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Die Rute muss zum Wurfstil passen?

Verfasst: 03.08.2006, 16:10
von Peter Ross
Hallo,
immer wieder lese ich die Empfehlung (auch für Anfänger ), man solle bis nach dem Kurs warten bzw. beim Kauf darauf achten, ob die Rute zum eigenen Wurfstil passe.
Als nicht ganz unerfahrener Fliegenfischer weiß ich bis heute nicht genau, was damit eigentlich gemeint ist.
Gut, ich werfe lieber die semiparabolischen Ruten. Aber was hat das mit meinem Wurfstil ( weitgehend Gebetsroihter ) zu tun.
Mit dem gleichen Wurfstil werfe ich genauso gut/schlecht schnelle, spitzenbetonte Ruten. Mir leuchtet auch ein, dass ein amerikanischer Stil a la Paul Arden die semiparabolische bis parabolische Rute favorisiert, und dass ein absoluter Anfänger eine "weiche" parabolische Rute nicht kontrollieren kann und etwas Härteres braucht.

Aber ich sehe diesen Zusammenhang zwischen Rutenaktion und Wurfstil beim "Normalwerfer" nicht.

Ist da nun wirklich der Wurfstil gemeint, wenn man einem Normalwerfer empfiehlt, seine Rute danach auszusuchen oder einfach nur eine gefühlsmäßige Vorliebe, a la : Welche Rute fühlt sich bei dir besser an ?

Exzellente Werfer werfen mit jeder Rute gut, Anfänger mit jeder schlecht und "Normalwerfer" sollen die Rutenwahl vom "Wurfstil" abhängig machen ?

Ich würde mich freuem, eure Meinung zu lesen, aber noch mehr, wenn mir jemand den so oft konstatierten Zusammenhang von Wurfstil ( nicht Wurfvorliebe ) und Rutenwahl beim "Normalwerfer" erklären könnte.

Verfasst: 03.08.2006, 18:08
von Superpupa
Hallo Peter,

die Aussage, "die Rute muß zum Wurfstil passen" wurde von mir auch schon mehrfach geäußert.

Ich habe mich jetzt gerade selbstkritisch hinterfragt, ob der Begriff "Wurfstil" wirklich passt, und bin etwas ins Zweifeln gekommen.

Besser passt wohl "das persönliche Temperament des Werfers".

Soll heißen: Einem Gemütsmenschen, der zwischen Vor- und Rückschwung einen Zug aus seiner Pfeife nehmen will, taugt eine full-flex-Rute in der Regel mehr als ein superschnelles Gerät. Bei einem hibbeligen Hektiker ist es normalerweise eher umgekehrt.

Und dann gibt es natürlich die "Modebewussten", denen man nur oft genug erzählen muß, dass je schneller, desto weiter, dann kaufen sie sich so einen steifen Stock, glauben das ganze sogar noch im Nachhinein und fragen sich kein einziges Mal, wie relevant eigentlich Distanzwürfe für ihre Fischerei sind.

Da haben wir also noch einen Punkt, außer dem persönlichen Temperament: Sensible Ruten für die Fischerei mit feinen Spitzen und auf kurze Distanz, rückgratstarke Ruten zum Weite pflastern und hart drillen.
Das ist mit Sicherheit keine Regel ohne Ausnahmen, aber tendenziell gibt das meine persönliche Erfahrung wieder.


Viele Grüße

Micha

Verfasst: 03.08.2006, 20:51
von Electronix
Hi,

ich schließe mich da der Meinung von Micha an. "Wurfstil" ist, glaub ich, ein etwas ungeschickt gewähltes Wort. Zumal heute viele Fliegenfischer überhaupt keinen richtigen Wurfstil mehr haben. Auch in vielen Wurfschulen geht es nicht mehr um den richtigen oder falschen Stil, sondern eher um das allgemeine Konzept des Wurfes, dem aufladen der Rute und beschleunigen der Schnur. Das Ergebnis sind da so Lust- und Liebe- Werfer wie ich... :)

Mal gehts gemütlich, mal richtig "Austrian Style" und mit dem fetten Hechpopper manchmal sowiso besser im Englischen...

