Hi, ich bin zwar Fliegenfischer-Anfänger. habe jedoch Erfahrung mit den besprochenen Fischarten und der Örtlichkeit, daher trotzdem hier ein Beitrag.
Ich fische ausschließlich auf El Hierro, strukturmässig eher mit Teneriffa als mit Gran Canaria zu vergleichen, dennoch nicht allzu weit weg. Ich habe ungefähr 10 Trips nach El Hierro hinter mir (Familie besuchen, deswegen immer dort), allerdings 9 davon mit der Spinnrute und erst kürzlich habe ich die erste Reise nur mit der Fliegenrute im Gepäck angetreten, weswegen meine Ausführungen zum Fliegenfischen etwas mit Vorsicht zu geniessen sind.
Vorweg: Angelschein beim Cabildo oder im Touristenbüro holen. Wird meist zugeschickt, daher Quittung als vorläufigen Ersatz mitnehmen.
Ausrüstungsgegenstände die m. M. nach wichtig sind:
Schnurkorb, Bindestock mit Tischklemme und Bindematerial aufgrund des hohen Fliegenverschleißes, 8er Ersatzrute, Ersatzschnur, verschiedene Schnüre, zum Einsatz kommt meistens die Schwimmschnur, hin und wieder eine fast sinking um richtig tief zu fischen, Polbrille, geeignetes Schuhwerk und Käppi (muss). Alles andere kann man vorort improvisieren. Grünes Marabou mitnehmen oder ein paar fertiggebundene Meeräschenfliegen für ruhiges Wetter.
Der Fliegenverschleiß ist hoch, bedingt durch das schwierige Werfen. Die Felsen fallen oft steil ab und man hat teilweise Bergwände oder steile Küstenabschnitte im Rücken, die Fallwinde mit Sturmstärke begünstigen. Dies ist auf El Hierro sicher schlimmer als anderswo, bedingt, durch die Topographie der Insel. Es ist damit zu rechnen, dass über Wochen eine 6 bläst, vor allem im Winter. Bei Fallwinden in Böen wird oft die ganze Schnur in die Felsen verdriftet, daher ist oft die Fliege weg. Auf besseres Wetter warten lohnt aber nicht, deshalb einfach probieren. Leider muss man auch meistens in eine recht hohe Schwell werfen, nützt aber auch nichts. Man kann natürlich auch irgendwo im Hafenbecken fischen, ist aber nicht so mein Fall, obwohl da auch Fische sind.
Das Fischen von den Felsen ist gefährlich, den Platz mindestens 10 min beobachten und die Wellen im Auge behalten. Gezeiten beachten. Nicht nur wegen der Beisszeiten (experimentieren, meist um den Tidenwechsel herum gut, kommt drauf an, wann die Hochtide ist, z.B. nachmittags bei auflaufendem Wasser), sondern auch darauf achten, dass einem die Flut bei rauem Wetter nicht den Rückweg abschneidet. Viel Klettern bringt auch leider meistens erst den Fisch, daher müsste man sich auf das Klettern in den scharfen Felsen einstellen.
Plätze suchen mit starken drop offs, wenn möglich mit Gischt um die Felsen. Man kann es mit etwas herumprobieren für sich ausnutzen, wenn man einen Schnurbogen um die Felsen legt und mit der sich zurückziehenden Welle eine hohe Einstrippgeschwindigkeit erhält, ohne den Kontakt zu verlieren. Leider killt dies das Spiel der Fliege. Es ist oft schwierig, deutliche Strippstopps anzubringen, weil durch den permanenten Wind, Strömung und die Wellen ständig Druck auf der Schnur ist und eine leichte Fliege dadurch ‚unnatürlich in einer geraden Bahn daher fährt’. Wenn’s irgendwie geht, würde ich versuchen, dagegen an zu gehen und den Wurfwinkel ändern. Ich hatte zunächst die Fliegen stark beschwert gebunden, um mehr Spiel zu bekommen, klappte aber nicht so gut. Hin und wieder mal ein starker Zug, um die Geschwindigkeit zu variieren, ging besser.
Das permanente superschnelle Einstrippen kann auf den Kräftehaushalt gehen, daher mache ich das erst, wenn sich Fisch zeigt oder zwischendurch mal. Die Grenze zwischen blauem Wasser und sauerstoffdurchsetztem Wasser ist gut, da die Fische wissen, dass wenn die Beute im Weisswasser verschwindet, die Chance auf die Mahlzeit vorbei ist, deshalb möglichst ins Blaue werfen und schnell aufs Weisse zustrippen, wenn es situationsbedingt möglich ist. Wenn der Angelplatz komplett mit Gischt überdeckt ist, fische ich meist lieber woanders. Die Fische finden hier allerhöchstens noch laut klappernde, handlange Popper mit der Spinnrute geworfen, aber die Fliege nicht. Die Fliege vor der Gischtkante stehen lassen ist auch mal einen Versuch wert. Auf grosse Steine oder sichtbare Kanten schnell zustippen, ist auch eine gute Idee.
