Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

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Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon BergLutz » 04.06.2018, 14:36

Hallo liebe Fliegenfischer,

ich komme gerade von einem 10 tägigen Familienurlaub im Gailtal zurück. Der Urlaub war nicht als Fischerurlaub geplant , jedoch wollte ich ein bis zweimal mit einer Tageskarte fliegenfischen. Hatte im Vorfeld etliches an Reisebeschreibungen hier und im Netz gefunden und war voll freudiger Erwartung. Als ich ankam war die Gail ein reißender Fluss mit michig hellgrauer Farbe und ca 30cm Sichttiefe. Die Wassertemperatur betrug am Nachmittag 9°C.
Nach Waten war mir irgendwie nicht.... Ein Gespräch mit dem Vermieter machte mich das erstemal stutzig. Er meinte , Fischen hätte keinen Zweck - der Otter hätte die Gail leergefressen.... Zuerst gab ich nichts darauf und versuchte auf unseren zahlreichen Wanderungen und Radtouren in der herrlichen Natur dort bei jeder Gelegenheit Fische zu sehen. Aber nichts.... wunderschöne klare, von Quellmoos bewachsene Bäche - aber keine Forellen. In jedem der Bäche hab ich natürlich Steine umgedreht... Ich fand meist Steinklammerer - Larven , manchmal einzelne Baetis und einzeilne Köcherfliegen Larven ohne Köcher. Fast keine Insekten über dem Bach - obwohl bereits der Holunder blühte.
Ganze 2 Stk. Baetis Rhodani (?) sind mir begegnet. Alles in allem höchst seltsam.... Ich wollte mir eine Tageskarte für den Zerimbach holen , da der mir so herrlich anzuschauen war. Dazu fragte ich den Fischer dort in der Nähe und bekam ungefähr folgende Auskunft: " Do ist fast nix herinnen und b'setzt haben's heuer noch nix... " Vor ein paar Jahren hätte es dort noch "g'wimmelt" sagte der gute Mann. Der Otter würde von der Gail hochkommen und alles auffressen...
Oha... Der musste es ja wissen und was er sagte , deckte sich mit meinen Beobachtungen. Schon ziemlich gedrückt besorgte ich mir in Hermagor auf Empfehlung der Dame in der Gemeinde Information eine Tageskarte für die Gail zwischen Möderndorf und Postran. Los ging es. Die Gail toste aber die Randberiche sahen für mich befischbar aus. Sichttiefe war wieder ca 30 - 40cm. Waten traute ich mich nicht mit meinen Gummisohlen. An meiner 5/6er Rute fischte ich eine T130 mit 1,5m Vorfach und schwarzen Woolys, Tungsten Nymphen verschiedenster Art - nix zu machen. Es war auch keinerlei Fischaktivität sichtbar - obwohl ich am Rand vielversprechende Stellen sah.
Am letzte Tag - als die Gail ca. 50cm gesunken war wurde erst die schöne Struktur des Flusses sichtbar. Beim Steine - Umdrehen hatte ich allerdings hier nirgends Erfolg. Und nirgends über der Gail Insekten zu sehen. Das war für mich ein nicht erklärbarer Umstand.
Hoffentlich findet sich ein Einheimischer , oder regelmäßiger Besucher des Gailtales, der meine verstörenden Beobachtungen erklären, oder in den richtigen Kontext setzen kann.
Trotzdem haben wir uns gut erholt und sind oft vor lauter Pflanzen fotografieren keinen Meter vorangekommen. ;-)

Gruß
Lutz
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon dr-d » 04.06.2018, 16:13

hallo Lutz,


warst du der leicht angenervte fischer ?(kennzeichen DD....) - meine frau+islandhund hatte dich angesprochen und den eindruck gewonnen,daß du nicht glücklich warst(vor ca.1,5 Wochen).


