c&r soll meiner meinung nach diskutiert werden, denn heisse diskussionen zu meiden trägt zu keiner lösung allfälliger konflikte bei, und fördert inkeinster weise das verständnis für die eine oder anderen meinung (standpunkte).
dass c&r zukünftig ein thema wird, ist wohl nicht zu vermeiden. beispiel; die schweiz untersagt ab 2009 c&r offiziell, heisst es steht erstmals deutsch und deutlich in einem gesetz ("das beabsichtige fangen und freilassen von fischen ist verboten").
die schweiz will, wzumindest nach meiner rücksprache mit einem vertreter der gesetzgebenden behörde, keinenfalls c&r im einzelfall verbieten, aber systematisches c&r. dies heisst c&r strecken/gewässer wo eine fischentnahme untersagt ist, werden verboten. das schweizer c&r verbot gilt übrigens für alle öffentlichen (staatlichen) wie privaten gewässer. die behörde will auch genau beobachten, ob "schein-schonmasse" verhängt werden, um c&r (schein-)legal zu praktizieren. heisst sie kann jederzeit prüfen, ob beispielsweise eine mindestschonmass von 50 cm für eine bachforelle im gebirge realitätsnah oder fern ist, und entsprechend eingreiffen (z.b abfischungen zur beweisführung) verlangen.
wie allerdings der "einzelfall" von "systematik" unterschieden wird, müssen die vollzugsorgane (fischereiaufseher) noch handhaben, wie weiss man noch nicht. es ist anzunehmen, dass wenn jemand z.b. auf die kinderstube der fische angelt (habe ich leider oft selbst beobachtet), also wo nur kleine fische vorkommen und dann nicht den platz wechselt weil nur kleine an den haken gehen, betreibt er systematik. dann setzt es potentiell eine busse (bei nicht-schweizer wird diese sofort eingezogen, oder bis zur vollständigen bezahlung der busse das gerät beschlagnahmt).
persönlich könnte ich gut mit einem solchen c&r verbot leben, denn es betrifft beileibe nicht nur uns flifis, denn auch alle karpfen-freaks sind künftig genauso angehalten, sich zu bändigen. die schönen fotos in der presse mit dem ewig gleichen kommentar wie "der fisch wurde selbstverständlich zurückgesetzt", birgt immer mehr munition für den tierschutz. dieser war es auch, der letztendlich und erfolgreich ein c&r verbot in der schweiz durchgesetzt hat. nein, es war nicht der "extreme tierschutz", sondern als eher gemässigt geltende und allseits anerkannte organisation.
persönlich finde ich ebenso und pflichte einigen vorpostern zu, dass der fisch kein sportgerät und spielball ist, noch ein solcher für unser hobbys sein darf. ich unterscheide aber auch zum erwähnten reiter der ein pferd zu hobbyzwecken reitet und hält. es handelt sich hier nicht um wildpferde, sondern um tiere die für das menschliche vergnügen gezüchtet wurden. ob das ethisch verwerflich ist oder nicht, sei mal dahingestellt, zumindest aus artenschützerischer sicht gilt es diese pferde nicht zu schützen oder zu fördern, im gegensatz zu wildpferden. solche brauchen zur haltung durch den menschen denn auch eine spezialbewilligung. übrigens auch unsere haushunde und kaninchen sind zuchtformen. allerdings setzt das tierschutzgesetz hier schon viel früher und deutlicher als in der fischerei grenzen.
in der jagd gibt es kein c&r, also auf ein tier schiessen unter verwendung von betäubungsmuni und den bock danach wieder freilassen, der schuss also nur zur freude des schützen. wieso soll es in der fischerei anders sein?
ich finde man kann und soll durchaus fische entnehmen, allerdings braucht es klare und forschere entnahmegrenzen und regelungen seiten des bewirtschafters, damit nicht alles entnommen wird. selbst habe ich mich auch selbst mit den jahren bändigen müssen. nach der entnahme eines fisches den platz zu wechseln (mindestens 5-10 km), um dann andernorts allenfalls wieder einen fisch zu entnehmen. oder gar das gewässer zu wechseln. die chance dann einen bestand nachhaltig zu dezimieren ist so viel kleiner. bin ich selbst zu faul (und es ist nichts anderes), und will am selben ort/der gewässerstelle weiter fischen, dann benutze ich die hakenlose fliege. ein drill beim etnommenen fisch reicht mir dann, die restlichen fische brauche ich nicht noch und nur aus freude zu drillen.
