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Aufzuchtbach
Verfasst: 29.06.2006, 07:39
von Peter Pan
Hallo Kollegen,
ich habe da eine Frage an die Experten:
Die ARGE-Sinntal hat einen kleinen Bach gepachtet, der Fliegenfischereilich nicht genutzt werden soll.
Er fließt durch Wiesen und Wald und weist einen hervorragenden Bestand an
Bachforellen,
Koppen
und Bachneunaugen auf. Es wurden auch erstaunlich große
Raubforellen angetroffen,
wie diese beiden 43er Kannibalen.
Auf einer Strecke von ca. 750 Metern haben wir über 500 Bachforellen, ca. 70 Koppen und flächendeckend Bachneunaugen gefangen. Dazu noch ein Aal.
Sieben Forellen waren über 30 cm, davon zwei über 40cm.
Wir würden den Bach gern als Aufzuchtbach für Forellenbrut nutzen.
Da hier schon früher mit Bachforellen besetzt wurde, ist kein einheitlicher Stamm mehr anzutreffen. Laichfischaufstieg aus der Sinn ist auch nicht zu erwarten, da im Unterlauf des Baches eine Querverbauung dies unmöglich macht.
Folgende Fragen stellen sich: Sollen wir den vorhandenen Bestand abfischen und im Frühjahr mit Brut besetzen oder besser mit B1? Wie Dicht soll besetzt werden, oder besser gar kein Besatz und nur den Nachwuchs abschöpfen?
Über Vorschläge zur Bewirtschaftung würden wir uns freuen.
Petri und tight lines,
Peter
Infos unter
http://www.arge-sinntal.de
Verfasst: 29.06.2006, 08:55
von Royal Coachman
Hallo Peter !
So ein funktionierenes Kleinod mit natürlichem Bestand ab zu fischen und dann als Aufzuchtsbach zu verwenden, finde ich, wäre sehr schade.
Was die Einheitlichkeit der Bafo-Stämme betrifft, erlaube ich mir an zumerken, daß Rückkreuzungen in der Natur die Regel und nicht die Ausnahme sind. I
Ich beobachte selbst an einem Gewässer, wie ein Stamm, der ganz anders aussieht, als die anderen und niemals aus einer Zucht kommen konnte, an Bestandmenge zunimmt. Es suchen sich also die gleichartigen Exemplare und bei geringem Beischungsdruck kommt das ganze schon in Schwung.
Nur den Nachwuchs ab zu schöpfen ist sicher eine prima Idee, aber die Raubforellen sollten natürlich schon heraus, weiters brauchen die Jungforellen Unterschlupf und Verstecke vor ihren Artgenossen, das ist sehr wichtig, sonst ist die ganze Arbeit umsonst.
freundlichst
Gebhard
Verfasst: 29.06.2006, 14:36
von maan
Moin,
was spricht denn dagegen, das Gewässer als Artenschutzgewässer zu nutzen? Unser Verein macht dies mit 2 Bächen, die etwas kleiner sind als das vorgestellte Gewässer. Wir machen dort im Schnitt einmal im Jahr ein E-Fischen, bei dem Fremdfische wie Blaubandbärblinge entnommen werden, ansonsten passiert dort nichts.
Ich denke, man sollte nicht um jeden Preis alle Gewässer fischereilich nutzen. Diese Gewässer könnte man nutzen, um nach einem Fischsterben o. ä. gutes Besatzmaterial zur Verfügung zu haben.
Gruß
Maan
Verfasst: 29.06.2006, 16:06
von Maggov
Hallo Peter,
zumächst mal Glückwünsche zu diesem Kleinod!
Ich schliesse mich Gebhard gerne an und schlage vor die Raubforellen (zumindest teilweise) zu entnehmen. Vielleicht könnt ihr diese ja "umsiedeln"?
des weiteren würde ich auf natürliche Reproduktion setzen und den Nachwuchs umsetzen. Hat eigentlich nur Vorteile:
- die Fische kommen definitiv aus der Region
- sind gut an das Leben in Flüssen angepasst
- kostet nix
Viele Grüsse und v.a. viel Erfolg
Markus
Verfasst: 29.06.2006, 16:23
von pehers
Servus Freunde!
