Spleiße im Ofen

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Spleiße im Ofen

Beitragvon Kudu » 08.01.2017, 21:20

Mit meinem Ofen hatte ich ja schon meine Erfahrungen.

Ich war von einer Heizdauer von 20 min bei 180 Grad ausgegangen.

Die Spleiße hatten vorgehobelt etwa 7-8 mm Seitenlänge.

Wie lange backt ihr denn so?

VG Andreas
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon Peter S. » 09.01.2017, 01:17

Hallo Andreas,
180° sind sehr, sehr grenzwertig. Wer hat Dir das empfohlen?
Sinn und Zweck dieser Hitzebehandlung ist nicht, dass die
Spleiße braun werden, sondern das das Wasser in ihnen verdampft. Das
geschieht bei max. 170° und 30 Minuten Dauer.
Probiere es aus.

Gruß
Peter S.
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon tea stick » 09.01.2017, 12:40

Hallo, Andreas!
Wie geht es dem Schwarzwild? Diese nasse Winterkälte bekommt den Frischlingen ja nicht allzu gut... Aber vielleicht haben sie sich ja bei Eurer Fürsorge schon gewöhnt und tragen die wasserabweisende, atmungsaktive Outdoor-Bekleidung von "Wolfshaut"?
Zum Thema:
Angaben zu Temperatur und Backdauer können nur Richtwerte sein. Ich vertraue da mehr auf meine Sinnesorgane Nase und Auge: Wenn die Rohspleiße ausreichend erhitzt sind, dann tritt der Saft (es ist ja nicht nur Wasser!) an den Spleißenden in kleinen Blasen aus und verströmt einen zarten Eigenduft. Ich schreibe absichtlich vom "zarten" Eigengeruch, denn wenn der Spleiß erst einmal das Verkoken angefangen hat, dann wirst Du für den Rest Deines Lebens von Deinem Geruchserinnerungsvermögen überzeugt sein... (Das war mein allererster Backversuch!) Sobald der sichtbare Feuchtigkeitsaustritt aufhört, ist das für mich das Signal, mit dem Backen aufzuhören: Hitze- und Luftzufuhr abstellen. Viel mehr Feuchtigkeit kommt nicht mehr. Man kann natürlich noch die beginnende Einfärbung der Spleiße abwarten; das ist aber dann möglicherweise eine Minutenangelegenheit. Mit dieser "optischen und olfaktorischen Messmethode" habe ich meine besten Erfahrungen gemacht. Deshalb halte ich nichts davon, mit festen Backdaten zu arbeiten. Zu unterschiedlich ist die Tonkinbeschaffenheit. Es ist sogar denkbar, dass die zweite Hälfte eines Rohrs anders reagiert als die erste, wenn zwischen den Bearbeitungszeiten ca. 1/2 Jahr liegt; zwischenzeitliche Unterschiede in Jahreszeit, Lagertemperatur, Luftfeuchtigkeit, Bambusfeuchte und zwischenzeitlich erfolgte Trocknung können die Ursache dafür sein.
Natürlich stößt auch meine "Sinnen-"Garprobe an ihre Grenzen, z.B. bei der Verformung des streamlined Hülsenzapfens. Da tritt dann keine Feuchtigkeit mehr aus und der Bambus kann verspröden, obwohl man nichts erkennen kann. Schließlich ist das ja dann schon die zweite Hitzebehandlung. Dieses Problem habe ich noch nicht gelöst und harrt der Klärung. Vielleicht Wasserdampf? Und Richtwerte helfen mir dabei auch nicht...
Also: "Heizdauer von 20 min bei 180 Grad" sollte man nicht sklavisch wörtlich nehmen! Selbst unsere Altmeister in der Literatur verkneifen sich diese Warnungen bei Angabe ihrer ermittelten Werte nicht.
Und mit Deinen vorgehobelten Spleißen hast Du, so scheint's, wohl noch mal Glück gehabt. Das gehört aber auch dazu...

Lieber Gruß

vom Freimut
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon Royal Coachman » 09.01.2017, 17:15

Hallo Freunde!

So ein knuspriger Spleiß hat sicher auch seine Liebhaber, vielleicht Bieber oder andere Nager kann man sicher damit in eine Falle locken. :mrgreen: :badgrin:

Für Pandas ist das aber sicher nix :doubt:

tight lines
RC

PS: habe einmal ein Bündel schwarzer Spitzenteile bei einem berühmten Rutenbauer entdeckt, er hatte den Ofen vergessen. :?
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon Peter S. » 09.01.2017, 17:35

...noch am selben Tag kaufte er sich 2 Zeitschaltuhren!
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon tea stick » 09.01.2017, 17:51

Kudu hat geschrieben:Wie lange backt ihr denn so?

Deine Frage, Andreas, lässt in mir die Vermutung aufkeimen, dass Du das noch nicht gelesen hast:
http://www.powerfibers.com/BAMBOO_IN_THE_LABORATORY.pdf
W. Schott ist von Haus aus Wissenschaftler, und das merkt man seiner Ausarbeitung auch an. Mit der Dir eigenen Geduld und Beharrlichkeit wirst Du Dich auch durch diesen Text beißen können...
Und da der Mensch als solches bekanntlich ein Fauler ist, kannst Du ja mit den "Conclusions..." auf S. 20 f. mal anfangen!
Gruß

vom Freimut
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon tea stick » 09.01.2017, 17:57

Royal Coachman hat geschrieben: habe einmal ein Bündel schwarzer Spitzenteile bei einem berühmten Rutenbauer entdeckt, er hatte den Ofen vergessen. :?

Den Geruch im ganzen Haus kriegt er in Wochen nicht 'raus, kann ich bestätigen.
Hochinteressant ist aber die Betrachtung der verkokten Faserbündel; sieht aus wie Feinstdrahtbündel...

... weiß der Freimut aus eigener Erfahrung
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Re: Spleiße im Ofen

Beitragvon Kudu » 09.01.2017, 20:03

Hallo an alle,

180° und 20 min waren wohl ok, aber die Wärme war nicht gleichmäßig.
An der heißesten Stelle waren es 180°.
Ich habe die Spleiße heute mal extrem gebogen, aber die Dinger halten es aus, daher haben sie wohl keinen Schaden genommen.
Ich könnte mir auch noch vorstellen ein 2. Rohr aufzuspalten und die Spleiße nur kurz zu "backen", um dann 3 geflammte, leicht braune, mit 3 blonden zu mischen.

Aber ich werde die Spleiße erstmal fertighobeln.

Hallo Freimut, die Wildschweine gehen hier echt zu Schaden, es gibt zu viele!
Jetzt wo der Schnee liegt, kann man sie kreisen und kurzfristige Drückjagden machen, aber die werden auch immer schlauer, am Samstag ist 50m hinter mir eins durchgegangen ohne das man es hätte schießen können.
Ach ja der Kleber/Epoxi von Uhu der hier immer besprochen wurde kam heute, die Bezeichnung hat sich wohl geändert, ich hoffe er ist trotzdem zu gebrauchen.
VG Andreas

PS. Lese gerade einen interessanten Artikel zum " Bambusbacken"
http://www.gespliesste.ch/das-rutenbaue ... raege.html
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