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Thomas and Thomas Heirloom
Verfasst: 29.10.2006, 07:53
von Stephan Dombaj
Hallo Leute.
Jüngst fiel mir die T&T Heirloom in die Hände; daumendick und aktionell recht langsam - mit einem breiten Lächeln sagte mir "mein" Händler: Typisch Glasfaser halt. In den USA erlebt Glasfaser eine kleine Renaissance, wo sie schon einen Marktanteil von gut 7% ausmacht...
Glasfaser Fliegenruten sind einfach spurlos an mir vorbeigezogen... jetzt meine Frage: Warum Glasfaser? Welche Vorteile hat das doch recht träge Material, mal abgesehen von der spezifischen Weichheit, die im Drill von Äschen etc. vllt. Vorteile bringt? Oder handelt es sich nur um Liabhaberei - Back to Basics?
Freue mich auf eure Antworten,
Stef
Verfasst: 29.10.2006, 10:00
von Kurt Zumbrunn
Hallo Stef
Glasfaserruten ähneln in ihrer Aktion häufig den Splitcanes. Als "Nebenprodukt" des 2. Weltkrieges hielt die Glasfaser auch Einzug im Rutenbau. Bambus war nach dem Krieg nur sehr schwer, oder überhaupt nicht mehr zu besorgen. Gerade Tonkin-Bambus aus China, war kaum mehr erhältlich. Die Glasfaser war für die Rutenindustrie ein willkommener Ersatz, obschon die Ruten gegenüber Bambus gewisse Nachteile hatten. (Weniger Robust, da sie als erste Ruten hohl gebaut wurden und auch die Wurf- und Drilleigenschaften waren schlechter)
Diese Nachteile machten Sie aber über den günstigeren Preis wett, da nicht mehr soviel Handarbeit in die Ruten gesteckt werden musste wie bei Bambus.
Um zu Deiner Frage zu kommen: Glasfaserruten stammen aus einer Zeit, als es noch weniger "Hochleistungswerfer", sondern vielmehr praktische Fischer gab. Wenn ich mir die heutigen Werbetexte der Rutenindustrie ansehe, frage ich mich häufig, wo der fischereiliche Nutzen der Werbebotschaft liegen mag. Auch fällt mir auf, dass aufgrund der verschiedenen Komponenten, welche das Fliegenfischen interessant machen (Wurf/Präsentation/Drill/Naturerlebnis/ganzheitliches Fischen mit Insektenkunde/Gewässerkunde usw.), jeder den ihn am meisten faszinierenden Teil entsprechend stark bewertet.
Beispiel: Fliegenfischer A hat nicht oft die Gelegenheit ans Wasser zu gehen und übt viel auf der Wiese. Er findet grossen Gefallen am Wurfablauf und perfektioniert diesen, soweit es geht. Beim trainieren auf der Wiese durchläuft er verschiedene "Entwicklungsstadien", vom Weitenjäger über Spezialwurf-Spezialist, zum experimentieren mit Schnurklassen und viele mehr.
Fliegenfischer B hat neben seinem Haus einen traumhaften Forellenbach. Er verbringt wenig Stunden auf der Wiese, da die Fischerei so nahe liegt. Er hat vielleicht ein schmales Repertoire, was Wurftechniken anbelangt, da er damit auskommt und seine Fische fängt. Er weiss aber haargenau, aufgrund der vielen Erfahrungen, welche er am Bach gemacht hat, wie die Fliege präsentiert werden muss, damit der Fisch diese nimmt.
Was ich damit ausdrücken will, ist meiner bescheidenen Meinung nach der Umstand, dass die Rutenindustrie mit den neuesten Materialien häufig "Spezialruten" anbietet, für fischereilich gesehen einen schmalen Nutzungsbereich. Eine ultraschnelle IMXY mit weiss ich was verstärkt, dürfte in einem gewissen Widerspruch stehen zu einem 0.10er Vorfach für die Trockenfliege. Schau Dir mal älteres Angelgerät an, in Bezug auf den fischereilischen Nutzen. Gerade bei den Rutenaktionen wirst Du Erstaunliches feststellen.
Gruss Kurt
Verfasst: 29.10.2006, 11:46
von Stephan Dombaj
Hallo Kurt!
Danke für deine ausführlich Antwort! Ich persönlich favorisiere ebenfalls bei dünnen Vorfächern eher weiche Ruten. Dennoch muss diese ja nicht zwangsläufig aus Glasfaser sein - so bieten Kohlefaserblanks bei geringerer Modulation doch auch annähernd gleiche Eigenschaften. (vllt. mit einem kräftigerem Butt) ... oder ist diese spezielle Aktion wirklich nur über Glasfaser zu erreichen?
