Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 2005..

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

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Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 2005..

Beitragvon cdc » 30.01.2014, 18:28

Eigentlich fische ich nur in der Strecke des SJFF Stören an der Gaula... Ein Hochwasser lies dieses
im Sommer 2005 nicht immer zu und so fuhr ich an die Orkla (Vormstad Camping)...
Hier sah ich damals Yves Dreux das erste mal, wusste aber nicht wer er war...
Zwei Tage später war ich zurück an der Gaula... In Stören war immer noch kein Fischen möglich,
da die Sokna viel braunes Wasser mit sich brachte und so fuhr ich in die Aune Vald Strecke...
Früh am Morgen fischte ich mit zwei Finnen unterhalb des Bridge Pool und wir fingen ein paar Meerforellen...
Gegen Mittag ging ich zurück zum Auto um mich zu stärken... Da es regnete, das ganze in der Bushaltestelle...
Ich hatte gerade mein essen fertig, da biegt ein weißer Golf mit Hamburger Kennzeichen in die Haltestelle ein...
Ein Lachsfischer stieg aus und sagte: Hej, du warst vor zwei Tagen an der Orkla...
So kamen wir ins Gespräch und ich lud ihn auf Kaffee und Essen ein... Gut drei Stunden erzählte er mir
über seine Zeit zusammen mit Manfred Raguse und den grandiosen Erlebnissen am Bridge Pool...
Irgendwann im Gespräch stellte er sich mit Yves Dreux vor und da dämmerte es, den Namen hatte ich schon mal gehört...
Gegen Drei Uhr hörte der Regen auf und Yves meinte jetzt wird es Zeit einen Laks zu fangen...
Ich fragte was er denn für eine Fliege fischen würde und er sagte: heute na eine Sunray Shadow...
Ich konnte es nicht glauben, aber ich fischte fast einen ganzen Tag mit Yves zusammen und sein
Redefluss wollte nicht enden... Es war ein sehr interessanter Tag und ich freute mich sehr über diese ungewöhnliche Begegnung...
Bis weit in die Nacht unterhielten wir uns natürlich was sonst übers Lachs fischen und zum Schluss
meinte er noch: geh morgen ins Natursenter Stören da hängt ein Bild von mir...
Am Ende waren unsere beiden gefangenen Lachse fast Nebensache...
In den vielen Jahren an der Gaula habe ich viele Lachsfischer kennen gelernt...
Bis Heute denke ich immer sehr gerne an diese erlebten Stunden mit Yves zurück...
Ich hätte Ihn gerne wieder getroffen, leider ist er 2007 an der Orkla verstorben...

In gedenken an einen Großartigen Fischer... Liebe Grüße Jürgen
"Ein 12m-Wurf auf den Punkt macht mehr Sinn als ein 22m-Wurf in die Botanik."
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon berndi » 08.02.2014, 15:01

Lieber Jürgen,

das ist sehr bemerkenswert dass Du an Yves Dreux erinnerst. In der heutigen Zeit ist man ja schnell vergessen, viele schauen nur auf sich und ihre Erfolge. Ich finde, dass solche Begegnungen erst unsere Passion reich machen.
Leider habe ich Yves Dreux nie kennen gelernt, aber ich habe gern zugehört wenn von ihm erzählt wurde. Er muss ein ganz leidenschaftlicher Lachsfischer gewesen sein. Und scheinbar hat er kein leichtes Leben gehabt...
Also nochmals herzlichen Dank für deinen Beitrag.

