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Sehr alte, gespleißte Charles Ritz Rute: Hilfe!

Verfasst: 01.02.2006, 18:37
von Frank.
Ein Glücksfang bei Ebay ("Alte Holzangel") bescherte mir eine sehr, sehr alte, dreiteilige Einhand-Fliegenrute (321 cm), die den handschriftlichen, fast wie eine Unterschrift aussehenden Namenszug von Charles C. Ritz trägt, aber sonst kein Firmenzeichen - es ist also keine Pezon & Michel; diese Ruten kenne ich gut, und dort sieht Ritz' Namenszug auch anders aus. Die Schnurklasse kann ich nur schätzen - ist jedenfalls eher Lachs- als Forellenformat.
Diese Gespleißte, die sich in sehr gutem Zustand befindet und sofort gefischt werden könnte (den Teufel werde ich tun), dürfte der Machart nach wirklich schon eine Reihe von Jahrzehnten hinter sich haben und sieht entschieden nach Vorkriegszeit aus. Sie hat nur sieben Ringe (1/2/4), rote und schwarze Wicklungen und besitzt einen gedrechselten, spindelförmigen Griff aus dunklem Holz (!); dazu gehört eine ebenfalls hölzerne, grüne Transportvorrichtung (wie heißt so ein Ding?): eine Art Vierkantholz mit paßgenauen Aussparungen für alle vier Rutenteile (denn sie hat natürlich eine zweite Spitze, etwas kürzer und kräftiger, aus einem heller lackierten Bambus gefertigt, wie es später von Pezon & Michel für die Parabolic-Ruten benutzt hat; sie könnte jüngeren Datums sein). Eine so alte Fliegenrute mit dem Signet Charles Ritz habe ich noch nie gesehen und auch im Netz nirgends finden können - nun bin ich etwas hilflos.
Wer kann mir bei der Identifikation und Altersbestimmung helfen? - Bilder stehen im Netz.
Ja, ich weiß, was ich da für einen Dusel beim Fischen im Trüben gehabt habe! Wenn man bei Ebay eine "Holzangel" findet, sollte man sich die Fotos immer ganz genau anschauen ...

Tight lines und: Danke!

Frank Möbus

[url]http://groups.msn.com/Ritz-Rod-Pictures[/url]

Noch einmal: sehr alte Charles Ritz Rute

Verfasst: 01.02.2006, 20:35
von Frank.
Liebe Gemeinde,

anbei nun zwei Bilder von Signatur und Griff der Rute! Mehr sende ich gerne per Mail.

Tight lines - Frank

http://85.214.20.29/Ritz1.jpg
http://85.214.20.29/Ritz2.jpg

Ritz

Verfasst: 03.02.2006, 22:53
von palakona
Hallo! Wie man bei ihm nachlesen kann, hat er Ruten in seiner Jugendzeit (New York ???) "umgearbeitet", aber nicht komplett selbst gebaut, also ähnlich Gebetsroither. Ob es sich um eine solche Rute handelt, vermag ich nicht zu sagen, da sind die echten Spezis gefragt. Der gewickelte Griff spricht für eine alte Ami-Rute, etwa von Leonard. Andererseits mag vielleicht auch einfach mal jemand irgendwo "Ritz" draufgeschrieben haben, Bambus ist ja geduldig, wie man weiß!
Daß der Name "Charles Ritz" in den USA, also einem maßgeblichen Split-Cane Markt, nicht gerade eine Euphorie auslöst, ist eine zu berücksichtigende Tatsache, was den Preis angeht.
Sollte die Rute von Ritz selbst "bearbeitet" worden sein, glaube ich nicht, daß sich das in einem besonderen Preis zeigen wird. So wird es meiner Ansicht nach ähnlich den Gebetsroither - Ruten sein, die so um 300 Euro in bestem Zustand gehandelt werden, aber das sind dann Ruten, die man sofort in seinem Stil problemlos fischen kann. Ich besitze z.B. eine von Gebetsroither "getunte" 7-Fuß Hardy in neuwertigem Zustand , im Originalzustand wäre die, vorsichtig geschätzt, ca. 50% teurer.
Grüße Wolfhard

Verfasst: 04.02.2006, 10:06
von Royal Coachman
Hallo Frank!

Nach dem Zierwindungsabstand könnte es sich um eine "ferruled" Rute handeln, wie sie vor dem 2. Weltkrieg gebaut wurde. Vom honigfarbenen Blank her könnte es sich um eine Hardy handeln, die speziell gefertigt wurde.
Hardy baute vor dem 2. Weltkrieg Ruten auf Bestellung und auch für andere Manufakturen, die diese dann unter ihrem Eigennamen vertrieben haben (z.B. Fredd Shaw). Sogar nach dem 2. Weltkrieg wurden für verschiedene Manufakturen Ruten gebaut, allerdings nur für die angesehendsten. Man konnte aber sich eine Spezialanfertigung jederzeit machen lassen, war ausschließlich eine Kostenfrage.

Ohne die Rute in der Hand gehabt zu haben kann man da leider nur sehr ungenaue Angaben machen.


freundlichst
Royal Coachman

PS: besonders der Rollenhalter kann einiges aussagen.

Verfasst: 04.02.2006, 10:31
von Karl
Hallo Frank, stell noch mal paar Bilder von den ferrules und den Ringen ein, da kann man dann vielleicht mehr sagen. Gruß Karl

Neue Bilder

Verfasst: 05.02.2006, 22:46
von Frank.
Danke, liebe Helfer - ich habe nun noch mehr Bilder auf

http://groups.msn.com/Ritz-Rod-Pictures

eingestellt, die vielleicht bei der Identifikation helfen können. Auch in amerikanischen Foren hat man auf eine Leonard getippt; zur Signatur ist noch zu sagen, daß sie sich unter der Lackierung befindet.