Gruss,
Stef
Verfasst: 29.10.2006, 12:13
von Kurt Zumbrunn
Hallo Stef
Nein natürlich nicht, das Material ist nur einer der Faktoren, welche die Aktion einer Rute beeinflusst. Wenn Du jedoch den Trend zu immer höher modulierteren Fasern anschaust, ist die Glasfaser vielleicht eben eine Alternative dazu.
Gruss
Kurt
Verfasst: 29.10.2006, 18:42
von Rolf Renell
Glasfaserruten besassen zumindest in damaliger Zeit wo ein Übergang von Splitcane auf G. spürbar war trotz Ihrer"Weichheit" eine schnellere Rückstellung als die meisten gefischten und gebauten splitcanetaper damals,nachteilig war im Vergleich allerdings oftmals die schlechtere Dämpfung der Ruten ,hier lag im Vergleich der Taper Splitcane oftmals sehr viel besser,daher entstanden auch hier die ersten "privaten" Versuche von kombinationen aus splitcane und Glas,später dann auch Carbon,
beste Grüsse,Rolf
Verfasst: 31.10.2006, 21:02
von AndreasKR
Hallo Männer,
ich besitze noch eine RST Hohlglas - Rute und benutze sie heute noch sehr gern. Sie ist ca. 30 Jahre alt aber immer noch gut in Schuss und als Reserverute immer dabei.
Verfasst: 02.11.2006, 10:11
von Maggov
Hallo Stephan,
die Glasfaserruten sind bei mir Flyfi-technisch auch "vorbeigegangen" - aber als ich noch "konventionell" gefischt habe, habe ich diese Ruten wegen ihrer Weichheit geliebt! Damals waren Kohlefaserruten gerade das nonplusultra. Ich bin jedoch damals bei der Glasfaser geblieben, da man mit diesen prima Spürfischen konnte - Du hast jeden Zupfer im Handteil gespürt.
Ich kann mir schon vorstellen, dass die Glasfaser vom "Feeling" einer Gespliessten recht nahe kommt - allerdings wüsste ich nicht warum ich dann nicht gleich eine Gespliesste kaufen sollte. Auch wenn diese teurer und vielleicht etwas schwerer sind, so haben die dann doch etwas individuelleres und irgendwie mehr Charme (pers. Meinung!).
Viele Grüsse
Markus
Verfasst: 02.11.2006, 11:13
von Tobsn
Ich bin jedoch damals bei der Glasfaser geblieben, da man mit diesen prima Spürfischen konnte - Du hast jeden Zupfer im Handteil gespürt.
Das mit Verlaub, kann ich nun gar nicht nachvollziehen... Ich bin der Meinung, das gerade der Kontakt zum Köder und das damit verbundene Gefühl für Bisse mit harten Ruten um Längen besser funktioniert, als mit weichen. Lässt sich z.B. gerade beim Zanderfischen leicht feststellen, denn kaum ein erfahrener Zanderfischer wird mit einer weichen Rute fischen.
Sachichmal...
T
Verfasst: 02.11.2006, 11:33
von Maggov
Hallo Tobsn,
ok, dann ein Beispiel:
Ich war mit dem Schulaustausch in England. Da wir geflogen sind musste ich eine Teleskoprute aussuchen, die in den Koffer passte. Die Wahl fiel auf eine uralte Shakespeare Spinnrute (Fiberglas) mit einem nachträglich geschätzten Wurfgewicht von ca. 10-20 gr. ...
In England habe ich mich dann am Hafen neben die Einheimischen mit ihrem Brandungsgetackle gesetzt. Aus Faulheit davor am Imbisstand ein paar Miesmuscheln gezogen und los gings. Ich hing ein 40gr. (!) Blei mit Springer dran und warf das Ganze voooorsichtig aus (bei diesem Gewicht kann man problemlos die Rute schrotten). Dann wurde die Schnur auf Spannung gezogen - dabei bog sich die Rute schon wie bei einem Hänger durch... Du konntest jeden kleinen Zupfer spüren und mit einem Anschlag quitieren...
Konsequenz: Ich ging mit ca. 20 Plattfischen pro Tag nach Hause (kein Witz - die Gastfamilie war arbeitslos und begeistert ...) die Engländer Schneider

...
Anderes Beispiel:
Warum bauen sich Renkenfischer ihre hegeneruten aus Flyfi Blanks?
Mit einer steifen Rute spürst Du nen Biss in 30m Tiefe nicht mehr. Und selbst wenn, dann schlitzt Dir der Fisch im Drill leichter aus.
