Hobelform

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Hobelform

Beitragvon Kudu » 05.11.2016, 21:39

Hallo,
wie in meiner Vorstellung schon angekündigt möchte ich mir eine Fliegenrute bauen.
Heute habe ich mir 2 V2A Schienen 20x20x1600 mm zusammengebaut.
Alle 5 Zoll habe ich einen Bolzen, eine Zugschraube und eine Druckschraube verbaut.
Jetzt möchte ich eine Seite mit 2 x 30er Winkeln, die andere Seite mit einem 30er und einem 60er Winkel anschrägen.
Ich habe im Buch von Wayne Cattanach jetzt gesehen das die Seite zum Vorhobeln nicht 30/60 ° sondern 30/52.5° ist.

Ist das richtig und sinnvoll ?

Ich denke zum Endhobeln muss der Winkel vorne doch sicher nur 0,8 -1 mm sein
und am Ende sollten doch 5 mm reichen?

Wie sehen Eure Lehren aus?

Die Winkel möchte ich auf der Fräse vorfräsen und mit einer 3-Kantfeile den Abschluss machen, oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Sorry ich weis, die Fragen sind schon sehr speziell, aber evtl. hat von Euch schonmal jemand eine Hobelform selber gebaut.

Danke für jeden Tipp

Andreas
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Re: Hobelform

Beitragvon piscator » 06.11.2016, 11:25

Moin Andreas,
hier ist eine schöne Anleitung: http://www.thomaspenrose.com/form01.htm,
Jürgen
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Re: Hobelform

Beitragvon Kudu » 06.11.2016, 12:01

Danke Jürgen,
es ist unglaublich was im Netz alles an Wissen schlummert!

Wie sehen die Masse der Winkel am Anfang/Ende aus?
0,8mm vorn und 4 mm hinten reichen?
Andreas
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Re: Hobelform

Beitragvon tea stick » 06.11.2016, 14:24

Willkommen, Andreas, im Klub der Rutenmacher!

Du wirst sehen: es ist wie im richtigen Leben - das Ganze wird ein nie endenwollender Lernprozess. Aber das ist ja auch das Spannende an der Sache!

So lass' Dir gleich zu Beginn in den Arm fallen: Verhunz' doch Deine schöne V2A-Form nicht mit einer Vorhobelnut. Heb Dir die Formunterseite als Ausweich für den Fall auf, dass Du die Endhobelnut auf der Oberseite nicht richtig hinbekommst und eine neue Nut fräsen musst. Denk auch daran, dass Du Deine Form auch zum Vorhobeln dann jedes Mal neu einstellen musst, was auf die Dauer lästig ist. Du wirst ja für den zweiten Vorhobeldurchgang dann Deine 60°-Nut verwenden.
Mein Vorhobelform habe ich mir aus Holz gemacht: 40 x 40 mm Buchenschenkel aus dem Baumarkt mit 900 mm Länge. Die Kanten habe ich mir im Winkel von 2 x 30° und (auf der Unterseite) mit 30°/52,5° gehobelt, indem ich mir zwei entsprechend abgewinkelte Leisten auf der Kreissäge geschnitten habe, die ich zur winkelgerechten Führung an den Hobel gelegt habe. So ist das "Abfräsen" eine Sache von einer halben Stunde. Anschließend wurden die beiden Hälften zusammengeleimt. Da das Vorhobeln ja noch ohne Taper durhgeführt wird, ist auch die Formlänge egal - Du kannst ja in der Form nachschieben. Und wenn Du - weil im Hobeln noch ungeübt - leichte Beulen in die Nut einhobelst, dann ist auch das kein Beinbruch, denn beim Vorhobeln kommt es nur auf die Winkel an. Und um die Verletzung der Form durch das Hobelmesser brauchst Du Dich auch nicht zu sorgen: Der Spleiß guckt weit genug über der Form heraus.

