Seite 1 von 2
schnelle Ruten?
Verfasst: 17.05.2004, 12:49
von luiginm
Hallo Rutenspezialisten,
da ich mich seit ein paar Wochen entschieden hab, mir eine neue zuzulegen und ich noch zu wenig Erfahrung mit dem Thema hab, plagen mich auch seit einiger Zeit Ungewißheiten und Entscheidungsneurosen.
Wenn ich am am Bach steh und manchmal einen Kollegen sehe, der mit einem unglaublich langsamen Rhythmus die Gerte wedelt und sich die Rute beim Rückschwung fast bis zum Wasser runterbiegt, bin ich geneigt, zu sagen , daß ich auch eher schnellere Ruten bevorzuge (wie man es auch aus vielen Beiträgen im Forum raushören kann) , wobei ich mir schwertue, zu sagen, ob meine bisherige Rute nun zu den schnellen, oder eher mittleren zählt.
Aber nun stellt sich mir die Frage, haben schnelle Ruten auch Nachteile:
Ich fische, wenn möglich mit der Trockenen, weils einfach am meißten Spaß macht. Allerdings will ich wenn nix geht, auch beschwerte Nympfen und mal einen leichten Streamer werfen können. Hatte so an Klasse 5-6 gedacht.
Wurfweite normal ca. 8-12 m, gelegentlich auch mal weiter, meist etwas Wind, aber nicht dramatisch. Vorfach bis 0,14.
Sind schnelle Ruten (oder solche, die von der Werbung mit "höllisch schnell" bezeichnet werden ala TFO TiCr von B., im Nachteil bei der Präsentation von Trockenfliegen im Nahbereich (5-10 m)? Kann man damit auch etwas schwerere Fische am 0,14er Vorfach Drillen, oder sind die zu steif? Kann die Rute auch zu steif für meinen Einsatzzweck werden?
Zu guter letzt: Was würdet Ihr mir empfehlen, wenn die Schmerzgrenze so bei 2-300,- € ist. Ich weiß, Probewerfen, aber damit das nicht Jahre dauert, hätte ich schon gerne vorher die Auswahl etwas eingeschränkt.
Danke
Ludwig
Verfasst: 17.05.2004, 13:14
von Tobsn
Ich würde für die Trockenfischerei eher in Richtung medium-fast gehen. Eine gumütigere Aktion gibt einfach eine bessere Präsentation. Außerdem denke ich, mit einer mittelschnellen Rute kannst Du Streamer und Nymphen genausogut werfen.
Ich habe die "billige" TFO (Signature Series IM6) in #5 und bin für die € 100 total zufrieden. Wurfweiten um die 25m reichen mir völlig und solange Du keine Hechtstreamer werfen musst ist alles in Butter.
Verfasst: 17.05.2004, 13:18
von roland k
schau die mal die Steelfin Explorer Ruten an. Sind dreiteilig, mittelschnell, gute Verarbeitung, Transportrohr und lebenslange Garantie. Für deine Wurfweiten somit absolut geeignet und falls du mal einen Rollwurf machen musst, funzen die herrlich.
Steelfin
Roland
Verfasst: 17.05.2004, 14:40
von green drake
Hallo, bei schnellen Ruten besteht die Gefahr, daß man nur mehr mit der Rutenspitze aus dem Handgelenk wirft, außerdem sind die Schnurgeschwindigkeiten sehr hoch was zwangsläufig zu Ungenauigkeiten führt. Mittlere Aktionen um Schnurklasse 4 sind für die Trockenfliegenpräsentation meiner Meinung nach richtig.
Aber probier es einfach aus, ein Kollege hat sicher eine so schnelle Rute, diese sind ja im Augenblick sehr modern !
tight lines
Gebhard
PS:für beschwerte Nymphen und Streamer mußt Du Dir sowieso einen anderen Wurfstil zulegen .
Verfasst: 17.05.2004, 14:44
von Johannes
ich fische ne sage rpl+#5(die gibts sicher auch günstig als ausloafmodell bzw. den blank für die aufbaurute, so hab ich es gemacht...), das ding spaltet meine meinung aber auch - da ich meist wenig trocken fische, weil einfach die oberflächenaktivität fehlt, kommt viel nymphe und streamer zum einsatz. hier transportiert die rute sauber und auch sinkvorfächer lassen sich gut dirigieren...man erreicht den wichtigen grund des gewässers.
ich denke es ist nicht ganz einfach, die ideale allroundrute zu finden, weil wenn die rute weicher ist für die trockenfischerei tut sie sich mit schweren fliegen und vorfächern auch gleich wieder schwerer...kein schönes werfen.
