Wisente sind wieder unterwegs............

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Re: Wisente sind wieder unterwegs............

Beitragvon Lorenz » 25.12.2017, 14:15

Eine kurze Geschichte.
Unbegradigtes Teilstück der Eifelrur mit Kuhweiden bis ans Wasser.
Die Kühe weiden dort das ganze Jahr über und sehen nur ihren Landwirt oder ab und zu einen Angler.
Als ich watend im Bereich der Kuhwiesen angekommen war, machten sich die gefleckten Kühe sofort in Richtung Ufer auf.
Da standen wir nun.
Ein dutzend aggressiv wirkende Kühe am Ufer und ein Fliegenfischer im Wasser.
Weiter waten war unmöglich weil das Wasser zu tief wurde und zurückgehen wegen der starken Strömung wollte ich nicht.
Egal, wie und in welche Richtung ich mich bewegte,die Kühen folgten auf Schritt und Tritt.

Lage peilen.

Verteilt auf der schönen Kuhwiese standen zur Zeit noch jede Menge Pappeln.

Meine Idee war, schnell aus dem Wasser und dann hinter die Pappeln bis zum schützenden Stacheldraht.
Gedacht getan.
Rennend, mit einer noch schnelleren Kuhherde hinter mir, entkam ich der Gefahr im Pappelslalom.
Die Fliegenrute über den Stacheldraht geworfen und ein beherzter Sprung über gleichen war meine Rettung.
Ein paar Wochen später wurde ich von unserem alten Gewässerwart Theo angesprochen.
Hör Peter,du gehst doch sehr oft in das unbegradigte Stück zum Fliegenfischen.
Pass bitte auf die Kühe auf, die sind sehr aggressiv und haben die Bäuerin beim melken schwer verletzt .
In diesem Sinne

Eine Kuh mach MUH und viele Kühe machen MÜHE

Liebe und immer noch weihnachtliche Grüße

Peter
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Re: Wisente sind wieder unterwegs............

Beitragvon Olaf Kurth » 26.12.2017, 10:07

Noellgen, H hat geschrieben:Alljährlich verlieren in Deutschland einige Landwirte
ihr Leben durch Bullen.


Das ist richtig, lieber Heiner,

allerdings lässt sich die Zahl dieser schrecklichen Unglücke in Stallungen oder auf hofeigenen Weiden an einer Hand abzählen. Ein Tritt oder ein Stoß dieser starken Tiere reicht aus, um einen Mensch zu töten.

Mit den Muttertieren gibt es aber ein weitaus größeres Problem: Dank staatlicher Subventionen treffen wir im Grünland immer häufiger Muttertierhaltung an. Wenn Menschen (Wanderer/Touristen auf Almen etc.) z.B. im Sommer diesen Kuhfamilien mit ihrem Nachwuchs zu nahe kommen, dann wird der mütterliche Kuhinstinkt zur Verteidigung der Kälbchen geweckt. Dann werden die Tiere aggressiv und Du solltest Dich in Sicherheit bringen.

Hinzu kommt, dass Kühe im Gegensatz zu Wildrindern Angst vor dem Menschen haben. Durch häufigen Kontakt mit uns haben die Tiere im Laufe der Zeit gelernt, dass wir es nicht immer gut mit ihnen meinen. Wenn bei diesen Hochleistungsnutztieren Ängste ausgelöst werden, ist Aggressivität eine natürliche Folge mit oftmals schrecklichen Auswirkungen.

Wie gesagt, bei Wildrindern konnte sich die "Angst vor Menschen" nicht in den Genen einbrennen und weiter vererbt werden. Der Fachbereich Biologie der Uni Siegen hat innerhalb von zwei Jahren verschiedene Verhaltens-Szenarien im großen Gatter mit den Wisenten ausprobiert um zu sehen, wie sie sich in Freiheit bei vermeintlichen Bedrohungslagen durch den Menschen verhalten. Die Wissenschaftler befürworteten schließlich die Freilassung der Tiere.