Bernd
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon Lutz/H » 08.02.2014, 15:52

Ich habe Yves Anfang der 90iger an der Gaula kennengelernt und dann immer mal
wieder getroffen,in Norwegen oder auf Veranstaltungen in Deutschland.
Im Juni 2003 habe ich ihn mal besucht,er hatte an der Orkla
auf Vormstad eine Hütte gemietet,das war so Ende Juni,er war in diesem Jahr
schon sichtlich gesundheitlich angeschlagen, wir tranken 1 oder 2 Kaffee zusammen und
philosphierten über Fliegen und Bindematerialien.
Ich glaube danach habe ich ihn nicht mehr gesehen.
Er war in seinem ganzen Vehältniss zum Lachsfischen ,
aber auch in persönlichen Dingen ein Mensch, der seinen eigenen Weg unbeirrt ging,
seine Fliegen hatten schon das gewisse Extra,er war schon ein ganz
besonderer Mensch und Lachsfischer.
Gib jedem Tag die Chance, die schönste deines Lebens zu sen ; Mark Twain
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon cdc » 09.02.2014, 01:04

Guten morgen,
ich denke gerne an alte Zeiten zurück und halt auch an Yves... Er hat es wirklich nicht leicht gehabt und selbst nach seinen Ableben wusste man nicht wohin mit ihm...
Leider kenne ich seine letzte Ruhestätte nicht, ansonsten hätte ich ihm noch mal meine Ehre kund getan... Vielleicht weis es ja jemand hier...

Liebe Grüße Jürgen
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon Michael. » 10.05.2017, 11:06

Hallo,

diese beiden Fotos wurden uns freundlicherweise von Alexander Herb zur Verfügung gestellt, mit dem Titel "Mit Yves auf dem Rock am Fossen". Wir denken, im 10. Jahr nach seinem Ableben ist es eine gute Idee, die Erinnerung an den großen Meister des Lachsfliegenfischens noch einmal aufleben zu lassen. Wo sich seine letzte Ruhestätte befindet, konnten wir leider immer noch nicht in Erfahrung bringen ... :-k

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Gruß
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon fly fish one » 11.05.2017, 11:47

Liebe Kollegen,

das ist ein sehr stimmungsvolles und schönes Bild. Ich kenne den Kollegen Yves leider nicht, weil ich viel zu spät in das Thema eingestiegen bin. Wieso hat er so einen Ruf? Ich kann per google nichts über ihn finden. Auf dem Bild sieht er gar nicht so alt aus. Scheint relativ jung verstorben, oder?

Und wo Ihr alles schon wart und zu welchen Zeiten, chapeau, meine Lieben! Ich habe den Tipp für die Strecke an der Gaula gleich aufgegriffen und mir alle Informationen gezogen. Ist ja wohl eine echte Alternative zu den Strecken vom Raguse.


Euer Frank - schön bei Euch!
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon alexdustymiller » 11.05.2017, 23:05

