Mit 10 Daumen im Rutenbau

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 01.10.2018, 18:09

Liebe Kollegen,

ich bin aktuell dabei die beschädigten Ringwicklungen zu erneuern. Mir ist dabei beim Entfernen der alten Wicklungen aufgefallen, gerade an den Ringen vom Spitzenteil, dass diese wirklich bombenfest saßen. Die Risse können unmöglich von wackeligen Bindungen entstanden sein. Sei es durch die Anwendung von CP oder nicht so fester Wicklung.

Ich bin trotzdem bei der Neuwicklung gemäß meinem Plan vorgegangen, die Wicklungsspannung noch zu erhöhen und die Füße vorher anzuschleifen. Was ich von den Kollegen vom Rutenbauforum zusätzlich abgekupfert habe, jetzt haltet euch fest: Sekundenkleber!! :p :p Jahaaa, damit geht alles! Nein, natürlich nur Blödsinn. Also folgendes, es geht um die Fixierung des Ringes vor dem Wickeln. Ich habe die Ringe mit ganz feinen Kabelbindern befestigt, ausgerichtet und dann mit Sekundenkleber befestigt. Danach den Kabelbinder ab und den Ring festgetüdelt. Ich sage euch, dass geht astrein! Die Ringe verschieben sich null und kein nachträgliches Ausrichten ist mehr nötig. Mein Dank geht (ich habe mich immer noch nicht angemeldet :oops: ) erneut an die Kollegen von den Rutenbauern. Der Blank zeigt keinerlei Reaktion auf den Sekundenkleber. Nicht bei Kohlefaser und den Lackierungen. Ich weiß aber, dass es einige andere Kunststoffe gibt die der Sekundenkleber anlöst (Plexiglas z.B.)! Also bitte etwas Vorsicht walten lassen. Die Wicklung sieht tadellos aus und die erste Schicht CP auf 2 Ringe war ebenso ohne Tadel. Ich mache das in Zukunft nur noch so!

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 04.10.2018, 11:38

Und da gibt es ein feines Schema wie man Farbübergänge wickelt:

http://www.acidrod.com/images/Fade.jpg

Ich weiß, dass die ganze Fraktion die hier auf Holz klopft, eher puristisch (ich würde es langweilig nennen :badgrin: ) tickt, aber vielleicht wäre das doch mal was. So für den Einen oder den Anderen. :doubt:

Euer Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 09.10.2018, 16:06

Hier gibt es ein schönes Muster in hoher Auflösung:
https://www.rodbuilding.org/photopost/showphoto.php/photo/859

Und das wird daraus exemplarisch in einigen Schritten Abstand und dann noch bewegt:
https://www.youtube.com/watch?v=BXxMDKBamg8

Das ist doch bonfortionös, oder? Die Trägheit des Auges macht es möglich. Man denkt in dem Video, es sei wie ein gemalter Übergang Ton in Ton, aber wenn die Wicklung auf der Oberseite erscheint, ist der "Schatteneffekt" nicht vorhanden. Kippt aber die Rute direkt zum Betrachter, erscheint der schwarze Schatten zum Rot.

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 14.10.2018, 19:22

Johannes Krämer hat geschrieben:Hallo Frank,

vllt. kommt der Tipp zu spät. Ich verwende für die Bearbeitung von Birkenrinde fast ausschließlich Abranet Schleifgitter. Gerade die Birkenrinde verschlingt unglaublich viel Sandpapier und wenn man am Anfang mit einer Raspel die Rinde bearbeitet, bekommt man oft kein sauberes Ergebnis am Ende.
Außer den letzten Schliff mit 2000er Papier mache ich alles mit Abranet. Das hält um einiges länger, hat ein super Schliffbild und nimmt je nach "Körnung" ordentlich Zeugs runter.
Man sollte nur nicht eine zu hohe Drehzahl verwenden, wenn man, wie bei dir, ein einigen Stellen so viel Kleber hat. Das schmilzt sich schön in das Gitter ein.

Viele Grüße und viel Erfolg noch



Lieber Johannes,

ich habe das Zeug gerade geordert! :mrgreen: Vom 80er bis 400er (10 Meter Rollen) plus Handgerät mit Absaugung und Schlauch - damit Mutti nicht wegen dem Staub meckert! Geht erstmal ein wenig ins Geld, aber ich denke das hält recht lange. Das Handgerät deshalb, weil man sonst auf längeren Griffen per Hand Wellen rein schleift. Nun kann ich ganze Birkenwälder und sonst was verarbeiten!

