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Verfasst: 14.01.2005, 18:01
von TorstenHtr
Hallo Werner,

Wir betrachten aber das Wurfgewicht erst einmal als Konstante sowie alle anderen Variablen, da die Frage nach der Länge der Rute und nicht nach Gewicht etc. war.
Klar kommen beim Wurfvorgang bzw. Speerwerfen noch eine komplexe Anzahl von anderen Variablen hinzu, beim Speerwerfen sicherlich auch das Beschleunigungsvermögen, Explosivkraft etc. Selbst dort würde ich annehmen das ein 2m Mensch deutlich im Vorteil gegenüber einem 1.30m Liliputaner ist.

Wenn wir uns aber nur für die Rutenlänge interressieren bei gleicher Masse, Beschleunigung etc. wird es sicher ein Maximum geben für den jeweiligen Werfer und nach meinen Erfahrungen und denen anderer Werfer tendiert das eher um die 9/10 Fuss mit einer Kohlefaserrute (Einhand). Bei längerer Rute wirkt wieder das Hebelverhältniss (Gewicht zu einem kleineren Anteil) sich ungünstig aus, so dass man kaum noch grosse Vorteile hinsichtlich Distanz hat.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 14.01.2005, 20:24
von Werner
Hallo Torsten,

Wenn wir uns aber nur für die Rutenlänge interressieren bei gleicher Masse, Beschleunigung etc. wird es sicher ein Maximum geben für den jeweiligen Werfer und nach meinen Erfahrungen und denen anderer Werfer tendiert das eher um die 9/10 Fuss mit einer Kohlefaserrute (Einhand).


da stimme ich dir vorbehaltlos zu.

In der Praxis ist es aber z.B. so :
Ich warf mit einer 4er Scott von 7,5 Fuß weiter als mit der "gleichen"
Rute in 9 Fuß. Ganz einfach deshalb, weil das 7,5er Rütchen aufgrund seiner Kürze relativ schnell war und die 9 Fuß Variante der gleichen Serie zum "Lämmerschwanz" geworden war. Offenbar hatte man bei fast gleichen Taper das Teil einfach nur verlängert.
Wenn du unterschiedlich lange Ruten der gleichen Serie und Schnurklasse in die Hand nimmst, wird dir dieses "Aha-Erlebnis" öfter widerfahren, als dir lieb sein kann. So wie ich gelegentlich Fliegenfischer erlebe, dich sich wundern, warum meine 8,6 Fuß Rute mit weniger Anstrengung weiter wirft als ihre 9,6 Fuß Rute der gleichen Serie.

M.E. werden unter dem Gesichtspunkt: Länge wirft, zu oft falsche Kaufentscheidungen getroffen. Auch wenn ich einen 30 m breiten Fluss befische, ist manchmal die 8- 8,6 Fuß- Lösung gegenüber der 9 oder 9,5 Fuß-Variante die bessere Lösung.
Wenn jemand persönlich die Erfahrung macht, dass er mit der langen Variante besser wirft, dann ist das in Ordnung. Aber ich wage die Behauptung, dass viele Fliegenfischer mit der schlichten Formel : Länge läuft, ihr 9-und- mehr -Fuß- Teil gekauft haben, ohne auch nur in Erwägung zu ziehen, geschweige denn zu probieren, ob mit der kürzeren Variante der gleichen Serie und Schnurklasse nicht doch weiter und einfacher zu werfen ist.

Gruß Werner

Verfasst: 16.01.2005, 13:58
von Jens2001
@Werner, na siehst Du hast ja die Erklärung gleich mitgeliefert, wenn die Rutenbauer die +Länge dazu benutzen um einen Lämerschwanz aus der längereren Rute zu machen, dann funktioniert die Sache natürlich nicht mehr! Die Steifingkeit der Rute muß natürlich bei dem Vergleich auch konstanz gesetzt werden.... ! Schließich gehen wir ja von Optimalen Bedingungen aus...... gleiche Beschleuniguing durch den Werfer usw. ........

Gruß Jens

Verfasst: 16.01.2005, 18:10
von Werner
@Jens,
Die Steifingkeit der Rute muß natürlich bei dem Vergleich auch konstanz gesetzt werden....