Einmal ist es wirklich zu einer unsanften Begegnung gekommen, als eine Wanderin mit ihrem Terrier auf eine Wisentkuh mit Kälbchen traf, der Hund auf das Jungtier losstürmte und von der Wisentkuh vertrieben wurde. In der Folge wurde auch die Wanderin von dem Muttertier an eine Böschung gedrängt - das war's aber schon. Kein Nachsetzen, kein aggressiver Angriff des Wisents, eine Milchkuh mit Kälbchen wäre in einer vergleichbaren Situation ausgerastet......

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Wisente sind wieder unterwegs............

Beitragvon Olaf Kurth » 26.12.2017, 10:37

Norman506 hat geschrieben:Hallo,

Heckrinder sind auch echz nicht zu unterschätzen. Sie reagieren durchaus agressiv auf Menschen ... diese weide würde ich meiden.



Dann solltest Du eine der schönsten Strecken der Eder unbedingt meiden, lieber Norman,

ich meine "das schöne Tal" unterhalb von Raumland und ganz speziell die große Weide von Bauer "Hank":
Du überquerst die Weide, siehst vor Dir das Juwel-Fließgewässer, hinter Dir grast die große Rinderherde, Du schaust Dich um und denkst, du wärst in Österreich. Klingt komisch, iss aber so..... 8)

Neben der Ilse gibt es noch ganz andere, reizvolle Wildbäche im Wittgensteiner Land. Peter S. wird das bestätigen können. Btw, ich fische sehr gerne in Quellregionen und da kommt es vor, dass plötzlich in ca. 20 Meter Entfernung ein 20-Ender Rothirsch auftaucht, wütend mit den Hufen scharrt und einen Warnruf ausstößt. Dann mache ich ebenfalls einen Rückzieher....

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Wisente sind wieder unterwegs............

Beitragvon orkdaling » 26.12.2017, 11:34

moin moin,
schøne Beispiele , Olaf.
Also jæhrlich werden Leute vom Schafboecken angegriffen und getøtet. Der Unterschied - diese findet ihr nicht beim Fischen wenn der Schæfer mit seiner Herde vorueber zieht.
Ueber Schubbser und Tritte konnte ich mich in meiner Jugendzeit bzw als Lehrling nicht beklagen, man lernt die Tiere kennen und damit um zu gehen.
Schon damals hab ich mich ueber die um ihr Leben rennenden Fischer schlapp gelacht.
Weide - Kuehe - Jungbullen oder Fersen - einmal am Tag Futter oder Wasser bringen - Neugier...
Um so schneller ihr rennt, um so schneller kommen die hinterher :badgrin: :badgrin: :badgrin:
Ach wenn es doch mehr Rinder an den Ufern geben wuerde, was haæætte ich fuer Platz zum fischen :mrgreen: :mrgreen:
Gruss Hendrik
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Re: Wisente sind wieder unterwegs............

Beitragvon Noellgen, H » 26.12.2017, 20:10

Hallo,

Olaf hat natürlich recht, viele der Todesfälle sind schlicht Unfälle.
Im letzten Jahr erhielt in unserer Gegend ein Landwirt von seinem Lieblingsbullen einen
freundschaftlichen Schubs, weil der sich nicht ausreichend beachtet fühlte.
Der Mann stürzte, schlug mit dem Kopf auf die Ackerschiene des Traktors
und war tot.
Dem Tier blieb sogar der Metzger erspart, alle wussten dass es keine bösartige Handlung
war.
Es gibt allerdings auch aggressive Exemplare, ob Bulle, Kuh oder Schafbock.

Diese sehen gerade in dem Fliegenfischer jemanden, der ihnen mit dem Stöckchen droht,
und dem wollen sie mal zeigen, wer hier der Chef ist. Ist genau so wie bei den Hunden.

Grundsätzlich muss man sich vor Weidevieh nicht ängstigen, es ist jedoch ratsam,
die Stimmung seiner Zuschauer im Auge zu halten.

Gruß,

Heiner
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