Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

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Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon Magellan » 03.06.2018, 20:55

Hallo

Einer meiner “Kiwi“ Gäste hat mir kürzlich von der offensichtlichen Problematik an Neuseelands Fischgewässern aus Sicht eines Locals berichtet.

Angesprochen wird ua. auch das Thema externer Outfitter, Drohneneinsatz und die Problematik mit den trout-bum Anglern, etc.pp

Hier ein Auszug aus dem umfassenden (englisch verfassten) Bericht der sich mit dem Thema auseinandersetzt:

"They have no idea they're stomping all over our culture. The worst offenders are the Europeans and they've now been labelled Euro-trash on our rivers because they're that badly behaved."


Der Artikel:

http://www.stuff.co.nz/business/1000769 ... pp-android

Gruss
Heiko
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Re: Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon dr-d » 03.06.2018, 23:25

hallo,


wenn die Kiwis dann auch noch auf ihren "gülle-trash" verzichten und ihre landwirtschaft ein ökologisch akzeptables wassermanagement hätte, hätten die gewässer langfristig!!! reha-chancen. :twisted:


zum "badly behaviour" sei auch auf derek grzelewski`s insiderbücher verwiesen - da sind es die einheimischen und die gäste sind nett - na denn...


abgesehen von der exotischen anmutung - wir haben hier im umkreis von einigen hundert kilometern gewässer, von denen die nur träumen können.

war die letzten 2 Wochen in österreich einige male mit guide privat unterwegs und hatte erfolgreich kontakt mit nicht gesetzten

double-figures. :D

die nehmen aber nicht alle - mit gutem grund - und pflegen c+r konsequent.und jahreslizenzen für ca. 100 Dollar , um langzeit-touris anzulocken -

geht gar nicht.das ist halt auf gewisse weise wie in slovenien etc. - billig heiss und fettig - und vollgestopfte strecken - drinnen wie draussen - wem´s gefällt...


chacun a son gout :wink:

schöne Woche


thomas
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Re: Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon DerRhöner » 04.06.2018, 11:17

Hallo allerseits

Also die Idee liest sich ja so, als wolle man da ähnliche Konzepte wie in British Columbia einführen. Wenige Luxustouris anlocken und dem Normal-Tourist die Fischerei vergällen. Damit gilt auch hier: Solange es per Saldo funktioniert, ist das ja gut für die lokale Wirtschaft. Langfristig bezweifle ich aber, dass das so sein wird.

Ich war drei Monate in ganz Neuseeland unterwegs, allerdings ohne mich 3 Wochen mit Bier und totem Fisch in einer Hütte einzunisten. Ich habe diese Zustände nicht erlebt, will aber nicht ausschliessen, dass es das gibt. Ich glaube wie so oft gäbe es Regeln (siehe bspw. 2-Tage-Frist in den Hütten), die man nur durchsetzten müsste. Dafür fehlt aber das Personal, ich hab in ganz NZ keinen Kontrolleur getroffen und die Locals bestätigen das auch. Ich habe auch Verständnis für die Lokals, die vor dem Morgengrauen loslaufen und wenn sie dann am Oberlauf die Fliege anbinden, landet vor ihrer Nase ein Hubschrauber. Da würde ich mich zu Tode ärgern.

Aber man kann die eine Gruppe privilegieren ohne die andere zu diskriminieren. Jeder Local soll seine Jahreslizenz für billig Geld haben und überall fischen dürfen. Der Touri auch, aber für teureres Geld. Und dann könnte man zusätzlich die "überlaufenen" Flüsse mit Tageslizenzen limitieren. Von denen man immer nur eine auf einmal kaufen darf, sodass man sich da nicht einnisten kann. So darf immer noch jeder fischen, aber die Einwohner haben es einfacher und billiger. Ach ja, und jedem Heli-Fischer 500$ Gebühr pro Landung in Rechnung stellen, weil der US-Zahnarzt hat's ja... 8)

Was ich dann aber auch noch anmerken möchte: Es gibt bestimmte Personengruppen unter den Einwohnern in NZ, die betrachten Fisch als Nahrungsquelle und fischen mit "brutalen" Methoden, die jede Menge Bisse und damit Beute bringen. Denen sollten die Aufseher dann aber auch auf die Pelle rücken.