Erinnerungen an Yves
Es wäre vermessen, wenn jemand wie ich einen Nachruf über Yves Dreux verfassen würde, so gut kannte ich Ihn nicht, nahm nicht mehr Anteil an seinem Leben als Stunden und Tage am Wasser, Momente und Augenblicke an den Ufern der allseits bekannten Flüsse Tröndelags.
Andererseits finde ich es schade und auch traurig, das dieser Fischersmann in Vergessenheit gerät, es gibt nichts zu guggeln, Bilder sucht man vergeblich, und hier hat ein Sportsfreund eine Erinnerung gepostet, wegen der ich mich hier angemeldet habe, eigentlich nur um die Bilder zu zeigen, da es ja kaum andere gibt.
Nun kamen hier Fragen auf, von „jüngeren“ Generationen, wer war denn das, der Yves, und warum hört man hier und da noch seinen Namen?
Ja und vielleicht kann ich hier ein wenig dazu beitragen, wenigstens ein bisschen Licht in die Sache zu bringen, indem ich meine Erinnerungen mal hier aufschreibe, in der Hoffnung, das weder der Themenstarter noch andere Foristen etwas dagegen haben.
Da ich seit 1982 so ziemlich jedes Jahr nach Norwegen zum (Lachs)-Angeln fahre, immer mit meinem Vater, der nun 85 wird, kann ich die Erlebnisse nicht mehr zeitlich zuordnen, welche Anekdote wann stattfand, in welchem Jahr, und ist dies ja auch nicht so wichtig.
Die erste Begegnung mit Yves hatten wir etwa 1988, oder so, am Stjördal, hier hatte der bereits erwähnte Manfred den „Flora Beat“ gepachtet und solventen Fliegenfischern angeboten. Yves war hier ein Guide, ein zur Anleitung und Hilfestellung angestellter „guter“ Fischer, der den Fluss bestens kannte. Wir waren zu dieser Zeit, wie meistens, auf der Suche nach einer Stelle, wo man denn mal fischen, einen Lachs fangen könnte.
Manfred schickte uns zu einer im Buschwerk am Ufer versteckten kleinen Hütte, dort wäre der Yves, der könnte uns den Beat ja mal zeigen.
Wir fanden die „Hytta“, niemand war da , aber ein Blick durchs Fenster bewies sofort: Hier haust ein Chaot! Das übliche Programm, Angelzeug, Klamotten, volle Aschenbecher und leere Kippenpäckchen, leere Bierflaschen und Dosen, Watstiefel und –hosen, und mittendrin auf dem Tisch der obligate Bindeschraubstock mit Bergen von Polarfuchs und Co rundherum abgelegt. Ich war sofort begeistert, mein Vater eher skeptisch.
Dann kam er, der Yves, aus dem Dickicht gestapft, mit Rute, und hieß uns willkommen. Er war nicht groß, vielleicht 1.70m, hatte ein klein bisschen französischen Akzent, und schwärmte sogleich vom Stjördal, voller grosser Fische, hab grad einen verloren, kommt ich zeige es euch….
Wir sahen dann auch grosse Fische springen, aber auf mich als „Anfänger“ wirkte das gesehene damals nicht so einladend, sah mir alles „schwierig“ aus. Zurück bei der Hütte meinte Yves dann: „Zeig ma deine Angel…“
Naja, siegessicher holte ich das Teil herbei, hatte ja schon 82 einen 10 kilo Lachs an der Gaula gefangen, einen von 5 und einen Grils, war also amtlicher Fachmann. Hohlglasrute, Marquis2, Schwimmschnur, mein ganzer Stolz, interessierte Ihn nicht. Stattdessen hängte er die montierte Fliege ans Geländer der Hütte, wickelte sich die „Flyline“ um die Hand, und ging rückwärts. „Pitsch“ hats gemacht, Yves hat etwas erstaunt geguckt und meinte (der Spruch ist bei uns legendär!):
„DIE SCHEISSEN DIR WAS!“

To be continued…Grüsse an Alle….
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon piscator » 12.05.2017, 06:25

Moin, war immer spannend mit Yves, auch als es ihm schon nicht mehr so gut ging und er sich mit Fliegenbinden über Wasser halten mußte. Creativ bis zum Ende hat er noch an der Entwicklung eines wunderbaren Bindestockes mitgewirkt -- legendär auch die Waschmaschinen zum Färben von Bindematerial -- es gibt so Vieles was Ives ausgemacht hat. Jürgen
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon alexdustymiller » 12.05.2017, 08:47

Nicht weniger legendär war Yves Hut. Er zeigte Ihn gerne, ganz so wie auf dem unteren Bild zu sehen ist, und zwar weniger wegen der abgekauten Fliegen, welche so manchen Fisch gefangen hatten, sondern wegen der Vorfächer, die um denselben gewickelt waren. Es waren Zeugnisse seiner verlorenen Kämpfe, von denen er gerne erzählte. Er hatte dort also 3 oder 4 Schnurstücke darumgewickelt, an denen aufgebogene Drillinge hingen, und zu jedem Haken konnte er genau sagen, welcher Fisch in welchem Pool ihm da die Grenzen aufgezeigt hatte. „Hier , das war das Strokka-Monster, da, der war im Bridge-pool – ja , bei den ganz Grossen, Du, da hast Du keine Chance…“. Wir redeten hier von Fischen jenseits der 15kilo-Grenze, Burschen von 18, 20kilo oder gar ein wenig mehr, und das war, wenn ich so sagen darf, irgendwie Yves „Zielgruppe“. Und passend dazu sagte Manfred damals mal zu mir „Der Yves, das ist ein Großlachsangler, Grilse interessieren den nicht, da ärgert der sich eher wenn einer anbeißt…“.
Zu dieser Zeit bedeutete bei uns ein gefangener Grils: der Urlaub ist gerettet!
Entsprechend war Yves Montage, die er mir mehrmals zeigte, ich konnte es mir aber nicht merken wie das im Detail war…an die Fliegenschnur band er ein Stück 60er (oder so) Monofil, mit einer Art Nagelknoten, daran kam das eigentliche Vorfach, und das ganze war dermassen bombenfest, das die Krokodile eben den Haken aufbogen, wenn er Ihnen am Ufer nicht weiter hinterherlaufen konnte….
Gerne redete er übers Lachsfischen, teilte sich mit, und zog einen in den Bann seiner „monster“Kämpfe, seines Wissens über Pools, Methoden und die anderen Fischer, er war ein guter Lehrmeister. Immer kam jedoch nach einer Weile der nächste „legendäre“ Kernsatz des Fliegenfischens auf Lachse: „WENN DU FISCH WILLST MUSST DU FISCHEN“!
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon fly fish one » 12.05.2017, 11:36

