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Der Preis einer Gespließten
Verfasst: 18.10.2004, 17:38
von Harald Langer
Ich habe Ihre Diskussionen zum Preis von Gespließten mit Interesse verfolgt und einen Erklärungsversuch angekündigt.
Die Erklärung dazu ist aus meiner Sicht nicht wirklich einfach, birgt sie doch die Gefahr der Selbstdarstellung und der Zensur des Forumbetreibers. Es ist aber im Sinne der Aufklärung das Risiko wert.
Ich weiß nicht, in wie weit Sie mit meinen Arbeiten vertraut sind, vielleicht wissen Sie aber, dass ich in der Nähe von Wien eine Ausstellung unter dem Titel HandwerkFliegenfischen veranstalte. In diesem Jahr hat im Anschluss an die Ausstellung auch ein Rutenbauertreffen stattgefunden.
Ich möchte das deshalb vorausschicken, da diese Ausstellung unter anderem Rutenbauer aus vielen europäischen Ländern zu Gast hatte, und es mir daher möglich ist, Impressionen und Erfahrungen mit meinen Kollegen zu übermitteln.
So waren bisher Hans-Jörg Klein, Bjarne Fries, Guy Hastedt, Gerhard Schmölzer, Alexander und Marcel Huber, Alain Ourtilani, Robert Stroh meiner Einladung gefolgt. Kollegen, die ich in den letzten Jahren sehr schätzen gelernt habe.
Wie Sie sich denken können, gab und gibt es auch zwischen unseren Ruten Preisunterschiede. Aber lediglich auf Grund der Verarbeitung, der Ausführung, und der Komplikationen der jeweiligen Ruten.
Preise entstehen daher nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus der seriösen Kalkulation des Aufwandes in der Herstellung.
Wenn sich jetzt jemand dafür entscheidet, die Verarbeitung der Rute nicht bis zum maximal Möglichen zu betreiben, ist weniger Aufwand nötig, und ein geringerer Preis möglich. Und das ist das Recht eines jeden Rutenbauers.
Entscheidet man sich aber, den Kunden keine Serienruten anzubieten, sondern jeden Bauteil selbst und flexibel herzustellen, gilt es zusätzlich einen teuren Maschinenpark, Sondermaschinen, eine immer - und sei es nur für 2 bis 3 Ruten jährlich – zur Verfügung gehaltene Werkstätte, ein teures qualitativ hochwertiges Lager an Bambus, Hölzern, Neusilber und anderen Utensilien in die Kalkulation mit einzubeziehen. Ich rede in meinem Fall von einer Investition an die 25.000 Euro.
Darüber hinaus stecken in jedem Bauteil unzählige Tests und Prototypen bis sie in verlässlicher Qualität angeboten werden können.
Entscheidet man sich dann, seine Arbeiten den Kunden offensiv anzubieten, kommen dazu noch Kosten für Prospekte und Inserate.
Würde ich hauptberuflich Ruten bauen, könnte ich, da ich wie gesagt jeden Teil der Ruten selbst, nach Maß und Kundenwunsch herstelle, maximal 2 Ruten pro Monat bauen. Rechnen Sie sich bitte aus, was eine solche Rute kosten müsste, um die Investitionen samt Fixkosten und Lebensunterhalt hereinzuspielen.
Wenn Sie sich trauen den Preis im Forum zu schreiben, verlose ich unter all jenen mit ernst gemeinten Angaben einen 14-tägigen Rutenbaukurs.
Wie gesagt, wenn viele Rutenbauer auf einen Fleck zu sehen sind, werden Namen, Mythen und Zauberformeln in der Sekunde bedeutungslos und es zählt einzig das für den Betrachter sicht- und spürbare Ergebnis. Preisunterschiede sind so für den Kunden schnell erkennbar und verständlich.
Und darin liegt aus meiner Sicht das Hauptproblem. An fehlenden Vergleichs- und Entscheidungsmöglichkeiten.
Einige Rutenbauer haben bereits erkannt, dass Miteinander und Wettbewerb keinen Widerspruch darstellen, sondern das Vertrauen der Kunden in unser Produkt zurückbringt und langfristig stärkt.