ja - das gailtal ist sehr schön -auch die umgebung und ja der otter hat zumindest oberhalb der lesachschluch gewütet - die dortigen pächter haben dieses frühjahr gekündigt
und aufgegeben.schadensersatzgespräche m.w. zwischen villach und kötschach werden derzeit zwischen 4 und 20 Millionen euro "gehandelt".


und ja - es war knackig teilweise wg.dem schmelzwasser(soviel wie schon lange nicht mehr) und insgesamt eher schwierig zu der zeit.

trotzdem hatte ich jeden tag äsche,bafo und rf zu gast (c+r conditio sine qua non) und sogar einen `85 huchen im zugreif-nachlauf(hab aber weggezogen wg. 1.schonzeit
und 2. 014 tippet... :wink: ).

nächstes mal würde ich anfänglich auf ortkundigen guide zurückgreifen - es lohnt sich für beide seiten und gibt ggf.gute kontakte für die zukunft.


ich musste u.a wg der strömung eine "double-figure" rf mit 80-90 cm nach 100 m nachgang "ausschlitzen" lassen nach 20 min ...war trotzdem schön.

versuchs vielleicht nochmal - auch drau und möll können sich lohnen.

schöne Woche


thomas
dr-d
 

Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon BergLutz » 04.06.2018, 16:25

Danke Thomas,

...nein :-) unser Kennzeichen beginnt mit WB- und angenervt war ich auch nicht...:-D war ja schön dort. Mein Ding wären auch mehr die Bäche gewesen. Ich hatte sooo Lust auf Trockenfliege....
Hab allerdings die ganzen 10 Tage nicht einen einzigen Fliegenfischer an der Gail oder einem ihrer Zuflüsse gesehen.
Mit dem Guide hast Du sicher Recht - in jeder Hinsicht. - allerdings muss ich mich dann noch um ein "Damen- Programm" kümmern.

Meine Frau und ich - wir sind auf jeden Fall vom Gailtal begeistert. Und am letzten Tag hab ich im Spülsaum der Gail sogar Brutfischchen von ca 1,5cm Länge entdeckt. B-)

Gruß
Lutz
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon Maggov » 04.06.2018, 16:51

Hallo Lutz,

der Otter mag dort wirklich Schäden angerichtet haben aber gerade das Posting von Thomas bestätigt meine Vermutung dass Du einfach Pech mit dem Wasser hattest.

Wenn ich milchiges (Schmelz-)Wasser vorfinde weiß ich bereits dass der Tag mehr als zäh wird. Die einige Chance ist dann meist ruhige Passagen zu suchen in denen das Wasser mehr oder weniger steht und sich die Eintrübungen setzen können.

Schade das zu Lesen denn die alten Berichte von der Gail kenne ich auch und es hatte mich schon öfter gereizt mal wieder nach Kärnten zum Fischen zu fahren...

Ich hoffe der restlich Urlaub war dafür umso schöner.

LG

Markus
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon dr-d » 04.06.2018, 16:56

hallo Lutz,


hab meinem guide meine trockenfliegen gegeben - hat funktioniert aber nur die kleinen rf und äschen.


ansonsten volle Konzentration auf die tiefen rinnen und widerwasser - auch wenn 2-3 m runtergeht...dort spielte die "musi"... :twisted:


dein kollege war mit seiner laune nicht allein übrigens - man lernt beim Hund ausführen so allerhand kennen... :wink:


weiterhin gute Woche.


thomas
dr-d
 

Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon bachfischer » 09.07.2018, 12:37