Der nächste Lax geht auf Dich! Zunächst wird der Lachstöter damit noch leicht nachgeschliffen, bevor später Pamela richtig.... ich glaube ich brauch einen anderen Namen, man gerät ständig mit den AGGs und Metoo und was weiß ich nicht noch alles in Konflikte! Dabei ist es doch nur eine Angel! :badgrin: :badgrin:

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 14.10.2018, 19:47

Was ich aber eigentlich berichten wollte: Die Ringwicklungen sind erneuert und lackiert. Damit ist die Sage wieder fischbar. Fotos folgen. Ich habe nichts verändert, außer die Füße anzuschleifen und sehr fest zu wickeln. Ich werde werde mein Versprechen halten, euch über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden zu halten. Am Griff schleife ich mit dem neuen Abranet den Kratzer raus.

Überhaupt der Griff, noch ein Kommentar: Ich bin so zu 80 % zufrieden mit meiner Korkqualität. Eine leichte Teilschuld trifft mich, weil ich durch den Zeitdruck nicht genug wählerisch sein konnte. Natürlich ist die Qualität besser als vom Standard und ich werde auch keinen Kit benützen, aber es hätte noch einen Tacken "reiner" sein können! Bei Pamela muss ich mehr darauf achten. Falls jemand eine gute Adresse für absolut hochklassigen Kork hat, würde ich mich wirklich freuen!!

Und um euch in diesem Faden weiter am Kochen zu halten, kann ich schon ankündigen, dass der Lachstöter nach sämtlichen Reparaturen weiteren Schmuck erhält! Ich bin in den theoretischen Vorbereitungen und Recherchen für eine "Handteilwicklung". :doubt: Anleitungen habe ich, Garn habe ich, zum Anreißen brauch ich noch und buntes Klebeband zum Entwurf brauch ich auch noch. Das Muster ist aber schon lange gesetzt: Flames! Ich bitte euch, gibt's was anderes für den Lachstöter?! Weiße Friedenstauben vielleicht? :mrgreen: :mrgreen:

Euer Frank - wieder völlig verwirrt
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 28.10.2018, 10:12

Thema Abranet.

Wer damit noch nie gefrickelt hat, bekommt jetzt direkt den Befehl "kaufen"! :D Ich habe gestern den Griff nachgearbeitet und gerade 2 etwas längliche Stücke von dem Zeug aufgebraucht. Ich habe mit 240er und 400er nachgeschliffen, ganz leicht remoduliert um die Akzente weiter zu schärfen und hinten den Griffabschluß mit Alu und Delrin für eine Schmuckwicklung vorzubereiten. Zunächst mit Dremel und Minifräser eine Nut fräsen, die das Garn und Lack ebenmäßig zum Rest aufnehmen soll, um dann mit dem Abranet zu säubern und polieren. Dieses Schleifgitter hat eine unglaubliche Standzeit. Es schleift ohne Einbußen neben Kork und Birkenrinde, mein Delrin und das Alu. Das Delrin hat eine hohe mechanische Festigkeit, macht aber mit dem Abranet keine Probleme. Laut Angaben des Herstellers alles so voraus gesagt (inklusive verschiedener Metalle), aber doch überraschend wie perfekt.

Ich mag gar nicht daran denken, was ich da für eine Menge herkömmliches Schleifpapier (noch dazu eigentlich unterschiedliche Sorten) benötigt hätte. Ich bin schon gespannt, wie auf neuen Griffen überhaupt erst das 80er zupackt, wenn schon 240er so effektiv schleift. Ich habe es mir rollenweise a 10 Meter gekauft. Es kostet um die 25,- Euro, was mit verschiedenen Sorten (80er, 120er, 180er, 240er und 400er) schnell mal über 100,- Euro ausmacht. Das ist im Vergleich zu einem Bogen herkömmlichen Schleifpapier im 1 Eurobereich dann schon viel, aber, muss man ja sagen, die Effektivität, Geschwindigkeit steigern sich enorm. Und gutes Werkzeug macht nun einmal auch Freude.

Mein Dank noch einmal an Johannes Krämer für diesen ganz besonderen Hinweis!

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Master of Windknots » 28.10.2018, 11:44

fly fish one hat geschrieben:Dieses Schleifgitter hat eine unglaubliche Standzeit.

