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AFTMA ermitteln mit Common-Cent-Methode (Dr. Bill Hanemann)

Verfasst: 18.03.2007, 19:21
von Dirk Janßen
Ich versuche mich gerade daran, mit der Methode (http://www.angelverein-ragow.de/Texte/Messverfahren.pdf) die AFTMA-Klassen meiner Ruten zu ermitteln. Ich bin an einem Erfahrungsaustausch interessiert, um zu wissen, ob ich mit meinen Messungen richtig liege.

TL
Dirk

CCS

Verfasst: 18.03.2007, 23:05
von sts
Hallo Dirk,
schau mal im Forum von www.rodbuilding.org , dort findest Du einiges dazu. Auf http://www.superbob.org/CC_Data.htm findest die CCS-Daten vieler Blanks und Ruten.
Vielleicht hilft das weiter.
Gruß aus Wuppertal
Stefan

Verfasst: 19.03.2007, 12:46
von stalling-frank
Hallo Stefan,

kannst Du uns bitte kurz die Spaltenbezeichnungen erläutern. Gibt ERN die Schnelligkeit oder Spitzenaktion der Rute an? Danke.

TL

Frank

Verfasst: 19.03.2007, 13:20
von sts
Hallo Frank,
die ERN (effective rod number) gibt genaugenommen die Kraft an, die der Blank bei der Durchbiegung entwickelt. Daraus lässt halbweges die Schnurklasse ableiten. Eine 5er Rute hat demnach einen ERN zwischen 5 und 6, eine 6er Ruten zwischen 6 und 7, usw..
Es ist allerdings strittig, inwieweit bei extrem schnellen Ruten (AA deutlich über 70) dieser Zusammenhang noch stimmt. Beispielsweise hat ein Five Rivers FT905-4 einen AA=ca. 74-77 und eine ERN von 6,8 bis 8,7 und mehr, könnte also eine bis zu 8er Rute sein. Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass die Rute mit einer "normalen" 6er Schnur gut bestückt ist. Wen das näher interessiert, der kann mal auf www.rodbuilding.org unter dem Stichwort CCS stöbern.
Der AA (action angle) beschreibt die Aktion des Blanks und gibt den Winkel an, den die Blankspitze bei einer definierten Durchbiegung hat. Je größer der AA, desto schneller die Rute. Demnach beschreibt die Aktion der Rute (bez. der AA) nur die Biegekurve der Rute und hat wenig mit Geschwindigkeit im eigentlichen Sinne zu tun.
Wer sich näher mit CCS beschäftigt, stellt fest, dass bei gleichen Blanks häufig extrem unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden. Das gilt besonders bei Blanks mit hohen AA's. Eine Erklärung könnte sein, dass ein schneller Blank ab einer bestimmten Durchbiegung sehr schnell deutlich schneller mehr Kraft aufbaut als ein weniger spitzenorienter Blank. Ungenauigkeiten bei der Messung schlagen dann wahrscheinlich schneller durch.
Gruß aus Wuppertal
Stefan

Re: CCS

Verfasst: 19.03.2007, 16:53
von Dirk Janßen
sts hat geschrieben:Auf http://www.superbob.org/CC_Data.htm findest die CCS-Daten vieler Blanks und Ruten.
Vielleicht hilft das weiter.
Gruß aus Wuppertal
Stefan
Super Adresse, danke schön. Zumindest eine meiner Ruten ist in der Liste, so dass ich nun vergleichen kann.

Liebe Grüße
Dirk

Verfasst: 19.03.2007, 22:26
von TorstenHtr
Hi,

Interessant, dass du meinen Artikel gefunden hast Dirk :)

Es gibt keine AFTMA-Nummer für Fliegenruten - nur Fliegenschnüre wurden (und werden) von der AFTTA spezifiziert, d.h. du kannst keine AFTMA für Fliegenruten messen.

Die aufgedruckte Nummer ist im Prinzip eine Empfehlung des Herstellers für die Schnurklasse. Wird z.B. subjektiv durch Testwerfen ermittelt mit mehr oder weniger sinnvollen Aussagen.

