Mit 10 Daumen im Rutenbau

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Philzlaus » 03.07.2018, 10:27

Hallo

Ich habe leider erst jetzt in deinen Beitrag reingesehen und bereue es nicht schon früher gemacht zu haben. Leider ist mir bei deinen Ringwicklungen etwas aufgefallen was du anderst hättest machen sollen. Ich hoffe aber das ich im Unrecht bin und du lange Freude damit haben wirst.
1) Du hast die Wicklung nicht bis zum Äußersten des Überschubs gemacht. Ich befürchte der Blank wird Einreißen. Leider tun das Sage Blanks sehr gerne. Wenn ich Sage Blanks wickle dann wirklich exakt bis zur Kante hin und maximal fest.
2) Du hast einen CP verwendet was gut aussieht aber dadurch kann das Harz wenig bis gar nicht in die Wicklungen einziehen. Zusammen mit 1) oben fürchte ich hast du keine stabile Wicklung geschaffen.

Schade dass ich dir dieses Feedback nicht schon früher geben konnte. Ich hoffe dennoch das es halten wird. Ich hab hier allerdings schon viele schlechte Erfahrungen machen können.
Das Gute daran ist allerdings dass du jederzeit die Wicklungen neu machen kannst. Und Risse sind zwar unschön aber sie stören die Funktion eigentlich nicht.

Lg
Ph.
gruss
Philipp
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 09.07.2018, 14:37

Lieber Phillip,

ich habe von meinen Winston 2H und Sage EH abgekupfert und beide Hersteller wickeln nicht bis an den Rand. Ich habe nachgemessen und ca. 1 Millimter Abstand vorgefunden. Das macht in meinen Augen Sinn, denn es läßt sich einfacher wickeln und lackieren. Die Statik sollte keine gravierende Änderung erfahren. Wenn der Blank trotzdem einreißt, würde ich den Fehler bei mir suchen. Wie heißt es immer so schön: Nach fest kommt ab! Und die Blanks lassen sich schon wirklich heftig zusammen schieben. Wenn sich dann immer noch Probleme mit lösen von Teilen ergeben, würde ich waxen und als letzte Konsequenz tapen. Aber bis heute waxe ich weder das ich tape.
Frisch zusammengesteckt kontrolliere ich die Ruten nach einer kurzen Weile. Über einen langen Tag am Wasser prüfe ich sporadisch die Ruten. Das reicht um sorgenfrei zu werfen.

Dein Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Trockenfliege » 09.07.2018, 17:10

Philipp hat insofern recht, dass die "neueren" Sageblanks an den Überschüben empfindlicher geworden sind, denn sie werden dort nicht mehr, wie früher noch geschehen, durch eine extra Lage Kohlefaserband verstärkt.

Bei meiner X3i habe ich dann auch inwändig einen möglichen Riß entdeckt, der sich aber nicht nach außen bis zur Wicklung gearbeitet hat.

Solange die Wicklungen keine Risse zeigen ist alles ok., dann kann der blank darunter durchaus einen haben, er sollte aber nicht bis über die Wicklung raus reichen.

Ich teile und verzapfe sehr häufig blanks. Diese haben dann an der neuen Teilung natürlich keine Verstärkung, wie sie es an den originalen Teilungen haben.

Dadurch habe ich dann bei 3 blanks später Riße bekommen, die sich bis in die Wicklungen abzeichneten.
Dieses Malheur lässt sich aber nachträglich beheben, indem man den Bereich mit etwas Unelastischem überwickelt - Bindegarn ist auch im lackierten Zustand nicht 100% dehnfrei!
Man kann dafür Kohlefaserband verwenden, dass dann aber aufwendig bearbeitet, geschliffen werden muss, damit es gut/eben aussieht, bevor man es dann mit dem Bindegarn überwickelt.

Ich verwende dafür dünne (o,o8) graue Fireline auf grauen blanks. Damit habe ich auch einen solchen Riß an einer mittelschweren Spinrute überwickelt. Danach habe ich auch nach mehrmaligem Einsatz nichts mehr von dem Riß gesehen.
Ich habe den Riß selber nicht geklebt, nur neu gewickelt. Die Wicklung sollte dann deutlich, ca. 1 cm, über den Riß hinaus gehen.

