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seltsames Fundstück

Verfasst: 29.11.2012, 11:27
von elchvieh
Mahlzeit!

Gestern Abend ist uns beim Aufräumen in unserem Schießstand diese Rute in zwei Teilen aus einem vergessenen Winkel entgegengepurzelt. Niemand vom Vereinsteam kennt sie oder weiß wie sie ausgerechnet auf einen Großkaliberschießstand geraten ist. Kann sein das sie noch om Vorgängerverein stammt, aber dann wäre sie mehr als 20 Jahre alt, was wir kaum glauben können.

Bild (Verzeiht die Bildqualität aber ich hatte nur das Telefonino zu Hand)

Könntet Ihr mir vielleicht und freundlicherweise etwas über diese Rute erzählen? Sie ist geschätzte 7/8 " lang, sehr leicht und weich und allem Anschein nach aus irgendeinem Holz. Es findet sich keinerlei Beschriftung oder Marke oder sonst einen Hinweis auf Herkunft o.ä.. Die Schlangenringe sind mit schwarzer Fadenwicklung befestigt (bis auf den ersten, der nicht zu den anderen paßt und mit einem klaren Klebstoff leider schief aufgeklebt wurde. Sie ist eben zweiteilig und die Steckverbindung und der Rollenhalter scheinen aus rostfreiem Blech oder Aluminium zu sein.

Macht es Sinn die Rute aufzubewahren, sie eventuell mal mit ans Wasser zu nehmen (dann müssten wir aber erst mal nach einer passenden Rolle suchen. Die Rollenfüße unserer Rollen sind zu groß). Oder sollen wir sie schlichtweg entsorgen?

Was meint Ihr, fragt
das Elchvieh

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 29.11.2012, 12:08
von Martin 1960
Hallo Elchvieh.

Das Material ist wohl ein Faserverbund.
Wie ich mich erinnere, waren in den 70er Teleskopruten daraus gebaut.
Zwar leicht, aber immer mit großen Durchmessern,
und bricht bei Überlastung ohne Vorankündigung ( Kacken, Knistern).

So eine Rute habe ich, GB , mit einer Centerpinrolle gesehen,
deswegen ist wohl auch der Schraubrollenhalter so klein.

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 29.11.2012, 18:04
von Frank.
Zwei solcher Ruten fliegen bei mir auch noch herum, eine stammt von Sportex, eine von D.A.M. Das Material nennt sich Hohlglasfaser oder auch Hohlfieberglas und wurde um 1969 populär. Extrem leicht und, wie erwähnt, sehr bruchempfindlich.

Die Ruten werfen sich ziemlich gut, sind sehr, sehr weich in der Aktion. Zum ganz feinen Fischen sind sie gar nicht mal soo schlecht - wahrscheinlich hat die extreme Empfindlichkeit dazu geführt, dass sie sich nicht durchgesetzt haben. Ein großer Erfolg waren damals die Teleskopruten aus diesem Material.

Dein Frank

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 29.11.2012, 18:56
von Olaf Kurth
Lieber Josef Anton,

persönlich finde ich es nicht so toll, ehemalige Gebrauchsruten - so sie denn noch funktionstüchtig sind - ins Abseits zu stellen. Solche Ruten aus Verbund- oder Glasfasermaterial haben zu ihrer Zeit Freude gebracht. Sicher, ihre Komponenten sind heutigen "HIgh-Tech-Super-Dynamik-End-Wie-auch-immer-Ruten" in einigen Punkten unterlegen, dennoch sollte sie ihre Aufgaben bewältigen. Selbst habe ich vor Jahren eine uralte Pezon&Michel Glasfaserrute in 10,6 als 6er Rute auf einem Flohmarkt für kleines Geld erstanden. Die Ringe meiner Rute wurden wohl auch mal nachjustiert, das zeigen die schlechten Wicklungen. Dennoch, mit diesem alten Schätzchen lege ich Rollwürfe in Zeitlupe hin, da dreht sich mancher noch eine Zigarette, bevor meine Fliege wieder im Wasser landet.

