Ringe: Schlange oder Einbein?

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Gernot Iske

Ringe: Schlange oder Einbein?

Beitrag von Gernot Iske »

Tach zusammen,
ich kann mich bei der Beringung meines Orvis - Blanks nicht entscheiden (9' #9 für das gröbere Meerforellenfischen bzw. bei Wind): Schlangen - oder Einbeinringe?
Die mehr oder weniger vorhandenen Auswirkungen für die Aktion sind klar. Mir geht es natürlich um minimale Reibung. Einbeinringe scheinen ja weniger Reibung zu haben, trotzdem bauen aber viele namhafte Hersteller auch ihre Weitwurf-Modelle mit Schlangenringen. Die Frage ist: was 'flutscht' besser?
Hat jemand ne Idee oder Erfahrungen damit?

burning reels,

Gernot
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dgspec
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Beitrag von dgspec »

Hallo Gernot,
habe alle meine Eigenbau-Ruten mit Einbein-Ringen bestückt. Grund dafür war eben pro Ring nur eine Wicklung und die Hälfte an Lack- eine rein "gewichtstechnische" somit aktionsbeinflusste Entscheidung. Reibungstechnisch denke ich nicht, dass es da entscheidende Unterschiede gibt.Möglicherweise "führen" Snakes die Leine beim Wurf nachhaltiger. Für meinen Teil hab' ich allerdings noch keine Nachteile bei den Einbeinen erfahren.Die Snakes werden aus meiner Sicht auch aus optischen, sprich traditionellen Gründen verwandt. Man stelle sich eine "Forellengras" Rute mit Einbeinen vor - NO GO - montiert auch keiner mit Stil und ästhetischen Basisansprüchen 'ne Composite Rolle an die Gespliesste oder schraubt nen Heckspoiler an den Jaguar :-)
Gruss Dirk
Bin allerdings sicher, dass aus den Reihen der Bambus-Bauer präzisere Ausführungen zum Thema folgen :-)
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Maifliege
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Beitrag von Maifliege »

Hallo Gernot,

ein Schlangenring birgt potentiell mehr sich verjüngende Engstellen zwischen Fuß und Blank sowohl in Schussrichtung als auch "Rückwärts". Damit können sich die Übergänge Vorfach - Schnur, SK-Schussschnur oder Schnur - Backing auch potentiell eher "fangen". Alles erlebt und gesehen, manchmal schmerzhaft. Für eine "Sturmrute" bei hartem Einsatz würde ich Dir aus diesem Grund zu Einstegringen raten. Allerdings sehn se in meinen Augen einfach Sch.... aus. Kann mich einfach nicht daran gewöhnen und mein Auge fischt mit. Also, aus meiner Sicht sind GROßE Einstegringe vorzuziehen, klemmen nicht ein, halten die Schnur zuverlässiger vom Blank wg. Reibung und so... Wenn du mit der "Kosmetik" zurecht kommst!

TL
Matthias
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Harald aus LEV
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Beitrag von Harald aus LEV »

Hallo Gernot,
ich rate Dir bei dieser Rute ebenfalls zu großen Einbeinern. Wenn Du sie zum Mefo-Amgeln, vielleicht Salzwasser mit Gischt einsetzen willst, kommst Du um weite Würfe nicht herum. Wenn der Blank naß ist, passiert es, daß die Schnur am Blank anliegt und daran haftet. Durch den Steg bei Einbeinern wird die Schnur etwas vom Blank entfernt geführt und kann nur an kurzen Stellen, wenn überhaupt, am Blank anliegen und haften. Bei Schlangenringen kann sie dagegen auf ganzer Länge haften, was zu Lasten der Wurfweite geht.
Gruß Harald
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Edgar
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Beitrag von Edgar »

Hallo Gernot,

ob nun Einstegringe oder Zweistegringe ( Snake ) ist wohl eine reine Geschmacksfrage. An einer gespliessten Rute sehen z.B. Einstegringe nicht besonders aus. Um das Kleben der Schnur am Blank zu vermeiden setze ich einfach 1-2 Ringe mehr an den Blank und verwende als Einlaufring einen Achatring.
Gute Erfahrung habe ich mit hochstehenden Ringen von Sage gemacht.

Gruß Edgar
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Kurt Zumbrunn
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Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Hallo Gernot,
Habe gleiche Erfahrungen wie Edgar gemacht. In Bezug auf das Aussehen stellt sich die Frage ob man eine klassische oder eher moderne Gesplisste bauen möchte (Rollenhalter, Ringbindungen usw.). Vom Wurftechnischen her finde ich Einstegringe sehr gut.
Gruss
Kurt
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dgspec
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Beitrag von dgspec »

Hi,

..und weil hier oftmals das kleben der schnur am blank angeführt wurde: bei glass (soll es auch noch geben :-) ) und Carbon Ruten, also die moderne "Plastic"s hilft ungemein den blank mit Canaubahaltigem Autohartwachs zu behandeln. Feucht auftragen, kurz einwirken lassen und mit weichem baumwolltuch zart aufpolieren.- Erstaunlich !!
Ob das an Gespliessten funktioniert wage ich nicht zu behaupten - weil - habe keine Gespliesste (..kommt noch)
Gruss Dirk
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Fly-Ing

Beitrag von Fly-Ing »

Hallo Rutenbauer!