Hallo Leute !
Ich kenne die Gail, seit dem ich ein Kind bin.
Habe als Kind in einem Seitenbach auch mal mit der Hand ein paar Fische gefangen ( keine Sorge ich habe sie wieder schwimmen lassen) !
Der Fischreichtum hat mich immer beeindruckt.
Letztes Jahr war ich dann wieder einmal fischen.
Leider hat der Otter ( das wurde mir auch bestätigt) den Fischbestand enorm dezimiert.
Trotzdem habe ich ein paar Fische ( nix großes) gefangen.
Und die Landschaft ist sowieso unbezahlbar.
Leider versagt hier eine objektive Bewertung von ökologischen Zusammenhängen gänzlich.
So wie bei uns in Tirol die Schwall u. Sunk u. die Bieberproblematik.
Es ist einfach nicht möglich die Uhr zurückzudrehen.
Die Fischbestände und der okölogische Zustand unserer Flüsse, Bäche u. Seen ist nicht mehr wie vor 100 Jahren. Leider.
Otter ja, aber es müssen messbare Kennzahlen eingeführt werden. Erst wenn diese erreicht werden dann darf der Otter wieder
( in diesem Gebiet ) angesiedelt werden.
Äschen, Bachforellen, Huchen, Koppen etc.... müssen den gleichen Stellenwert bekommen wie der Otter.
Leider werden die Fische ( man sieht sie ja nicht) nicht wahrgenommen. Solange der Fluss, Bach etc.... schön durch die Gegend fliesst ist ja alles in Ordnung.....
LG Bachfischer.....
In einem Bächlein helle da steht der Bachfischer und fängt die Forelle !
bachfischer
 
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon eagle » 28.07.2018, 20:35

Also, liebe Gail-Freunde, heute bin ich aus Gundersheim zurück, von der Strecke, die dem Forellenhof Waldner gehört. Ich war eine Woche dort, der letzte Besuch war 2010 und paarmal vorher. Wie könnte es anders sein, wurde beim ersten abendlichen Ankomme- Spaziergang von der Gail-Brücke geschaut: sauberes, klares Niedrigwasser und in keiner Richtung ein einziger Fliegenfischer zu sehen! Wäre ja nun nicht so schlimm. Dass jedoch trotz intensivem Absuchen mit der Polbrille kein stattlicher Fisch zu erkennen war,
machte mich schon stutzig. Gespräche mit Einheimischen bestätigten meine Annahme, dass der Bestand an Äschen und Forellen rapide abgenommen hat. Hauptverdächtige waren die gefräßigen Vögel und der Otter. Dass die Bauarbeiten im Flußbett bei Kötzschach ebenfalls negativen Einfluss hatten, kann ich mir gut vorstellen, genau so wie eine jahrelang betriebene Biogas-Anlage (seit 2 Jahren eingestellt) für Schadstoffe (Nitrate) gesorgt haben könnte. Nun ja, es war keine reine Fischer-Urlaubswoche, Frau und Hundi stellten auch zeitliche Ansprüche... Mir war es vergönnt, 3 Äschen und 3 Bachforellen im Konfirmantenalter auf die Trockene zu fangen, was natürlich nicht die angepeilte Zielgruppe war. Am Mittwochmorgen stieg der Adrenalinspiegel mächtig, als doch hinter einem großen Stein an der Grenze zwischen Ruhigwasser und Strömung immer wieder ein größerer Schatten tänzelte und ausscherte! Mit der Nymphe ging nichts, aber nach einigen Versuchen mit der Trockenen dann doch: Ein herrlicher Döbel über die 50 und wohlgenährt. Ein schöner Fisch, doch seinetwegen war ich nicht dort.
In Summa: immer wieder klasse Landschaft, aber die Gail als Zielwasser für Wunsch-Salmoniden? Ich glaube, das war einmal, schade!
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon AlexWo » 29.07.2018, 12:28

Hallo, der Beitrag hier stimmt mich traurig, nicht wegen dem Zustand der Gail, sondern wegen der Erwartungshaltung einiger Fischer.