Wir werden weiter daran arbeiten, Ihnen unser Wirken transparent näher zu bringen. Und es ist ein jeder Rutenbauer herzlich dazu eingeladen, der bei unserem nächsten öffentlichen Auftreten mitwirken möchte, Aufklärungsarbeit im Sinne des Kunden, der Gespließten und der Rutenbauer zu leisten.
Sollten wir auch dieses Forum gelegentlich für fachliche Aussagen nützen dürfen, bedanke ich mich im Voraus.
Fazit:
Wie man eine Rute um 500 Euro in Europa herstellen kann, weiß ich auch nicht. Den Rest habe ich versucht zu erklären. Wenn Sie aber ein Unikat suchen, eine Rute an der jedes, wirklich jedes Teil nach Ihren Wünschen, fachgerecht und aus den feinsten Materialien hergestellt wird, wenn Sie so eine Rute suchen, sollten Sie selbst bei Preisen über 2000 Euro nicht erstaunt sein.
Wenn Sie sich klar werden, was Sie für eine Rute haben möchten und wie individuell und perfekt sie sein soll, werden Sie in jeder Preisklasse Ihren Rutenbauer finden.
Und wenn Sie Schnäppchen suchen, versuchen Sie es bitte am Gebrauchtmarkt.
Ich habe dieses Schreiben übrigens ohne Absprache mit den angeführten Kollegen verfasst. Sollten Ihnen in meinem Dossier daher etwas missfallen – lassen Sie Ihren Zorn bitte nur an mir ab.
Ich freue mich auf eine rege Diskussion.
Liebe Grüße
Harald Langer
Verfasst: 18.10.2004, 18:48
von maruoff
guten tag herr langer,
nun da wage ich mich doch mal vor. so eine rute müsste so an die 1500 Euro kosten, wenn man das werkzeug bereits hat. dann wird man zwar nicht reich aber man kann noch davon leben. 2 ruten pro monat erscheint mir allerdings etwas wenig.
wo würden sie eigentlich ihre position als rutenbauer sehen herr langer? sie sind ja noch nicht sehr lange auf dem markt.
mfg
Verfasst: 18.10.2004, 20:05
von Harald Langer
Ebenfalls guten Tag,
ich hätte Sie gerne mit Ihrem Namen angesprochen. Hätte auf Mario oder Martin getippt. Wie falsch wäre ich gelegen?
Eine Bewertung meiner Arbeiten möchte ich selbst nicht abgeben. Meine Positionierung kann ich Ihnen aber anbieten.
Ich sehe eine Gespließte als Gesamtkunstwerk - und zwar jeden Teil davon. In erster Linie möchte ich die fertige Rute betrachten und mich darüber erfreuen, dass ein jeder Teil von mir selbst hergestellt wurde. Und zwar so, wie ich oder der Kunde das wollte.
Meine Positionierung ist hiermit meine Arbeiten bewusst von Serienruten abheben und deutlich zu machen, dass auch vom Design her (fast) nichts unmöglich ist.
Darüber hinaus ist man dadurch in der Lage in den meisten Bereichen bessere oder alternative Materialeien einzusetzen.
Aus meiner Sicht gibt es für einen Rutenbauer nichts Befriedigerendes.
Über die " magere Ausbeute" von 2 Ruten im Monat reden wir wieder wenn Sie aus dem Rutenbaukurs kommen.
Dass Sie einem Unternehmer 20 Euro Stundenlohn inklusive Material- und Maschineneinsatz, Steuern und Krankenversicherung zusprechen finde ich knausrig.
Für wie wenig würden Sie arbeiten?
Harald Langer
Verfasst: 19.10.2004, 09:39
von Rudi
Hallo Herr Langer,
ich verfolge auch die Diskussion um die Gespließten.
Einen Preis für eine Rute festzusetzen sollte doch eigentlich gar nicht so schwierig sein, wenn man mal die einzelnen Komponenten betrachtet mit der die Rute gefertigt wird.
Bei einem Preis von 2000 Euro pro Rute schrecken erstmals viele zurück und es Bedarf Aufklärung.
Diese Aufklärung sollte man erst mal im Material finden und erklären was man zum Bau verwendet hat. Das fängt ja schon beim Bambus an. Minderwertigen Bambus bis Höchswertigen Bambus.