Und warum jetzt den "krummen" Winkel von 52,5°?
Cattanach gibt selbst die rechnerische Begründung dafür: "Weil ich normalerweise 24 Streifen aus einer Bambusrohrhälfte spleiße, hat jeder Streifen (im Querschnitt) eine Keilform von 15°. (360° im Kreis, geteilt durch 24 gleich große Winkel.) Die 15° formen einen kuchenförmigen Keil. Aber weil da ja zwei gleichgeschrägte Seiten sind, hat jede Spleißseite eine 7,5°-Abweichung von der Senkrechten auf die Emailseite." (Cattanach, Handcrafting Bamboo Fly Rods, Guilford, CT, USA, 2005, S. 48)

Und die Nuttiefe? Die dünnste von mir hergestellte Rutenspitze war 1,4mm dick. Das entspricht einer Nuttiefe von 0,7 mm. Und das war eine sehr kleine Bachrute # 3/4...

Hoffentlich konnte ich Dir etwas helfen und komme mit meiner Warnung noch rechtzeitig.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Grüße

vom Freimut
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Re: Hobelform

Beitragvon Kudu » 06.11.2016, 18:10

Hallo Freimut,
gut das ich heute was anderes gemacht habe!
Es macht schon Sinn das Vorhobeln auf einer anderen Form (Holzform) zu
machen, das sehe ich ein.
Ich werde jetzt nur eine Seite bearbeiten und zwar von 0,7 -3,5 mm 30° Schrägen.
Die Vorhobelform mach ich aus Holz, das geht schnell.
Jetzt muss ich noch auf den Stanley Hobel warten.
Dann geht es weiter..... ich werde berichten oder fragen.

Danke für die Infos

Andreas
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Re: Hobelform

Beitragvon piscator » 06.11.2016, 18:42

Moin, statt einer Vorhobelform würde ich mir eine Schleifvorrichtung a la Baginski bauen -- das ist eine gute Investition. Jürgen
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Re: Hobelform

Beitragvon tea stick » 06.11.2016, 18:59

piscator hat geschrieben:Moin, statt einer Vorhobelform würde ich mir eine Schleifvorrichtung a la Baginski bauen -- das ist eine gute Investition. Jürgen

Ha! Ich warte schon seit Jahren darauf, dass die Steuerung unserer Waschmaschine endlich korrodiert. Aber das Dreckding geht und geht nicht kaputt...

Ich warte dann mal weiter

Freimut
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Re: Hobelform

Beitragvon Kudu » 06.11.2016, 19:07

Wie sieht so eine Schleifmaschine aus?
Waschmaschine...???
Erhellt mich..
Andreas
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Re: Hobelform

Beitragvon Ralf Grewe » 06.11.2016, 19:21

Hallo Andreas,

ich habe eine Frage. Wenn ich dich richtig verstehe möchtest in der Endhobelform nur eine Seite bearbeiten? Dir ist klar, dass du für zweiteilige Ruten eine Nut für das Spitzenteil und eine für das Handteil brauchst? Wenn deine geplante Nut mit 0,7 mm beginnt, ist sie für das Spitzenteil mit 3,5 mm am anderen Ende zu tief. Der geringste mögliche Durchmesser an der Hülse wäre dann 7 mm.

Für den Anfang ist eine Vorhobelform aus Holz meiner Meinung nach schon sinnvoll, wenn du sie mit Resopal beschichtest hält sie wesentlich länger.

Herzlicher Gruß

Ralf
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Re: Hobelform

Beitragvon tea stick » 06.11.2016, 19:41

Kudu hat geschrieben:Waschmaschine...???
Erhellt mich..

Nein, Du sollst nicht im Dunkeln stehenbleiben: Ich warte auf den Motor, der dem Baginski Beine machen soll!
Und Kugellager interessieren mich: für den Bau einer Drechselbank!

Ich bin nun mal ein Kind der Nachkriegszeit und kann nichts wegwerfen...

... ich armer Freimut
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Re: Hobelform

Beitragvon Kudu » 06.11.2016, 20:23

Ach so...
Ralf, meine Metallschinen sind 160 cm lang.
0,7 mm für das eine Ende und 3,5 mm für das andere Ende ist zu groß?

