Fliegenfischen im Heartland der Vereinigten Staaten
Ein Reisebericht und Fotos von P.W. (vollständiger Name liegt der Redaktion vor)

Fliegenfischen in den USA – da denkt man normalerweise gleich an die dicken Lachse in Alaska, oder die kämpferischen Steelheads aus dem Westen der USA. Darum geht es aber diesmal nicht. Wir schauen uns heute mal im mittleren Westen um, der auch liebevoll Heartland genannt wird. Aus beruflichen Gründen war ich für einige Zeit im südlichen Missouri (kurz MO). Es ist ein Bundesstaat mit viel Wald und Viehweiden und er erinnert vielleicht etwas ans heimische Mittelhessen. Auf den Highways, die die Hügel der Ozarks durchziehen, rollen gemütlich Trucks und Pickups und natürlich gibt es hier überall saftige Steaks vom Grill - American Countryside eben. Obwohl MO relativ dicht besiedelt ist und man ständig an kleinen Orten oder einzelnen Farmen vorbeifährt, bleibt - auch wegen der extensiven Weidewirtschaft - immer noch viel Platz für die Natur. Armadillos und Schildkröten sieht man eigentlich überall. Weißwedelhirsche (deer) kreuzen oft, und Koyoten manchmal den Weg. Auch die scheuen Pumas und Schwarzbären sollen hier leben. In MO habe ich allerdings keine gesehen, denn diese leben sehr zurückgezogen tiefer in den Waldgebieten… wobei ich auch nicht sicher bin, ob ich so einem Gesellen auf meinen Angeltrips wirklich begegnen möchte.
Hier in MO sind auch die Stauseen, in denen die kapitalen Walleyes und Bass gefangen werden, und so dachte ich gleich mal an eine Angeltour. Angeln ist hier nahezu ein Grundrecht und die Jahreserlaubnis für ganz MO kostet, auch für einen alien resident wie mich, fast nichts – mit trout stamp sind wir mit gut 20 Dollar dabei, na dann mal los! Aber völlig unerwartet eröffneten sich neue Perspektiven, als mir ein Arbeitskollege vom Fliegenfischen hier um die Ecke erzählte. Denn obwohl in der Gegend auf den ersten Blick eigentlich kein klassisches Fliegenfischerrevier ins Auge sticht, ist Fliegenfischen doch recht populär und es gibt auch so einige Möglichkeiten. Da ich bisher noch nie mit einer Fliegenrute gewedelt, sondern eher Würmer gebadet hatte, vermittelte er mir etwas Basiswissen, zeigte mir einige Techniken, bestückte mein erstes Fliegensortiment und beriet mich beim Kauf der Ausrüstung. Ich deckte mich also im gigantischen Outdoor headquarter um die Ecke – äußerst günstig – mit meiner ersten Fliegenfischergarnitur ein und ließ nun dafür meine Spinnrute meist im Schrank. 
Und nun – learning by doing – wurde am Teich hinter dem Haus das Werfen geübt. Nach einigen Loops die eigentlich gar keine waren, und nach erfolgreichem Platzieren der Fliege in der hinterrücks wartenden Botanik, gelang es doch bald, halbwegs anständig die Fliege aufs Wasser zu legen. Zack! Ein kleiner Schwall... Hallo? Ich konnte nicht fassen, dass nach meinen ersten stümperhaften Anfängerversuchen gleich ein Fisch Interesse zeigte. Ein kleiner Bluegill hatte die Fliege genommen und zupfte nun an meiner Rute. Unglaublich, ich habe tatsächlich einen Fisch mit der Fliege gefangen! Regelmäßig nach Feierabend wurde nun am Teich, zwischen Schnappschildkröten und begleitet vom sonoren Konzert der Ochsenfrösche, auf Bluegill gefischt. Die Bluegills, und auch die Green Sunfish, waren nicht besonders vorsichtig, und so gab es immer Erfolgserlebnisse. Schwieriger zu überlisten waren dann schon die Kentucky Bass. Kaum gehakt führten diese einen schönen Tanz mit einigen Sprüngen auf und schossen danach regelmäßig ins Kraut. Da musste man schon etwas Zug auf die Schnur geben, um den Gehakten davon zu überzeugen nicht den Weg in die Vegetation zu nehmen. Einige Male nahmen auch kleinere Welse Nassfliegen, und die bogen meine 5er Rute auf ihren ungestümen Fluchten ganz schön durch. 