Auch Kundenspezialwünsche, wie z.b. goldene Rollenhalter verziert mit Diamanten mit eigener Gravur, sollten im Preis berücksichtigt werden. Je mehr man hier den Einzelanschaffungspreis weiß desto mehr Verständnis gewinnt man.
Hier haben wir ja schonmal die Fixkosten welche ja schon bei meinem Rollenhalterbeispiel leicht tausende Euros sein Kosten können.
Die Arbeitsleistung die Einzelarbeitszeit pro Arbeitsschritt spielt selbstverständlich auch eine Rolle. Hier wird das ganze schon leicht schwieriger und man muss begründen warum man den so lange an dem einzelnen Teil gearbeitet hat und warum man dementsprechen entlohnt (Euro/Stunde) werden will
Natürlich will man auch einen Teil seiner Anschaffungskosten für Maschinen in den Preis der Rute mit reinrechnen. Aber auch hier kann man Aufklärung leisten, indem man z.b. sagt warum man gerde diese Maschine angeschafft und verwendet hat.
Fazit: je mehr man Aufklärt (Material, Arbeitszeit, Arbeitsmittel) umso mehr kann man den Preis begründen.
Also einfach nur zu sagen eine 2000 Euro Gespießte ist teuer ist falsch.
Wäre ich Rutenbauer würde ich diese Aufklärung im einzelen meinen Kunden (Fliegenfischer-Kollegen) vermitteln.
Gruss
Rudi
Verfasst: 19.10.2004, 09:53
von stefan grau
Hallo Maruoff
Die 20 Euro Stundenlohn die Herr Langer anspricht, sind wohl wirklich nicht zu veranschlagen um eine Sonderanfertigung einer Gespliessten zu erhalten. Da viele Gespliesstenbauer ja nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen, sondern selbständig sind, kommt hier ein anderer Stundenansatz als für einen Angestellten in einer Fabrik zum tragen . In der CH liegt der Lohn eines Schreiners (ohne Krankenversicherungen, Miete, Versicherung etc), zwischen 65 und 85 Franken pro Stunde (ca. 43 Euro). Die Materialien für eine Gespliesste sind in diesem Lohn selbstverständlich nicht eingerechntet. Wer jetzt die Haare rauft, dass wir Schweizer mehr verdienen als ihr Deutschen, muss wissen, dass die Lebenshaltungskosten bei uns dafür so ziemlich höher sind als bei euch. Mein Schnitzel (wenn ich mir denn überhaupt täglich eines leisten kann) kostet im Laden viel mehr als bei euch, ja allgemein die Lebensmittel, aber auch Krankenversicherung etc. sind durchaus happig, Miete etc. auch, Steuern/MWSt dafür (noch) niedriger als in der EU.
Persönlich glaube ich unterdessen aber, dass es durchaus möglich ist, auch in Europa eine Gespliesste um die 500 Euro anzubieten, respektive zu bauen (ich meine nicht in China bauen lassen), aber hier gilt strikte (!);
- Bambusrohr wird maschinell zerlegt
- Taper wird gefräst, der Handhobel braucht es nur noch um letzte x-tel /Millimeter abzutragen
- Beschläge nicht aus Nickelsilber, sonder aus Alu oder dann allerhöchstens leicht vernickelt (Prozent unter 10)
- keine Zweitspitze (finde ich heute auch nicht mehr das nötigste, die heutigen Klebstoffe sind viel besser als die der alten Meister - wer allerdings mit der Gerte Spitzvoran pflegt durch das Ufergebüsch zu gehen, sollte gleich vier Spitzen bestellen....)
- Beschläge/Aufbauteile standardisiert, heisst alle Ringe, Beschläge, Griffe fertig von Zulieferanten. Keine eigene Drehbank/Drechselbank im Einsatz.
- Einfarbige Bindungen
- Lackierung des Blanks im Tauchbad
- Kein Lederrohr, sonder wenn überhaupt eines dann aus PE, auch Alu ist zu teuer
- Ein Rollenhaltermodell, ohne Auswahl aus zig Hölzern
Beschränkung der Fertigung auf ein Minimum an Stunden, standartisierte Arbeitsprozesse, beschränkte Auswahl an Modellen (hilft bei der Standartisierung der Prozesse).
Werbung auf ein Minimum an Kosten reduzieren, keine Glanzkataloge.
und noch einige weitere "Sparmassnahmen" mehr.