Tight lines - Euer Frank

Ritz!

Verfasst: 05.02.2006, 23:07
von palakona
Hallo Frank!
Was genau möchtest Du denn identifizieren?
Das ist im besten Falle irgendeine alte Leonard oder Orvis, die der gute Charles getunt hat. Wenn er es denn war, dürfte das Ausgangsprodukt kaum exakt zu identifizieren sein.
Grüße Wolfhard

Verfasst: 05.02.2006, 23:21
von Royal Coachman
Hallo Frank !

Also Hardy ist das keine, der Rollenhalter und die Steckverbindungen beweisen das. Ich glaube allerdings nicht, dass es sich um eine Leonhard handelt, sondern um eine der vielen Versuchruten die Pezon & Michel im Zuge der Entwicklung der parabolischen Aktion mit und für Ritz gebaut haben. Dies würde auf die 30iger bzw 40iger Jahre hinweisen. Da die Rute keine Drehverbindungen hat ist ein früheres Datum fast sicher aus zu schließen. Der etwas martialische Rollenhalter deutet ebenfalls darauf hin.Die Menge der Zierwicklungen schließt aber ein späteres Datum aus, da in den 50igern die Kleber verbessert und diese dadurch überflüssig wurden.

Ein schöne Rute als Sammlerstück und ein bißchen Geheimnis gehört doch dazu, vielleicht hat sie der Meister ja selbst mal in der Hand gehabt!

freundlichst
Royal Coachman

Verfasst: 06.02.2006, 08:27
von Karl
Hallo Frank,
von den ferrules her ist es mit Sicherheit keine Leonhard, die kl. gelöteten Ringe sind eher europäische Machart, Hardy glaub ich ist es auch nicht, da schließich ich mich dem Gebhard an. Ne frühe P&M oder aus dem Umfeld könnte schon sein. Hatte mal ne alte Milward, die sah ähnlich aus, aber der Griff passt nicht dazu. Gruß Karl

Verfasst: 06.02.2006, 10:42
von Frank.
Liebe Helfer,

danke herzlichst! Die genaue Identifikation scheint wirklich ein schwieriger Fall zu sein ... In amerikanischen Foren tippt man ebenfalls abwechselnd auf Hardy, Leonhard oder eine P&M-Versuchsrute, ist sich nur bei der Datierung "vor dem Zweiten Weltkrieg" einig. Die P&M aus den 50ern sehen in der Tat sehr anders aus; die kenne ich gut. Es wäre jedenfalls für mich ein Hammer, wenn die Signatur echt sein sollte; erfreulicherweise bekomme ich aber nun von einem Freund ein paar Handschriftenproben von CCR, so dass ich damit vielleicht weiterkomme (von Handschriften verstehe ich berufsbedingt mehr als von der Bestimmung früher Fliegenruten). Na, schauen wir mal!
In jedem Falle: Habt sehr herzlichen Dank für Eure Hinweise!

Tight lines - Euer Frank

Verfasst: 06.02.2006, 12:39
von Royal Coachman
Hallo Frank !

Ich habe die Signatur mit der im Buch verglichen, das könnte durchaus sein, aber Fachmann bin ich da keiner, aber das abgekürzte "C" ist eigentlich sehr markant.

freundlichst
Royal Coachman

PS: Prix sur le Vif !

Verfasst: 06.02.2006, 13:10
von Frank.
Danke, lieber Royal Coachman! Ich habe auf der Bilderseite mittlerweile auch ein Autogramm von CCR eingestellt - in der Tat scheint die Unterschrift echt zu sein (mit Handschriften kenne ich mich wirklich ganz gut aus). Unglaublich!
"Prix sur le vif!" leuchtet mir da in der Tat sehr ein. Tatsächlich hat man aber nun schon versucht, mir diesen "Knüppel" für 20 Euro abzuschwatzen, um das Angebot dann auf 100 zu erhöhen - "mehr ist die Rute keinesfalls wert". Da lachen ja die Brassen ...

Allzeit tight lines!

Frank

Verfasst: 06.02.2006, 13:18
von Frank.
Danke, lieber Royal Coachman! Ich habe auf der Bilderseite mittlerweile auch ein Autogramm von CCR eingestellt - in der Tat scheint die Unterschrift echt zu sein (mit Handschriften kenne ich mich wirklich ganz gut aus). Unglaublich!
"Prix sur le vif!" leuchtet mir da in der Tat sehr ein. Tatsächlich hat man aber nun schon versucht, mir diesen "Knüppel" für 20 Euro abzuschwatzen, um das Angebot dann auf 100 zu erhöhen - "mehr ist die Rute keinesfalls wert". Da lachen ja die Brassen ...

Allzeit tight lines!

Frank

Rod

Verfasst: 06.02.2006, 15:55
von palakona
Lieber Frank ! Sehr interessante Beiträge im Clark`s Forum von Dir!
Ich habe jetzt keine Lust mehr, hier irgendetwas dazu zu schreiben!
Grüße Wolfhard

Verfasst: 06.02.2006, 17:22
von Dirk Janßen
@Frank
Auch wenn ich fachlich nichts zum Thread beitragen kann.

Ich finde es nicht schön,
- dass Du hier ins Forum reinplatzt, ohne Dich vorzustellen
- sofort beginnst kostenlos Sachverstand abzugreifen
- und das alles, um rauszubekommen, wieviel Knete Du mit deinem
Knüppel machen kannst.

So kommt das bei mir an, vielleicht verstehe ich aber auch alles miss.

Dirk