Stefan,
Hallo Frank,
die ERN (effective rod number) gibt genaugenommen die Kraft an, die der Blank bei der Durchbiegung entwickelt.
Hmm, naja - indirekt schon - besser: Die Effektive Rutennummer (ERN) ist ein Indikator für die mittl. Steifigkeit der Fliegenrute. Je höher, desto steifer ist die Rute.

Der Aktionswinkel (AW - engl. AA, action angle) ist der Winkel zwischen Tangente Rutenspitze und Horizontale, bei 1/3 Rutenlänge Durchbiegung. Je höher, desto spitzenbetonter ist die Rute.
Daraus lässt halbweges die Schnurklasse ableiten. Eine 5er Rute hat demnach einen ERN zwischen 5 und 6, eine 6er Ruten zwischen 6 und 7, usw..
Was ist eine 5er Rute?
Ja, man kann eine recht gute Abschätzung für die Schnurklasse mit der mittl. Steifigkeit bzw. ERN ermitteln. Z.B. besitzen viele Fliegenruten die für eine 5er Schnur verkauft werden eine ERN im Bereich von [5,5 - 6,5].
Auch z.B. Kyte/Hoffman oder Matschewsky/Reim zeigten diesen Zusammenhang.
Es ist allerdings strittig, inwieweit bei extrem schnellen Ruten (AA deutlich über 70) dieser Zusammenhang noch stimmt. Beispielsweise hat ein Five Rivers FT905-4 einen AA=ca. 74-77 und eine ERN von 6,8 bis 8,7 und mehr, könnte also eine bis zu 8er Rute sein.
Was ist denn eine 8er Rute? :)
Ich will es mal so ausdrücken, auch wenn diese Rute einen hohen Aktionswinkel besitzt, ist es eher unwahrscheinlich, dass jemand viel Vergnügen mit einer 5er Schnur und einer Rute mit ERN > 8 hat.

Klar, werfen kann man alles, ich hab ne DT4 auf eine Rute mit ERN 9.9 geworfen - so lange man Doppelzug benutzt und nur Überkopf wirft geht auch ein Besenstiel oder ne halbe Rute.
Der AA (action angle) beschreibt die Aktion des Blanks und gibt den Winkel an, den die Blankspitze bei einer definierten Durchbiegung hat. Je größer der AA, desto schneller die Rute.
Leider geht das im Englischen ein wenig durcheinander - schneller eigentlich nicht sondern spitzenbetonter. Die Rückstellgeschwindigkeit kann mittels eines dynamischen Verfahrens gemessen werden - Beispiel: Messung der normierten Frequenz, wobei man ein Testgewicht an die Rutenspitze hängt (Simulation Fliegenschnur). Oder die natürliche Frequenz (ohne Testgewicht), die aber schwer zu messen ist.
Wer sich näher mit CCS beschäftigt, stellt fest, dass bei gleichen Blanks häufig extrem unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden. Das gilt besonders bei Blanks mit hohen AA's. Eine Erklärung könnte sein, dass ein schneller Blank ab einer bestimmten Durchbiegung sehr schnell deutlich schneller mehr Kraft aufbaut als ein weniger spitzenorienter Blank.
Das ist aber eine Spekulation von dir :) - zumindestens wenn man sich genau an die Messprozedur hält ist die Messung der ERN sehr genau (+- 0.1).
Nein, sehr wahrscheinlich ist die Differenz durch die Produktion begründet - Prepeg's werden mit der Hand geschnitten durch die Arbeiter - viele andere Schritte sind Handarbeit - je nach Qualitätskontrolle gibt es halt eine bestimmte Varianz der Blanks. Dein Beispiel klingt natürlich schon "krass". Ich hatte mal ein Austauschmodell von einer meiner Fliegenruten gemessen, und die hatte eine 0.5 höhere ERN (bei gleicher Serie).