Lieber Alex,
es sind sooo schöne Geschichten!! Vielen lieben Dank dafür! Was für ein klasse Typ!! Das erinnert mich ein wenig an Extremsportler, die den Stürmen, dem Schnee oder sonst was hinterherziehen. Yves muss sein ganzes Leben nach den Lachsen ausgerichtet haben. Man kann das nur bewundern, auch wenn es für einen selbst kein Thema wäre. Wenn Du das so schön schreibst, wie er erzählt hat, dann kann man förmlich spüren wie der Typ einen in seinen Bann gezogen hat. Sowas sind unvergeßliche Stunden. Würde mir nicht anders gehen.

Dein Frank

Und Tante Edit hat auch noch einen: Den Satz, "sie scheixxen Dir was!", übernehme ich ab heute hochoffiziell in mein Repertoire! Der Brüller!
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon alexdustymiller » 12.05.2017, 15:52

Im Zeigen und Teilen von Wissen und Ideen war Yves ein nobler Mensch.
Wenn mich heute noch Unbehagen beschleicht, sobald andere Fischer meine Fliegen inspizieren (muß ja nicht jeder wissen, womit ich meine Fische fange), bei Ihm war es genau anders herum. Seine damals gefischten Fliegen waren alle groß, Tubes, und sie waren schön. Ich erinnere mich an eine Orangene, mit einer bestimmt 7cm langen Plastiktube, die nicht nur aus Schweif und Hechel bestand, sondern auch mit 6 oder 8 paarweise akkurat eingebundenen Jungle cocks versehen war, wie kleine Ruder. Ich erinnere mich wie wir am Wasser standen, er fischte, ich schaute zu.
Dann zeigte er mir die Fliege, „eine schöne Fliege ist das“, legte sie mit Vorfachlänge vor uns ins Wasser und zuckte mit der Rutenspitze, um begeistert von seiner Schöpfung festzustellen: „Guck mal, siehst du das? Die Atmet, siehst du es?“. Und dann machte er mit der Hand die Bewegung eines Tintenfisches nach, und ich weiß noch ganz genau wie die Hechel und der Schweif und die Jungle Cocks sich öffneten, um sich beim nächsten Zupfen wieder anzulegen, und ich kann heute, 25 Jahre ist das wohl her, beschwören, dem Yves seine Fliegen, die konnten atmen! Wirklich!