Wenn man andersfarbige Wicklungen haben möchte, kann man die Fireline nochmal mit dem Bindgarn überwickeln.
Es funktioniert aber wahrscheinlich auch mit jeder anderen geflochtenen Schnur, da die alle nur sehr wenig Dehnung haben.

Gruß
Reinhard
Zuletzt geändert von Trockenfliege am 09.07.2018, 22:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 09.07.2018, 22:08

Liebe Kollegen,

ein ausführlicher Bericht folgt später. Nur um die Kulmination aller Bemühungen hier zu dokumentieren:

Bild

Nicht einfach, hart erarbeitet, ständiger Schlafmangel, unzählige Stunden am Wasser, stets Schmetterlinge im Herzen und eine tiefe Gewissheit!

Euer Frank - und Sven, unser FischersFritz, der kann noch ganz andere Geschichten erzählen! :D Aber Der, der fischt sicher gerade noch und hat keine Zeit.
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Trockenfliege » 09.07.2018, 22:18

Well done... \:D/

Gruß
Reinhard
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Philzlaus » 10.07.2018, 08:18

Winston ist nicht gleich Sage und Sage ist auch nicht gleich Sage. Bei neueren Blanks spart Sage grundsätzlich das Tapen an den Hülsen, sprich die Überschübe reissen hr schnell ein bei Überbelastung oder bzw wenn man Fehler macht beim Aufbau. Ich wünsche es dir nicht aber es kann dir passieren.
gruss
Philipp
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 10.07.2018, 20:22

Es kann ja sein, Philipp, dass ich wirklich Pech habe, vielleicht nicht stramm genug gewickelt oder zuviel rohe Gewalt, aber im Prinzip habe ich noch keine einzige Rute ab Werk gesehen die bis ans Ende gewickelt wurde! Bitte korrigiere mich, wenn es anders ist! Ich bin weiter der Überzeugung, dass viel Rutenschrott auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Ganz besonders bei selbst aufgebauten Ruten. Auch von echten Customherstellern wie Meiser z.B.!! Jetzt weilt ja Dietmar leider nicht mehr unter uns, um hier Position zu beziehen. Wenn ich einen rohen Blank zusammen schiebe um irgendwas zu prüfen, dann mache ich das mit absoluter Sanftheit. Ich habe die Method deshalb als erstes die Überschübe gewickelt, bevor ich sie das erste Mal richtig zusammen geschoben habe, um dann die Ringabstände auszumessen. Die Hersteller sind doch in der Regel nicht so gestört, dass sie sich selbst Support Fälle schaffen.

Frank

Und Nachtrag: Wo kommt Deine Erkenntnis her, das an den Hülsen getapt wird oder nicht? Ich hätte das gar nicht erwartet, bzw. würde das im Prinzip eher sogar negativ sehen, für den harmonischen Verlauf der Biegekurve etc etc!!
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 10.07.2018, 20:48

Zu dem Thema "CP" verlasse ich mich einfach auf Dale Clemens, der alles, ich wiederhole, wirklich alle Bindungen damit behandelt. Sogar Versuche an schweren Brandungsruten gemacht hat und Wicklungen gefischt die einzig und allein mit CP behandelt waren! Ohne Lack!! Ergebnis positiv. Ich habe mich wirklich damit auseinander gesetzt und war in Sorge wie Du. Aber wenn Experten die absolut integer scheinen so einen Rat aussprechen, dann verlasse ich mich darauf. Zumindest solange ich keine negativen Erfahrungen mache. Es sieht auch nicht danach aus, nach einer Woche Lachsfischen. Und ich mute aufgund Imperfektion der Sage sicher einiges zu! Aber die Ringwicklungen stehen wie eine 1. Falls sich was ändert, werde ich hier absolut ehrlich berichten. Aber dies Thema sehe ich sowas von entspannt. Ich habe die angewickelten Ringe versucht zu verbiegen! Nüscht niente nix nada!

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Philzlaus » 11.07.2018, 07:55

Zu den Wicklungen: Hier stellt sich mir nur eine einzige Frage? Will ich gleichen Müll bauen wie Ruten von der Stange. Mag schon sein das in China gefertigte Ruten hier nicht bis an den Rand gewickelt werden, aber will ich das auch so machen. Bei den Rutenherstellern kann das eine Kostenfrage sein weil man damit deutlich mehr Zeit opfern muss und auch mal eine Wicklung schief gehen kann. Zeit ist Geld in der Produktion. 99,9% erkennen den Unterschied eh nicht. Wenn was ist gibts mit der Garantie eine neuen Rute. Wobei die Garantie auch nicht umsonst ist.
Ich wickle meine Ruten IMMER bis wirklich knapp an den Rand. Obs besser hält, Vielleicht. Obs besser aussieht, Bestimmt!