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 20.03.2007, 16:22
von Dirk Janßen
TorstenHtr hat geschrieben:...zumindestens wenn man sich genau an die Messprozedur hält ist die Messung der ERN sehr genau (+- 0.1)...
Das ist halt mein Problem, ich will sehen, ob meine Messprozedur hinhaut um genaue Ergebnisse zu erzielen.

TL
Dirk

Verfasst: 22.03.2007, 14:41
von TorstenHtr
Hallo Dirk,

Kritisch ist
a) die exakte Ausrichtung der Rute (mit einem Lot z.B.)
b) die Messung des initialen Durchhangs (denn die Rute biegt sich unter ihrem eigenem Gewicht schon)

Wenn du b) ignorierst kommst du auf zu hohe ERN Werte.

Für höchste Genauigkeit ist eine Digitalwaage sinnvoll; bekommt man günstig bei ebay (immer mit Kalibriergewicht kaufen!) ca. 20 Euro incl. Gewicht. Die Tabelle Gramm -> ERN habe ich berechnet und im Artikel gelistet.

Ein "mächtiger" Test ist die Bestimmung der durchschnittlichen Massendichte - z.B. zum Feststellen kopflastiger Ruten - da bin ich noch am experimentieren.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 27.03.2007, 16:45
von Red Tag
Hallo!
Angeregt durch Eure Erläuterungen habe ich das Prozedere auch mal durchgezogen. Ich muss sagen, es können sich hier (besonders beim ersten Mal) Fehler bei der Durchführung einschleichen. Daher habe ich viele Schritte wiederholt und mehrfach geprüft.
Ich bin auch an einem diesbezüglichen Erfahrungsaustausch interessiert.
Da die Links nicht alle Ruten erfasst haben, würde es sich vieleicht anbieten, hier weitere Werte zu veröffentlichen. So könnte man auch seine selbst ermittelten Werte abgleichen. Gewisse Streuung, Messfehler und Produktionstoleranzern gibt es ohnehin. Hier mal meine Werte:
Orvis ZG 8,5 Fuß (262 cm gemessen), "Klasse 5", 2-teilig, Mid-Flex-7.5
Durchhang: 3,3 cm (hab ich mehrfach geprüft - es wurde nicht mehr :shock: )
ERN: 7 (mittels Waage - Zielhöhe erreicht bei 137g)
AW: 72°
Idealerweise hat noch jemand die Rute "durchgemessen", dann würde ich mich natürlich über die ermittelten Werte zum Vergleich freuen. :D
Die Interpretation des ERN-Wertes ist nun auch wieder interessant. Hab ich jetzt eine "7er Rute"? Subjektiv verträgt sie vieleicht ein wenig mehr als Kl.5, aber nicht viel.
Hier kommen mir Zweifel ob das Messverfahren soviel Sinn macht oder ob das "Expertenwissen", dass in den Tabellen steckt, so korrekt ist. Besteht hier (Rückschluss von ERN auf "Rutenklasse") eine Abhängigkeit vom Material (fragt der Laie)? Expertenwissen-Tabelle für IM8-Carbon o.ä.?
Werde demnächst noch meine 6,6Fuß Exori ClassicFly Kl. 3/4 testen, die fische ich bevorzugt mit einer 5er Schnur. Mal sehen, was dabei raus kommt. Hoffe das Messverfahren berücksichtigt noch die Länge von 1,98m. Bin gespannt auf weitere Erfahrungen, Anregungen und Werte eurerseits. Danke und Gruß Rob

PS: Sonntag geht's wieder los :D :D :D

Verfasst: 27.03.2007, 21:54
von TorstenHtr
Hi Red Tag,

Deine Rute scheint in der Tat recht steif für eine 5er Schnur zu sein. Viele Ruten für 6er Schnüre besitzen diesen ERN Wert. Allerdings hat deine Rute auch einen hohen Aktionswinkel, meiner Erfahrung kann man ein größeres Band von Fliegenschnüren mit solchen Ruten werfen (weil die Spitze recht flexibel ist).
Zu steife Ruten für die angegebene Schnurklasse haben insbesondere Schwächen beim Rollwurf - es geht irgendwie aber nicht besonders ideal.
Im Prinzip ist das ähnlich einer Glockenkurve - je weiter man sich vom Mittelwert entfernt desto unwahrscheinlicher - in diesem Fall die Wahl der Schnur. Die ERN ist eine sehr gute Abschätzung dieses Mittelwertes.
Eine Sage XP 590 z.B. die wohl eine der besten Ruten (-> siehe diverse Reviews) ist für diese Schnurklasse hat eine ERN von ca. 5.5-6.0 und einen AW von 70.