Medregal (Bernsteinmakrele):
Leider sind an der Küste meist nur kleinere Exemplare so um die 1 - 2,5 kg zu erwarten, die ziehen aber recht kräftig an der 7er Rute in Richtung nächstes Riff

Vorfach 0,35 Stroft, darunter wird’s kritisch, eher kräftiger wählen. An manchen Stellen muss man die Fische am Vorfach aus dem Wasser heben... Popper funktionieren gut, Clouser Minnow etc. an der Schwimmschnur geht auch. Was subjektiv nicht gut lief, waren beschwerte Toby-artige Epoxyfliegen. von denen ich mir mehr versprochen hatte. Wahrscheinlich ist das starke Jigging dieser Fliegen kontraproduktiv. Die natürliche Nahrung, die kleinen Fische an der Oberfläche, jiggen auch nicht auf und ab. Große Fliegen, weiss, gelb, blau, schwarz schnell an der Oberfläche geführt, gingen eindeutig besser. Die Clouser Minnows habe ich später nur noch wenig beschwert gebunden, nur mit Kettenaugen ohne Bleiwicklung. Meiner Meinung nach müssten zu schwere Fliegen immer voll Power einstrippt werden, da sie sonst zu gut gesehen werden, weil unterhalb der Oberfläche geführt. Alles, was nicht klar identifiziert werden kann, hat eher eine Chance, attakiert zu werden.
Leider sind die Medregales meist in nur kleinen Trupps unterwegs, deswegen hat man meist nur ein, zwei Chancen am Nachmittag. Der Rest des Tages geht mit Spielereien mit Sinkschnüren, Fliegenmustern etc schnell vorbei. Wenn die Fische da sind, nicht rumtrödeln...
Auf Sicht fischen ist schwierig, da die Fische meist aus grösserer Tiefe hochgeschossen kommen und man daher erst den Nachläufer entdeckt. Dann aber fix erneut anwerfen! Wenn keine Reaktion mehr auf den Clouser kommt, schnell den Popper antüdeln. Der Fliegenwechsel kann es noch mal bringen.
Baracuda, Bicuda:
Grössenmässig habe ich in 10 Trips noch nichts Sensationelles gefangen, man kann Fische zwischen 2 und 3 kg aber super für die Küche verwerten. Mit der Fliege sind die Fische im Jugendstadium nicht einfach zu fangen. Mit treibenden Naturködern geht das besser, die Einstrippgeschwindigkeit ist dann völlig belanglos. Vielleicht liegt es daran, das die Fische in der Größenordung noch Allesfresser sind und noch nicht auf das schnelle Jagen eingestellt sind....Spekulation.... Oft sieht man große Schwärme von Jungfischen beim Schnorcheln, die völlig teilnahmslos am Strand abhängen.... erst schnorcheln, dann mit der Rute wiederkommen geht auch : ) Das empfiehlt sich sowieso, um sich ein Bild über die Beutefische zu machen.
Wenn man die Fische gefunden hat, kann man sich etwas mehr Zeit lassen und dies und jenes probieren, da sie viel länger um den Felsen stehen als die Bernsteinmakrelen. Sandige Untergründe mit großen Felsen sind nicht schlecht.
Ich bin mir nicht ganz sicher, warum es so schwierig ist, mal einen grösseren Baracuda abzupassen, wahrscheinlich liegt es an der grossen Wassertiefe des Revieres. Wenn da jemand in Zukunft Erfahrungen sammeln kann, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.
Aguja (Hornhecht)
Werden grösser als in der Ostsee und machen dementsprechend mehr Zores an der Fliegenrute. Genau wie zu Hause sind sie schwierig zu haken. Es geht mit kleinen Fliegen einfacher, jedoch je größer die Fliege, desto attraktiver ist sie, da die Beutefische ein wenig größer sind als zu Hause. Vielleicht mal einen Tandem bauen, entsprechen kurzschenklige Haken einpacken. Für den Einstieg der perfekte Zielfisch.
Abae Marron (barschartig, brauner Fisch)
An der Sinkschnur dicht am Felsen mit Garnelenimitationen sind sie gut zu fangen. Absolut spektakuläre Bisse, der Fisch kommt wie ein D-Zug aus der Tiefe geschossen.
Soviel zu den Aussichten. Generell wird auf den Kanaren viel zu selten mit der Fliege gefischt...ich finde es aber absolut empfehlenswert, zumal man ja auch recht günstig dorthin kommt und man viel Salzwassererfahrung sammeln kann. Die Fangaussichten sind meiner Meinung nach recht gut, aber sehr stark vom Wetter und der Jahreszeit abhängig und nicht sehr gut berechenbar. Mein letzter Trip war eher mässig mit 2 x Medregal, 0 x Barracuda, 1 x Marron und ein paar Hornhechten auf 7 Tage verteilt. Die Erfahrungen vom Spinnfischen auf das Fliegenfischen zu übertragen, war doch nicht so leicht...... Die Fänge waren hart erarbeitet, dafür ist die Fischerei wegen des Klimas und der Spannung durch die gute Sicht im klaren Wasser immer wieder toll und sehr erholsam.