Liebe Grüsse

Alex
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon dr-d » 29.07.2018, 13:53

hallo miteinander,


vielleicht sollte die erwartung nicht nur nach aussen sondern auch nach innen gerichtet werden...?! :twisted:


ad gefrässige vögel:die werden sei jahren von engagierten mitarbeitern und mitpächtern konsequent geschossen.


ad otter:da soll jetzt - nach klagedrohungen - eine reduktionsquote durchgesetzt werden.leider ist man da
sich nicht einmal innerhalb der fischer einig.ich wurde vor einiger zeit als freund einer angemessenen
reduktion als ausdruck eines gleichgewichts zwischen fischen und prädatoren in einem internationalen
forum apodiktisch und herablassend angegangen - n.b. ich habe dann "prädatorisch" zurückgebissen>>>
keine antwort ist auch eine antwort(es handelte sich um einen "chalkstream-granden").

ad baustelle:mein guide hat diese saison zweistellig (c+r bis auf 1)huchen geangelt - gerade dort stehen die richtigen!

wir haben dort eine vitale freizeit - und agrar -gesellschaft: kajak,rafting,fahrradweg,abendliche ufer - "orgien" der millenials,
diverse prädatoren,moderne ausufernde landwirtschaft,indirekte
und direkt einleitung von glyphosaten,neonicotinoide,psychopharmaka,
diclophenac,östrogenen,etc.

da geht das insektenaufkommen in die knie und damit auch das fischen an der oberfläche - und dort halt nur die kleineren.

die äschen und die mittlere forellenpyramide sind gewiss reduziert aber durchaus vorhanden!

sie sind halt alle viel vorsichtiger geworden - wer kann es ihnen verdenken.es hat auch eine art soziale rudelbildung gegeben, in der
die erfahrenen die anderen "bewachen".

wenn man das alles aber mit einem kundigen begleiter zusammen umsetzt klappts dann auch besser.


viel spass weiterhin


thomas
dr-d
 

Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon bachfischer » 30.07.2018, 16:57

Hallo Thomas !
Vielleicht könnten ja auch die Huchen ein Teil des Problems sein ?
Wenn man schon soviele Huchen fängt.
Auch hier im Inn sind die Huchen zurück gekehrt.
Ich hatte schon zig Sichtungen und habe 2 gefangen.
Es werden auch immer wieder kleine gefangen( leider tun sich einige schwer und erkennen sie nicht).
Manchen sind es schon zuviele. Ich kann es nicht abschätzen.
Aber der Inn ist so oder so ein Spezialthema.

Aber solange der Bestand an Äschen, Bachforellen u. Regenbogenforellen in einem Gewässer, wie im Moment anscheinend in der Gail, unter einem gewissen Niveau liegt muss man
sich schon fragen wieviele Huchen ein Gewässer verträgt.
Ich würde mich zur Verfügung stellen, und eine Huchenentnahme vornehmen. :lol:
Trotz allem Fische sind ja noch vorhanden, und landschaftlich gibt sowie so nicht viel schönere Gewässer in Österreich.
Schaun wir mal ob ich es heuer wieder schaffe die Gail zu befischen....

LG Oliver
In einem Bächlein helle da steht der Bachfischer und fängt die Forelle !
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Re: Wunderschönes Gailtal - wo waren die Fische?

Beitragvon dr-d » 30.07.2018, 18:54

hallo oliver,


kann ggf .die äschen tangieren - in villach ist das problem bekannt.

der fänger ist übrigens ein ausgesprochener spezialist mit profunden lokalkenntnissen.

ich hatte auch einen sehr neugierigen nachläufer mit 80 + bis ca.40 cm vor den stiefeln - ich zog dann weg,

weil die schonzeit noch 3 tage dauerte... :twisted:

später hatte ich dann eine bafo ? mit 75 + , die nach 5 min drill unter einen grossen felsen in der Strömung

einparkte - zusammen haben wir dann denn haken etwas begradigt...vorher stieg sie 2x und mein

guide meinte, es könnte auch ein huchen sein.


schöne Woche


thomas
dr-d
 


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