Bernd Ziesche hat geschrieben:laverda hat geschrieben:
1. Eine Rute mit z.B. 16,5-17 gr Wurfgewicht und 15-18% Progression ist mit 6er Schnur eine für jedermann entspannt werfbare "6er" Kombi.
2. Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsvermögen der mit Wurfgewicht belasteten Rute aufgrund der Spannenergie.
Beim Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Beschleunigung spielt der Beschleunigungsweg und damit die Rutenlänge eine Rolle. Übliche Beschleunigungswerte liegen zwischen 20 und 23 m/s², Geschwindigkeiten zwischen 4,8 und 5,5 m/s. Eine "ausgeglichene" Rute hat ein Verhältnis um 4,0.
3. Jetzt aber Schluss, ich bitte um Kritik

Hallo Laverda,
ich habe 3 Punkte aus Deinem Posting aufgegriffen...
Zu 1.:
Wenn Du einer AFFTA 6 Schnur mit einer Keule von 9m Länge kaufst, sollte diese Keule um die 10 Gramm Gewicht besitzen.
Bei 17 Gramm Wurfgewicht für die Rute wäre diese sehr unterfordert, sofern Du nicht über eine sehr hohe Schnurgeschwindigkeit und sehr enge Schlaufe entgegensteuerst (Beispiel: TLT Technik).
Zu 2.:
Mit wieviel Wurfgewicht wurde denn hier belastet, und welchen Nutzen genau erhalte ich aus diesen Zahlen?
Zu3.:
Kritik? Nein.
Das ganze Verfahren anhand einem konkreten Beispiel dargestellt und die Fachbegriffe wie "Progression" gegen leichter verständliche Formulierungen ausgetauscht, wäre (so glaube ich) für viele von uns hilfreich

.
Wenn ich mir eine Rute kaufe, interessieren mich folgende Punkte:
1. Das Gesamtgewicht der Rute.
2. Die Biegekurve der Rute unter deutlicher Belastung.
3. Wie stark wird die Rutenspitze aus der entspannten Ruheposition ausgelenkt während des durchschnittlichen Werfens.
4. Welches Wurfgewicht passt, um die Rutenspitze auf ein "gesundes" Maß während des Werfens auszulenken.
5. Wo liegt die obere Grenze im Wurfgewichtsbereich.
Beantworten Deine Zahlen meine Fragen?
Gruß
Bernd
Hi Bernd,
ZuZu 1: Klar haben die ersten 9,14 m der 6er Schnur 10 gr Gewicht. Das von mir angegebene "Wurfgewicht" bezieht sich auf die Belastung der Rute bei einer Auslenkung der Rutenspitze von 3,75° und 15m Schnurgewicht. Diesen Wert haben vor mir schon einige andere sehr erfahrene Rutenspezialisten, Fliegenfischer und Castingprofis (Matschewski, Reim, Hüter) als geeignete Kennwerte für das Wurfgewicht herausgefunden.
Also das AFTMA-Gewicht von 9 auf 15 m hochrechnen. (Achtung bei Keulenlängen unter 15m bzw. Schussköpfen, da könnte dann eine AFTMA-Klasse höher angebracht sein). Das Wurfgewicht ist daher in FLYRAN immer in Gramm BERECHNET und die AFTMA-Nummer ZUGEWIESEN!!!
ZuZu 2: Etliche Auswertungen von vermessenen Ruten (3,75°/15°) zeigen, dass bei ausgewogener Abstimmung die Geschwindigkeits und Beschleunigungswerte in dem von mir angegebenen Bereich liegen und nur "Exoten" recht deutlich nach oben oder unten abweichen. Diese Werte sind aussagekräftig, wenn ich den Wurfgewichtsbereich Schnur/Schusskopf eingrenzen möchte oder Rutenlängen variiere. Mit der Rutenlänge verkürzt sich der Beschleunigungsweg und das Verhältnis von Geschwindigkeit und Beschleunigung verändert sich recht deutlich. Für mich sehr interessante Werte für den Rutenbau bzw. einkürzen von Blanks zur Wurfgewichtänderung. Da brauche ich aber noch ein paar Blanks, um hier exakte Aussagen zu treffen. Als Belastung werden hier die o.g. Wurfgewichte (15m) eingesetzt und variiert.
