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Verfasst: 23.09.2009, 14:29
von Achim Stahl
Moin,

wie wir unsere Ruten und Schnüre zusammenstellen ist in erster Linie subjektiv und situationsabhängig. Objektive allgemeingültige Kriterien kommen da eher weniger zu tragen. Wie auch?! Es gibt ja kein klares für jeden einzelnen geltendes Ziel bei der Gerätezusammenstellung. Der eine will mit seinem Gerät möglichst weit werfen, der andere will eine präzise Präsentation auf kurze Distanz, der nächst will eine möglichst lange Leine vom Wasser abheben und und und...

Dazu noch die individuellen Präferenzen: der eine mag es, wenn die Schnur ordentlich zieht beim Werfen, der andere hält die Rute dann schon für überladen. Soll man jetzt jemandem sagen, dass er so nicht fischen soll?

Nehmen wir doch nur mal eine schwere Streamerrute, 9'6" #8. Die kann man auf Meerforelle an der Küste, auf Bonefish in der Karibik, auf Steelhead am Skeena River oder auf Hecht vor der Haustür benutzen. Für jeden Einsatz ist eine andere Schnur und oft auch ein anderes Schnurgewicht optimal: Beim Sichtfischen auf Bonefish muß ich schnell in einem Bereich präsentieren, in dem ich die Fische sehen kann. Das ist normalerweise nicht sehr weit, höchstens zwanzig Meter. Deshalb ist es eine gute Idee, eine relativ schwere Schnur zu benutzen.

Beim Steelheadfischen im Fluß will ich eine lange Schnurlänge abheben können. Eine zu schwere Schnur würde hier nur hindern...

Wir haben heutzutage nun mal die Qual der Wahl und können uns zwischen unzähligen Schnüren mit allen erdenklichen Tapern und Gewichten das passende für jeden Einsatz aussuchen. Solche individuellen Anpassungen und Lösungen lassen sich kaum in skalierbare Werte fassen.


Viele Grüße!

Achim

Verfasst: 23.09.2009, 19:02
von Volker Furrer
Hallo Florian,
Wenn ich eine fest definierte Wurfbewegung mit einer bestimmten Rute (Normrute) mit einer bestimmten Kraft einer bestimmten Geschwindigkeit (vlt. durch ein entsprechend konstruiertes Gerät) mit einer bestimmten (genormten) Schnur mit einer bestimmten Fliege durchführe muss das Ergebnis - der in seiner Bewegung/Schlaufe/Flugbahn nahezu perfekte Wurf rauskommen.
Tausche ich in diesem Versuchsaubau die Rute durch eine x-beliebige aus, müsste ich doch theoretisch durch Abstimmung mit den anderen Parametern festlegen können in welches Schnurgewicht diese x-beliebige Rute dann reinpasst.......
Genau da sehe ich das Problem (zusätzlich zu den anderen, die hier z.B. schon von Achim und Bernd geschildert wurden).

Diese bestimmten Werte werden wohl an 99% der Nutzer und 99% der fischereilichen Situationen vorbei gehen.
Ich habe z.B. keine bestimmte (Wurf-), oder Beschleunigung, oder definierte Wurfbewegung, da ich dies alles der jeweiligen Situation am Gewässer anpasse.

Rutenvermesseung

Verfasst: 23.09.2009, 19:04
von laverda
Hi Flifis,
erstmal vielen Dank für die anregenden Beitäge und auch für die Skepsis vieler.
Um hier ein wenig vom "Tüftlerstatus" herunterzukommen:
Ich bin Dipl.-Ing. Maschbau, habe einige Jahre Forschung auf dem Gebiet der Entwicklung dynamischer Simulationen industrieller Prozesse hinter mir und bin jetzt als Lehrer für Ausbildungsberufe der Kunststoffindustrie tätig.
Zunächst habe ich aus purer Neugier mir mal die Physik der Fliegenrute vorgenommen. Heute in Zeiten der ISO 9000-X muss jedes Produkt Eigenschaften nach genau festgelegten Prüfkriterien erfüllen. Diese Kriterien werden nach Materialeigenschaften und physikalisch festgelegten Kennwerten festgelegt. Derer haben wir auch bei Fliegenruten eine ganze Reihe. Ich habe lediglich mit mathematisch exakten Methoden die Kennlinien des Federbauteils "Fliegenrute" über 3 Messpunkte bestimmt und die sich daraus ergebenden Kennwerte ermittelt. Wäre die Fliegenrute ein technisches Bauteil selbst untergeordneter Bedeutung und sehr niedrig im Preis, hätten wir sowohl genormte Prüfverfahren als auch transparente Kennwerte, ansonsten wären die nämlich unverkaufbar!!!
Hier kurz über FLYRAN (NUR RUTENWERTE!!!)