Ich würde die Bezeichnung Wurfstil eher mit Wurfgefühlt umschreiben. Manch einer tut sich halt mit dem langsamen Ablauf leichter als mit dem schnellen Knüppel.
Ich würde dabei aber auch nicht behaupten wollen, dass sich ein Anfänger mit einer schnellen Rute leichter tut. Eher im Gegenteil! Viele lernen den Wurfablauf besser, wenn sie genug Zeit zum beobachten haben und die Schlaufe eher etwas weiter offen lassen. Erst mit dem richtigen Timing (und das kommt erst mit der Übung) bekommen Sie dann die Schlaufe kleiner hin.
Als mein Kumpel mit dem Flifi angefangen hat, hat er sich auch (geläufig der allgemeinen Werbung) einen echten Stock gekauft und ist damit prompt auf die Nase gefallen. Ich hab ihm zwei Schnurklassen höher raufgespannt (von 4# auf 6#), und die schnelle Aktion so etwas verlangsamt. Damit klappts jetzt schon besser...

Ich persöhnlich werfe lieber mit einer ausgeglichen Aktion mit leichter Tendenz auf die Schnelle Seite. Die "Schlagstöcke" sind mir zu agressiv und mit den weichen Gerten bekomme ich im Gegenwind zuwenig "Saft" rauf. Aber diese Entscheidung ist da reine Geschmacksache und hat nichts mit dem Wurfstil selber zu tun...

Was ich aber hinzufügen möchte ist, das viel um die Rutenaktion hin- und herdiskutiert wird. Viele vergessen aber mittlerweile, dass die Schnur eine sehr große Komponente ist.
Da heute ja die überwiegende Zahl mit WF fischt und damit auf Weite geht, machen auch steifere Gerten mehr Spass. Wenn man aber mit einer feinen DT im Nahbereich feine Präsentationen machen will, ist eine flexiblere Rute wieder deutlich im Vorteil. Da hat man dann deutlich mehr Gefühl für die Schnur...
Außerdem: WF ist nicht gleich WF und DT ist nicht gleich DT. Eine Rute x kann mit einer WF vom Anbieter A eine anderes Wurfverhalten (und damit auch Wurfgefühl) haben als mir der WF von Anbieter B. Das Angebot an verschiedenen Tapern, Keulenlängen und Spezialschnüren ist mittlerweile so groß geworden, das nicht mehr so einfach eine allgemeine Aussage machen lässt...

Verfasst: 03.08.2006, 20:54
von Peter Ross
Hallo Micha,
wenn mit "Wurfstil" Temperament gemeint ist, stimme ich dir uneingeschränkt zu.

Verfasst: 03.08.2006, 23:15
von Matthias M.
Hallo Peter,

unabhängig von Wurfstil und den von zu befischenden Gewässern ist mir persönlich aufgefallen, dass Fliegenfischer oft je nach werferischer "Reife" unterschiedliche Rutenaktionen favorisieren. Natürlich gibt es Rutenaktionen die für bestimmte Gewässertypen charakteristisch sind. So wird sich wahrscheinlich niemand mit einer vollparabolischen Rute in die Ostsee stellen um den Meerforellen nachzugehen.

Anfänger bevorzugen oft mittelschnelle Ruten. Mit Besenstielen genauso wie mit sehr parabolischen Rutenaktionen können sie wenig anfangen.

Wenn ein gewisses Maß an Schnurkontrolle vorhanden ist, beginnt oft die Phase des "Weitenwahns". In dieser Lernphase werden oft sehr schnelle Ruten die eine schnelle Leinenführung und eine hohe Schnurkontrolle ermöglichen bevorzugt.

Wenn der Weitenwahn überwunden ist, ist der Werfer soweit ausgereift, dass man ihn als guten oder sehr guten Werfer bezeichnen würde. Meist kommt er mit jeglichen Rutenaktionen spielend zurecht und liefert fast unabhängig von der Aktion identisch gute Wurfergebnisse. In dieser Phase des Werfens werden oft sehr parabolische Ruten bevorzugt.

Am Anfang des Fliegenfischens lernt man recht schnell werfen. Je Fortgeschrittener man wird um so kleiner und schwieriger werden die Verbesserungen. Natürlich ist Fliegenfischen (Werfen) ein Lernprozess der niemals enden wird.