Ich versuchte nun mit vielen Worten - offenbar undeutlich- zu sagen, dass diese Idealvorstellung in der Praxis kaum anzutreffen ist, sondern die längere Variante in der gleichen Serie in der Regel "weicher" ist. Die Erfahrung aus der Praxis, dass die längere Rute der gleichen Serie ein langsameres Rückstellvermögen hat als die kürzere, machen die meisten Fliegenfischer und das entspricht auch den Aussagen der Rutenbauer.

Es macht für mich wenig Sinn, nicht existierende "optimale Bedingungen" als Diskussionsgrundlage anzunehmen. Noch weniger Sinn macht es, wenn man sich einzelne von mir als Beispiel gedachte Erfahrungen "herauspickt", alles andere "überliest" und dann mit Na- siehste-Attitüde als Beweis eigener Basisphysik missbraucht.

Gruß Werner

Verfasst: 16.01.2005, 18:27
von TorstenHtr
Hallo,

Die Steifigkeit der Rute ist ja schließlich nicht genormt, aber wenn wir von gleicher mittlerer Steifigkeit + Beschleunigung u.s.w. ausgehen wird die längere Rute definitiv weiter werfen.
Ich denke Jens liegt dabei schon richtig.

Die Frage ist was es in der Praxis bringt, IMHO würde ich persöhnlich jedem der sich eine neue Rute anschaffen würde eine 9ft. empfehlen. Dieses Maß hat sich als das optimale Mass für mich herrausgestellt und die meisten Instruktoren würden eine ähnliche Wahl vorschlagen.

Das Rückstellverhalten meiner Erfahrung nach keinen so extremen Einfluss, wichtiger ist die mittlere Steifigkeit der Rute.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 16.01.2005, 18:45
von Rolf Renell
Hallo Torsten,vielleicht könntest du den Begriff "Mittlere Steifigkeit" der ja auch ein wesentlicher Punkt der CC -Methode ist einmal etwas näher oder transparenter formulieren bzw. hier erklären,ich glaub es kann sonst versch. gedeutet werden ,es gibt ja auch sonst nur engl. Umschreibungen dazu,das könnte hier vielleicht helfen(Definition in Deutsch),
beste Grüsse ,Rolf

Verfasst: 16.01.2005, 19:15
von TorstenHtr
Hallo Rolf,

Nun die Mechaniker/Maschinenbauer definieren den Begriff Biegemodul, der in der Einheit [N/mm²] gemessen wird. Das ist eine Materialeigenschaft die theoretisch auch für eine Fliegenrute gemessen werden kann - da dort aber auch der Querschnitt des Materials eingeht macht man sich das etwas einfacher.
Z.B. Al Kyte definiert die mittlere Steifigkeit ("overall stiffness") in Gramm/Inch, d.h. wieviel Masse benötige ich um eine bestimmte Auslenkung der Rutenspitze zu erreichen. Wie messen also die gesamte Rute.
Leider hat diese Definition den Nachteil abhängig von der Länge der Rute zu sein, Dr. Bill Hanneman hat das IMHO besser gelöst indem die Auslenkung relativ zur Rutenlänge bezogen wird.
Es wird hierbei das Gewicht gemessen, daß eine Durchbiegung der Rute um 1/3 der Rutenlänge verursacht und dann einer Zahl zugeordnet (die sogenannte "ERN"). Auch hierbei wird die gesamte Rute horizontal eingespannt.

Wie das genau funktioniert, will ich noch genau in einem Text beschreiben, momentan bin ich bei dem Umrechnen der Einheiten.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 16.01.2005, 19:28
von TorstenHtr
Hallo nochmal,

Zur Ergänzung, vielleicht hat schon mal jemand etwas vom Begriff der "Testkurve" gehört. Dieses Maß existiert z.B. für Karpfenruten, es ist definiert als die Gewichtskraft, die benötigt wird, die Rutenspitze zum Blank 90° zu krümmen. Leider berücksichtigt dieses Maß nicht die unterschiedlichen Aktionsformen, das CC Messverfahren sehr wohl, ist aber ansonsten prinzipiell ähnlich.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 16.01.2005, 19:37
von Rolf Renell
Hallo Torsten ,fänd ich gut ,mir ist das in den Berichten und Beschreibungen von Kyte etc. zwar vorstellbar und nachvolziehbar ,das "Fachenglisch" ist nicht leicht zu verstehen im Sinn von "verstanden" ,wär schön wenn du einen Text ,evtl. mit Beispiel etc. oder in "verstehbarem"nachvollziehbarem Deutsch fertigen könntest ,
beste Grüss ,Rolf

Verfasst: 16.01.2005, 19:53
von fluefiske
Hallo !

