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Kork als Material für Rollenbremsen

Verfasst: 29.11.2006, 17:29
von strongbow
Hallo,

was hält die GEmeinde eigentlich von Korkbremsen?

Meine eigenen Erfahrungen sind durchwachsen bis negativ und aus verschiedenen Gründen glaube ich, diese Erfahrungen verallgemeinern zu dürfen.

Ich habe mir vor Jahren schon eine Baur M3 aufschwätzen lasse, wohl meine teuerste aber gleichzeitig auch meine schlechteste Rolle. Grund hierfür ist u. a. (aber keineswegs nur..) die Korkbremse.

Jeder Autobauer oder KFZ-Mechaniker lernt bereits am Anfang seiner Ausbildung, dass man von Bremsen eines immer fern halten muss: Schmierstoffe und insb. Fette. Korkbremsen aber müssen regelmäßig geschmiert werden, weil der Kork sonst spröde oder auch rissig werden kann.

Der Schmierungsgrad aber verändert sich zwangläufig, und zwar auch kurzfristig. Das wiederum hat eine ungleichmäßige und stuckerige Bremswirkung zur Folge. Außerdem ist die Bremswirkung nicht eben optimal dosierbar. High-tech Werkstoffe für Bremsen stelle ich mir jedenfalls anders vor!

Strongbow

Verfasst: 29.11.2006, 17:40
von pehers
Servus!

Interessante Frage - ich besitze so was nicht, aber es muß doch auch einen Grund geben, der die Verwendung von Kork rechtfertigt, oder?

Hast Du selbts keine Vorteile bemerkt?

Bin schon gespannt, was da von den Spezialisten noch kommt!

Gruß,
Hans

Verfasst: 29.11.2006, 20:45
von Hartmut
Hi,

Korkbremsen sind 1. Wahl für eine Fliegenrolle.
- Vorteil ist ein seidenweicher Lauf mit einer feinen Dosierbarkeit der Bremskraft und die Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Nässe.
- Nachteil ist die notwendige Pflege! Das Lösen der Bremse nach dem Fischen reicht als Pflegemaßnahme aus, ist jedoch notwendig damit die Korkschicht nicht verbackt.

Soweit ich es an einer meiner Rollen beurteilen kann wurden für die Korkbremse feine Korkkrümel zu einer geschlossenen Schicht verklebt und anschließend überschliffen.
Die Reibungs- und Verzögerungskräfte sind mit einer PKW-Bremse absolut nicht vergleichbar, denn die Fliegenrolle sollte nur einen dosierten Widerstand gegen den Zug des Fisches aufbauen ohne das Vorfach oder die Fliegenschnur zu sprengen.

Gut, meine Angaben beziehen sich auf die normale Fischerei im Sußwasser.

Grüße

Hartmut

Verfasst: 29.11.2006, 22:16
von sts
Hallo,
ich kann mit Erfahrungen mit meiner Islander FR4 (s. Testbericht) beitragen. Ich habe die Rolle zwar eher selten, aber wenn mit sehr starker Beanspruchung genutzt.
Meine Erfahrung ist, dass diese Rolle eine seidenweiche Korkbremse hat, die vielleicht auch einen fahrenden Zug zum Stehen bringen könnte.
Aber die Bremse braucht etwas Pflege. Nach zwei Tagen (mit vielen langen Drills) fängt sie an, etwas ruppig zu werden. Dann muss die Bremse gereinigt werden und ein spezielles "sythetic grease" aufgetragen werden. Danach ist sie wieder wie neu. Eigentlich ist die ganze Prozedur nicht viel Arbeit und insofern völlig unproblematisch.
Ich habe mich sehr bewusst für diese Rolle entschieden, da ich vorher bei zwei Steelfin-Rollen beim Drill diverse "Filigranteile" verloren hatte. Ich wollte mir daraufhin etwas wirklich sicheres mit möglichst wenig Teilen zulegen. Da war die Islander genau das richtige.
Gruß
Stefan

Verfasst: 30.11.2006, 09:57
von Maggov
Hallo,

einen Punkt habe ich noch nicht gelesen:

Kork reduziert weiterhin Gewicht bei einer Rolle.

Ich habe eine Rolle mit Korkbremse und muss gestehen das mit der Pflege ist mir neu. Ich fische die Rolle eigentlich erst seit diesem Jahr halbwegs regelmässig und muss mich gleich mal nach so einem Pflegemittel umsehen...

Eine Sache ist mir aufgefallen bzw. bilde ich mir ein:

Wenn die Rolle nass wird, dann verändert sich die Bremskraft. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Viele Grüsse

Markus

korkbremse

Verfasst: 30.11.2006, 10:49
von dgspec
moin,
hab selbst keine fliegenrolle mit korkbremsen aber zwei kumpels, die dem big-game verfallen sind. dort sind, zumindest bei den älteren rollenmodellen korkbremsscheiben gang und gäbe. was marlin, thun und co aufhält ,sollte eigentlich auch bei fliegenrollen funzen :-)

gruss
dirk 8)

Verfasst: 30.11.2006, 13:45
von Superpupa
Hallo Leute,

ich bin bekennender ABEL Fan, was zu einem großen Teil an den hervorragenden Korkbremsen dieser Rollen liegt.

Kork ist bekanntlich nicht gleich Kork, aber bei meinen Rollen ist er super hoch verdichtet und von ausgezeichneter Qualität. Auch bei härtesten Beanspruchungen im Salzwasser hatte ich noch nie Probleme.