0-Wert der Kennlinie: unbelastete Rute

Wurfgewicht: 3,75°-Auslenkung (hat sich bei einigen Messmethoden bereits für die Praxis bewährt)

Progressionsermittlung 0 - 15° Auslenkung (auch hier Übernahme von bestehenden Messmethoden)
Kritik: vielleicht gibt es geeignetere Stützstellen, ändert aber nichts am physikalisch korrekten Vorgehen.

Aus den Kennlinen werden von FLYRAN mit berechnet:

Spannenergie in Milli-Joule von 0 - 15°
(bei 19gr Wurfgewicht (7er) rund 280 - 320 mJ, je nach Länge der Rute und Progression)
Progressionsanteil an der Rutenaktion bei Fliegenruten ~ 5 - 35 %
Eine Rute mit z.B. 16,5-17 gr Wurfgewicht und 15-18% Progression ist mit 6er Schnur eine für jedermann entspannt werfbare "6er" Kombi.

Steigung der Kennlinie bei 15°: Ergibt Aussage über Nachgiebigkeit bei hoher Belastung der Rute jenseits der 15°. Steigungen über 82° weisen auf ein wirklich ordentliches Rückgrat hin.

Eigenfrequenz:
Messung bei Belastung mit Wurfgewicht und Berechnung für Belastung mit Wurfgewicht. Die Abweichung beider Werte ist Maß für Dämpfungseigenschaften des Materials.
Bei Kohelefaser liegen die Messungen um die 75 Schwingungen pro Minute, die berechneten Werte etwa 2-7% darunter.

Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsvermögen der mit Wurfgewicht belasteten Rute aufgrund der Spannenergie.
Beim Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Beschleunigung spielt der Beschleunigungsweg und damit die Rutenlänge eine Rolle. Übliche Beschleunigungswerte liegen zwischen 20 und 23 m/s², Geschwindigkeiten zwischen 4,8 und 5,5 m/s. Eine "ausgeglichene" Rute hat ein Verhältnis um 4,0.

All diese Werte erhalte ich aus einer kaum 5 Minuten dauernden Messung. Präzisionsgewichte sind überflüssig, da die gesamte Kennlinie berechnet wird und somit jeder Punkt eindeutig bestimmbar ist.
FLYRAN hat einen EURO-Münzenrechner, so dass ich die Rute mit der Belastung von Münzen in die ungefähre Auslenkungslage (1 cm Genauigkeit sind vollkommen ausreichend) bringen kann und dann deren Anzahl in FLYRAN eingebe. Die Werte bei exakt 3,75° und 15° berechnet FLYRAN über den Kennlinienverlauf.

Sicherlich kann man die Kennlinien noch exakter bestimmen, indem mehr Messpunkte aufgenommen werden, die Frage ist jedoch, wie weit man das treiben will. Bei weiteren Messpunkten wird der mathematische Aufwand sehr groß, die wesentlichen Kennwerte ändern sich dabei nur sehr geringfügig.

Das war jetzt sehr viel Vorstellung von FLYRAN, mein Bericht auch über die physikalischen Hintergründe der Messungen und Auswertungen hat ca 17 Seiten und bei Interesse könnt ihr mich über PN erreichen.

Übrigens: Die Messungen kann ich in jedem Laden zumindest grob vornehmen. Ein paar Euros und Zollstock reichen völlig aus!!!!