Ich habe Abranet etliche Jahre als Tischler verwendet. Die im Vergleich zu herkömmlichen Schleifmaterialien hohe Standzeit kann ich nur bestätigen.
Wenn es sich doch irgendwie ein wenig "zugesetzt" hatte, bekommt man es mit Druckluft wieder weitgehend frei, wenn es kein "klebendes" Schleifgut (z.B. gewachste oder geölte Oberflächen) war.
Wir hatten es allerdings nicht das Rollenmaterial, sondern passend vorgefertigt für die Schleifklötze mit einer festen und einer flexiblen Seite.
Viel Erfolg weiterhin ...

TL de Alexander
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 09.11.2018, 19:04

So hat es mal ganz am Anfang ausgesehen:
Bild

Daraus wurde im Sommer zunächst das:
Bild

um dann jetzt endgültig das zu werden:
Bild

Keine große Veränderung, aber mehr Schwung, der sich harmonisch und keck ins Bild fügt. Manchmal weiß man nicht warum es nicht ganz stimmig ist, weil nur Nuancen fehlen. Das macht Design so schwierig.

Frank

Einen habe ich einen habe ich noch:

Der Sohn. Kommt, schaut über die Schulter. Nimmt das Handteil. Ich sage keinen Pieps. Er schaut mich mit riesen Augen an und er hat wirklich auch normal schon grosse Augen. Ich verstehe überhaupt nicht was er jetzt meint, obwohl wir uns eigentlich blind verstehen - grosse Augen hin oder her! Dann Er: "WOW!" Ich: "Was denn?" Er: "Na der Griff!" Ich: "Wieso der Griff?" Er: "Der ist so weich und geschmeidig!" Ich: "1200er Schleifpapier!" Er: "Hammer!" Und er hat schon ein paar Fliegenrutengriffe von der Stange in der Hand gehabt! Es geht noch feiner, hätte ich auch, aber irgendwie reicht es, weil man dann irgendwann nicht mehr in der Lage ist es überhaupt zu spüren. Auf Metallen allerdings, lassen sich damit Spiegel erzeugen. Aber dieses Schleifpapier gibt es nicht mehr im Baumarkt und auch nicht zu diesen Preisen. Nennt mich geizig! :mrgreen: Das Maximum was ich je auftreiben konnte geht bis 5k. Alles danach macht man mit Pasten. Aber es gehört nicht in dieses Forum.
Zuletzt geändert von fly fish one am 09.11.2018, 20:29, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 09.11.2018, 19:12

Und auch das Ende brauchte eine leichte Veränderung:
Bild

Aber um das Freihand mit der Dremel zu fräsen brauchte ich vorher eine Flasche Augustiner Edelstoff! :badgrin: [Immer gemeint: Blank auf Wickelbank rotierend und Dremel mit Aufsatz dagegen arbeitend. Funktioniert erstaunlich effektiv!]

Bild

Und lackiert:
Bild

Sorry für die leichte Unschärfe, aber es rotierte und die Digiknipse war nicht schnell genug.

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 09.11.2018, 19:17

Und einen habe ich noch. Die infantilen Entwürfe für eine Handteilwicklung:
Bild

Der ganz Linke ist das worauf ich hinaus will! Sieht doch jeder, oder? :badgrin:

Es nennt sich Reverse Chevron und hat mich ein paar graue Haare gekostet, wie die anderen Versuche zeigen, bis ich eine Anleitung fand. Jetzt steht es nur noch nicht in der Richtung, in der es laufen soll. Und ja, die Farben sind weder Tauben noch Flammen! :mrgreen: Gebt mir noch ein wenig Zeit, wa! :D

Frank

Wer will kann mich per Mail anpingen, dann schicke ich meinen Download der Anleitung für den Reverse Chevron als PDF.
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 10.11.2018, 12:27

Manchmal muss man drüber schlafen.
Reverse Chevron Muster quer zur Rutenachse, wie ich es gerne wollte:

Bild

Für die Allgemeinheit:
Die Buchstaben geben die Reihenfolge und die Pfeile die Richtung der Wicklungen vor. Dabei sind verschiedene Farben mehrfach in eine Richtung gelegt worden. Und genau daraus muss ich jetzt mit den richtigen Farben die Flames entwickeln. Aber das wird schon auf dem Blank passieren! Abwarten und Tee trinken....nää Bier, Bier mein ich doch!