Dies heisst aber;
Keine Sonderanfertigung nach Kundenwunsch, der Kunde angelt was angeboten wird. Glück hat, wer die richtigen Modelle anbietet.
Kein Ferrari zum Preis eines Golfs, kein massgeschneidertes, rahmengenähtes Paar Schuhe, sondern schlicht solche von Deichmann, Verzicht des Kunden auf jegliche Sonderwünsche, keine Exzesse beiderseits.
Keine lebenslange Garantie (was ja eh ein Witz ist, siehe die alten Redington-Gerten, es geht immer nur um die "Lebenslänge des Lieferanten und die wird jedes Jahrzent kürzer), sondern höchstens 2 Jahre.
Kunde nimmt in Kauf, dass er eine günstige Rute aus dem Ausland zugestellt, entsprechend zu verzollen hat und die Versandkosten bisweilen happig sind (habe soeben was aus den USA bestellt, Warenkosten 60 Dollar, Versand 30, also ein Drittel Versandkosten).
Wenn ich (als Kunde) dann irgend etwas an der Gerte kaputt mache (meist ist es meine Autotür), dann versende ich das Ganze zurück, und von dort kommt es wieder zu mir kostet nochmals - dann wird auch eine günstige Rute nicht billiger.
Wie Herr Langer sagt, es gibt für jeden Geschmack und Geldbeutel gespliesste Ruten und das ist auch gut so - man darf aber als Kunde nicht erwarten dass das günstigste Angebot das meiste an Leistung bietet.
Je mehr ich in diesem Forum aber lese, und dies beileibe nicht nur zum Thema Gespliesste, dünkt es mich die Konsumenten schreien immer mehr nach" viel Leistung für kein Geld". Meiner Meinung nach eine reine Utopie und Erwartungshaltung, die mittel- und langfristig nie ganz aufgeht - weder für den Konsumenten noch den Lieferanten auf, wird aber zugegeben von der Industrie so gepusht (Geiz ist geil). Dass aber am Schluss mittel- bis langfristig immer der Kunde (und meist tut er es auch als Arbeitnehmer, siehe Beispiel Opel) drauflegt, wird verschiegen.
Der Konsument muss schon unterscheiden, welche (was für welche..) Angebote er bei einem "Profi", und welche bei einem "Amateur" bezieht - der Profi muss schon von Gesetzes wegen anderes bieten als der Amateur (z.B. bei einer Garantie, Produkte-Haftplichtversicherung etc.), diese Serviceleistungen sind vom Profi zum Amateur oft sehr unterschiedlich, insbesondere auf längere Dauer. Und wenn man sie dann in Anspruch nimmt, klappt nicht immer alles bestens.
Sicher ist ein etablierter Name mehr "Wert", aber auch nicht immer der Qualität wegen. Ich hatte schon Gerten von "Leonard" in den Händen, die keine Spur besser war als die Gerten von einem Amateur aus Süddeutschland - nur der Preis der (wohl verstanden gebrauchten) L. ist zirka 4 mal höher. Vom Standpunkt des Sammlers der Wert auf wohlklingende Namen legt ist die L. natürlich ein "must have", der der aber nur angeln will, schaut die Sache dann meist anders an.
Und - Auch ein "Garrison" hatte zu seiner Zeit eine kleine Reputation und war wenig bekannt - heute rund 25-30 Jahre später und insbesondere nach seinem Buch, werden seine Gerten für fünfstellige Summen angeboten. Und ich erlaube mir zu sagen, dass es trotzdem nicht wenig "no-name"Gerten gibt, die technisch gesehen "besser" sind als die von Garrison (meine pers. Meinung).
Und was Rudi betreffend "Aufklärung" sagt, dem stimme ich voll zu - hier hapert es zuweilen im gesamten Angelgerätesektor (auch bei K-Faser), aber zugegeben will nicht jeder Kunde aufgeklärt sein, was wieder die heutige "mir ist wurscht" Mentalität widergibt.
Freundliche Grüsse
Stefan Grau
Verfasst: 19.10.2004, 12:02
von Harald Langer
Servus Rudi,
die Aufklärung im Einzelnen findet statt, und wird durch Mundpropaganda auch weiter getragen. Eine für Rutenbauer wünschenswerte, durchgängige und breite Information findet dadurch aber nicht statt.