Jetzt aber Schluss, ich bitte um Kritik :)

Verfasst: 23.09.2009, 19:21
von Peter S.
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Verfasst: 23.09.2009, 19:36
von laverda
Volker Furrer hat geschrieben:Hallo Florian,
Wenn ich eine fest definierte Wurfbewegung mit einer bestimmten Rute (Normrute) mit einer bestimmten Kraft einer bestimmten Geschwindigkeit (vlt. durch ein entsprechend konstruiertes Gerät) mit einer bestimmten (genormten) Schnur mit einer bestimmten Fliege durchführe muss das Ergebnis - der in seiner Bewegung/Schlaufe/Flugbahn nahezu perfekte Wurf rauskommen.
Tausche ich in diesem Versuchsaubau die Rute durch eine x-beliebige aus, müsste ich doch theoretisch durch Abstimmung mit den anderen Parametern festlegen können in welches Schnurgewicht diese x-beliebige Rute dann reinpasst.......
Genau da sehe ich das Problem (zusätzlich zu den anderen, die hier z.B. schon von Achim und Bernd geschildert wurden).

Diese bestimmten Werte werden wohl an 99% der Nutzer und 99% der fischereilichen Situationen vorbei gehen.
Ich habe z.B. keine bestimmte (Wurf-), oder Beschleunigung, oder definierte Wurfbewegung, da ich dies alles der jeweiligen Situation am Gewässer anpasse.


Hi Volker,
da geht die Diskussion ein wenig in eine andere Richtung.
Es geht NICHT um den Standard-Wurf oder die perfekte Kombi.
Ich zumindest möchte nur wissen, was ich da kaufe bzw bestelle.

Beispiel:
Ich weiß, dass ich für die nächste Saison eine Rute mit 16,5 gr Wurfgewicht, mittlerer bis hoher Progression (~ 20 %), Länge ~ 2,7m und einem Gewicht von ~100gr aufbauen möchte. Das Gerät soll für die Fischerei auf Barbe, Aland und Barsch (größere Fliegen kleinere Streamer, mittlere Wurfdistanzen ~ 15-18 m) mit schwimmender WF-Schnur und sinkendem Polyleader eingesetzt werden in Kanälen und kleineren Flüssen. Eben ein Gerät genau für meinen Stil und exakt bestimmtem Einsatz. Wer hat da eine Blank-Empfehlung?

Vorschlag: Herstellung von ein paar Datenblättern mit FLYRAN und jeder Vertreiber von Blanks könnte mir da was empfehlen.........passgenau!!!

Heute wusel ich durchs Internet und tätige Fehlkäufe und muss mich auf Aussagen wie "passt gut, mittlere Aktion, lässt auch zu... usw verlassen oder mich durch einen ganzen Rutenwald werfen (dabei suche ich doch einfach nur einen Blank!)

Re: Rutenvermesseung

Verfasst: 23.09.2009, 20:14
von Bernd Ziesche
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Re: Rutenvermesseung

Verfasst: 23.09.2009, 22:15
von laverda
Bernd Ziesche hat geschrieben:
laverda hat geschrieben: 1. Eine Rute mit z.B. 16,5-17 gr Wurfgewicht und 15-18% Progression ist mit 6er Schnur eine für jedermann entspannt werfbare "6er" Kombi.

2. Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsvermögen der mit Wurfgewicht belasteten Rute aufgrund der Spannenergie.
Beim Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Beschleunigung spielt der Beschleunigungsweg und damit die Rutenlänge eine Rolle. Übliche Beschleunigungswerte liegen zwischen 20 und 23 m/s², Geschwindigkeiten zwischen 4,8 und 5,5 m/s. Eine "ausgeglichene" Rute hat ein Verhältnis um 4,0.

3. Jetzt aber Schluss, ich bitte um Kritik :)
Hallo Laverda,
ich habe 3 Punkte aus Deinem Posting aufgegriffen...
Zu 1.:
Wenn Du einer AFFTA 6 Schnur mit einer Keule von 9m Länge kaufst, sollte diese Keule um die 10 Gramm Gewicht besitzen.
Bei 17 Gramm Wurfgewicht für die Rute wäre diese sehr unterfordert, sofern Du nicht über eine sehr hohe Schnurgeschwindigkeit und sehr enge Schlaufe entgegensteuerst (Beispiel: TLT Technik).