Sein unerschütterlicher Glaube an den Grundsatz „Grosse Fliege für grossen Fisch“ war wohl durch die unzähligen grossen Fische, welche er an ebensogrossen Fliegen gehakt hatte, zu einer seiner Regeln geworden, und das passte auch zu seinem innigsten Wunsch, nämlich sich am liebsten und bevorzugt mit dem „Pool-Oschi“ anzulegen, dem Vater aller Lachse, je grösser, stärker und widerspenstiger, desto besser.
Einmal hakte er das „Strokka-Monster“, der Fisch wandte sich ab, machte das was die halt gerne machen, und verliess den Pool stromab. Yves rannte hinterher (eigentlich sinnlos, denn nach 100m geht’s hier eh nicht mehr weiter), stolperte über einen der herumliegenden Steine und fiel hin. Dabei verletzte er sich böse sein Knie und musste weggetragen werden, mit Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, und war für einige Zeit ausser Gefecht gesetzt. Sehr bitter für Ihn, er wollte ja Fischen und nicht im Hospital rumliegen, aber wie so manches, legendär! (Der gehakte Methusalem verschwand natürlich auf Nimmerwiedersehen...)
Eine andere Strokka Geschichte aus der Zeit war mein „Geburtstags-Lachs“.
Habe am 9.August Geburtstag und fischte da oben, wie immer ohne nennenswerten Erfolg. Yves, der hier auch fischen durfte, als Guide, war wohl an der Gaula, Papa und ich waren alleine, der Abend des 8.Aug, alles war schön, allein es fehlte der Lachs, der mal ordentlich an der Leine zieht. Um Viertel vor Zwölf meint Ernst, mein Vater, geh doch noch mal an den Strokka, mach da ein paar Würfe…es wurde langsam Dunkel, also schnell ne andere Fliege dran, diesmal eine Waddington Silver Doctor (keine Ahnung warum gerade die), runter an den Pool, raus mit schnur und Fliege, es wurde immer dunkler, und beim 3.Wurf, rumms, hatte einen dran. Das war wohl so um eine Minute vor 12, und zehn Minuten später lag der Fisch im Dunkeln leuchtend wie ein riesiger Silberbarren vor uns, 7,3 oder so, ein schöneres Geburtstaggeschenk kann man sich wohl nicht vorstellen, blitzeblank mit Läusen….Morgens tauchte Yves auf, stolz meldete ich den „grandiosen“ Erfolg, er freute sich mit, meinte dann aber doch, „Mensch schade, eigentlich wollte ich den doch fangen, den hab ich gestern gesehen…!“
Ja und dann stellte sich raus, das dieser Schelm am Tag zuvor mit Neoprenanzug , Schnorchel und Brille die Heringe im Pool ausgespäht hatte, den silbernen Neuankömmling entdeckt hatte und für groß genug befunden…Mensch, so ein verrückter Kerl war das, der Yves….
Übrigens habe ich nach seinem Ableben gehört, das seine sterblichen Überreste eingeäschert und die Asche in der Nordsee verstreut wurden, wenn dies stimmt wird die Suche nach einer letzten Ruhestätte von Yves Dreux wohl vergeblich bleiben.
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon Trockenfliege » 13.05.2017, 08:39

Solche Geschichten mag ich, danke.

LG
Reinhard
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon AlexWo » 13.05.2017, 11:42

So schön, dass seine Asche in der Nordsee ist, bei seinen Lachsen, nun schwimmt er mit Ihnen.

LG

Alex
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon alexdustymiller » 13.05.2017, 23:41