Interessante Aspekte zu dieser Diskussion habe ich bei SexyLoops unter :

The Board » Forums » Tackle » Small guides vs. large guides

http://www.sexyloops.co.uk/cgi-bin/theb ... board.cgi?;act=ST;f=5;t=3370

gefunden, Zitat:

Leo Vensel
Group: Members
Posts: 39
Joined: May 2005

Posted: Dec. 01 2005,14:33

I recently read an interesting perspective about snake guides written on Tom Morgan's web site.

http://www.troutrods.com/graphite.html

"One aspect of our rod design that makes them different from most other rods currently on the market is the snake guide size. If you compare our rods to others the guides seem small, and you might think, too small to let the line pass through easily. The common misconception is that the bigger the guides the better the line flows through them and the farther you can cast. I have wrapped and cast identical rods with small guides and large guides and found just the opposite to be true. Apparently, the larger guides allow the line to slap around the rod too much and actually reduce the shooting ability of the line.
Another aspect often overlooked, particularly on rods like ours with delicate and supple tips, is that the larger guides weight the tip of the rods xcessively and entirely destroy their subtle action. Trust me, our guides are of adequate size; the smaller, lighter guides are one of the things that make our rods feel so great."

Frei übersetzt:

"Ein Aspekt unseres Rutendesigns, dass unsere Ruten von den meisten anderen derzeit auf dem Markt erhältlichen unterscheidet, ist die Schlangenringgröße. Wenn sie unsere Ruten mit anderen vergleichen, erscheinen die Ringe als eng und sie mögen denken, die Ringweite ist zu gering um eine Leine leicht und ungebremst hindurch gleiten zu lassen. Die verbreitete Fehlauffassung ist, dass je größer die Ringe um so besser die Leine durch diese rutscht und desto weiter man werfen kann. Ich habe identische Ruten mit kleineren und größeren Ringen bestückt und geworfen und habe das Gegenteil bestätigt gefunden. Offensichtlich erlauben die weiteren Ringe, dass die Leine sich zu weit um den Blank schlingt und tatsächlich das Durchschießen der Leine reduziert.
Ein anderer Aspekt, der oft übersehen wird, speziell bei Ruten mit feinen sensiblen Spitzen, wie den unseren, ist, dass größere und schwerere Ringe die Rutenspitzen zu sehr belasten und ihre feinfühlige Aktion vollständig zerstören. Glauben sie mir, die Größe unserer Ringe ist ausreichend, die die kleineren und leichteren Ringe sind eine der Ursachen dafür, dass sich unsere Ruten so großartig anfühlen. "

Im Forum gab es unter anderem schon mal eine ähnliche Diskussion:

Ich kopiere meinen Beitrag noch mal hier an diese Stelle, es lohnt sich wirklich, Tom Morgan's Erfahrungen mal selbst auszuprobieren!

Zitat aus Wie mache ich die rute strammer!
http://85.88.1.69/forum/showthread.php?threadid=225506

.....in dem vorliegenden Thread finde ich einige meiner unmaßgeblichen Meinung nach (IMHO) gute und richtige Ansätze über das Aufbauen von Ruten und die Beeinflussung der Aktion durch die anzubringenden Bauteile.
Die beste Methode um Denkmodelle zu stützen ist ausprobieren!

Helfen kann dabei das probeweise Anbringen von Ringen z.B. mit Tesafilm oder zusätzliches Anwickeln von etwas Draht an den Blank um schwerere Ringmodelle oder eine größere Anzahl von Ringen zu simulieren.

Das Ringgewicht beeinflusst die Aktion immens je näher zur Spitze hin die Ringe angebracht sind. Alle fest am Blank befindliche Masse muss genauso wie die gewollt zu beschleunigende Masse (Fliegenschnur +Vorfach + Fliege) in Bewegung gesetzt werden. Einen überschweren Spitzenring zu beschleunigen heißt weniger Schnellkraft für die Schnurbeschleunigung übrig zu haben.

Durch die Eigenmasse schwingt jede Rute wie ein Pendel nach, steife und leichte Rutensysteme schneller und weiche schwerere Systeme langsamer.
Ein- oder Zweistegringe sind hinsichtlich Schnurführung und Versteifung (IMHO) nicht wesentliche Entscheidungsmerkmale, viel wichtiger sind geringes Ringgewicht und Anzahl (Abstand) der Ringe.

Eine einfache Formel ist: So wenig (und leichte) Ringe wie möglich, aber so viele wie notwendig, um zu verhindern, dass die durch die Ringe rutschende Leine den Blank mehr als den halben Blankumfang umschlingt.
Der durch eine größere Umschlingung am Blank auftretende Reibungsverlust würde die durch geringeres Ringgewicht gewonnene Beschleunigung wieder aufheben.......

Ansonsten wünsche ich Spaß beim Ausprobieren und Vermehren der dabei gewonnenen Ansichten!

Gute Beringung wünscht

Fly-Ing
stefan grau

Beitrag von stefan grau »

und noch mehr darüber, respektive erkannte man schon vor Sexyloops, im Buch "Technology of Flyrods", ISBN 1-57188-190-5, Frank Amato Publications, Autor Don Phillips, Herausgabejahr 2000.

Dies ei allen Rutenbauern wärmstens empfohlen, es öffnet die Augen für viele Halbwarheiten, wie wir sie wohl gerne hören.

Gruss

Stefan
Gernot Iske

Beitrag von Gernot Iske »

Hallo Leute,
ich bin ziemlich beeindruckt, wie schnell 'ich geholfen wurde'! Okay, das ist das erste Forum, daß ich aktiv nutze, also hab' ich damit noch keine Erfahrung - vielleicht ist das ja normal so. Meine kleine Wenigkeit haut's jedenfalls um. Als
'Rodsmith' ist man in Vorpommern ziemlich alleine, da ist es um so wertvoller, wenn man sich mit Leuten austauschen kann, die an der selben Krankheit leiden ;-)
Also: Dank und dicke Fische,
Gernot
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