Mein Tipp: Gib der Rute ein neues Zuhause, sprich mit ihr und hör genau hin, vielleicht birgt sich manch interessante Geschichte. Ich kenne keinen Fliegenfischer, der eine alte Rute "entsorgt" hat. Das ist eine frevelhafte, unredliche Tat und wird hart bestraft.......... 8)

Liebe Grüße,

Olaf

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 29.11.2012, 20:06
von elchvieh
Guten Abend!

herzlichen Dank für die Informationen.

Wir, das heißt unser Obmann und meine Geringfügigkeit waren verblüfft als uns beim Aufräumen aus einem vergessenen Winkel bzw. dem dort abgestellten Schrank erst die eine dann die andere Hälfte entgegenfiel. Wer erwartet auch schon eine Fliegenrute in einen Großkaliberschießstand zwischen Gerümpel und Werkzeug.
Da wir (beide F.fischer, fast die einzigen im Schützenverein) sie nicht kannten und nur den verschluderten Zustand sahen, kam die Überlegung was tun? Wegwerfen ist an und für sich nicht gerade unsere Lebenseinstellung - eher schon "Messie"-tendenzen.

Aber in dem Fall macht es durchaus Sinn sie zu reinigen, wieder herzurichten, den schiefen ersten Ring abzulösen, gerade aufzusetzen und zu versuchen eine Rolle dafür zu finden.

Das sie aus einem Verbundwerkstoff ist, da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen. Gewiss, sie ist relativ dick, aber der Werkstoff sieht aus wie Buchenholz. Wenn sie tatsächlich aus den 70iger Jahren stammt, muß sie seit mindestens seit 1980 in dem Schrank gelegen haben, denn da hat unser Verein den Stand übernommen und da wir eben nur 3,5 F.fisscher im Verein sind, kennen wir natürlich unsere Ruten. Erstaunlich! Erstaunlich!

Ich seh schon, ich hab für die beginnenden Ferien eine neues Projekt...
Vielen Dank! sagt
das Elchvieh

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 30.11.2012, 08:33
von Philzlaus
Buchenholz wäre doch etwas steiff :) Solche alten Ruten muss man echt mögen. Ich habe daheim auch noch eine alte, glaub Pezon & Michel daheim liegen. Die biegt sich trocken schon so derart durch das man glauben könnte da wäre schon ein Fisch drann. Jeder Lindenast ist bocksteif dagegen. Irgendwie kann ich mich hier nicht dafür erweichen sie zu fischen.

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 30.11.2012, 12:03
von Martin 1960
Hallo Elchvieh.

Interessant wären noch ein paar Fotos der Rute,
denn altes Angelgerät hat seinen Charm.

Bitte verstehe mich nicht falsch,
aber ich glaube, dass ein Wiederaufbau, zur Nutzung, wenig Sinn macht, leider,
etwaiger Aufbau zum Sammler-, Vitrienenobjekt schon.

Dieses Verbundmaterial wird, durch das Altern, extrem weich
und das Verbundmaterial wird wohl "zwischenzeitlich"
auch die notwendigen Weichmacher komplett verloren haben,
was es noch bruchempfindlicher macht. (liest sich im ersten Moment widersprüchlich, ich weiß).

Bezüglich Verbundmaterials gibt es Infos bei eBay, eine gut gemachte Übersicht, wie ich meine.

Eine Gute Informationsquelle für altes Angelgerät ist das Forum altes-angelgeraet

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 30.11.2012, 12:17
von Frank.
Philzlaus hat geschrieben:BIch habe daheim auch noch eine alte, glaub Pezon & Michel daheim liegen. Die biegt sich trocken schon so derart durch das man glauben könnte da wäre schon ein Fisch dran
Lieber Philipp,.

das ist aber keine Gespließte, oder?