Meine Kollegen und ich versuchen dies eben auf der dafür geschaffenen Plattform HandwerkFliegenfischen und beim Rutenbauertreffen. In anderen Medien, das Fliegenfischer-Forum scheint da eine Ausnahme zu sein, bekommst Du aber keine ausreichende Bühne dafür.
Ich möchte aber zu den Materialen zurückkommen die Du ansprichst. Es ist richtig, dass man einiges vorfinanziert um ein anständiges Lager und eine entsprechende Auswahl anbieten zu können. Und dadurch steigt auch die Qualität der Ruten. Es ist klarerweise wahrscheinlicher aus 500 Stangen Bambus eine Gute auszuwählen, als aus 10 Stangen. Das gilt für alle natürlich gewachsenen Bauteile einer Rute (Bambus, Holz, Kork).
Der Materialpreis der fertigen Rute ist aber nicht wirklich relevant. Außer Du verbaust Weißgold und Diamanten an Stelle von Neusilber und Achaten.
Der wirkliche Aufwand liegt in der Herstellung. Und die dauert nach Vorgehensweise und Individualität eben kürzer oder länger. Und darin ist auch der Unterschied zwischen den Ruten zu suchen.
Für mich war und ist es nie befriedigend gewesen, einen Blank zu hobeln und angekaufte Bauteile wie die Steckverbindungen, Rollenhalter und Ringe darauf zu montieren. Der Anspruch genügt mir einfach nicht. Es ist schon klar, dass man dadurch nicht an jeder Ecke einen potentiellen Käufer für seine Ruten findet.
Aber Du solltest die Augen der Leute sehen, erwachsene Männer übrigens, die wie Kinder umgeben von Werkzeugen und Maschinen in einem Sammelsurium aus Holz, Kork, Seide, Ringen, Skizzen sitzen und ihre Rute zusammenstellen. Wenn sie auf die Frage, können wir den Spitzenring auch sechseckig machen, ein lapidares „ja“ als Antwort bekommen.
Wenn sich ein Rutenbauer diese Freiheit schafft, ist er auch nie gezwungen seinen Blank auf die am Markt erhältlichen Hülsen, Winding Checks oder Innendurchmesser von Spitzenringen hinzutrimmen. Er kann die Rute bauen die aus seiner Sicht am besten funktioniert, ohne Kompromiss. Und das macht für das Wurfverhalten einer Rute auch wirklich Sinn.
Und in den Kompromissen ist der Preisunterschied versteckt. Ein Beispiel:
Begradige ich die Spleiße und die Knoten schlampig in 2 Stunden, verliere ich vielleicht 5 % an Qualität des Blanks. Begradige ich sie bis zur letzten Konsequenz brauche ich 6 Stunden.
Diese Rechnung zieht sich durch jeden Arbeitsvorgang der Rute. Extrem viel Mehraufwand für ,oberflächlich betrachtet, wenig Qualitätssteigerung. Die Summer aller Kompromisse ergibt eine mehr oder weniger perfekte Rute.
Wer bereit ist diese Unterschiede zu erkennen, wird auch nie ein Preisproblem haben. Vorausgesetzt er bekommt ehrliche Informationen und relevante Vergleichsmöglichkeiten.
Liebe Grüße
Harald
Preis einer Gespließten
Verfasst: 19.10.2004, 13:02
von Holger SH
Sehr geehrter Herr Langer,
beim Einkommen möchte sich nach oben natürlich niemand eine Grenze setzen.
Gehen wir für Mann und Frau von einem Nettoeinkommen von monatlich 2500,-€ aus, bedeutet dies beim Bau von 2 Ruten monatlich übern Daumen:
Materialkosten (Orientierung an Hr. Zumbrunn, Gerätetest) 300,-€ pro Rute
Verkaufspreis pro Rute: 3000,-€ = 2 Ruten 6000,-€
minus Material 600,-€
minus Steuer, Versicherung, Maschinen und Raum 2900,-€
bleiben 2500,-€
Stellen Sie wirklich nur zwei Ruten pro Monat her?