ZuZu 3: Wenn die Rute z.B. mit 20 gr belastet wird und dabei um 20cm ausgelenkt wird habe ich zwischen der Belastung 0 gr und 20 gr eine Gerade Linie, Zuordnung 1 gr - 1 cm, das ist aber nicht zutreffend sondern liegt daran, dass ich nur 2 Punkte berücksichtige.
Bei einer Belastung mit zusätzlichen 20 gr erreiche ich nicht 40 cm Auslenkung sondern weniger. Das heißt: Mit zunehmender Belastung wird die Rute steifer. Die Belastungslinie ist also keine Gerade (linearer Verlauf) sondern eine Kurve (Progressiver Verlauf). Je ausgeprägter diese Eigenschaft ist, desto höher ist die Progressivität desto steifer wird die Rute bei zunehmender Belastung.
Dasselbe haben wir in unserem Steuersystem: je mehr ich verdiene desto höher wird mein Steuersatz meine finanzielle Belastung, die (Steuer) Progression schlägt durch. Kurz gesagt: Gleiche Zunahme verursacht höhere zusätzliche Beträge. Ich weigere mich, hier von der Schnelligkeit, medium, fast oder ähnlichen Eigenschaften der Rute zu reden, auch wenn sich dies für diesen Effekt eingeschlichen hat.
Deine Auswahlkriterien:
1. Gewicht der Rute: Küchenwaage
2. Biegekurve der Rute: Die wird durch die Kennlinie (grafische Darstellung in FLYRAN) und die übrigen Kennwerte eindeutig beschrieben.
3. Auslenkung beim Werfen: Hier muss ich mich wiederum auf die Untersuchungen der vorher genannten Herren berufen. Die 15°-Belastung/Auslenkung ist genau dieser Kennwert, weshalb sich auch andere Autoren (Powerfaktor von Matschewski, Geschwindigkeitsmessung aus 15° Auslenkung) auf diesen Wert beziehen.
Achtung: Gerade hier spielt die individuelle Wurftechnik und Abstimmung eine sehr große Rolle, die Messwerte sind RUTENWERTE zu Vergleichszwecken und ich kann für meine Vorlieben Rückschlüsse daraus ziehen und analysieren, welche RUTENWERTE zu mir und dem angedachten Einsatz des Gerätes passen. Keinesfalls ist hier an irgendeinen Abstimmungsstandard gedacht.
4. Wurfgewicht: Siehe Ausführung zu 3,75°-Auslenkung, sowie weitere Kennwerte
5. Wurfgewichtsgrenze: Ausprobieren! Ganz sicher kann ich mit einer 12gr Wurfgewichts-Rute keinen 40 gr Schusskopf werfen, aber alles andere ist wirklich sehr individuell. Hinweis auf Max Werte gibt Geschwindigkeits- und Beschleunigungsauswertung: Werte wesentlich unter 20 m/s² bzw. unter 5 m/s deuten Grenze des maximalen Wurfgewichtes an.
Beispiel: Bei meiner progressiven 19,5 gr WG Rute werden diese Werte bei ca 22,5 gr erreicht und da wird es zumindest für mich auch ziemlich unangenehm mit der Werferei.
Zur leztenFrage: "Beantworten deine Zahlen meine Fragen?
Antwort:
Mit ein wenig Übung und ein paar Vergleichsauswertungen (Übungsdaten sind in FLYRAN enthalten) gebe ich ein uneingeschränktes JA.
Allgemeine Anmerkung:
FLYRAN ist recht neu und auch wenn ich versichern kann, die allgemein gültigen Regeln der Technik berücksichtigt zu haben, muss auch ich noch einige Erfahrungen mit den Werten sammeln. Die Kennwerte sind eindeutig und jederzeit überprüfbar. Die Übertragung auf das individuelle Wurfgefühl kann ich für andere nur als vagen Anhaltspunkt formulieren.
Genauso wie jeder andere Wertungen für ein und dasselbe Auto vergeben würde. Fakt wäre hier: Leistung, Gewicht, Verbrauch, Geschwindigkeit........... Interpretation wäre: Ist mir zu schnell, zu langsam, passt nicht zu meiner km Leistung pro Jahr etc. etc.
Aufgrund der beschränkten Darstellungsmöglichkeiten hier im board, kann ich die Rutenanalyse mit FLYRAN und der 3Punkt-Messmethode nur eingeschränkt darstellen. Ich habe daher einen Bericht erstellt, der physikalische Hintergründe und die Auswertung auf 17 Seiten dokumentiert.