Zu 2.:
Mit wieviel Wurfgewicht wurde denn hier belastet, und welchen Nutzen genau erhalte ich aus diesen Zahlen?

Zu3.:
Kritik? Nein.
Das ganze Verfahren anhand einem konkreten Beispiel dargestellt und die Fachbegriffe wie "Progression" gegen leichter verständliche Formulierungen ausgetauscht, wäre (so glaube ich) für viele von uns hilfreich :wink: .

Wenn ich mir eine Rute kaufe, interessieren mich folgende Punkte:

1. Das Gesamtgewicht der Rute.
2. Die Biegekurve der Rute unter deutlicher Belastung.
3. Wie stark wird die Rutenspitze aus der entspannten Ruheposition ausgelenkt während des durchschnittlichen Werfens.
4. Welches Wurfgewicht passt, um die Rutenspitze auf ein "gesundes" Maß während des Werfens auszulenken.
5. Wo liegt die obere Grenze im Wurfgewichtsbereich.

Beantworten Deine Zahlen meine Fragen?

Gruß
Bernd
Hi Bernd,
ZuZu 1: Klar haben die ersten 9,14 m der 6er Schnur 10 gr Gewicht. Das von mir angegebene "Wurfgewicht" bezieht sich auf die Belastung der Rute bei einer Auslenkung der Rutenspitze von 3,75° und 15m Schnurgewicht. Diesen Wert haben vor mir schon einige andere sehr erfahrene Rutenspezialisten, Fliegenfischer und Castingprofis (Matschewski, Reim, Hüter) als geeignete Kennwerte für das Wurfgewicht herausgefunden.
Also das AFTMA-Gewicht von 9 auf 15 m hochrechnen. (Achtung bei Keulenlängen unter 15m bzw. Schussköpfen, da könnte dann eine AFTMA-Klasse höher angebracht sein). Das Wurfgewicht ist daher in FLYRAN immer in Gramm BERECHNET und die AFTMA-Nummer ZUGEWIESEN!!!

ZuZu 2: Etliche Auswertungen von vermessenen Ruten (3,75°/15°) zeigen, dass bei ausgewogener Abstimmung die Geschwindigkeits und Beschleunigungswerte in dem von mir angegebenen Bereich liegen und nur "Exoten" recht deutlich nach oben oder unten abweichen. Diese Werte sind aussagekräftig, wenn ich den Wurfgewichtsbereich Schnur/Schusskopf eingrenzen möchte oder Rutenlängen variiere. Mit der Rutenlänge verkürzt sich der Beschleunigungsweg und das Verhältnis von Geschwindigkeit und Beschleunigung verändert sich recht deutlich. Für mich sehr interessante Werte für den Rutenbau bzw. einkürzen von Blanks zur Wurfgewichtänderung. Da brauche ich aber noch ein paar Blanks, um hier exakte Aussagen zu treffen. Als Belastung werden hier die o.g. Wurfgewichte (15m) eingesetzt und variiert.

ZuZu 3: Wenn die Rute z.B. mit 20 gr belastet wird und dabei um 20cm ausgelenkt wird habe ich zwischen der Belastung 0 gr und 20 gr eine Gerade Linie, Zuordnung 1 gr - 1 cm, das ist aber nicht zutreffend sondern liegt daran, dass ich nur 2 Punkte berücksichtige.
Bei einer Belastung mit zusätzlichen 20 gr erreiche ich nicht 40 cm Auslenkung sondern weniger. Das heißt: Mit zunehmender Belastung wird die Rute steifer. Die Belastungslinie ist also keine Gerade (linearer Verlauf) sondern eine Kurve (Progressiver Verlauf). Je ausgeprägter diese Eigenschaft ist, desto höher ist die Progressivität desto steifer wird die Rute bei zunehmender Belastung.
Dasselbe haben wir in unserem Steuersystem: je mehr ich verdiene desto höher wird mein Steuersatz meine finanzielle Belastung, die (Steuer) Progression schlägt durch. Kurz gesagt: Gleiche Zunahme verursacht höhere zusätzliche Beträge. Ich weigere mich, hier von der Schnelligkeit, medium, fast oder ähnlichen Eigenschaften der Rute zu reden, auch wenn sich dies für diesen Effekt eingeschlichen hat.

