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Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 19.08.2014, 11:58
von Christian Jan
Vor einigen Jahren habe ich Marc (s.u.) kennengelernt. Er sprach mich bezüglich meiner Fliegenfischerei an. Wir haben uns einige Wochenenden mit dem Thema beschäftigt. Aufgrund seines Jobs als Golflehrer in einem bekannten deutschen Club, hatten wir schnell Gemeinsamkeiten und Marc brachte auch sehr gute Motorikgrundlagen mit.

Wir haben Geburtstage zusammen gefeiert und ich habe seinen Wandel vom "schönen Spiel" zum Übernachten im Tarp, und aktuell im Tipi verfolgt.

Marc ist ein intelligenter, eloquenter und auf jedem Parkett sicherer Läufer, das Bild vom rauen Gesellen passt hier also nicht.

Ich war nicht überrascht, als ich heute Morgen den Hinweis zu seinem aktuellen Status bekam. Die Idee in
in diesem Umfeld das Fliegenfischen zu erlernen, ist sehr interessant.

Ich glaube, dass Marc weitere Schritte unternehmen, und ganz aussteigen wird.

Wie findet ihr den Gedanken? Alles verkaufen und nur noch Wandern und Fliegenfischen?


http://www.bild.de/regional/stuttgart/o ... .bild.html

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 19.08.2014, 12:49
von Hans.
Naja, ich habe nichts gegen Aussteiger. Aber man sollte schon in der Lage sein für sich zu sorgen, und zwar in allen Belangen. Und das geht allein eben doch nicht. Man braucht immer die Menschengemeinschaft, oder man verreckt. Wenn Marc jetzt nicht krankenversichert sein sollte und sich die Haxen bricht, wird sein Krankenhausaufenthalt trotzdem bezahlt. Von uns allen nämlich. Man sollte zu den Leistungen, die die Menschengemeinschaft erbringt in deren Raum man aussteigt, das beitragen können, was alle in der Menschengemeinschaft beitragen. Sonst betreibt man ein Exotentum auf Kosten anderer.

Ob ich selber aussteigen und nur noch Fliegenfischen würde? Wenn ich darin den Sinn meines Lebens erkennen würde, vielleicht. Aber Fliegenfischen ist nicht der Sinn meines Lebens. Fliegenfischen ist eine große Leidenschaft, die ich gerne auslebe. Fliegenfischen ist aber keine Aufgabe. Fliegenfischen ist eine Belohnung dafür, wenn ich das, was ich als meine Aufgabe erkannt habe (was vielleicht nicht immer als toll und großartig empfunden wird), in treuer Pflicht erfülle. So sehe ich das Leben.

Aussteigen kann eine Aufgabe sein. Aussteigen ist eine Lebensform, die viel über den Aussteiger aussagt. Das Aussteigen kann durchaus Sinn machen, indem man z.B. ressourcenschonender lebt als vorher. Aber wie ich schon schrieb, wenn ich dennoch auf die direkten und indirekten Leistungen der Menschengemeinschaft um mich herum angewiesen bin, und wenn es erst nach einem Unfall, nach einem Zeckenbiss oder im Alter sein wird, und ich selber nichts beitrage/beigetragen habe, ist das eine zweischneidige Sache.

Gruß,
Hans

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 19.08.2014, 21:31
von MuddlerMinow
Ich kann Hans da in vielen Punkten zustimmen, wobei ich immer denke, jemand der so einen extremen Schritt gehen muss, um die Katastrophe ("Burn-out") abzuwenden, hat lange etwas ganz falsch gemacht.

Die Faszination Natur und Wildnis, ebenso wie alleine sein, überleben und mit der Umgebung leben ist stark, keine Frage -und ich gönne sie jedem.

Für mich ist aber ein Leben, nur um zu existieren nicht mehr "zeitgemäß". Wir haben diese Stufe wie ich finde zum Glück hinter uns gelassen und können uns mit höheren Dingen beschäftigen. Ich wünsche dem Aussteiger, dass er das mit seinem Buch realisieren kann und etwas brauchbares bei herauskommt.

Mir wäre ein Leben nur um zu wandern, zu Fischen, zu existieren viel zu wenig. Am Ende macht man die Augen zu und fragt sich: was habe ich geschafft?

Die 60 cm Forelle wird da plötzlich sehr klein.

Im übrigen sehe ich es genau so mit dem Entertainment Rausch, in dem die meisten unserer jetzigen Zeit leben..

Da finde ich eigentlich nur noch erbärmlich. Aber das ist ein anderes Thema..