Gruss

Christian
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Re: Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon Svartdyrk » 05.06.2018, 22:16

Nabend,

"They have no idea they're stomping all over our culture".
so so..., ihre Kultur nennen jene Einwanderer das, welche mit nahezu ausschließlich europäischen Wurzeln, großteilig von den britischen Inseln stammend. Nur wenige Generationen alt. Kommt mir irgendwie bekannt vor...von anderen Kontinenten :wink: ...das ist ja ulkig =D>

Dyrk :doubt:
Wishin' I wuz fishin', g <*))))><
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Re: Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon Magellan » 05.06.2018, 23:01

Na Dyrk,

hast du den Artikel gelesen? Der Auszug auf den du dich beziehst ist sicherlich ein sehr emotionaler und vielleicht auch "over the top" Kommentar einiger Betroffener.

Allerdings sorry, aber ich verstehe deinen Beitrag nicht :smt102


Gruss
Heiko
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Re: Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon Svartdyrk » 06.06.2018, 00:23

Heiko, servus dir :wink:

klar hab ich gelesen was die Burschen da meinen...ich lass das eben nur nicht ebenso gelten,.... dass Einwanderer aus Europa welche grade mal 200 Jahr ...über die Europärer schimpfen...
schlimmer und blöder und noch besser geht das nur in Übersee...die haben die gleichen Wurzeln. Ihre Kulur, in welcher sich die neuen "Neuseeländer" jetz so verletzt fühlen ist das ganz bestimmt nicht
Ist bitte nicht falsch zu verstehen... Das geschriebene ist nicht immer das selbe wie im Gespräch... :wink:

So denn, Dyrk :wink:
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Re: Neuseeland und die Euro -trash Angel Touristen

Beitragvon Flyfisherman Markus » 07.06.2018, 09:00

Lieber Heiko

Nachdem ich dieses Jahr 6 Wochen die Südinsel mit der Fliegenrute bereist habe, möchte ich folgende Feststellungen im Zusammenhang mit dem erwähnten Artikel machen:

1. Neuseeland's Südinsel ist tatsächlich ein Fliegenfischer-Paradies jedoch mittlerweile mit einigen Einschränkungen; dazu weiter unten mehr...
2. Die Fischerei ist für uns Touristen viel zu günstig: die Jahreskarte kostet gleich viel wie für die Einheimischen, ca. NZ $ 165; ich kann die Einheimischen absolut verstehen, die für Touris höhere Preise fordern. Ein Preis für Touristen von NZ $ 500 wäre vermutlich angemessen
3. Die Neuseeländer beklagen die vielen Fliegenfischer-Touristen, bewerben jedoch im gleichen Atemzug mit unendlich vielen Youtube Videos ihre Fischerei! Klar sind dies vor allem die Guides, die davon leben wollen, die mit ihren Videos, die hauptsächlich von Monsterforellen handeln, Touristen akquirieren; mittlerweile ist im Land auch von Fischern eine Opposition gegen die Guide-Industrie spürbar!
4. Die Guides gehen mit den Touristen hauptsächlich an die vielen bekannten Flüsse; entsprechend ist der Befischungsdruck hoch und die Fische reagieren unglaublich sensibel auf herannahende Fischer; dies geht so weit, dass diese Fische sogar die Reissleine ziehen, wenn du auf allen Vieren daherkommst; je später in der Saison je extremer ist diese Scheu; ich glaube sogar, dass die Fische gegen Ende der Saison an den vielbefischten Strecken nur noch nachts fressen, wenn die Fischer verschwunden sind.
5. Fact ist jedoch auch, dass die Fischerei tatsächlich nicht leicht ist: die Technik ist speziell, man muss lange Vorfächer fischen und der Drill von grossen Forellen mit feinen Vorfächern muss geübt werden; entsprechend verlieren wir Touristen, die in unseren Breitengraden mit Portionsforellen geübt sind, einige grosse Fische im Drill; ist mir auch so gegangen.
6. Trotz hohem Befischungsdruck findet man immer wieder Gewässer, an denen man mutterseelenallein ist und die Natur geniessen kann