Deine Auswahlkriterien:
1. Gewicht der Rute: Küchenwaage

2. Biegekurve der Rute: Die wird durch die Kennlinie (grafische Darstellung in FLYRAN) und die übrigen Kennwerte eindeutig beschrieben.

3. Auslenkung beim Werfen: Hier muss ich mich wiederum auf die Untersuchungen der vorher genannten Herren berufen. Die 15°-Belastung/Auslenkung ist genau dieser Kennwert, weshalb sich auch andere Autoren (Powerfaktor von Matschewski, Geschwindigkeitsmessung aus 15° Auslenkung) auf diesen Wert beziehen.
Achtung: Gerade hier spielt die individuelle Wurftechnik und Abstimmung eine sehr große Rolle, die Messwerte sind RUTENWERTE zu Vergleichszwecken und ich kann für meine Vorlieben Rückschlüsse daraus ziehen und analysieren, welche RUTENWERTE zu mir und dem angedachten Einsatz des Gerätes passen. Keinesfalls ist hier an irgendeinen Abstimmungsstandard gedacht.

4. Wurfgewicht: Siehe Ausführung zu 3,75°-Auslenkung, sowie weitere Kennwerte

5. Wurfgewichtsgrenze: Ausprobieren! Ganz sicher kann ich mit einer 12gr Wurfgewichts-Rute keinen 40 gr Schusskopf werfen, aber alles andere ist wirklich sehr individuell. Hinweis auf Max Werte gibt Geschwindigkeits- und Beschleunigungsauswertung: Werte wesentlich unter 20 m/s² bzw. unter 5 m/s deuten Grenze des maximalen Wurfgewichtes an.
Beispiel: Bei meiner progressiven 19,5 gr WG Rute werden diese Werte bei ca 22,5 gr erreicht und da wird es zumindest für mich auch ziemlich unangenehm mit der Werferei.

Zur leztenFrage: "Beantworten deine Zahlen meine Fragen?
Antwort:
Mit ein wenig Übung und ein paar Vergleichsauswertungen (Übungsdaten sind in FLYRAN enthalten) gebe ich ein uneingeschränktes JA.

Allgemeine Anmerkung:
FLYRAN ist recht neu und auch wenn ich versichern kann, die allgemein gültigen Regeln der Technik berücksichtigt zu haben, muss auch ich noch einige Erfahrungen mit den Werten sammeln. Die Kennwerte sind eindeutig und jederzeit überprüfbar. Die Übertragung auf das individuelle Wurfgefühl kann ich für andere nur als vagen Anhaltspunkt formulieren.
Genauso wie jeder andere Wertungen für ein und dasselbe Auto vergeben würde. Fakt wäre hier: Leistung, Gewicht, Verbrauch, Geschwindigkeit........... Interpretation wäre: Ist mir zu schnell, zu langsam, passt nicht zu meiner km Leistung pro Jahr etc. etc.

Aufgrund der beschränkten Darstellungsmöglichkeiten hier im board, kann ich die Rutenanalyse mit FLYRAN und der 3Punkt-Messmethode nur eingeschränkt darstellen. Ich habe daher einen Bericht erstellt, der physikalische Hintergründe und die Auswertung auf 17 Seiten dokumentiert.

Verfasst: 23.09.2009, 22:47
von laverda
Peter S. hat geschrieben:Hallo Laverda,
zunächst mal freut es mich sehr, dass sich jemand so viel
Mühe macht, um Ruten (neu) zu berechnen.
Mit meinen max. durchschnittlichen physikalischen Kenntnissen
hört sich das alles sehr professionell an und macht Eindruck.
Was die Praxis anbetrifft, bin ich jedoch skeptisch, angesichts
Deiner ersten Aussage, wonach FLYRAN errechnet hat, dass Du
an der 275-Rute erstmal 8,5 cm von der Spitze abschneiden sollst
und dann noch was am Handteil, um 1,5 Schnurklassen höher zu
kommen.
Mach das doch einfach und beurteile dann das Programm neu.
Theorie und Praxis liegen nicht immer dicht zusammen...