Ob die letzte Aussage stimmt? Ich weiß es nicht, vielleicht findet sich eine gesicherte Info.
Innerhalb weniger Jahre gings am Stjördal plötzlich bergab, mit den Lachsen und auch mit dem Fang derselben. Suchend wie jedes Jahr kamen wir zur Stippvisite an das Överkil Haus, Manfreds Lodge, und derselbe war vor Ort!
„Ja also mit dem Fischen, das ist nicht so gut zur Zeit, zu wenig Wasser, auch zu warm, die Lachse stehen wohl noch im Fjord (Anmerk. d.V.: Hat da jemand zufällig ein „Deja vu“???), gab auch (zu-) wenig Schnee, alles weggetaut, also wir warten dringend auf Regen - aber der Yves, ja der Yves hat wieder mal zugeschlagen….na kommen Sie mal mit…“
Tja und in der Scheune, in einem speziellen Schrank mit einem Fliegengitter davor, da hing dann so ein Krokodil, aus der 15 Kilo-Liga, ein bulliges altes Männchen, bunt wie Herbstlaub, mit einem Haken wie mein Daumen, und , mit Verlaub, wir waren schwer beeindruckt…
Das war wieder so eine typische Yves-Aktion gewesen, er wusste schon seit Wochen, daß dieser Bursche in der Rinne oberhalb der abenteuerlich-lebensgefährlichen Hängebrücke vor dem Haus sein Domizil bezogen hatte, er war hin und wieder gesprungen, hatte sich ab und zu gezeigt, und das entging einem Yves Dreux nicht, ganz im Gegenteil. Etliche Male hatte er ihn herausgefordert, seine kleinen bunten atmenden Tintenfische über ihn hinwegtreiben lassen, dem Lachs war es egal, denn der wollte eben nicht.
Aber nicht mit Yves! Der wühlte in Weste und Taschen bis er fand was er suchte – einen Super - Sinker - Schusskopf! Im August, bei Niedrigwasser, 20 Grad WasserTemperatur, kommst du nicht hoch, dann komm ich eben runter….
Ja, dann ließ er dem Großvater Lachs seine Fliege so lange genau vor der Nase herumtanzen, bis es dem zu dumm wurde, er lud sich selbst zum Abendessen (bzw Räuchern) ein, sein Schicksal war besiegelt.
(Wir waren natürlich nicht dabei, aber so hat er es uns erzählt. So, ungefähr.)
Dieser Tage kamen wir ans Wasser, einige Meter unterhalb o.A. Brücke, Yves war da, er angelte…Ja, was wir dann sahen ist ein bisschen schwierig zu beschreiben. Das war so einer der Momente wo man sich die Augen reibt und nachher den Anderen fragt: „Hast du das auch gesehen???“
Also ein „normaler“ Mensch, welcher zum Angeln in einen Fluß steigt und in sagen wir mal 1 Meter tiefes, zufälligerweise nicht gerade glasklares Wasser kommt, der sieht den Grund nicht mehr. Von da an verlässt er sich auf seinen Tastsinn und sein Gleichgewichtsgefühl. Er setzt einen Fuß vor, fühlt den Grund, findet Halt in einer passenden Lücke und macht anschließend dasselbe mit dem zweiten Fuß. In der Hoffnung, möglichst nicht lange auf einem Bein stehen zu müssen, in stetiger und unnachgiebiger Strömung, welche Fehltritte ins Nichts oder auf „Glatzköpfe“ nicht verzeiht!
Ganz anders der Yves, im „house pool“, damals, am Stjördal.
Der Yves stand also 6-7 Meter vom Ufer entfernt im Wasser und warf seine Fliege aus. Das Wasser stand so 5-10 cm vom oberen Rand seiner Wathose, da muß man die Arme schon "hochhalten", und nach der Begrüßung legte er sogleich los, welch guter Standplatz die Einmündung des dortigen Bächleins wäre, einen Schwall an der Fliege hätte er auch schon gehabt, und „habt ihr meinen 15 Kilo Lachs schon gesehen?“ Und gleichzeitig bewegte er sich, oder besser der Fluß bewegte ihn stromab, indem er „hüpfte“!
Er machte einfach kleine Sprünge, um 20 oder 30 cm stromab wieder zu „landen“, wechselte also ständig zwischen schwerelosem Abtreiben und festem Stand. Während er sich mit uns unterhielt und die Fliege auswarf!
Nun glaubt das, oder auch nicht, aber die einzige Erklärung für diesen Vorgang ist für mich die Erkenntnis, das er diese Linie, diesen Weg entlang des Ufers so genau kannte, das er wußte, hier ist kein grösseres Hindernis, kein Stein oder Fels oder Loch, ansonsten ist das nämlich gar nicht möglich, das funktioniert einfach nicht. Das kann eigentlich nicht sein.
Was bleibt ist die Feststellung, der einzige Fischer, den mein Papa und ich je gesehen haben, der sich „hüpfenderweise“ stromab bewegte, das war der Yves….
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Re: Einen Tag zusammen mit Yves Dreux in Aune Vald August 20

Beitragvon Michael. » 15.05.2017, 17:23

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Vielen Dank an Torstein Rognes vom Gaula Naturcenter für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Bilder.

Gruß
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