Gespließte Lackieren

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Re: Gespließte Lackieren

Beitragvon tea stick » 27.06.2017, 12:00

Jonas199 hat geschrieben:..., wenn der Lack etwas aufträgt (ich weiß, dadurch verändere ich die Aktion, wirft aber trotzdem super :) ).


Herzlich willkommen. lieber Jonas, im Kreis der "Rutenschnitzer"! Ich bin sicher, dass Du "ein Händchen dafür" hast. Beweis ist der liebevolle Wiederaufbau Deiner P&M!

Und da ich ebenso sicher bin, dass Du Dir bei Deiner Arbeit auch Gedanken machst, lass' uns das Thema erstmal erweitern, indem ich an die Überschrift ein Fragezeichen setze: Ist die Lackierung einer Bambusrute überhaupt notwendig?

Tonkin gehört als grasartig (Pseudosasa) zu den sog. "einkeimblättrigen" Pflanzen, verfügt also nicht über quer zur Wuchsrichtung verlaufende Versorgungskanäle. Folglich kann auch kein Wasser von außen in die Rute eindringen, wie das bei Holz der Fall ist. Eine Abdichtung durch eine Lackschicht erscheint deshalb überflüssig. Als Schutz gegen mechanische Einwirkungen von außen (Nymphenkopfschlag!) poliere ich hartes Wachs (Carnauba) in den Tonkin ein und erhalte so ein Finish, das die Eigenart des Tonkin als Naturwerkstoff in Optik und Haptik unterstreicht. Evtl. aufgetretene mechanische Schäden laaen sich so auch leicht wieder "ausdämpfen". Lackschichten dagegen neigen bei Beanspruchung der Rute mit der Zeit zum Reißen und führen so zum Abplatzen ganzer Lackflecken (so gesehen an einer über 60 Jahre alten P&M). Und sie reißen umso bereitwilliger, je dicker sie aufgetragen sind.

Wenn wir also überhaupt lackieren, dann halten wir uns an die alte Maler-/Lackierer-Regel: "Soviel wie nötig, so wenig wie möglich". Je dünner die endgültige Lackschicht ist. desto geringer ist die Gefahr der Rissbidung!

Diesen Apsekt kannst Du auch fern Deiner Rutenbauwerkstatt bedenken, z.B. während einer einschläfernden Vorlesung :doubt: !

Ich hätte als fanatischer Bambusisto überhaupt nix dagegen, wenn wir dieses Thema (mit Fragezeichen) in der Diskussion vertiefen würden!

Für Dein Studium wie auch für Deine beginnende Karriere als Rutenmacher wünsche ich Dir viel Erfolg!

Liebe Grüße

vom Freimut
TL!
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Re: Gespließte Lackieren

Beitragvon piscator » 27.06.2017, 13:15

Sieh an, Freimut ist auch wieder am Ball -- schön, schön -- Trotzdem, ich bin da anderer Meinung: die Lackschicht ist nicht primär zum Schutz der Powerfibern, sondern verhindert das Zersetzen des Lignins und den Zusammenhalt der Fibern. Eine Lackschicht so dünn wie möglich ist das was ich anstrebe -- und daher nehme ich einen DD-Lack.
Ich glaube auch dass eher die Lackschichten auf den Ringfüßen gemeint waren.
J.
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Re: Gespließte Lackieren

Beitragvon Jonas199 » 28.06.2017, 18:44

Hallo Freimut,

Die positive Resonanz hier im Forum freut mich wirklich sehr!
Und ja, handwerklich bin ich sicherlich nicht ganz unbegabt. :biggrin: Ich habe nämlich auch schon eine Ausbildung hinter mir und zwar eine zum Schreiner. Das heißt, dass das Arbeiten mit Holzwerkstoffen, das überlegte Angehen von Arbeiten und auch das Lackieren mir nicht ganz fremd ist :D

Zu deinem Geschriebenen:

Dass Bambus keine Markstrahlen hat, wusste ich nicht. Ebenso hatte ich gelesen, dass Bambus auch nach dem trocknungsprozezess etwa 2% Gewichtsanteil Wasser aufnehmen kann (hier die Quelle: http://www.fishing-rods.at/images/Unter ... roskop.pdf ).
Würde das nicht die Rutenakion massiv beeinflussen?

Und wie machst du das denn mit den Ringlackierungen? Ich kennen keinen Lack, der ordentlich auf Wachs hält?

Auf jeden Fall hört sich das ganz interessant an und ich kann mir das optisch auch sehr gut vorstellen-Bambus gewachst!
Nichts desto trotz, finde ich halt, dass das schön Glänzige an so einem Grashalm einfach was schönes ist :D

Ich denke, dass wir uns hier im Forum noch des öfteren treffen werden, weil ich, wenns dann richtig losgeht, sicherlich einige Fragen haben werde. :lol:

War schon am überlegen, hier im Forum mal zu fragen, ob nicht irgendein Rutenbauer in Köln hockt, bei dem ich eventuell meinen ersten "eigenen Stengel" unter Anleitung bauen kann, wenn ich die nächsten 3 Monate dort oben bin. Aber bin mir nicht sicher, ob das zeitlich hinhaut :D


piscator hat geschrieben:...Trotzdem, ich bin da anderer Meinung: die Lackschicht ist nicht primär zum Schutz der Powerfibern, sondern verhindert das Zersetzen des Lignins und den Zusammenhalt der Fibern. ...
J.


So weit ich weiß, wird Lignin hauptsächlich von UV-Strahlen und Pilzen zersetzt. Und Klarlack bringt ja relativ wenig UV-Schutz, oder?

piscator hat geschrieben:...Eine Lackschicht so dünn wie möglich ist das was ich anstrebe -- und daher nehme ich einen DD-Lack.
Ich glaube auch dass eher die Lackschichten auf den Ringfüßen gemeint waren. ...
J.


Darf ich fragen, warum du die Lackstärke mit einem DD-Lack besser regulieren kannst, als mit einem 1k-Lack?
Und ja, du hattest Recht, es ging um die Ringwicklungen :D

Sorry für die verspätete Antwort. Habe gerade Klausurenphase *kotz* :D


Liebe Grüße
Jonas
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Re: Gespließte Lackieren

Beitragvon piscator » 28.06.2017, 19:33

Moin, das mit dem UV Schutz ist richtig -- deshalb auch der DD Lack den ich benutze -- der ist zum Schutz von Carbon Sichtteilen beim Autotuning und besonders resistent gegen Chemie / Alkohol und UV-Strahlung und vergilbt nicht. Läßt sich gut verdünnen und erlaubt damit sehr dünne Lackschichten. Ähnlich gut sind Lacke für Turniertanzböden (ebenfalls 2K Polyurethan Lacke); damit hab ich schon in den 80gern lackiert und sieht immer noch prima aus. Tachlackierungen sind damit allerdings nicht praktikabel. J.
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