Dein Frank

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 30.11.2012, 12:39
von Maggov
Hallo Elchvieh,

ich bin bekennender Hohlglas-Fan und Fischer. Das mag daran liegen dass ich das Fischen mit diesen Ruten begonnen habe (allerdings nicht das Fliegenfischen) und mir die Aktion der Hohlglasruten einfach liegt. Sie haben durchaus Ihre Nachteile aber ich finde sie robuster als manch eine hochmodulierte Kohlefaserute und die Aktion gestaltet den Drill nicht nur kurz sondern auch sehr schonend. Die Ruten bieten meist ein durchgehende Aktion bis in das Handteil (ich habe allerdings auch eine ältere DAM Fliegenrute bei mir die ist härter als viele Kohlefaserruten mit sog. "Spitzenaktion") und wenn man ein relativ starkes Vorfach nimmt kann man die Fische mehr oder weniger einfach "ranziehen". Die Rute agiert dann über den ganzen Blank als Puffer für die Schläge und federt diese so "zäh" ab dass der Fisch nicht ausschlitzt. Einer der Nachteile dieser Ruten ist, dass man beim Hakensetzen ein anderes Timing verwenden muss. Das stelle ich nicht nur bei mir selbst fest sondern v.a. wenn ich andere mit den Ruten fischen lasse. Am Anfang verhaut man viele Fische...

Auch das Argument dass das Material "veraltet" sei wird ein wenig dadurch entkräftet dass Hersteller wie Hardy, Vision, Scott und auch in DE weniger bekannte Ausstatter wie Cabellas in den Staaten wieder Glasfaserruten in das Sortiment wieder auf genommen haben. Meist für recht niedrige Schnurklassen und die feine Fischerei denn da spielen sie die Stärken wirklich hervorragend aus. Da ich sehr gerne in Bächen fische sind eine 6 Fuss Fenwick sowie eine 6,6' Rute von Cabellas derzeit meine absoluten Lieblingsstöcke für die Trockene und ich fische diese auch oft an grösseren "Bächen" mit 6-10 Meter Breite mit der Trockenen.

Die Aktion dieser Ruten ist oft sehr durchgehend (andere sagen "Schwabbelig") und ein Fischerkollege meinte neulich am Wasser die Rute sei nichts für Anfänger. Wahrscheinlich trifft das auf meine sehr weichen Modelle gut zu, es gibt aber auch Fieberglasruten (z.B. die neue Reihe von Scott) die durchaus schneller sind.

Die Preise der Ruten halten sich bei den alten Modellen sehr in Grenzen. Die Fenwickruten verkaufen sich auf Ebay noch passabel (in den Staaten liegen beliebte Modelle bei den Versteigerungen so bei 100-150 $) aber die meisten Fieberglasruten werden wohl weder den Sammlerstatus wie alte Gespliesste erreichen noch wirklich rentabel restauriert und verkauft werden können (wenn man die Restaurierung zahlen muss).

Deshalb wäre meine Empfehlung: Wenn die Rute noch fischbar ist -> ab ans Wasser damit und ausprobieren. Wenn nur ein paar Ringe nachzubessern sind und Du jemand kennst der Dir das unkompliziert macht würde ich es ebenfalls auf einen Versuch ankommen lassen. Du läufst lediglich Gefahr Dich eines Tages mit einem Schmunzeln und dieser Rute am Wasser wieder zu finden... und dass Dich manche für etwas merkwürdig und verschroben halten (wegen der Rute meine ich hier ;)...).

Wenn nicht hängt sie als Deko an die Wand im Vereinsheim. Zum Wegwerfen ist sie allemal zu schade!

LG

Markus

Re: seltsames Fundstück

Verfasst: 30.11.2012, 14:00
von Philzlaus
Frank. hat geschrieben:
Philzlaus hat geschrieben:BIch habe daheim auch noch eine alte, glaub Pezon & Michel daheim liegen. Die biegt sich trocken schon so derart durch das man glauben könnte da wäre schon ein Fisch dran
Lieber Philipp,.

das ist aber keine Gespließte, oder?

Dein Frank
Nene. Die sieht ähnlich aus wie welche hier gepostet wurde. So Holzoptik. Bei einer gespielsten hätte ich schon meine Freude.