Die Erfahrungen,die Werner gemacht hat,decken sich mit meinen zu 100 %.Als ich vor ca. 6 Jahren mit dem Fliegenfischen begann,baute ich mir neben einigen Ruten in 9' auch eine mit meiner Figur : Kurz,aber kräftig.7'6" in #5/6.Auch nach vielen Übungsstunden auf der Wiese bin ich immer wieder aufs Neue erstaunt,wie weit diese wirft.Mit keiner anderen Rute werfe ich weiter,auch nicht mit einer SAGE XP #6 mit 10' von einem Freund.Beide mit gleicher Schnur natürlich.
Als ich gestern an unserem Vereinsweiher angelte,kam ein Bekannter mit einer Exori Traveller Fly Deluxe 6-teilig.Das besondere : Man kann diese Rute auch 5-teilig fischen.Das Teil vor dem Handteil kann man auch weglassen.Also 2.70m oder 2.30m.Nach einigen Würfen mit 2.70m bis zum Backingknoten ( irgendeinen Anhaltspunkt braucht man ja ),verkürzte ich auf 2.30m.Und siehe da,exakt die gleiche Weite,was mich aber nicht überraschte.
Anderes Beispiel :
Vor Jahren baute ich mir,animiert durch die Beschreibungen in den Katalogen eine 3-teilige LOOMIS GL4 - #6 in 10' zum Nymphenfischen.Diese war aber zu weich,nichts für mich.Es war kein schönes Werfen möglich.Weil ich sie mit sehr guten Komponenten versehen hatte,wollte ich sie nicht für kleines Geld verschleudern.So stand sie lange Zeit im Schrank,bis mir der Gedanke kam,die Rute einzukürzen.Unter Beachtung des Abstandes des 1. Ringes zum Griff ,kürzte ich also um ca.65cm und baute das Handteil neu auf,Länge 2.37m. Danach ging es sofort auf die Wiese um zu testen.Ergebnis:Eine schöne,geschmeidige,aber schnelle Rute.Würfe bis zum B- Knoten gelangen auf Anhieb.
Mittlerweile habe ich für mich die ideale Länge gefunden : 8'6". Gerade deshalb,weil der Hebelarm nicht zu groß ist,läßt sich eine Rute in dieser Länge sehr bequem über viele Stunden werfen.
Bei aller Theorie und physikalischen Gesetzen,die Praxis sieht oft anders aus.
Und die Moral von der Geschicht: Unterschätz die Kurzen nicht.

Gruß Erich

Verfasst: 16.01.2005, 22:58
von Rolf Renell
Sach ich ja ,bin auch ein 8,6 er,

beste Grüsse,Rolf

Verfasst: 16.01.2005, 23:39
von Werner
Hallo Erich,
Mittlerweile habe ich für mich die ideale Länge gefunden : 8'6". Gerade deshalb,weil der Hebelarm nicht zu groß ist,läßt sich eine Rute in dieser Länge sehr bequem über viele Stunden werfen.


Das ist auch meine Länge.

Hallo Torsten,
aber wenn wir von gleicher mittlerer Steifigkeit + Beschleunigung u.s.w. ausgehen wird die längere Rute definitiv weiter werfen.


Du hast vollkommen recht : Gehen wir also davon aus, dass eine längere Rute von gleicher mittlerer Steifigkeit, die es in der Praxis in der gleichen Serie und gleichen Schnurklasse nicht gibt, weiter werfen würde, wenn es sie gäbe.

Ich beziehe mich einstweilen auf den real existierenden Rutenwald und vermag deshalb den Erkenntniswert einer solchen Aussage nicht allzu hoch einzuschätzen.

M.a. Worten : Wir haben beide Recht, reden aber über völlig unterschiedliche Sachverhalte aneinander vorbei ( Das ändert sich auch nicht durch Hannemans Berechnungsmethode, die wir hier im Forum m.W. schon mal durchgehechelt haben.) und belassen es dabei.

Gruß Werner

Kurz oder lang?

Verfasst: 20.01.2005, 15:40
von Spliessè
Hallo Leute!
Kurz oder lang?
Fleißig muß sie sein!
Grüße Wolfhard