Gruß Matthias

Verfasst: 04.08.2006, 00:11
von Peter Ross
Hallo Matthias,
deine Beobachtungen decken sich im Wesentlichen mit meinen. In der Anfängerschulung stelle ich immer wieder fest, dass Anfänger mit einem steifen Stock immer noch besser zurechtkommen als mit parabolischen Ruten, deren ( auch seitliche ) "Ausschläge" sie nicht kontrollieren können.

Also wäre zu konstatieren, dass ein Zusammenhang zwischen werferischer Entwicklung + - Vorlieben und Rutenaktion besteht, aber der Wurfstil in der eigentlichen Bedeutung des Wortes eine untergeordnete Rolle spielt.

( Es sei denn, man wirft amerikanisch wie Paul Arden.)

Verfasst: 04.08.2006, 08:42
von Olaf Kurth
Original geschrieben von Peter Ross
....... deine Beobachtungen decken sich im Wesentlichen mit meinen. In der Anfängerschulung stelle ich immer wieder fest, dass Anfänger mit einem steifen Stock immer noch besser zurechtkommen als mit parabolischen Ruten, deren ( auch seitliche ) "Ausschläge" sie nicht kontrollieren können.........

Sorry Peter,
ich kann aus eigener Erfahrung und aus Angaben von Kollegen genau das Gegenteil berichten: Weichere Ruten verzeihen gerade am Anfang die unfreiwilligen Wurffehler. Durch die parabolischere Aktion lassen sich noch kleine Korrekturen (z.B. konvexe Schnurführung während des Rückschwungs) vornehmen. Trifft man als Anfänger die Stopp- und Umlenkpunkte nicht genau, kann das mit einer langsameren Schnurführung durch die weichere Rute besser korrigiert werden.

Schnelle, steifere Ruten verzeihen keine Wurffehler! Die Führung der Schnur ausgehend von der Wurfhand über die Rute ist bei steiferen Ruten wesentlich exakter. Einmal aus der gedachten Wurflinie rausgekommen lässt sich z.B. die Schnur in der Luft nicht mehr so leicht vom Anfänger korrigieren. Das ist aber mit weicheren Ruten eher möglich.
A prospos P. Arden: So wie ich ihn kennengelernt habe, wirft er den amerikanischen Stil in einer sehr eigenen Variante.


@ Matthias: Wirfst du auch die kleinen Rutenklassen in den Wiesenbächen mit der unnatürlichen Daumenhaltung???

Gruß, Olaf

Verfasst: 04.08.2006, 10:03
von Maggov
Hallo,

ich habe bei mir den Eindruck, dass es genau umedreht ist. Die Rute bestimmt meinen Wurfstil und damit mein Fischen. ich halte es nämlich nach wie vor so, dass das Werfen Mittel zum Zweck ist, also Fischen.

Wenn ich eine Gespliesste oder "langsame" (vollparabolische Kohlefaserruten habe ich bis dato noch nicht gekauft bzw. erfahren dürfen) Rute werfe, dann stellt sich bei mir auch eine gewisse Grundruhe ein. Man lässt sich etwas mehr Zeit vor den Würfen, schaut auch mal den Kollegen zu und montiert keine Streamer oder sehr schweren Nymphen, weil das bei Werfen anstrengend wird.

Mit der schnellen Rute hingegen ändert sich dieses Verhalten, dann will ich sehen ob ich es schaffe mit einer 5 cm Schlaufe unter den Busch zu schlenzen versuche die kompliziertesten Trickwürfe und werde fahrig.

Da - wie oben geschrieben - mein Hauptziel das Fischen ist und ich mit der "bequemen" Variante erfolgreicher bin, kaufe/fische ich zunehmend mehr die langsamen Ruten.

Zum Ausgangspost: Ich würde die Aussage "Rute muss zum Wurfstil passen" dahingehend interpretieren, dass die Anforderungen an eine Rute sich im Laufe der Entwicklung des Fliegenfischers (und der Fliegenfischerin) wandeln. Deshalb ist die Sache mit dem Kurs aber noch nicht abwägig. dort kann ich Ruten probieren und kriege zumindest mit ob mein Wurf an meiner Technik oder an der Rute scheitert....

Es grüsst

Markus (ohne Kurs mit bayrischen Freestyle-Slowhand-Cast).

Verfasst: 04.08.2006, 10:11
von Peter Ross
Hallo Olaf,

"Weichere Ruten verzeihen gerade am Anfang die unfreiwilligen Wurffehler."