Vielleicht sehen wir uns ja beim Rutenbaukurs
Mit freundlichen Grüßen,
Holger
Verfasst: 19.10.2004, 13:09
von Rudi
Hallo Harald,
wie ich schon sagte bin ich kein Rutenbauer aber ich kann deine Ausführung absolut nachvollziehen. Man kann auch ein Auto teuer oder billig bauen. hoch- oder minderwertig. Das optimal ist natürlich die Mischung hochwertig und billig. Nur diese Mischung ist wohl kaum zu erreichen.
Also versucht man doch als Endverbraucher an die bestmögliche Mischung heranzukommen. Nicht immer aber oftmals.
Und ich komme nochmals zurück zum Thema Aufklärung,
du schreibst
..... die Aufklärung... im Einzelnen ...durch Mundpropaganda ... Eine für Rutenbauer wünschenswerte, durchgängige und breite Information findet dadurch aber nicht statt.
..... geschaffenen Plattform HandwerkFliegenfischen und beim Rutenbauertreffen....
..... Der wirkliche Aufwand liegt in der Herstellung. Und die dauert nach Vorgehensweise und Individualität eben kürzer oder länger. Und darin ist auch der Unterschied zwischen den Ruten zu suchen....
Ich weiß nicht ob Rutenbauer schon eine www-Seite haben in der sie die einzelnen Fertigungschritte beschreiben mit Ausführung von verwendeten Materialien und geschätzter aufzuwendender Arbeitszeit. So könnte man sich(ähnlich bei einigen www-Seiten von Autohäuseren wie BMW oder Mercedes) über einen , naja sagen wir mal, Konfigurator, seine Rute zusammenstellen.
So bekommt man doch einen Überblick über die Kosten der Rute.
Wäre doch gar nicht so schlecht oder?
gruss
Rudi
Verfasst: 19.10.2004, 13:23
von stefan grau
...die Idee mit dem Konfigurator hatte ich bereits im Jahre 200 auf meiner Website, da konnte man sich seine Rute "online" zusammenstellen und errechnen. Erhoich gesagt ist damit aber keinenfalls - oder genausowenig bekannt was als Reslutat, sprich Rute herauskommt. Wer eine hochpreisige Gespliesste als Sonderanfertigung möchte, kommt wohl nie darum den Rutenbauer, zumindest telefonisch, am Besten aber persönlich, zu kontaktieren.
Es gibt Achat und Achat, den Unterschied kann man online schlecht erklären, und wie weiss ich als Erklärer ob mein Gegenüber mich versteht - dessen Reaktion erfahre ich online nie.
Beide Seiten sehen und erfahren so wichtige Dinge die sich wohl nie online kläören lassen. Zudem ist der Mensch immer noch ein Tier das über seine Sinneswahrnehmung lebt.
Gruss
Stefan
Verfasst: 19.10.2004, 13:40
von Rudi
Servus Stefan,
ich will ja auch nicht mit dem Vorschlag die komplette Rutenbestellung online abwickeln. Aber man kann doch somit einen "ungefähren ersten Eindruck" als Richtwert vermitteln.
Beispiel kann ich mir den BMW komplett zusammenstellen, aber ich würd das AUto auch nicht kaufen ohne vorher über meine "Sinneswahrnehmung" mit dem Händler telefoniert das Auto gesehen und probegefahren zu haben.
Nochmals liegt die Betonung auf "ungefähren Preis".
Noch was, ich bin weder positiv noch negativ auf einen hohen Rutenpreis eingestellt. Ich finde alles hat seinen Preis und für klasse Qualität gebe ich auch gerne mal ein paar (T)euros mehr aus.
Gruss
Rudi
Verfasst: 19.10.2004, 16:31
von stefan grau
Guten Tag Rudi
..was hält einem davon ab den Rutenbauer ein Mail zu senden und kurz seine Vorstellungen (auch preislich-) zu schildern - er antwortet sicher.
Eine Rute baukastenmässig online zusammenzustellen berfodert einige Programmierkenntnisse und viel wichtiger - muss anwenderfreundlich sein. Eine Sonderanfertigung einer Gespliessten ist wie Herr Langer andeutet so weitgehend, dass da aus meinr Sicht wohl zuviele Klicks notwendig sind, um zu einem beidseits aussagefähigen Bild zu gelangen.
Verfasst: 19.10.2004, 16:45
von Hardy
Na? Wer hat`s erfunden?? Natürlich die Schweizer....die hatten das Internet schon im Jahr 200 !!