In Bayern sind Zander eher Ausnahmefische (zumindest in Oberbayern) - von daher kann es schon sein, dass auf Zander das Ganze wieder anders ist.
Viele Grüsse
Markus
Verfasst: 02.11.2006, 14:38
von Tobsn
@ Maggov
Ich glaube Dir das gerne, das Du mit Deinem Stecken mehr gefangen hast als die Briten mit ihren Brandungsknüppeln. Aber ich führe das mal einfach nicht auf die Beschaffenheit der Rute zurück. Dennoch ist es so, dass eine weiche Rute weniger Information transportiert als eine harte. Kannst Du auch beim Meerforellenfischen gut beobachten. Jeder Küstenangler wird Dir bestätigen, das Du z.B. mit geflochtener Schnur eine bessere Bisserkennung hast. Das ist das selbe Prinzip, je direkter der Kontakt übertragen wird (ob weniger dehnung durch die Schnur oder weniger Federung durch die Rute ist IMHO egal), desto besser spürst Du was passiert.
Mit einer steifen Rute spürst Du nen Biss in 30m Tiefe nicht mehr.
Ich will Dir ja nicht zu nahe treten, aber das ist Unsinn!
Nimm einen Besenstiel in die Hand und lass jemanden leicht dagegen tippen. Die Bewegung wird sofort und komplett ins Hanteil übertragen. Probier das gleiche mit nem "Lämmerschwanz" und Du wirst sehen, dass das "Signal" duch die Flexibilität der Rute deutlich abgeschwächt wird...
T
Verfasst: 02.11.2006, 15:19
von Maggov
Hallo Tobsn,
ich glaube wir schweifen ab, aber ich möchte trotzdem antworten.
Bei einer Kohlefaserrute wirst Du den Biss im Handteil nicht mehr so stark spüren, da das untere Ende der Rute zu hart ist um diese Information weiter zu geben. Der Vergleich mit der geflochtenen Schnur hinkt, da diese bei einer Glasfaserrute ebenfalls Verbesserung beim Spüren ergibt (wg. der geringeren Dehnung).
Zum Renkenfischen:
Was das "Spüren" betrifft s.o. - Besenstiel ist aus Holz und gibt kleine Stösse stärker weiter als Kohlefaser. Sonst würde eine Gespliesste ja auch nicht mehr Impulse senden als eine Kohlefaser... Des weiteren sind die Spitzen mit Glasfaser einfach weicher, das erhöht die Dämpfung von Schlägen bzw. das Ausschlitzen der Fische beim Drill von Renken in grosser Tiefe ein sehr wichtiger Punkt. Des weiteren ist der Ausschlag an der Spitze grösser und damit besser sichtbar - wie gesagt ich kenne nicht allzu viele Renkenspezis (2-3) die aber schon sehr lange und erfolgreich auf Renken fischen. Alle mit selbstgebauten Ruten und alle spüren die Bisse bzw. fischen mit einer Rute und die permanent in der Hand.
Vielleicht magst Du aus physikalischer Sicht vollkommen recht haben, ich kann meine Erkenntnisse nur auf die Erfahrung von mir und anderen stützen...
Viele Grüsse
Markus
Verfasst: 02.11.2006, 15:31
von Tobsn
@Maggov
Ich bin mir meiner Sache ziemlich sicher. Aber wie dem auch sei, will ich gar nicht bezweifeln, dass die Jungs mit ihrer Methode ihre Fische fangen. Ich kenn halt den Vergleich vor allem vom Zanderfischen mit Gummi und gerade hier musst Du jeden feinen Zupfer mit einem Anhieb quittieren. Da wirst Du mit ner weichen Rute einfach nicht alt, weil Du da nicht zwischen Biss und Grundkontakt unterscheiden kannst. Aber jeder wie er kann und will und wenn Du besser mit ner weichen Rute zurecht kommst, will ich Dir nicht was anderes vorschreiben...
T
T & T Heirloom #4 7,6´
Verfasst: 11.03.2007, 20:24
von Federkiel
Hallo, ich habe diese Glasfaserruten bei Frau Pavlic am Möhnesee getestet, eigentlich wollte ich eine schnelle Rute (Vector in #6) kaufen und bin dann bei Flyfishing Europe ganz verliebt mit dieser Rute entschwunden. Sie hat wirft sich auf allen Weiten bis etwa 20 m hervorragend mit einer Cortland 444 DT #4. Etwas mehr "Leine" wirft sie, wenn man eine SA Mastery XPS DT #5 nimmt (Rute ist dann schon leicht überladen) aber da ist die Heirloom in #5 und 7,6 besser.