Vielleicht noch eine Anmerknung: Erst einmal komplett A und B fertig wickeln und dann C und D. A und B gibt diesen Winkel \/ und C und D diesen Winkel /\ !!


Euer Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 10.11.2018, 22:10

Und immer muss das Spielzeug des Sohnes herhalten:

Bild

Es soll den grundsätzlichen Verlauf und Harmonie der sich ändernden Kreuzungspunktabstände (Hammer, dieses Wort, oderrrrr? :badgrin: ) zeigen. Es zeigt für meinen Geschmack: Passt!

Dann der Beginn mit den Führungsfäden (noch so'n Wort wie Donnerhall! :badgrin: ) und den ersten Wicklungen des abwärts gerichteten Winkels:

Bild

Ihr findet mich einigermaßen begeistert vor, weil ich jetzt mal den Anfang gesetzt habe! =D>

Und ich wäre begeistert, wenn ich sowas mal auf Bambus sehen könnte. Ich weiß, das mir jetzt die ganzen Grasfuzzis den Vogel zeigen! Dennoch, Ihr Recken, Ihr seht immer nur die vollgestopften Muster und Farben solcher Verzierungen! Was so nicht zu Ende gedacht ist! Die Kreuzwicklungen lassen jede Spielart zu und sei es auch nur mit 2 bis 3 Fäden und ganz dezenten Farben! (Also nicht das was ich jetzt vorhabe!)

Stellt euch einen naturbelassenen Bambus mit einer hauchfeinen Wicklung und dunklen Tones vor, oder ein geflämmter Bambus mit einer hellen Wicklung. Ein mit Bedacht ausgesuchter Mix der Stile auf Bambus, dezent in Szene gesetzt. Das Furchtbare, wie ich finde, sind diese ganzen Betonköpfe im Bambusrutenbau. Ich weiß nicht, ob sie nicht wollen oder nicht können! Gibt es denn nicht mal Kollegen, dieser von mir trotzdem sehr geachteten Fraktion ( Kurt weiß das! ) die mal etwas wagen? In meinen Augen würde es diesen Werkstoff in eine ganz andere Liga katapultieren! Es soll nicht heißen das man die Klassiker verläßt, aber praktisch mit diesem unvergleichlichen Werkstoff auch mal ein mutiges Design entwirft!

Mir ist schon klar, dass die ganze Aufmerksamkeit der Bambusfraktion zunächst in der Auswahl und der gesamten Fügung des Werkstoffes liegt. Da habt ihr einen ganz hohen Spannungsbogen! Danach lassen die Konzepte oft extrem nach und es geht nur noch darum eine Rute fertig zu stellen. Wenn ihr diesen hohen Spannungsbogen halten könntet, dazu auch im Design mal etwas wagt, würden Kunstwerke entstehen! Und zwar der Gegenwart und nicht der Steinzeit! :D

Frank
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon Michl » 11.11.2018, 07:50

Moin,
Wie ist das denn mit biegen und stauchen einer derart langen und steifen lackierten Wicklung?
Nach meinem Verständniss muss das doch Schäden geben wenn sich da tatsächlich mal was tut in Sachen dicker Lachs?
Ganz abgesehen davon, wenn ich hier lese das sich bei den Spezialisten gar das Gewicht des Spitzenringes (!) auf das Wurfverhalten auswirkt, sollte man in den leichten Klassen wohl kaum unnötigen Schnickschnack an eine Rute pfriemeln.
Und da sind halt die "Grasfuzzis" zu Hause.
Und, nicht jeder steht auf sowas, manche Sachen gibts nicht weils keiner, oder nur ganz wenige verirrte, :mrgreen: wollen.
Ich verfolge das hier echt mit Interesse, finde es auch handwerklich gut gemacht, aber bei mir käme so eine Pornorute, äh, sorry, Pamelarute nicht in das Rutenrohr. :D
Das ist für mich sowas wie ein Altrosa metallic lackiertes Auto mit himmelblauen Felgen. :kotz
Ist wie immer, die Geschmäcker sind halt gottseidank verschieden.

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon piscator » 11.11.2018, 09:26

Moin Frank, wenn du bereit bist hobel ich dir nen schönen Blank -- den kanst du dann selber .............. muss aber alles inkognito :mrgreen:
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Re: Mit 10 Daumen im Rutenbau

Beitragvon fly fish one » 11.11.2018, 10:10

Lieber Michl,

betrachten wir mal die 2 Gesichtspunkte Gewicht/Haltbarkeit und Farbgestaltung.