...die Idee mit dem Konfigurator hatte ich bereits im Jahre 200 auf meiner Website, da konnte man sich seine Rute "online" zusammenstellen und errechnen.
'tschuldigung, den konnte ich mir nicht verkneifen...
Aber zum Thema:
Warum muß ein Rutenbauer den Preis seiner Gerten bis auf's letzte zerlegen und rechtfertigen?
Jeder, der sich eine Rute maßanfertigen läßt, wird sich vom Rutenbauer beraten lassen und weiß um die Arbeit und Materialien. Er wird den geforderten Preis zahlen oder er läßt es eben.
Warum so ein Bohai darum machen???
Hardy
Verfasst: 19.10.2004, 18:01
von maruoff
ich wusste schon immer, dass ich unterbezahlt bin...bei den zahlen die hier kursieren...eigentlich habe ich das komplett falsche hobby, grins.
und 3000 für eine gespliesste? autsch. ich denke es gibt nur sehr wenige die dieses geld für ruten von noch relativ neuen rutenbauern ausgeben. ich kenn auf jeden fall keinen der das machen würde und schon gar nicht sich dann die rute übers internet konfigurieren. nicht mal zur info. das läuft doch ausschließlich über persönlichen kontakt, denn den kauft der kunde auch mit. man will sich ja auch mit der aura des rutenbauers umgeben ("ich kenne ihn persönlich...").
das gespliessten-spiel läuft halt immer noch viel über namen, reputation, erfahrung, besonderheit, kult usw.
da kann sich jemand noch so anstrengen und jeden schnickschnack an der rute perfekt selber machen (was lobenswert ist). zahlende kunden dafür wirds wohl nicht viel geben, die sich von sowas überzeugen lassen.
Verfasst: 19.10.2004, 19:03
von stefan grau
@ Hardy - gröhl, genau, im Jahre 200 zogen die Eidgenossen mit Bambusstecken gegen die Römer . Als die Bambusstecken dann im Kampf an den Helmen der römischen Legionäre zerbrachen, wurde das Spleissen genannt - seitdem erachten wir uns als wahre Erfinder der Gespliessten

- die spinnen eben die Schweizer....
Verfasst: 19.10.2004, 19:14
von stefan grau
@Hardy 2
Im Grunde hast Du recht, ich verstehe das "Geschrei" um die Preise und auch Macharten nicht besonders. Aber es fällt mir in diesem Forum zugeben besonders auf, und irgendwie - ich kann ja falsch liegen - dünkt es mich die Alemannen wollen partout nicht akzeptieren dass es für wenig Geld nicht viel Leistung, oder zumindest keine kostenlose gibt.
Andererseits gibt es wirklich wenige die die "Welt der Gespliessten" besser kennen und so immer 1:1 auf die Welt der Kohlenfaser "abgleichen", was einfach wirklich nicht geht. Und die Kenntnis über Materialien und auch Betriebswirtschaft sind sehr wenigen geläufig (obwohl gerade Kenntnis über letzteres zugegeben immer schwieriger wird).
Ich glaube Rutenbauer betreiben desshalb hier soviel Aufwand an Aufklärung, obwohl ich glaube dass das wenig bringt. Vielleicht liegt es auch daran, dass der heutige Angelgerätefachhandel mehr oder weniger am Boden ist, überflutet, nichts neues ausser ewigen Sonderaktionen und jährlich 100 neue Modelle, da ist man zwangsweise "verwirrt" - aber dies wohl ein allgemeins Zeichen unserer "Überfluss- und Verschwender-generation(nen).
In USA, UK, Frankreich etc. ist das Geschrei um die Preise bei Splitcanes weniger, aber die Tradition und schlussendlich auch Kenntnis ziemlich grösser.
Frei nach Bambuzius: Kommt Zeit, kommt Bambus - wenn der Angler gesetzter und älter wirt und auch etwas auf die hohe Kante legen konnte, guckt er sich Gespliesste zumindest näher an. Bei den ganz Jungen zählt mehr was in den Katalogen angepriesen wird, immer schneller, immer weiter, immer billiger, wichtig aber auch hier das zumindest "sa**" draufsteht , auch Stautssymbol, genau wie Ni** im Sport.
Gruss
Stefan