Hallo Jürgen,
Zweihandwedler hat geschrieben:Hallo,
ich habe früher viel mit der Kopfrute gestippt.Dort war es oft so, das die Materialien der High-end-Stippen jenseits von 6000€, ein paar Jahre später im Mittleren Segment (2000-1000€)und später im unteren Preissegment (u 1000) aufgetaucht sind.Zum Teil sogar die identischen Ruten, die unter mehreren Labeln auftauchen.
Weiss einer ob dies bei Fliegenruten ebenfalls so ist?
nach meiner Erfahrung ist das bei Fliegenruten nicht vergleichbar.
Bei Einhand-Fliegenruten aus Kohlefaser die in Serienproduktion hergestellt werden, ist nach meiner Erfahrung zur Zeit bei ca. €1300 schluss. Die teuerste die ich derzeit kenne ist die Hardy Artisan 10' #7 für €1299. Gibt bestimmt noch viel teurere Einzeanfertigungen bzw. Kleinauflagen.
Aber einige der "Klassiker" im Kohlefaserbereich: Winston IM6 (bzw. WT), SAGE LL, SAGE RPL wurden später eher teurer als billiger, aber blieben mindestens wertstabil (20 Jahre). Die neuen Ruten beim Fliegenfischen sind leichter und haben ggf. weniger Durchmesser, aber ob sie besser sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Alte gespliesste Ruten aus Bambus sind heute wohl fast ausnahmslos teurer als früher.
Ob das in der Praxis Sinn macht bzw. für den hohen Preis man wirklich einen entsprechenden besseren Gegenwert in Bezug aufs Fischen erhält, bleibt dahingestellt. Wenn man gut auswählt würd ich bis ca. €400 bei Kohlefaser noch gewisse Qualitätssteigerungen sehen, aber auch da mit Vorbehalt.
Es gibt wohl kaum einen Bereich im Fischen wo die Rute soviel Einfluss hat, wie beim Fliegenfischen. Präsentation der Fliege und Drill sind gleichermaßen wichtig und fangentscheidend. Quasi alle 20-30 Sekunden kommt die Rute beim Wurf zum Einsatz. Mit den Vorfächern ist man immer eher am unteren Limit, somit ist jeder bessere Fisch von der Aktion der Rute in Verbindung mit dem Können des Fischers abhängig.
Fliegenfischer haben von Weidenstöcken, Bambus bzw. SplitCane, Stahlruten, Fieber- bzw. Hohlglas über Kohlefaser alles durch. Und es ist wohl "DER" Bereich im Fischen, wo Kohlefaserruten wirklich zur Geltung kommen.
Klar kann man Rotaugen mit ner €6000 Kopfrute stippen, aber in Bezug auf Präsentation bzw. Drill ist es dem Rotauge wohl egal und auch nicht fangentscheidend. Solch ein perverser Preisverfall zeigt doch nur, wie sehr einen die Marketing Abteilungen der entsprechenden Firmen vorher erfolgreich verarscht haben.
Ich bin bei all diesen Sachen immer ein Freund von Blindtests. Augenbinde oder abgeklebte Rute und dann die Wertigkeit im Vergleich erläutern. Wenn man die tollen Design Schriftzüge nicht mehr erkennt, dann schmilzt das Marketing ganz schnell zusammen ...
Und wir fischen heute noch, bzw. wieder gerne mit €30 Fieberglasruten und Rollen ohne Bremse an vielen berühmten Fliegenfischerstrecken Europas - man fällt natürlich unangenehm auf, weil die alte Rolle so laut beim Drill knarrt ... sorry!
LG,
Olaf