Also die Idee hört sich ja ganz gut an, aber irgendwann ist Schluss mit Nachwuchs, wenn man Ihn (den Nachwuchs) immer rausnimmt!
Also würde mein Tipp sein, die Brut von abgestreiften in diesem speziellen Gewässer heimischen Fischen vorgestreckt zu besetzen und nur jene Fisch umzusiedeln, die bereits mind. einmal gelaicht haben bzw. abgestreift wurden (so wird der Ertrag gesteigert und der Bestand kann sich auf dem Niveau halten). Wie groß die Fische der betreffenden Generation sind, sollte sich ja aufgrund von Erfahrungen ermitteln lassen.
Aber mit dem Einbringen von fremdem Besatz zur Aufzucht wäre ich vorsichtig (ich glaube das meinten Markus und Gebhard eigentlich auch).
Beste Grüße,
Hans
Verfasst: 29.06.2006, 22:26
von Peter Pan
Also Grundtenor: Finger weg vom Besatz.
Sollen wir also erstmal nur die grossen (>30cm) abfischen oder auch ein Teil der B0/1/2. Dann erstmal sehen wie sich der Bestand entwickelt und jeweils den natürlichen Ertrag quer durch die Altersklassen abschöpfen.
Das wäre auf jeden Fall die billigste und für den Bach verträglichste Lösung.
Mal was anderes: Wie sucht man in so einem Gewässer nach Krebsen und Muscheln. Habt Ihr da besondere Tipps? Man findet ja bekanntlich nur wonach man sucht.
Schon mal vielen Dank für die Antworten!
Petri und tight lines,
Peter
Verfasst: 30.06.2006, 00:38
von Matthias M.
Hallo Peter,
erst einmal Glückwunsch zu diesen kleinen, wunderschönen und intakten Bächlein.
Wenn mit Krebsen zu rechnen ist, wirst du diese in den meist ruhigeren und etwas tieferen Bereichen der Pools finden. Tagsüber wird sich der Großteil der Population versteckt unter Steinen, im Todholz und in den Wurzeln der Erlen halten. Nachts bez. Abends werden diese meist aktiver und ziehen nach Nahrung umher, zu dieser Zeit trifft man sie in fast allen Gewässerpartien an.
Du hast einerseits die Möglichkeit das Gewässer systematisch insbesondere an den oben beschriebenen Stellen nach Krebsen abzusuchen, was jedoch relativ Zeitaufwendig ist.
Eine weitere Möglichkeit wäre das punkturelle Auslegen von speziellen Räusen, die am Besten mit Fischinnereien gefüllt werden sollten.
Wenn das Bächlein durch eine natürliche Barriere (was in den Mittelgebirgen doch eher unwahrscheinlich ist) oder durch eine Querverbauung (wie es bei mir am Bach der Fall war) abgeschnitten ist, besteht eine sehr geringe Möglichkeit das ihr noch ein Vorkommen von Edelkrebsen habt. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wenn ihr Krebse im Wasser habt, es sich um Signalkrebse etc. handelt.
Gruß Matthias
Verfasst: 30.06.2006, 13:07
von Frank.
Lieber Peter,
wir haben mit einer Teller-Reuse und einem toten Döbel (der wirklich schon gut durch war ... Puh ...) gute Erfahrungen gemacht! Leider ist mir das Ding aber bald geklaut worden - samt Krebsen.
Glückwunsch zu diesem tollen Bach!
Herzlichst, Frank
Verfasst: 30.06.2006, 18:11
von sepp
Hallo Peter
Die großen Forellen sollte man möglichst nicht entfernen, bes. die Rogner, weil diese erfolgreichen Fische ihre Gene weitergeben können und diese auch erfolgreicher Laichen.
Grüße aus Huglfing
Sepp
Verfasst: 01.07.2006, 08:01
von Perla
Hallo Peter,
sehe das genauso wie der Sepp. Auch große Fische gehören in einen intakten Bach. Und die paar Fische die so eine Forelle frisst dürften das ökologische Gleichgewicht mit sicherheit nicht ins wanken bringen. Lasst es so wie es ist. Ich würde garnicht besetzen, sondern einfach der Natur ihren lauf lassen. Und von einem "Abschöpfen" würde ich die Finger lassen.