Es stimmt, dass der Kork von Zeit zu Zeit gepflegt werden muß, sonst qietscht die Bremse und läuft nicht mehr ganz so seidenweich. Dafür gibt es im Reiterbedarf ein Huföl (Neat foot oil oder so). Das soll identisch sein mit dem doch sehr teuren ABEL Öl. Auf jeden Fall funktioniert es damit astrein.

Der Bremswiderstand ändert sich tatsächlich ein wenig wenn die Bremsscheibe naß wird, vor allem wenn sie nicht gepflegt und somit etwas ausgelaugt ist. Den Effekt kenne ich aber auch von allen anderen Scheibenbremsen, die naß werden können.


Viele Grüße


Micha

Verfasst: 30.11.2006, 14:37
von sedge111
Hallo Micha,

sehr interessant! Aber wie ist es den mit der mechanischen Abnutzung? Muss man die Korkscheiben regelmäßig ersetzten?

Grüße!

Tom

Verfasst: 30.11.2006, 17:30
von Volker Furrer
Hallo Tom,
ich weiß ja nicht auf welche Fisch du fischst, aber das ein Wechsel der Korkscheiben, z.B. wegen Abnutzung (so wie bei Bremsbelägen am Auto), nötig ist hab ich selbst noch nie erlebt.

Verfasst: 30.11.2006, 17:38
von Superpupa
Hallo Tom,

Volker Furrer hat geschrieben:Hallo Tom,
ich weiß ja nicht auf welche Fisch du fischst, aber das ein Wechsel der Korkscheiben, z.B. wegen Abnutzung (so wie bei Bremsbelägen am Auto), nötig ist hab ich selbst noch nie erlebt.
So ist es!


Viele Grüße


Micha

Verfasst: 30.11.2006, 17:53
von Maggov
Hallo Micha,

hast Du evtl. eine Bezugsquelle für eine Pflegemittel für mich.

Ich trau' mich fast nicht zu schreiben, aber gerne auch als PN ;)

Viele Grüsse

Markus

Abnutzung Korkbremse?

Verfasst: 30.11.2006, 18:14
von strongbow
[Hallo Tom,
ich weiß ja nicht auf welche Fisch du fischst, aber das ein Wechsel der Korkscheiben, z.B. wegen Abnutzung (so wie bei Bremsbelägen am Auto), nötig ist hab ich selbst noch nie erlebt.
]

Kann ich so nicht bestätigen. Ich habe mit der fraglichen Rolle sicher ca. dreihundert stärkere Fische gefangen (was daran liegt, dass ich sie viel auf Angelreisen mitgenommen habe, u. a. nach Grönland und Alaska) und das Material ist sichtbar gealtert.

Der Vergleich mit der KFZ-Bremse mag ja hinken, aber eine Aussage, die für Motorrad- und Autobremsen grds. richtig ist, kann für eine Rollenbremse nicht vollständig falsch sein... Denn auch eine Motorradbremse soll fein dosierbar sein. Natürlich wirken auf dort ganz andere Kräfte, aber eine Bremse, die bröselige Korkscheiben hat und zudem gefettet !! werden muss, kann die Aufgabe auch an einer Angelrolle einfach nicht optimal bewältigen.

Strongbow

P.S.: Sollte vielleicht mal anfangen, ein Fangbuch zu führen...

[/quote]

Verfasst: 30.11.2006, 21:40
von Theoretiker
Der Vorteil von Kork ist, dass er nachgibt.
Dadurch wird eine gute Dosierbarkeit bei geringem Anlaufwiderstand ohne Einbau von zusätzlichen Teilen erreicht.
Bei harten Scheibenmaterialien wird ein sanfter Anlauf durch Einbau irgendwelche Federsysteme erreicht. Sonst gäbe es bei solchen Bremsen (beispielsweise Carbon, was keiner bei Fischen braucht) nur "zu" und "offen".
Kork regelt das von allein.
Ich halte Korkbremsen für die besten überhaupt, da unkompliziert und funktionell.

Ein normales Auto hat Scheibenbremsen (nur bei 3m erhältlich), eine Fliegenrolle (außer 3M) hat keine Scheibenbremse, sondern eine Kupplung, wenn man mit Automobiltechnik vergleichen möchte. Eine KFZ-Kupplung verwendet auch ein Federsystem. Sonst gäbe es nur Kavalierstarts.

Verfasst: 01.12.2006, 11:18
von Michael.
Hallo,

bisher habe ich einmal richtig schlechte Erfahrungen mit einer Rolle mit Kork-Scheibenbremse gemacht - immerhin bei einem Modell, welches knapp 300 EUR kostet:

Beim Silberlachsfischen verkrümelte sich bereits am 1. Tag und nach vielleicht 10 bis 15 Lachsdrills die Korkscheibe und rieselte in kleinen Krümeln vollständig aus dem Gehäuse. Die (neue!) Rolle war danach nicht mehr zu gebrauchen.

Gruß
Michael

Verfasst: 01.12.2006, 11:32
von Superpupa
Hallo Markus,

leider bin ich nicht im Reiterbedarfsgeschäft tätig, deshalb auch keine Promo-PN für Huföl etc :wink: ..

Das Zeug gibt es wohl in jedem Reiterladen, allerdings in ziemlich großen Gebinden. Die Tochter eines Freundes von mir ist Reiterin und hat mir ein kleines Fläschchen voll abgefüllt. Damit kann ich meine Rollen die nächsten 20 Jahre pflegen.

Frag vielleicht mal in einem Reitstall nach!


Viele Grüße


Micha