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 19.08.2014, 21:52
von webwood
schließlich könne er mit der Sonne aufstehen und sich schlafen legen, wenn sie untergehe.
(Quelle: verlinkter Bild-Artikel)

Sorry, aber Aussteiger und dann eine dicke Armbanduhr am Gelenk. Das passt doch wohl gar nicht.
Wenn ich aussteigen wollte, so würde ich das tun, aber dann möchte ich meine Ruhe haben und würde keine Interviews geben.
Zwei Tage in der Woche zurück in die Zivilisation mit warmem Duschen und die Post abholen? Zu meiner Jugend gab es Punks mit "Wochenendgrünem Haar"
Mir scheinen da gewisse Paralellen.
Freukes braucht zwar nicht mehr viel Geld, ist aber auch noch berufstätig: Er bietet Outdoor-Kurse an und geht zum Beispiel mit Interessierten Fliegenfischen.
(Quelle: verlinkter Bild-Artikel)
Ja nee, is klar :mrgreen:

Viele Grüße

Thomas

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 19.08.2014, 23:03
von Peter S.
"schaun mer mo", ob er nach dem nächsten (harten) Winter, wieder
Golfen geht...

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 08:17
von tomhaus
I könnt nur aussteigen, wenn meine Familie mich unterstützen, bzw. mitmachen würd, in diesem Fall meine Frau und mei Kindl.
Dann würde ich s auch nicht in D machen sondern weg von hier.

Im Geist bin ich immer no a kleiner Junge, und welcher Junge träumt net von am Leben im Blockhaus. Jagen, Fischen, Fallenstellen(
wobei ich des ja eh praktizier) Minifarming, living off the land...

I denk i könnt des ohne weiteres, meine Frau net und für die Kleine wärs unfair. Ich versuch, ihr soviel "Naturkompetenz" wie möglich mitzugeben,
aber schön von unsrem Leben in der (naja zugegebenermaßen "Bayrischen-Wald-)Zivilisation"(, die ja woanders eh schon als Hinterwäldlerleben gilt.)

Es gibt mehrere Leute, die s durchziehen, youtube is voll davon, ich seh s mir gern an. Den Film von Agafia, die mit ihrer Familie nichtmal
wusste, dass der 2. Krieg stattfand. Oder Mensch Gottfried oder der Waldmensch auf you...e.

Ich möcht nicht bei uns auf Kosten der Allgemeinheit leben. Allerdings zahle ich meinen Anteil an der Gesellschaft lieber an einen
Aussteiger, als einen Hobbydealer oder Vergewaltiger..

Von dem her wünsche ich ihm alles Gute!

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 08:41
von Frank.
Angesichts deiner letzten Sätze gebe ich zu bedenken, dass es auch Aussteiger und Einsiedler wie Theodore („Ted“) John Kaczynski gab und gibt ...

Dein Frank

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 08:58
von CPE
Midlife Crisis, scheint mir. Das geht vorbei...

TL, Norbert

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 09:26
von Hardy
MuddlerMinow hat geschrieben:...Am Ende macht man die Augen zu und fragt sich: was habe ich geschafft?...


moin,

in meinen Augen genau auf den Punkt gebracht, warum manche Menschen "aussteigen". Da zähle ich den Kollegen aus dem Artikel allerdings NICHT dazu!
Ich muss etwas "geschafft" haben. Mein Haus, mein Auto usw. Vielleicht noch nicht mal für mich selbst, sondern für meine Mitmenschen.. "Guck mal, der hat's geschafft!"
Evtl. gibt es ja eine ganze Menge Menschen, denen es reichen würde, einfach zu leben, ohne groß was zu "schaffen".
Die sich das nur nicht trauen, weil sie dann nach westlichen Maßstäben gemessen nicht richtig "funktionieren".

Ja, das sind eher philosophische Denkansätze, die wir hier im FFF wohl nicht abschließend ausdiskutieren können.

Groetjes
Hardy

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 14:29
von Mr. Wet Fly
Sowas nenne ich Selbstfindung oder Selbstverwirklichung, ohne eine gewisse Sicherheit zu verlieren.
Letztendlich geht es auch hier nur darum, sich Werbewirksam zu vermarkten.
Vielleicht ist es ja auch nur eine neue Geschäftsidee.
Wie definiere ich überhaupt "Aussteigen"?