Gruß
Ludwig
Verfasst: 03.07.2006, 08:21
von pehers
Servus!
Wenn man nicht abschöpft, ist es aber kein Aufzuchtbach mehr!
Beste Grüße,
Hans
Verfasst: 04.07.2006, 18:15
von Tom Doll
Hi,
Ich will nur ein paar Denkanstöße geben.
Muß es sein, daß man den Bach als Aufzuchtbach oder sonstwie nutzt?
Wäre es nicht sinnvoller den Bach so zu lassen wie er ist und damit den Wert für die Natur zu erhalten?
Gruß
Tom
Verfasst: 04.07.2006, 20:48
von bebo
Hallo eins vorweg ich kenne mich in Fischzucht nicht aus. Ist es nicht besser etwas neues Blut, gerade in ein kleines Gewässer zubringen ? Kann man es am Kopf erkennen,habe z.b. die Erfahrung gemacht das Forellen mit grossem Kopf meist kleine Fische(bis zu 6Stck) im Magen hatten.Die mit kleinem Kopf hatten nur Insekten.So könnte man die Grossen aussortieren.Wenn das so stimmt ? Auch glaube ich das man so genau nicht abfischen kann,das immer noch einige "übersehen werden" So das ich meine der "alte Bestand" ist nicht in Gefahr . Bernd
Verfasst: 06.07.2006, 10:33
von Maggov
Hallo Bernd,
so wie Peter den Bach beschrieben hat ist der Bestand total in Ordnung. Weiterhin handelt es sich mit hoher wahrscheinlichkeit um einen selbst reproduzierenden Stamm - der Genpool scheint gross genug zu sein (keine Missbildungen und gute Streuung was die Grössen betrifft) und die Fische haben sich an die bestehenden Bedingungen angepasst. Wenn man da etwas "frisches Blut" zusetzt bestehen m.M. nach nur mehr Risiken als Vorteile. Z.B. Einschleppen von Krankheiten, RF-Brut, die aus "Versehen unter die BF-Brut gerät, Parasiten, etc.
Das Abfischen der grossen Fische (können ja anscheinend umgesiedelt werden) hätte weniger Schwund bei den Jungfischen zur Folge und würde die Bestandsdichte (quantitativ) erhöhen. Dies sorgt nicht nur für einen vergrösserten Genpool (mehr Ausprägungen und Mutation) sondern auch für ein grösseres Vorkommen von Jungfischen, die dann wieder umgesiedelt werden können.
Für die anderen Gewässer hättest Du dann Besatzfische, die mit den regionalen Bedingungen optimal zurecht kommen.
Wenn Du mal ne Grossforelle übersiehst wird das m.M. nach keine gravierende Auswirkungen auf den Jungfischbestand haben. Weiterhin hält diese andere Laichräuber wie Koppen und Aitel kurz.
@Tom: das wäre doch auch in Deinem Sinne. Wenn ich das entnehme, was im Rahmen der natürlichen Selektion eh' stirbt (z.B. aufgrund des Territorialdrucks und reduziertem Aufkommen von Nährtieren) bleibt das Gleichgewicht weitestgehend stabil. Ich denke Peter hatte nicht vor den kompletten Bach einmal pro jahr leer zu räumen.
Viele Grüsse
Markus
Verfasst: 06.07.2006, 11:28
von Peter Pan
Original geschrieben von Maggov
Ich denke Peter hatte nicht vor den kompletten Bach einmal pro jahr leer zu räumen.
Viele Grüsse
Markus
Wir sind doch keine Kormorane
Wir wollen den Bach nicht sich selbst überlassen. Das Abschöpfen des natürlichen Zuwachses ist sicher die sinnvollste Nutzung. Wie schon geschrieben, ist die Anzahl der Bachforellen von den Unterständen und Strukturen abhängig. Warum nicht die überzähligen als Besatz für unsere Fliegenstrecke verwenden.
Schöne Diskussion, hoffentlich postet Clemens (Rattensack) auch noch was dazu.
Petri und tight lines,
Peter