FAZIT: Für Leute die so eine Aktion zu schätzen wissen und den Wurfrythmus auf langsam umstellen können, das Beste was es z. Zt. zu kaufen gibt. Diese Glasfaserruten sind auch etwas schneller, als die Fiberglasruten von Steffen Brothers, Hardy Perfection oder die für mich etwas zu schwabellige Winston Retro.
Die Aktion ist sehr gut zu werfen und der von Bambus was das Timing angeht ähnlich, trotzdem ist die "Beschreibung" der Rutenaktion im "Brinkhoff"-Katalog nur eine Übersetzung des amerikanischen Werbetextes. Das Rutengewicht ist angenehm und die Verarbeitung wie immer bei T&T perfekt.
Sehr empfehlenswerte Überraschung.
Michael

Verfasst: 12.03.2007, 17:54
von BLU
Stef,
vielleicht liege ich falsch, aber ich denke nicht dass die USA eine Glasfaser -Renaissance mit einen Marktanteil von 7%!! erlebt. Die
Glasfaserfraktion ist auch erheblich kleiner als der Liebhaberkreis von gespliessten Ruten.
Es fing damit an, das Winston und andere Edelmarken seit ca. 4 Jahren wieder Glasruten im Angebot hatten, was den Preis von gebrauchten Ruten hochgetrieben hat. Ich habe noch selber eine alte Winston Glasrute fuer 20 Dollar auf dem Flohmarkt erstanden, die jetzt mit 350 Dollar plus gehandelt wird.
Was das Angeln betrifft: Das ist natuerlich Geschmackssache und alle Ruten fangen Fische, aber ich persoenlich finde, dass die Glasruten zu wabbelig sind (auch im Vergleich mit gespliessten Ruten). Der perfekte
Einsatzbereich der Glasruten duerfte eher bei den kuerzeren Rutenlaengen liegen.
Um zu zeigen, dass so ein Thema schon immer kontrovers diskutiert wurde habe ich einige Zitate aus aus der damaligen zeitgemaessen Literatur eingefuegt:
"As to glass or bamboo, I have always preferred bamboo over glass and am still considered a holdout. True, I've fished with many glass rods that I've designed myself for the manufacturers, so one would think that I've arrived at the perfect rod at least for myself. This is not the case. When I think of glass, I unconsciously begin to push hard and slash at the water, fighting the elements. Bamboo, on the other hand, sets me calm and quiet, and I find that if I "feel" the rod and almost go along with what it wants to do with the particular rig that I have attached to the line at the moment, my efforts are more than rewarded."
from "Tactics on Trout" by Ray Ovington (1969 - Knopf)
"In other words, with a glass rod, which is round, the tool accentuates casting errors by heading the motion in the direction of the error. ... With bamboo, on the other hand, the construction of sides tends to keep the motion going more in a straight back-and-forth pattern."
"In the second place, bamboo is solid and fiberglass is hollow. This gives a cane rod more sensitivity and feel. If your rod is transmitting casts, fish or whatever through its whole diameter, it is going to tell more of the "story" than if the impulses are being carried only through the shell."
from "Fly Tackle" by Harmon Henkin (1976 Lippincott)
Gruss,
Bernhard
glasfaser
Verfasst: 12.03.2007, 18:54
von dgspec
Hallo,
wollte auch nur kurz meinen senf hierzu abgegeben. es gibt heute noch genügend anwendungsbereiche in der fischerei für glasfaser : als grösstes beispiel gilt hier wohl das Meeresangeln bzw light oder big game. Glasfaser hat eben auch eigenschaften, die man mit kohlefaser eben nicht unbedingt erreicht zb bruchfestigkeit. glasfaser macht im drill auch nicht "zu" - dh es gibt kaum mal einen punkt wo glasfaser sich nicht weiter verbiegen kann im gegensatz zu kohlefaser, die aufgrund ihrer steifigkeit dann eher zum "zu" machen neigt um dann eventuell zu brechen. auch vile specimen hunter sind ständig auf der suche nach modernen glas blanks - leider sind die produktionskosten für diese blanks etwa so hoch wie die moderner kohlefasern - mit ein grund warum glasfaserblanks seltener angeboten werden. im fliegenfischerischen bereich nutze ich gelegentlich noch gerne eine uralte abu feralite (die blanks kamen damals von fenwick - einer der ganz grossen namen damals) und würde mir gerne, wenn es adequate blanks gäbe eine 7' #3 /4 aufbauen. einsatzzweck wären kleine, starkbewachsene "dschungel"bäche - fürs heave abd hold. da bricht auch nichts weg
gruss dirk