotope der Kleinlebewesen zu zerstören, bin ich anderer Meinung. Bei jedem Frühjahrshochwasser werden Kleinlebewesen in einem Ausmaß beeinträchtigt und ihre "Wohnstätten" dermaßen durcheinander gewirbelt, dass du, um dieses Zerstörungspotential
zu erreichen, wahrscheinlich 10 Jahre am Stück ununterbrochen waten müsstest. Meiner Erfahrung nach steckt ein halbwegs gesunder Fluss nicht nur die Frühjahrshochwässer, sondern auch Waten ziemlich unbeeindruckt weg. Das konnte ich vor einer Woche noch bei einer Gewässeruntersuchung auf darin lebende Insekten feststellen: An häufig bewateten Stellen das blühende Insektenleben unter den Steinen und vor allem- so absurd es klingen mag- in den Teppichresten und dem vom letzten Hochwasser herbeigeschwemmten Müll.
Das sind meine - jährlich wiederkehrenden- Erfahrungen.

Eine Bemerkung am Rande : Von nicht wenigen Gewässerbewirtschaftern weiß ich, dass diese das Waten nicht verbieten, um das Biotop zu schützen, sondern um sich selbst vor den Regressansprüchen watender Fischer zu schützen, die sich in einem fremden Gewässer mit zerklüftetem Grund und schwierigen Strömungsverhältnissen gern und häufig Blessuren zuziehen.

Gruß Werner
Werner
 

Beitragvon Werner Klotz » 02.06.2004, 09:12

Hallo Werner!

Hochwässer kommen in der Regel nicht von einer Sekunde auf die nächste. Die Kleinlebewesen haben dadurch die Möglichkeit, sich in tiefere Schichten des Benthos zurückzuziehen und dort die Schotterbewegungen der oberflächlichen Schicht schadlos zu überstehen. Der Auftritt eines watenden Anglers kommt aber überraschend. Bei steinigem oder grobkiesigem Untergrund dürften den im Lückensystem lebenden Insektenlarven dennoch nicht allzuviel geschehen. Bei weichem Untergrund kann beningt durch die Verdichtung der Schaden an der Unterwasserwelt ein viel größerer sein. Ich glaube an einem Maifliegengewässer mit großteils lehmigem bis morastigen Untergrund an Stellen, die von den watenden Fischern regelmäßig durchpflügt werden ein deutlich geringers Schlupfaufkommen von E. danica gegenüber Stellen die wenig bewatet werden zu erkennen.
Ich kann allerdings nicht ausschließen daß dafür andere Ursachen (Gewässertiefe, Strömungsverhältnisse, Beschaffenheit des Bodengrundes) verantwortlich sind.
Ich bin der Meinung, daß ein verantwortungsbewusster Angler sich stets vor Augen halten sollte, daß die Wattätigkeit einen negativen Einfluss auf die Lebewesen im Bach haben könnte. Das muss nicht ein unbedingtes Watverbot bedeuten, viele Stellen könnten aber auch vom Ufer aus befischt werden, wenn auch werferisch oft etwas schwieriger.

mfg Werner
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Beitragvon Mc. Cräcker » 02.06.2004, 16:06

Hallo Michael, Werner und Werner!
Vielen Dank für Eure Antworten. Ich selbst bin ansich eher der Ausnahme- oder Glegenheitswater! Die ökologischen Hintergründe die gegen das Waten sprechen (wie z.B von Michael geschildert ) sehe ich auch so und berücksichtige ich.

Die Frage hatte für mich den folgenden Hintergrund. Kürzlich war ich am Regen zum Angeln (Streamerfischen auf Esox, Erfolg 6 Hechte größter um die 70 cm).
Geangelt habe ich unterhalb einer Brücke von einem umlandeten Bereich um den Mittelpfeiler. Um dort hin zu gelangen bin ich über ein natürliches Wehr aus mittelgroßen Steinen gewatet. Nachdem ich am nächsten Tag die Tageskarte nochmal aufmerksam gelesen habe, bin ich eben über den Punkt "Angeln nur vom Ufer aus" gestolpert und habe mich gefragt ob dies auch ein Watverbot impliziert bzw. ob der umlandete Pfeiler Ufer ist oder eben nicht.
Ciao
Mc. Cräcker
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Hallo Werner

Beitragvon Werner » 02.06.2004, 16:28

Ich glaube an einem Maifliegengewässer mit großteils lehmigem bis morastigen Untergrund an Stellen, die von den watenden Fischern regelmäßig durchpflügt werden ein deutlich geringers Schlupfaufkommen von E. danica gegenüber Stellen die wenig bewatet werden zu erkennen.