Wie sieht denn so eine Form aus?
Welche Maße sollte sie vorn und am Ende haben?
Andreas
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Re: Hobelform

Beitragvon tea stick » 07.11.2016, 01:56

Etwas treibt mich noch um, was ich in Deinem Beitrag zunächst übersehen habe: Der sog. "slope" Deiner geplanten Form, das ist die Zunahme der Nutvertiefung über die Formlänge. Du schreibst, dass Du für die Spitze 0,7 mm planst und für das untere (dicke) Ende 3,5 mm. Wo hast Du diesen letzten Wert her?
Garrison und Cattanach beziffern diesen "slope" übereinstimmend mit 1/1000 der Längenmaßeinheit; d.h.: auf 5 Inches 5/1000 ", auf 1 Inch 1/1000 " und auf 1 cm 1/1000 cm. Ha! Da haben wir's doch: Deine Form ist 160 cm lang, also muß die Tiefenzunahme der Nut über die gesamte Länge 160/1000 cm sein. Das sind 1,60 mm, zzgl. der "Ausgangstiefe" an der Spitze von 0,7 mm, dann ist die Nut am unteren Ende der Form 2,3 mm tief und nicht, wie Du planst 3,5 mm! Die Endhobelform ist was fürs Leben und Du solltest Dich nicht vorzeitig auf ein etwas zu tiefes Maß festlegen. Was ab ist, ist ab! Einen größeren "slope" kannst Du durch Formspreitzen immer noch herstellen.

Natürlich ist es beim Endhobeln immer praktisch, den Spleiß in eine möglichst tiefreichende Nut einzulegen, weil er dann fester mit den Seiten aufliegt. Dafür kannst Du ggfs. die Nut an der Unterseite der Endhobelform nutzen, die für dickere Spleiße vorgesehen ist. Am besten als Spitzendicke den untersten Wert der ersten Nut (2,5 mm) und hast dann am unteren Ende 1600*1/1000 + 2,5 = 4,1 mm.

Die große Länge der Form hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Du legst den Spleiß beim Taperhobeln zunächst am unteren Formende ein, wo er noch schön satt mit den Seiten aufliegt, und schiebst ihn dann beim Hobeln langsam nach oben, wo er auf seine Endmaße getrimmt werden soll. Kurz vor Erreichen dieser Endmaße lege ich ihn mit der Emailseite nach oben in die Nut und kratze mit der Ziehklinge die Emailschicht weg. Dann drehe ich ihn wieder in seine Hobellage zurück und hobele (zum Schluss mit der Ziehklinge) auf das Endmaß. Damit habe ich gewährleistet, dass auch die dünne Spitze einen schönen dreieckigen Querschnitt bekommt.

Ich denke, jetzt kannste mit der Form anfangen...

Lieber Gruß

vom Freimut
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Re: Hobelform

Beitragvon Kudu » 07.11.2016, 07:50

Freimut, jetzt ist der Groschen gefallen!

Die Form für die Rutenspitze also von 0,7 zu 2,3 mm feilen, die andere Seite von
2,3 bis 4,1 mm !
Ich war davon ausgegangen, dass eine Seite für alle Rutenbereiche eingesetzt wird.

Ich werde jetzt etwas langsamer die Sache angehen, sonst habe ich Anfänger schnell
einen Fehler "eingefräst".
Danke Freimut, Du hast mir sehr geholfen,

Andreas
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Re: Hobelform

Beitragvon tea stick » 07.11.2016, 13:29

Das Wichtigste für den Rutenbau, lieber Andreas, hast Du ja schon erfasst: No net hudle! Was einmal weggefräst/-gehobelt ist, lässt sich nicht mehr ankleben! Aber was sage ich da einem alten Metaller?
Wichtig war mir immmer, grundsätzlich alles zuerst einmal zu hinterfragen (auch das von mir Geschriebene!), denn nur was man verstanden hat, kann man auch beherrschen.

Und hab' auch keine Hemmungen, Fragen zu stellen!

Nun schwing die Feile!

Gruß

vom Freimut
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Re: Hobelform

Beitragvon piscator » 07.11.2016, 15:17

Moin, die Maße stehen alle in dem Penrose Artikel -- nur in Zoll -- also multiplizieren mit 25.4. Jürgen
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