Gruß Bernd

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 15:59
von Magellan
Hallo Leute

Sandre hat geschrieben:Sowas nenne ich Selbstfindung oder Selbstverwirklichung, ohne eine gewisse Sicherheit zu verlieren.
Letztendlich geht es auch hier nur darum, sich Werbewirksam zu vermarkten.
Vielleicht ist es ja auch nur eine neue Geschäftsidee.
Wie definiere ich überhaupt "Aussteigen"?

Gruß Bernd



Bernd, Du hast es sehr treffend auf den Punkt gebracht!

Meine ganz Eigene Defenition zum Thema Aussteigen wäre, dem "0/8/15 Leben" den Rücken zu kehren um sich letztendlich in einer anderen Realität zu verwirklichen.

Gruss
Heiko
(ein Aussteiger :wink:)

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 16:29
von Huddell
Lustig,

Ich bin selber angehender Golflehrer in einem der bekanntesten Deutschen Golfclubs und heiße ebenfalls Marc, war schon echt komisch das zu lesen.. dachte ich hätte was verpasst.

Ich persönlich bin der Ansicht das jeder Mensch das tun sollte was ihn Glücklich macht solange er damit niemand anderem schadet. Wie ich aus dem Artikel lese, ist seine Freundin Lehrerin und auch er sollte als Golflehrer in diesem Club genug Geld verdient haben um sich eine Krankenversicherung leisten zu können. Wenn dem so ist, finde ich sein Verhalten völlig okay.
Auf mich wirkt es nicht so als würde er das jetzt an die große Glocke hängen wollen.

Ob das Ganze jetzt zur Nachahmung zu empfehlen ist ? Pauschalisieren kann man solche Dinge niee.. findet einfach raus wer ihr seid und beachtet die von mir aufgeführte Regel, fertig.

Ich finde das Leben bietet verschiedene herangehensweisen,
einige "schaffen, schaffen, schaffen" um sich davon dann etwas zu leisten.
Andere wollen lieber die Zeit die sie haben intensivst Nutzen.
Beides hat Vor und Nachteile.

Ich für meinen Teil versuche irgendwie den Spagat zwischen schaffen und genießen bestmöglich zu halten und bin damit glücklich.

Mein Vater z.B. hat sein lebenlang geschafft, und kann jetzt seine Früchte sehr früh und genußvoll ernten.
Aber was wäre, wenn in der Zeit des Schaffens etwas passiert wäre..
Die Früchte wären wahrscheinlich niemals geerntet worden.

Dieses Risiko war ich nie bereit einzugehen, deswegen verharre ich im Spagat und bin damit zufrieden.

Ganz dem Motto : Jeder wie er mag

Meinen Respekt hat Marc F. aufjedenfall dafür, das er sich traut so zu leben wie er es gerne möchte. Davon sollte sich so mancher eine Scheibe von abschneiden.

Lieben Gruß,

Marc

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 17:08
von Frank.
Huddell hat geschrieben:Auf mich wirkt es nicht so als würde er das jetzt an die große Glocke hängen wollen.


Nein, keinesfalls. Die BILD ist sicher eines der diskretesten Organe überhaupt.

Dein Frank

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 17:50
von laverda
Nun ja,
kurz vor dem "Burn-Out" wäre er gewesen, wäre vor die Hunde gegangen und nun nimmt er sich eben eine Auszeit zur Besinnung auf das Wesentliche. Im Grunde eine Art der Therapie (Burn-Out ist nix anderes als ne handfeste Depression), um von unnötigem materiellen und mentalen Ballast loszukommen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Manchereiner macht ne Weltreise mit Rucksack oder Seegelt monatelang über die Weltmeere, andere brauchen eine medizinische Langzeit-Therapie und er zieht sich für mehrere Tage die Woche in ein Tippi im Odenwald zurück, bleibt aber auch regelmäßig 1-2 Tage die Woche bei seiner Lebenspartnerin.
Ob dies wirklich ein "Ausstieg" wird oder eine längere Phase zur Neuorientierung oder gar nur eine temporäre Flucht wg verfrühter Midlife-Crisis , wird er wahrscheinlich selbst erst in ein paar Wochen oder Monaten beurteilen können.

Gruß vom platten Niederrhein

Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

BeitragVerfasst: 20.08.2014, 18:12
von Martin 1960
Ein freundliches Moin in diese Runde.

Frank. hat geschrieben:Nein, keinesfalls. Die BILD ist sicher eines der diskretesten Organe überhaupt.


Und "dieses Papiergenöns" immer waagerecht halten,
es läuft sonst das Blut raus.

Taugt nicht einmal für's Fische einwickeln,
etwaig zum Fensterputzen?