Wenn die Betonung auf "Weichere" liegt, stimme ich dir zu, aber ich erläutere am Beispiel, was ich meine .

Ausnahmslos alle Anfänger, denen ich die Grundlagen des Fliegenwerfens beibringen durfte, kamen relativ problemlos mit "normalsteifen" Ruten a la Exori X- Fly Edition , Greys, "Billigknüppeln" zurecht.
Kein einziger konnte mit meiner Lieblingsrute, einer 5er Sage SLT, etwas anfangen, weil sie nicht in der Lage waren/sind, die auf den ersten "Blick" "schwippige" Reaktion der Rute zu kontrollieren.
Eine Rute, die sehr sensibel/weich ist, stellt meiner Erfahrung nach höhere Ansprüche an das Vermögen zur exakten Rutenführung
als ein "Stock", mit dem man der Leine nur die Richtung vorgeben muss und von dem kaum Rückmeldung kommt.

Allerdings bezieht sich meine Beobachtung wirklich nur auf Anfänger, die noch üben, 5 m Leine einigermaßen gerade in der Luft zu halten.

Verfasst: 04.08.2006, 10:36
von Olaf Kurth
Hallo Peter,

anhand deines Beispiels verstehe ich besser was du gemeint hast. Anfänger können mit beiden Extremen (schnelle, steife Rute versus weicher Longsofter) nichts anfangen. Die semiparabolischen Allrounder erleichtern eher den Einstieg in unser Hobby, das sehe ich auch so wie du.

Je nach Gusto und dem Zustand der Gewässer entscheidet sich jeder früher oder später für "seine" bevorzugte Aktion. Aber das braucht Zeit........

Gruß, Olaf


PS: An unseren Gewässern bin ich manchmal mit einer super-parabolischen
3er Rute in 7,6' unterwegs und ein anderes Mal mit einer 6er Gespließten von 1,80m..........

Verfasst: 04.08.2006, 11:47
von Matthias M.
Hallo Olaf,

du hast Recht, egal welche Rute ich verwende benutze ich immer den Daumengriff. Meiner Meinung nach haben beide gebräuchtlichsten Griffformen ihre Vorteile. Der Daumengriff ermöglicht mir auch bei den kleineren Klassen wenn es sein muss schnelles punktuelles Aufladen der Rute, des weiteren ist diese Griffhaltung auch bei bestimmten Trickwürfen von Vorteil.

Gruß Matthias

Verfasst: 04.08.2006, 12:56
von JensR
@ Matthias: Wirfst du auch die kleinen Rutenklassen in den Wiesenbächen mit der unnatürlichen Daumenhaltung???


Hallo Olaf,

unnatürlich!? Was'n daran unnatürlich? Erbitte Aufklärung/Erleuchtung! :naiv:


Gruß, Jens

Verfasst: 04.08.2006, 13:09
von Peter Ross
Hallo Matthias,

"des weiteren ist diese Griffhaltung auch bei bestimmten Trickwürfen von Vorteil. "

Bei welchen ?

Verfasst: 04.08.2006, 13:21
von Matthias M.
Hallo Peter,

insbesondere bei Bogenwürfen ergeben sich meiner Meinung nach Vorteile durch die Daumenhaltung. Bei dieser Haltung ist das Handgelenk viel freier Beweglich als bei der Zeigefingerhaltung. So muss man z.B. bei sehr stark ausgeprägten Bögen nach links beim Zeigefingerwurf den Unterarm teilweise überdrehen oder den Unterarm mitbewegen.
Beim Daumenwurf geht dies meiner Meinung nach viel einfacher von statten.

Gruß Matthias

Verfasst: 04.08.2006, 16:14
von Peter Ross
Hallo Matthias,

"So muss man z.B. bei sehr stark ausgeprägten Bögen nach links beim Zeigefingerwurf den Unterarm teilweise überdrehen oder den Unterarm mitbewegen.
Beim Daumenwurf geht dies meiner Meinung nach viel einfacher von statten."

Hast recht, das leuchtet mir ein, aber da ich den Bogen nach links eh aus dem Normalwurf ( nicht aus dem Backhand ) durch eine Handgelenk- und Unterarmdrehung ( ähnlich dem Alter Stil ) lege, habe ich da noch nie drüber nachdenken müssen