Das kann durchaus möglich sein.
Ich ging aber davon aus, dass watende Fliegenfischer in aller Regel auf kiesigem bzw. grobsteinigen Untergrund waten. Ich habe auch gar nichts dagegen einzuwenden, dass man so wenig wie möglich watet. Meine Befürchtung in diesem Zusammenhang ist eine andere, nämlich dass wir uns mit Scheinproblemen auseinandersetzen und dadurch von den wirklichen Problemen ablenken. Ein Beispiel: An meinem "Hausgewässer", welches jahrelang trotz intensiven Bewatens eine hervorragende Äschenpopulation zustande brachte, räumte vor Jahren in einem strengen Winter unser allseits geliebter schwarzer Vogel dermaßen gründlich auf, dass seitdem der Bestand sich nicht mehr erholt hat. Nun haben wir seit diesem Jahr ein befristetes Watverbot, um den "Äschenbestand" ( ein paar Übriggebliebene) zu schonen. Der Effekt ist folgender :

1. Wir streuen uns selbst und der Öffentlichkeit Sand in die Augen, weil wir so tun, als könne durch diese Maßnahme bei weiterer fröhlicher Kormoranvermehrung das Problem gelöst werden.

2. Wir erwecken nach außen hin den Eindruck, wir Angler seien an der Äschenvernichtung selber schuld ( durch Waten ), denn sonst bräuchten wir ja kein Watverbot auszusprechen.

3. Unsere Freunde vom Vogelschutz neigen neuerdings zu kollektiven Heiterkeitsausbrüchen, weil wir das Problem, das sie mit verursacht haben und noch verursachen, indirekt auf unsere Kappe nehmen und zudem noch so dämlich sind zu glauben, ein Watverbot könne die Kormoranschäden ausgleichen. Als Beispiel : Es ist ja auch nicht einfach ernst zu bleiben angesichts einer Vereinigung ( Angler) , die so tut, als sei der Luftverschmutzung in einem Industriegebiet beizukommen, indem man sich selbst das Zigarrenrauchen untersagt.

Gruß Werner
Werner
 

Beitragvon roland k » 02.06.2004, 16:47

Hallo Werner,
man merkt hier deutlich das hier ein Praktiker spricht der weiß wovon er redet. Deinen Ausführungen kann man nichts hinzufügen, ausser vielleicht noch, das man mit den unendlichen C&R Diskussionen, Puffstrecken nicht gerade die Anglerszunft stärkt! :Prost:

Petri Heil

Roland
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Beitragvon dreampike » 02.06.2004, 18:44

Wenn auf der Angelerlaubniskarte steht, dass das Fischen nur vom Ufer aus erlaubt ist, so habe ich dies bisher vor allem als Verbot des Fischens vom Boot aus interpretiert. O.k., das gilt natürlich vor allem an stehenden Gewässern. Aber auch an Fliessgewässern könnte man ja sein Böotchen einsetzen ... Wenn der Gewässerbewirtschafter das Waten verbieten will, dann sollte er das m.E. explizit erwähnen!
Wolfgang
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Beitragvon NicoH » 04.06.2004, 09:10

Moin!
Das mit den Regressansprüchen ist ja süss, ist ja, als würde ein Förster keine Spaziergänger im Wald dulden, weil sie über einen Ast stolpern können. Na, hoffentlich hat der Bewirtschafter die Ufer wenigsten aufgeräumt, damit sich nicht einer der Angler dort auf den .... legt ;-)
@Cräcker: bei den Brandenburg er DAV Gewässern ist z.B. Waten nur in Ausnahmen gestattet, z.B. zum Queren eines Gewässers o.Ä.

Ich finde es übrigens ziemlich unerheblich, ob es für das Fischaufkommen relevant ist, ob man watet oder nicht. Erstens finde ich den Gedanken, das man mit jedem Schritt zig Kleinlebewesen plattmacht, nicht wirklich angenehm, zum andern kann ich mir vorstellen, das das einige Unruhe in die Fischpopulation bringt.
Wie ist denn das an den zahlreichen Gewässern, wo im Winter die Forelle schon laicht und die Äsche noch offen ist? Die Forellen haben bestimmt Verständnis, wenn man sie beim Flirten stört oder schlimmer noch, durch ihr Kinderzimmer stapft. Ich persönlich erkenne kaum, ob eine Stelle evtl. Laichbetten enthält.
Interessant finde ich, das sich oben über die bösen Kanufahrer aufgeregt wird, die durch die kleinen Flüsse fahren, aber hier das ungehemmt waten als unbedenklich propagiert wird. Und wie oben gesagt, die Kanuten haben wenig Ahnung von den Konsequenzen, wir aber schon..
Ich fände es auf jeden Fall gut, sich Gedanken zu machen, wann und wo waten ok ist.

Besten Gruss

Nico
NicoH
 


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