tl!
johannes.
am besten beides
Verfasst: 17.05.2004, 16:44
von uwe v. immentun
Hallo Luiginm,
ich bin auch erst seit Herbst letzten Jahres dabei und habe mir außer der 7# von Vision für die Küstenfischerei nichts Teures geleistet ( am Strand gibt es nicht so viele Bäume und Sträucher, die bei einem Hänger in denselben einen Rutenbruch provozieren). Ich habe mich dann bei eBay bedient und mir eine "Langsame" 4-5# und eine "Schnelle" 5-6# für ein paar Euro ersteigert und habe dann angefangen auszuprobieren. Ein paar Fliegen und Vorfächer hängen schon in den Bäumen, doch die Ruten sind bislang heil geblieben. Und wenn, wäre es zumindest finanziell kein so großer Verlust. Fazit: Ich habe am Hauswasser immer beide Ruten im Auto, die "Langsame" für Trocken und die "Schnelle" für den Rest. So wie Du schreibst, fischt Du überwiegend trocken. Da würde ich mir eine schnuckelige "Langsame" zulegen ( vor allem beim Händler ausprobieren ) und zum Ausprobieren bei eBay oder sonstwo eine "Schnelle" zulegen, oder noch eine "Langsame", nur ein oder zwei Schnurklassen höher, und/oder .....
Liebe Grüße aus dem Oldenburger Münsterland
Uwe.
Verfasst: 17.05.2004, 17:29
von Harald aus LEV
Hi Ludwig,
generell gesagt kann eine extrem schnelle Rute auch Nachteile haben.
Sie verzeiht Wurffehler weniger als eine gemäßigte und beim Drill federt die härter ab, d.h. das ein ultradünnes Vorfach eher reißen kann, wenn der Fischer nicht aufpaßt. Im Bereich 8 - 12 m würde ich eine mittelschnelle bis schnelle, aber keine ultraschnelle nehmen.
Gruß Harald
Verfasst: 17.05.2004, 19:33
von zuma
Grundsatzfrage:
Was versteht ihr unter schnell?
Spitzenaktion?
Rückstellvermögen?
Beides?
Gruss Kurt
Was ist schnell???
Verfasst: 17.05.2004, 19:49
von luiginm
Zuerst mal Danke für die vielen Antworten.
Tja, ich würde sagen ich hab da wohl selbst meine Probleme mit dem Wort "schnell". Im Forum hat mal jemand gesagt: "schnell ist, was Orvis mit der Bezeichnung "Tip Flex" beschreibt". Nur wie sich das anfühlt und wie dann meine alte Rute einzuordnen wäre, da hab ich keine Ahnung. Da fehlt mir einfach die Vergleichsmöglichkeit.
Auch bezeichnen manche Hersteller ihre Ruten als Schnell und im Forum liest man dann "Einheitsbrei". Für mich ist das schlecht zu greifen. Ist z.B. die als schnell bezeichnete Crown Fly von Exori tatsächlich schnell und ist das das einzige Kriterium? Ist nicht auch die Dämpfung (Nachschwingen) ein Kriterium? Wie kann man das eingrenzen.
Schnell war für mich bisher auch ein gewisses Rückgrat, so daß man bei Bedarf Druck machen kann und die Schnur auf Zug bringen kann. Bloß wieviel davon brauch/will ich und ab wann ist die Rute steif und bockig?
Servus
Ludwig
Verfasst: 18.05.2004, 09:10
von uwe v. immentun
Hallo Luiginm,
für mich sind die Rutenbezeichnungen schnell und langsam auch nicht wirklich hilfreich. Sie beschreiben eher die Aktion der Rute. Sehr vereinfachend: schnell = eher hart und Spitzenaktion, langsam = eher weich und parabolische Aktion bis ins Handteil. Bei gleicher Schnurklasse und gleicher Keulenform transportieren die Ruten die Schnur aber trotzdem unterschiedlich. Ich kann Dir nur raten, so viel wie möglich auszuprobieren, um Dir ein persönliches Beurteilungvermögen anzueignen.
Liebe Grüße
Uwe.
Verfasst: 18.05.2004, 10:04
von Matthias
Original geschrieben von zuma
Grundsatzfrage:
Was versteht ihr unter schnell?
Spitzenaktion?
Rückstellvermögen?
Beides?
Gruss Kurt
Hallo Zuma,
interessante Frage ... da schnell eine Geschwindigkeit beschreibt, würde demnach eine schnelle Rute eine hohe Rückstell-Geschwindigkeit aufweisen. Eine Rute mit Spitzenaktion hat sicher eine höhere Rückstellgeschwindigkeit als eine Rute mit parabolischer Aktion, daneben hängt das bestimmt auch noch von der Art/Dichte/Modul der Kohlefaser ab, was meinst Du???