Ich habe die Werte mit den beiden anderen Verfahren verglichen (15° Methode v. Matschewsky/Reim, Verfahren v. Kyte/Hoffman) - Ergebnisse waren sehr ähnlich.

Anscheinend git es aber schon einen gewissen Trend zu steiferen Ruten. Vielleicht beeinflusst durch die Distanz-Wettbewerbe und Schnüren wie die Expert Distance.

Das Material selbst beeinflusst IMHO nicht sehr (die subjektive) Schnurklassifikation, sondern eher wie stark die Rute nachschwingt und die Rückstellgeschwindigkeit.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 28.03.2007, 13:21
von Red Tag
Hallo Torsten!
Erstmal vielen Dank für Deine Antwort.
Ich habe zwischenzeitlich meine kleine Bachrute getestet; hier die Werte:
Exori ClasssicFly (nicht Evolution) 6,6ft, Kl. 3/4, 2-teilig
Länge gemessen: 196 cm
Durchhang: 2 cm
ERN: 7 :shock:
Arbeitswinkel: 70°
Entweder mache ich etwas Grundlegendes falsch, das Messverfahren stößt aufgrund der geringen Rutenlänge an seine Grenze oder man rechnet einfach ERN - 2 = Schnurklasse. :D :?
Am besten interpretiert man die Werte so wie Du. :idea:
Rein interessehalber: wieviel ERN-Abweichung entsteht durch den Overlap? (Ich wollte nicht nocheinmal umspannen)
Danke und Gruß
Rob

Verfasst: 28.03.2007, 14:32
von TorstenHtr
Hallo Red Tag,

Wenn es die gleiche Exori-Rute ist, die mein Kumpel besitzt - kann ich mir diesen Wert vorstellen. Ich hatte sie kurz in der Hand, das war wirklich ein "Besenstiel" - er war selbst auch enttäuscht von der Rute. Er meinte für Trockenfliegen (Gebetsroiter Stil) geht sie aber für Rollwürfe, Nymphen eine Katastrophe.

Leider gibts bei den Billigruten öfters solche "Ausreisser" - ich hatte auch solche Fälle, die nicht wirklich gut mit der angegebenen Schnurklasse arbeiten. Ein Beispiel war meine Loop 8/9 - die kam mir immer schon sehr weich vor, hatte sie mal einem Angelkollegen gegeben. Er meinte fühlte sich eher wie eine "6/7er" an - was ich auch bestätigte als ich später die ERN gemessen hab.

Der Unterschied beträgt ca. 0.2 ERN - Magnus Agnus misst für Flyfishing & Flytying immer mit den Ringen nach oben, ich denke das genügt.

Bis dann..
Torsten

Verfasst: 28.03.2007, 21:25
von Rolf Renell
Die Werte für die Exori stimmen durchaus wie Thorsten vermutet,eine nette Rute ,die allerdings in der Praxis mit einer 5er Schnur geworfen werden müsste.

@Dirk,@Thorsten ,habt ihr mittlerweile Listen oder Aufführungen von Testergebnissen bestimmter Ruten die man mal hier einstellen könnte?

Beste Grüsse ,Rolf

Verfasst: 29.03.2007, 15:50
von Dirk Janßen
Rolf Renell hat geschrieben:@Dirk,@Thorsten ,habt ihr mittlerweile Listen oder Aufführungen von Testergebnissen bestimmter Ruten die man mal hier einstellen könnte?
Ich hab nächste Woche Urlaub, vielleicht schaff ich es dann, alle auszumessen.

Gruß
Dirk