Alles in allem habe ich ein gewisses Verständnis, dass die einheimischen Fischer die Touristen nicht so lieben. Aber statt einfach die Touristen zu verdammen, müssten die Fischereiorganisationen intern eine Lösung suchen. Ich denke da an: Zusammenspiel mit der Guiding-Industrie mit klaren Spielregeln festlegen, Erhöhung der Jahreskartenpreise für Touristen, Organisation gegen die Logging- und Diary-Industrie aufbauen usw.

Noch ein paar Worte zu Punkt 1: Viele Flüsse in Neuseeland sind wirklich Natur pur. Schnapsklare Bäche, natürlicher Flusslauf usw. Aber: die Neuseeländer müssen zu ihrer Natur Sorge tragen. Im Norden der Südinsel leiden viele Flüsse wegen der Logging-Industrie. Den Chinesen wurden ganze Hügellandschaften verkauft. Diese holzen den native Bush ab und pflanzen Mono-Kulturen für ihre Holzwirtschaft. Konsequenz: kurz vor unserer Ankunft gingen 3 Zyklone über die Insel und viele Hänge mit Monokulturen sind einfach abgerutscht, Strassen weggespült und alles rein in die Flüsse; viele Flüsse im Norden der Südinsel leiden wegen der Holzwirtschaft und die Fänge gehen runter. Ein weiteres Problem ist die diary-Industrie: die Chinesen sind trotz Laktose-Intoleranz auf den Geschmack der Milchprodukte gekommen und Neuseeland produziert mit ihren Millionen von Kühen diese Milchprodukte. Folge davon sind CO2-Ausstoss und verdreckte Flüsse (die Kühe leben an den Flüssen und verunreinigen diese mit ihrem Kot usw.). Ich habe einige Flüsse gesehen, die extreme Algenbildung hatten (nicht Dydimo!). Die Neuseeländer merken allmählich, dass sie ihre wunderbare Natur kaputt machen, aber auch hier regiert das Geld. Dies hilft vielen Flüssen nicht und so gibt es bereits eine Website mit der Auflistung von sogenannten lost rivers (http://www.nzffa.co.nz/map.html). Als ich einen sehr bekannten Guide darauf angesprochen habe, hat er sehr empfindlich reagiert und mir erklärt, dass dies alles bullshit sei, auch eine Möglichkeit, den Problemen aus dem Weg zu gehen...

Damit wir uns richtig verstehen, Neuseeland ist sicher immer noch ein Paradies für grosse Bachforellen. Wir haben sehr schöne Wildfische gefangen. Die ganz Grossen sind uns leider vergönnt geblieben. Dies führe ich jedoch auf verschiedenen Umstände zurück unter anderem auch auf die mangelnde Erfahrung in Neuseeland und auf unser eigenes Unvermögen. Aber die oben beschriebenen Punkte dürfen nicht ausgeblendet werden. Sicher ist, dass ich nicht mehr so spät in der Saison gehen würde, sondern eher zu Beginn. Die Neuseeländer tun aber gut daran, sehr bald die eigenen Probleme mit ihrer Natur an die Hand zu nehmen. Ebenso müssen sie sich klar werden, was sie mit ihrer Guiding-Industrie wollen.

Liebe Grüsse
Markus
Tight lines und Gruss
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