Zum CP: Ich habs ausprobiert aber auch hier sagt mir der klare Menschenverstand dass eine Wicklung welche das Epoxy nicht aufnehmen kann massiv schwächer ist. Egal was irgendwelche "Experten" dazu meinen. Es sieht besser aus und damit verkauft es sich besser. Punkt!. Mit CP verhinderst du zu 100% dass, das Garn sich mit Epoxy tränken kann, ansonsten würde es nachdunkeln. Damit unterbindest du auch dass, das Epoxy bis auf den Blank durchdringen kann. Das einzige wo dein Epoxy wirklich effektiv hält ist der Millimeter wo du die Wicklung nicht bis an den Rand gemacht hast.CP hält lange nicht so gut auf dem Blank wie Epoxy. Das kannst gerne ausprobieren.
Und Brandungsruten? Wie oft wirft man die? 2-3mal am Tag?
Deine Wicklungen werden schon halten wenn du lieb zu deiner Rute bist und sie normal belastest. Und wenn nicht so bekommst du die Wicklungen umso leichter wieder ab.

lg
Ph.
gruss
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon matthias z. » 11.07.2018, 09:25

Hey Frank,

Petri zum ersten Lachs!!!! Leider lässt sich so ein besonderes Erlebnis nicht wiederholen. Den ersten Lachs fängt man eben nur einmal.

Die Geschichte solltest Du in "Totenstille in der Lachseecke" erzählen, denn da herrscht in der Tat Totenstille.

Schön auch, dass Du meinen Rat befolgt hast und in der Nacht gefischt hast, so dass das Glitzern und Funkeln der Rute die Lachse nicht verscheucht hat :wink: :mrgreen:

Tls

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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon matthias z. » 11.07.2018, 09:32

P.S. ich habe jetzt auch den richtigen Namen für Deine Rute: "Die Bordelltür!" :wink: :mrgreen: ........siehe 10. Zitat in beigefügtem Link aus einem der wahrscheinlich besten Filme, die je gemacht wurden:

http://www.filmzitate.info/index-link.p ... lm_id=1454

Tls

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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 11.07.2018, 14:29

@Pilipp: Alles richtig grundsätzlich, die Zeit wird es zeigen. Und Design, was ohne CP deutlich eingeschränkter wäre, ist für mich ein sehr wichtiger Faktor. Die verfügbaren Farben der Wicklungen sind fantastisch. Wenn die alle mehr oder weniger auf Blankfarbe eingeschränkt wären (außer Zierwindungen mit Metallikgarn), würde mir meine Rute keine Freude bereiten.

@Matthias: Danke Dir! Der Film ist grandios, ich steh auf Klamauk. Nur wegen der Tür war ich kurzfristig am Grübeln, denn es gibt in Hamburg die wohl Berühmteste. Aber da bräuchte ich 2 Ruten. :p :p *Hallo, wer hier im Keller?* Ich bring die Geschichte mit feinen Anekdoten wie gewünscht später im g. Faden.

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Trockenfliege » 11.07.2018, 18:49

Na, na Frank - in welchen Ritzen treibst du dich denn da rum... :mrgreen:

R.
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon dr-d » 11.07.2018, 19:08

hallo frank,


Glückwunsch! =D>

mein erster lachs war auch unvergesslich:war vor ca.30 jahren im spey-valley mit damaliger ehefrau und langweilte mich - also

tackle im hotel ausgeliehen und los. nach 1 stunde 1 fisch dran - gegenüber am ufer eines herrensitzes erschien ein perfekt(mass - tweed)

gekleideter herr mit begleiter.man machte mich höflich darauf aufmerksam, daß ich in seiner flussmitte "gewildert" hatte - peinlich.

dann aber wurde schon begierig der fisch begutachtet und man gratulierte mir sehr nett zu meinem ersten "lachslein" - grosse freude

bei allen über die folgende freilassung.

also mach so weiter - geht doch! \:D/


schöne Woche.


thomas
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon MaxS » 11.07.2018, 21:51

Herzlichen Glückwunsch Frank!
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