Gruß
Peter S.
Hi Peter,
bin halt mit Leib und Seele Tüftler mit naturwissenschaftlichem Hintergrund und es macht mir wirklich Spass.
Aufgrund deiner Bedenken und möglicherweise versteifen ja auch die Ringe den Blank noch zusätzlich, werde ich den Blank wohl auf 15,5 gr Wurfgewicht einkürzen (Spitze 7-7,5 statt 8,5 cm, Handteil 6cm).
Bald sind Herbstferien und ich hoffe, die Rute noch in den Ferien testen zu können.
Du hast recht, ich mach das einfach mal und lasse die Rute dann von einem richtigen Profi der Flyfisher Niederrhein beurteilen. (Nur Wurfeigenschaften, beim Design mache ich mal einige Abstriche, wird halt eine "Versuchsrute".

Verfasst: 24.09.2009, 00:52
von Rolf Renell
Hallo Laverda,
zunächst finde ich es interessant und sicherlich befriedigend und spannend wenn jemand seine Aufgabe im idiellen Sinn in einem Bereich, der auch Berufsnah liegt und so Freiraum für "Forschungen" im privaten Hobbybereich gibt,findet.
Alle bis zum heutigen Tage entwickelten und veröffentlichten theoretischen Vermessungssysteme , von Hannemann bis Matschewsky sind sicherlich für ihren Anspruch eine sehr interessante Sache die auch dem ein - oder anderem einen gewissen Eindruck vermitteln können vorausgesetzt man weiss die Werte zu deuten und in Vergleiche oder Zusammenhänge zu bringen.
Das Theorie / Praxisgefälle macht leider auch hier immer wieder einen Strich durch die Rechnung für eine von den Vorrednern geschilderten individuellen umfassenden Beurteilung ,und lässt einen wirklichen Praxiswert meist nur für die wenigsten haben.
Ich persönlich freue mich darauf einmal deine Vermessung einmal näher kennenzulernen , irgendwo ,irgendwann ,
beste Grüsse,
Rolf

Verfasst: 24.09.2009, 07:56
von Gammarus roeseli
laverda hat geschrieben:
Beispiel:
Ich weiß, dass ich für die nächste Saison eine Rute mit 16,5 gr Wurfgewicht, mittlerer bis hoher Progression (~ 20 %), Länge ~ 2,7m und einem Gewicht von ~100gr aufbauen möchte.
Hallo Laverda,

wir wissen die ersten 9,14 Meter einer Fliegenschnur bestimmen die Gewichtsklasse.

Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du die Fliegenruteneinteilung(Gewichtsklasse) über das Wurfgewicht in Gramm bestimmen.
Das funktioniert nicht!

Ein Beispiel aus der Praxis!

Du hast eine Rute sagen wir Klasse # 5 und verwendest darauf eine WF -7-F, die Keule ist 9,14 Meter lang und hat ein Gewicht von 12g. Du arbeitest mit dem Doppelzug, die Keule befindet sich komplett außerhalb der Rute und berührt beim Doppelzug nicht den Endringe.
Angenommen du spürst, dass es dir schwer fällt die Schnur (ca.10m) in der Luft zu halten! Das heißt diese Schnur ist zu schwer!

Du kannst aber bei der selben Rute völlig problemlos eine bzw. die Keule mit einem Gewicht von 12g und mehr in der Luft halten und werfen,
wenn die Keule keine 9,14 Meter lang ist, sondern sagen wir mal nur 6 Meter lang ist!

Nicht nur das Gewicht einer Schnur ist für das Aufladen einer Rute entscheidend, dass Zusammenspiel von Gewicht, Keulenlänge, Rutenlänge und Aktion der Rute beeinflussen die Wurfeigenschaften einer Rute entscheidend.