wer entgegnet man würde einen fischbestand durch c&r schonen, hat schon recht, aber eine echte schonung erfolgt nur durch gänzliches nicht-befischen eines bestandes. c&r hilft keinem bestand über die runden zu kommen, den dieser hat rein gar nichts von c&r ausser die drillfreuden eines anglers zu befriedigen. potentiell kann er durch c&r sogar schaden erleiden, denn c&r muss wie ebenso in vorpostings erwähnt, gekonnt sein. gestern lief auf irgend einem französischen sender eine reportage über einen fischereiverein ("team of no kill" oder äh., weiss nicht mehr). alle landeten die fische (döbel und rapfen) am sogenannten lip-grip, viele davon fassten die fische aber dann mit trockenen händen an und/oder legten sie ins gras für foto- und filmzwecke. mich schaudert extrem, wie da eine jugend eine komische art des umgangs mit tieren propagiert, und was sie damit potentiell für zeichen setzt. für mich ist dies nicht besser als die handy-filmerei in strassenbahnen wo man leute drangsaliert und diese attacken zum spass und zur angeberei unter kollegen filmt und auf you tube stellt.
c&r in österreich ist für mich insofern ein sonderfall, weil dort die fischerei- und jagdgesetzgebung ausdrücklich vom tierschutzgesetz ausgenommen sind, was aber ebenso dskutiert wird und glaube ich auch von der eu angeprangert und eine änderung verlangt wird (was aber dauern kann). zudem wird der fischerei-tourismus in österreich stark gefördert, und jede einschneidende änderung könnte jederzeit von der tourismuslobby als behinderung der gewerbefreiheit bekämpft werden (wird es vermutlich auch).
all jene die jetzt morgenluft wittern und denken, man könnte die fischerei in d oder der ch nun auch vom tierschutzgesetz ausnehmen, werden wohl schief liegen, denn dies wird kaum umgesetzt oder toleriert werden.
ich erinnere an das hervorragende buch von r. arlinghaus (
http://www.amazon.de/unterschätzte-Angl ... 72&sr=8-10) sowie in einigen seiner vorträge. er selbst notabene ein c&r`ler, der aber c&r nur als sinnvoll erachtet, wenn es nicht als alleinige massnahme zur schonung eines fischbestandes hinhalten muss.
intakte gewässer ertragen sehr wohl eine selektive entnahme, allerdings machen wir auch nach wie vor massive fehler in der besatzwirtschaft (viel rein gleich viel raus), was unterdessen auch immer mehr offengelegt werden.
bei arlinghaus liest und erfährt man auch, dass über 20% der bevölkerung deutschlands fischen als tierquälerei empfinden. c&r hilft sicher nicht, diesen zahl zu minimieren. in meiner nicht gerade kleinen nichtfischenden bekanntschaft wird c&r denn auch als völlig sinnlos angesehen, und es wird mir immer mehr entgegnet "dann solle man den fisch in ruhe lassen oder gar nicht auf ihn fischen". der drill als spass an der fischerei begreift kaum ein "normalo", vielleicht zu recht.
heute haben wires immer mehr mit einer ethik-diskussion (
http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik), oder auch mit einer moral-diskussion (
http://de.wikipedia.org/wiki/Moral) zu tun. war vor 50 jahren c&r als konter- massnahme für die bekämpfung von überfischung und gewässerverschmutzungen (sportfischen wurde nach dem wwII zu einem breitensport) vemutlich "ethisch" haltbar, ist es dies heute zunehmends weniger. kann sein, dass es in weiteren 50 jahren wieder angesagt und ethisch einwandfrei ist c&r zu betreiben, allerdings glaube ich dies persönlich nicht.
nein, ich bin heute sogar eher dafür die sportfischerei wieder zu verteuern, heisst ein angelschein soll über tausend teuronen kosten (steinigt mich) und jede fischentnahme zusätzlich (z.b mit zu kaufenden tags wie bei einigen lachsfischereien). der dauer- c&r fischer, und genau so auch der fleischfischer, wird damit wieder ausgeschieden. ein seriöser jäger gibt heute ein vielfaches für lizenzen von dem aus, was wir für unsere fischerei bezahlen. und er praktiziert trotzdem kein c&r.
die pöbel- und fleischfischerei soll an den forellenteich mit entnahmezwang fischen, wer eine lizenz für andere, sogenannte freie gwässer hat oder will, soll dafür bezahlen, und wenn er seine tages-/entnehmemengen ausgeschöpt hat, soll er halt hakenlos weiter fischen.
die "hakenlos" diskussion findet schon länger, wenn auch erst in den anfängen statt, auch im heiligen land des C&R den usa;
http://query.nytimes.com/gst/fullpage.h ... A96F958260
http://www.njflyfishing.com/vBulletin/f ... shing.html
http://www.deseretnews.com/article/1,51 ... 21,00.html
http://www.thefreelibrary.com/Hookless+ ... 1610798510
http://www.fisheyesoup.com/article_details/325.html
denken wir nach, petri "kill but be moderate"; oder k&m statt c&r
berner