Hallo zusammen,
Zunächst: man sollte m.M. Nach auch die regionalen Bedingungen außer acht lassen. Wenn wenig Salmonidengewässer in der Nähe sind mag die Aitelfischerei eine willkommene Abwechslung sein, aber an den Salmonidenstrecken selbst denke ich dass eine konsequente Entnahme der Aitel durchaus sinnvoll und berechtigt ist. Die Aitel werden durchaus "gehegt" da die meisten Fischer lieber Forellen mitnehmen wollen und Aitel als ungeliebten Beifang wieder zurückwerfen (habe bewußt nicht zurücksetzen geschrieben). So kommt es zu einseitiger Entnahme, zusätzlich ist der Aitel im höheren Alter ein durchaus größerer Laich- und Bruträuber als jede Köppe und Nase. Ich denke alle Fische fressen Laich wenn sie die Chance kriegen, aber nicht alle jagen aktiv Kleinfische. Außerdem konkurrieren Aitel um Nahrung und Standplätze. Wenn man davon ausgeht dass ein Gewässer eine gewisse, limitierte Biomasse hervorbringt und ich nun (egal wie oft) meinen Zielfisch entnehme und gleichzeitig die potenzielle Konkurrenz nicht "kurz" halte, dann förder ich nicht meinen Zielfisch - im Gegenteil.
Bei uns gelten Aitel in der Regel als schleimige und grätige Viecher die man nicht unbedingt gezielt anfischen will. In Punkto Scheue gebe ich gerne klein bei, das sagt man aber von Schleie und Karpfen auch und diese genießen in Bayern einen deutlich höheren Status. Als ich Jugendfischer war habe ich primär Aitel, Nasen und Brachsen gefangen und nach Hause gebracht. irgendwann hat meine Mama mich dann gebeten diese Fische nicht mehr Heim zu bringen und irgendwann hat sie mir gedroht ich dürfe nicht mehr angeln gehen wenn ich nicht endlich höre...

Wenn diese Fische wirklich so unglaublich schwer zu fangen sind hätte sich meine Mama sicherlich über mehr Schneider- oder Forellentage freuen dürfen. Die richtig großen Fische habe ich mit Kirschen und Maden gefangen. Vielleicht ist es mit der Fliege hält ähnlich wie mit der Trockenen und der Renke oder Seeforelle. Grundsätzlich möglich aber wahrscheinlich nicht die effizienteste Methode.
Ich persönlich entnehme seit den letzten 3 Jahren Aitel tatsächlich sehr konsequent und in allen Größen wenn in Salmonidenstrecken unterwegs bin. Diese werden eingefroren und wenn genug zusammen gekommen ist werden diese filetiert, den den Wolf gedreht und zu Fischpflanzerl verarbeitet. Wenn der Fisch aus einem guten Wasser kommt schmeckt er wirklich sehr gut! Ist wie beim Karpfen, wenn zu viel Schlamm im Wasser vorkommt schmecken sie auch mal "moorig".
Vergraben finde ich absolut daneben, das der Vollständigkeit halber.
Ich sehe mich nicht als Aitelhasser oder ähnliches aber warum soll ich einen Fisch zu etwas Größerem machen als er in meiner Region ist - ein Allerweltsfisch der wirklich so gut wie überall vorkommt.
Ich habe beim Lehrgang zum Elektrofischer einen Teilnehmer aus dem Saarland getroffen. Dieser erzählte mir dass sein Verein ein Gewässer gepachtet hatte dass nach einem Chemieunfall sozusagen klinisch sauber war und sie dieses wieder zum Leben erwecken wollten. Als er mich fragte wo man meiner Meinung nach guten Döbelbesatz herbekommen könne habe ich zuerst gedacht der macht einen Witz... Meine Antwort war schlussendlich er solle sich keine Sorgen machen, bei uns besetzt die niemand und trotzdem kommen sie überall vor, wenn der Fluß also für Aitel geeignet ist dann finden die schon ihren Weg dahin.
Und, bin ich jetzt ein schlechterer Mensch oder Fischer?
LG
Markus