Grüße Christian

Verfasst: 24.09.2009, 08:39
von jonnycatch
Ich habe dieses Thema mit großer Begeisterung gelesen und kann nur meinen Hut ziehen, wer sich solche Gedanken über die Vermessung und Bestimmung einer Fliegenrute macht.
Eine Angabe des Herstellers in g wäre allerdings sehr wünschenswert. Vielmehr teste ich eine Rute auf der Wiese und auf die angegeben Anforderungen, die für mich entscheident sind ( Bernd Ziesche schrieb das bereits).Die Angaben die Herausgefunden werden können, können sich ja nur um Fertigruten handeln, die gleich aufgebaut sind, ich kaufe mir nur Blanks, wenn man hier von 2 auf 1 Stegringe wechselt hat man ein deutlich ander Rute und wenn ich einen anderen Ringabstand wähle ebenfalls, daher ist das für mich in der Praxis eher uninteressant und muss immer neu ermittelt werden, hierfür kann es mM nach keine Formel oder Messtechnik geben sondern nur das Feeling und die eigenen Anforderungen.

Ich würde mir viel mehr wünschen, das wenigstens die Angaben der Schnurhersteller einigermaßen passen, eine Rute kann ich immer vorher werfen und ausgibig testen bei den Schnüren sieht das anders aus.
Eine Guideline Coastel in Klasse 7 weicht um teilweise bis zu 1,5g von der Angabe des Herstellers ab,nach oben wie nach unten, das ist mehr als ärgerlich, wenn das Gewicht schon draufsteht sollte es wenigsten schon stimmen. Denn bei einer Vollschnur ist nichts mehr mit schnippeln und selbst 1g rauf oder runter merkt man mehr als deutlich. Als 2. Beispiel ein Lawson SK in Kl 8 angegeben mit 20g auf die ersten 10,7m. Ich wollte einen Sk haben um die 10m und 19 gr.,nach dem kürzen hatte der Kopf 20,6 g auf 10,20m. Für die vorgesehene Rute ist der leider unbrauchbar, da die Rute für meinen Geschmack überladen war.

Verfasst: 24.09.2009, 09:52
von Theo Matschewsky
Hallo zusammen,

wie sollte es auch anders sein? Lavarda hat ganz klipp und klar gesagt um was es geht, Ruten-Kennzahlen = Was kann die Rute! Er hat nicht gesagt "was kann ein Werfer mit einer Rute?".

Ludwig Reim führte schon Anfang der 90er Jahre Diskussionen mit Leuten, die die Idee nicht begreifen wollten um was es bei seiner 15° Speed Methode ging. Es ging genau um das gleiche, nämlich WAS KANN EINE RUTE!

Vor einem knappen Jahr habe ich diese 15° Speed Methode vereinfacht und gehofft dass durch Weglassen des elektronischen Zubehörs diese Methode (bzw. die Grundidee) besser nachvollziehbar wird. Die 15° Power Messung ist mit wenigen Hilfsmitteln durchführbar. Die Ergebnisse wurden hundertfach sofort nach der Messung im Praxistest durch unterschiedlichste Leute nachgeprüft und bestätigt. Und trotzdem führe auch ich ständig Diskussionen darüber, dass es nur darum geht "WAS KANN DIE RUTE".

Es scheint so als befürchten manche, dass man die Mystik aus der Fliegenfischerei nehmen wollte. Beruhigt euch doch mal, es geht niemanden darum das Probewerfen zu ersetzen (oder gar zu verbieten)...

Natürlich darf und soll jeder seine eigene Meinung haben. Und natürlich ist und bleibt die Feinabstimmung seines Gerätes jedem selbst überlassen. Einsteiger hätten aber durchaus eine grandiose Hilfestellung bei der Wahl des ersten Gerätes (Rute/Schnur) wenn möglichst viele Rutenwerte zur Verfügung stünden. Sie müssten sich dann nicht auf Experten verlassen die z.B. das Eigengewicht der Rute als eines der wichtigsten Kriterien aufführen...