Viele Grüße, Matthias
Verfasst: 18.05.2004, 10:13
von zuma
Hallo Matthias
Deine Interpretation ist genau das, worauf ich hinaus wollte. Allerdings sollte bei einer Rute mit Spitzenaktion ab einer gewissen Schnurmenge auch der mittlere bis hintere Teil der Rute beansprucht werden. Ansonsten ist die Spitze zu schwach und es besteht die Tendenz, dass die Rute die Schnur "überwirft".
Herzliche Grüsse
Kurt
Verfasst: 18.05.2004, 17:18
von stefan grau
>>ein Kollege hat sicher eine so schnelle Rute, diese sind ja im Augenblick sehr modern ! (Zitat "Gebhard")<<
Das finde ich persönlich (und nur das) auch - Schnell liegt im Trend und ist wohl eine modische Erscheinung.
Durch den Rutenbau und vieles ausprobieren, bin ich persönlich immer mehr von mitleren bis sogar langsamen Ruten angetan. Das Tempo beim Werfen ist damit gemächlicher, aber am Wasser mag ich auch nicht "stressen", sondern gewinne dem Fliegenwurf zuweilen schon etwas meditierendes ab.
Weitere Würfe vermochte ich mit einer Gerte aufgrund deren Schnelligkeit noch nie ausführen, eher die langsameren bis parabolischen Gerten lassen mich (für meinen rein persönlichen Geschmack) auch weite Distanzen erreichen.
"Schnell" hat für mich eine Berechtigung wenn ich gegen sehr starken Wind werfen muss (Küste, z.T. Bergseen), oder auch zum handeln von Tungsten-Nymphen - da macht es Sinn. Das Timing ist bei schnellen Gerten wie hier bereits erwähnt aber da A & O und mich dünkt es manchmal nur sehr wenige beherrschen das Werfen mit schnellen Gerten auch wirklich. Meine Frau sagt immer wenn Sie einen Schnellwerfer sieht (insbesondere ein naher Freund von mir), dies sei ein richtiges Arbeitstier weil er so "nervös rumwedelt".
Die Frage vom Kurt ist sehr gut, denn schnell und langsam ist schlussendlich auch zu einem grossen Teil geschmacksache und ich habe merh als einen erlebt der eine Gerte schnell findet die ein andere als mittel bezeichnet.
Eine rein technische Erklräung und in engslisch, gibts im Buch "Technology of Flyrods"
http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/ASI ... 38-5097203
Gruss
Stefan
Verfasst: 18.05.2004, 20:57
von mario mücke
hallo Ludwig,
wer die wahl hat.....
lass dich nicht von den bunten katalogen und den blumigen rutenbeschreibungen der hersteller beeinflussen. grundsätzlich ist jede rute so gut wie der mann der sie wirft. ein guter werfer holt aus der letzten gurke das raus wovon viele immer nur träumen werden. investiere lieber in einen guten wurfkurs und entscheide dich danach für eine rute. so schlägst du zwei fliegen mit einer klappe, du wirst besser werfen lernen und du kannst selbst beurteilen welche rute dir liegt bzw. wie die verschiedenen modelle geworfen werden.
richtig schlechte ruten gibt es nicht mehr. keine bange ich habe weder eine angelladen noch halte ich wurfkurse ab. habe selber so einiges über fliegenruten gelernt.
grüße mario
Verfasst: 18.05.2004, 21:59
von flugangler
Schnelle Aktion?
Langsam? Parabolisch?
Freunde des Fli-Fischens.
Die Frage schnell, langsam, Parabolisch, semi-Parabolisch usw.
stellt sich mir nicht, wenn ich am Fluss stehe und sehe
wie manche hektisch mit der Rute wedeln,
bemüht eine bestimmte Stelle anzuwerfen.
Hast du lieber FliFi schon mal mit einer "weichen" Rute geworfen?
Nichts gegen eine High-Module-Super-Trend-Teuer-Rute!
Sie sind unserer hektischen Zeit vielleicht gerecht,
aber wie "gemütlich" und Zielgenau kann ich mit einer
Rute Angeln, die mich nicht zwingt in 2 Sekunden
wenigstens einen RücK- und einen Vorschwung zu machen?
Seid mir nicht böse, aber ich fische am liebsten mit einer
schön langsamen Rute, die mir beim Wurf
noch Zeit zu Variationen währand des Wurfes gibt !
Heinz.