Gewicht und Haltbarkeit:
Zum Gewicht musst Du immer berücksichtigen wo es hinzugefügt wird. Und es macht einen grossen Unterschied, ob es die Spitze oder das Handteil ist. Kein Mensch (selbst ich nicht :shock: ) würde sowas an die Spitze wickeln. Es würde ja alle Eigenschaften komplett verschieben. Am Handteil sieht die Sache doch völlig anders aus.

Wenn wir mal jetzt meinen grossen Zweihänder betrachten. Wenn sich mein Handteil so verbiegt das der Lack platzt, dann ist der Stock komplett zerbröselt! Da kommt es auf die Wicklung auch nicht mehr darauf an. In dem Bereich, wo das noch arbeitet, wird der Wicklung respektive Lack, sicher nichts geschehen. Der Lack behält immer eine gewisse Zähigkeit. Ich habe das mal mit einem grossen Rest ausprobiert. Du kannst es richtig verbiegen ohne das es bricht.
Ich persönlich habe jetzt weiter eine Wicklung erwählt, die nicht komplett den ganzen Blank bedeckt. Damit die Eigenschaften nicht zu sehr beeinflußt werden. In gewisser Weise nehme ich das aber auch in Kauf. Wie ich das später lackiere, nur die Wicklung oder komplett, dass weiß ich noch nicht.

Nun betrachten wir als Gegenentwurf mal eine Klasse 3 Bambus. Das kommt an das Handteil und kann theoretisch aus ganz wenigen Fäden bestehen. Auch die Länge kann ja beliebig variieren (ich mache es komplett über den ganzen Blank des Handteils der noch frei bleibt). Dann lackierst du nur die Fäden, nicht den ganzen Blank - handwerkliches Geschick setze ich immer voraus. Ich bin der Meinung, dass du den Einfluß auf Flex und Gewicht komplett vernachlässigen kannst. Wenn es dezent am Handteil eingesetzt wird!

Farbgestaltung:
Ich sage Dir, es gibt zu viele bunte Bilder im Indernet. Die erzeugen einen ganz wilden und schrägen Eindruck. Die Farben zu grell, die Muster zu verschwurbelt. Das prägt die Vorstellung davon allgemein. Den Kreuzwicklungen wird in meinen Augen aber Unrecht getan, weil man sowas auch sehr fein und geschmackvoll gestalten kann. (Ich könnte das auch, aber im Moment nicht! Weil man mich da gerade erst von der Leine gelassen hat. :shock: )

Ich möchte mal versuchen es mit Hilfe eines anderen Bildes, in einer Analogie zu beschreiben. Ihr kennt doch alle die alten herrlichen schwarzweiß Filme, Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich, Ava Gardner und viele weitere Göttinnen! Die Nylons hatten noch einen durchlaufenden schwarzen Streifen auf der Wade, weil es produktionstechnisch noch nicht möglich war sie nahtlos herzustellen. War dieser schwarze Streifen aber nicht geradezu sinnbildlich und traumhaft sexy?! Man sah die Haut, respektive Bambus und es schärfte die Kontur dieser Beine die bis auf die Erde gingen (dazu noch die überaus weiblichen Firguren, ganz im Gegensatz zu heute)!

So müsst ihr euch mal eine Kreuzwicklung vorstellen, ähnlich dezent, durchschimmernd und in gedeckten Tönen. Es würde den Verlauf, die Form und Kontur grundsätzlich, aber auch der Pentagone (oder wie auch immer) mal ganz anders heraustellen. Gerade die eben oft nicht runde Form der Bambusruten müsste stärker durch ein Designelement heraus gearbeitet werden. Ich habe doch den Link zu den Oyster Ruten eingestellt. Der Typ hat geflämmte und nicht geflämmte Bambusspleißen kombiniert. Finde ich ganz großartig, weil damit endlich die Form sichtbar wird.

In einem Satz zum Schluß: Kreuzwicklungen sind nicht immer Mangas, sondern auch mal Nylon oder Wonderbra. Es würde geradezu sinnliche Bambusruten schaffen! Weit entfernt vom grellen und üblichen Schmuck.

Frank
Zuletzt geändert von fly fish one am 14.11.2018, 20:52, insgesamt 2-mal geändert.
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