Was nun die Akzeptanz der Blank- und Rutenhersteller angeht - die wird wohl immer gegen Null bleiben. Ja, manche Hersteller schreiben Wurfgewichte auf ihre Ruten aber sie hüllen sich in Schweigen wie diese ermittelt wurden. Ich habe bei einigen selbst nachgefragt aber das Deckmäntelchen "Betriebsgeheimnis" lies sich bei keinem lüpfen. Ich vermute deshalb, dass es keine Methode gibt = Ein paar Experten (sorry, das heisst ja Designer) schwippen mit der Rute, werfen verschiedene Schnüre und geben die Empfehlung ab. Mittelwert ermitteln fertig!

Es bleibt also nichts anderes übrig wenn man der Allgemeinheit einen Gefallen tun will als möglichst viele Ruten und Blanks selbst zu vermessen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Genau das tue ich und wie ich die Sache sehe auch Lavarda. Übrigens steht bei Peter Sagerer (Royal Flyfishing) auch schon so eine Messanlage und auch bei Hansmann in Bochum soweit ich weiss. Wenn nun auch noch die Messergebniss zentral zusammenlaufen würden gäbe es über kurz oder lang eine Mega-Datenbank und jeder könnte verschiedene Ruten und Blanks untereinander vergleichen.

Die Messwerte von bisher über 230 Ruten und Blanks sind öffentlich (kostenlos!) zugänglich und werden ständig erweitert.

Ich persönlich finde übrigens die Idee von Lavarda brilliant, denn sie ist eine Verfeinerung der 15° Methoden und stellt die ermittelten Werte vielleicht sogar noch besser dar. Ich könnte mir Vorstellen, dass seine Ergebnisse in diese Datenbank mit einflißen könnte.

Ich fahre jetzt morgen erst mal in die Schweiz zum Rutenbau-Treffen in Sarnen um dort die Mess-Methode weiteren Interessierten hautnah vorzustellen und zu erklären.

Schöne Grüße
Theo

Verfasst: 24.09.2009, 10:38
von Bernd Ziesche
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Verfasst: 24.09.2009, 10:59
von Theo Matschewsky
Hallo zusammen,

Bernd, danke für den Kommentar. Bitte fühle dich jetzt nicht angegriffen - aber bitte erkläre mir mal warum die Werte auf der Liste für den Leihen unverständlich sein sollten? Ich denke einfacher kann man es nicht mehr darstellen. Es sind klar markierte Werte (Ergebnisse) angegeben und zwar neben den Rutenangaben lt. Hersteller eben die Werte. Diese sind:

1. die tatsächlich ermittelte Schnurklasse
2. der Power-Faktor
3. eine Erklärung wie dieser Power-Faktor in Worten die Aktion der Rute einstuft, also slow, medium .... bis x-fast.

Ich denke das sind die wichtigsten Angaben in komprimierter Form und nicht durch Schwippen ermittelt, sondern durch Messung. Die Messung ist für ALLE Ruten gleich und erst dadurch entstehen die entsprechenden Werte und die Vergleichbarkeit.

Hier mal der Link zu der Liste (und dem Schusskopf-Rechner :-)

28.01.10 Ich wurde seitens des Forums hingewiesen, dass Links nur zu Seiten von Sponsoren gestattet sind. Deshalb habe ich den Link auf die Datenbank entfernt.

Was die Akzeptanz bei den Herstellern angeht, da bin ich mir leider völlig sicher, dass da keine Einigung zu erzielen ist. Es wird vielleicht den ein oder anderen Hersteller geben der die Methode mal probiert aber um so etwas als Standard einzuführen bedarf es mehr. Die entsprechenden Leute in den Verbänden sind alle in irgendeiner Form mit irgendwelchen Firmen verbunden und werden entsprechend immer diese Firmen-Interessen im Hinterkopf haben.

Es wäre schon ein reisßen Fortschritt wenn bei den hunderten von Ruten-Tests der Fach-Zeitschriften (und auch hier auf dieser Seite) zumindest diese Mess-Methode mit einfließen würde. Das wäre ein minimaler Aufwand. Entweder hat noch niemand daran gedacht, oder man will es vielleicht auch gar nicht - weil es u.U. zu Interessenskonflikten käme und Test-Ruten ausbleiben?!

Wie auch immer, egal...

Schöne Grüße
Theo

Verfasst: 24.09.2009, 13:17
von Bernd Ziesche
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