Nach diesen ersten Erfahrungen und diversen Übungsstunden fühlte ich mich für einen Trip zum Fluss gewappnet. Die Wahl fiel auf den Bryant Creek, ein Flüsschen mit relativ warmem Wasser, so wie es der Smallmouth Bass liebt. Für diese Kandidaten wird oft ein Popper als Fliege verwendet. Diese Trockenfliege mit Schaumkörper wird so angezupft, dass sie auf der Wasseroberfläche leicht „ploppt“ und den Fisch zum Anbeißen verleitet.
Ich konnte Smallies aber auch mit langsam geführten Streamern überlisten. Diese Fische sind wirklich kleine Kraftpakete und außerdem lieben sie es zu springen. Bereits ein Fisch von 25 cm biegt die Rute ordentlich durch und man darf sich auf einen richtigen Fight gefasst machen.
Für das Fliegenfischen in den Sommerwochen, wenn die Sonne so richtig brennt und das Wasser, in dem man watet eher wärmt als kühlt, habe ich einen hübschen schmetterlingsumflatterten Bach gewählt, der sich durch die hügelige Weidelandschaft bei Mountain Grove windet. Große Fische findet man hier wohl kaum, aber dafür eben mehrere Arten in größerer Anzahl. Es ist hier besonders der Longear Sunfish, der viel Freude bereitet. Diese handtellergroßen und wunderschön gezeichneten Fische nehmen gerne die Griffith´s Gnat oder kleine Nassfliegen, die sachte durchs Wasser gezupft werden. Nebenbei fängt man auch verschiedene Arten der allgegenwärtigen Minnows, die dem heimischen Döbel etwas ähnlich sehen.
Ein besonderes Erlebnis der entomologischen Art war ein hatch von Hexagenia, als diese großen Eintagsfliegen über dem Wasser zahlreich auf und ab tanzten. Die Fische beachteten allerdings mein Hexageniamuster nicht wirklich und ich fing nach wie vor mit den kleinen Nassfliegen besser.
Im Herbst, wenn im Indian Summer das Laub in der Sonne erglüht und die Nächte beginnen, etwas kühler zu werden, dann kann man sich darauf vorbereiten, den Forellen an die Flossen zu gehen. Die North Fork of the White River, kurz Norfork genannt, fließt in den Norfork Lake und wurde bald zu meinem Lieblingsfluss. Nicht nur wegen der Forellen, sondern es ist einfach ein schöner Fluss, den man am besten mit einem Kanu (kann man mieten) erkundet – wobei die Rute natürlich an Bord sein sollte. Es gibt aber auch einige gute Stellen, meist an Brücken, bei denen ein direkter Zugang zum Ufer möglich ist (z.B. Patrick´s Bridge oder Blair Bridge). Dort konnte ich so einige Regenbogenforellen (Rainbows) und Bachforellen (Brownies) überlisten. Ansonsten sind die Uferbereiche entweder privates Land, oder wegen dichter Bewaldung und Felswänden kaum zugänglich. Ein Kanu oder eine Wathose sind also schon zu empfehlen. Eine breite Palette von Mustern ist fängig, aber mit einer hellen Nassfliege oder Emergern fing ich hier am besten. Wenn die Fische steigen, waren meist auch Trockenfliegen, z. B. Dun, Adams, oder Midge fängig. Bis auf einen Tag im November, als die Forellen bei einem hatch kleiner Mücken im Sekundentakt stiegen, meine angebotenen Trockenfliegen aber völlig ignorierten. Mit einer Nassfliege hat es dann aber am Ende doch noch geklappt.
Im Winter konnte ich mit schlanken hellbraunen Streamern, oder eben Nassfliegen erfolgreich die Forellen auf die Schuppen legen; mit Nymphen hatte ich hier leider kein Glück. An einem Streckenabschnitt, der eigentlich viel versprechend aussah, war es mir nicht möglich einen Flossenträger zu verführen, obwohl ich einige ansehnliche Kameraden ausmachen konnte. Die Eisvögel um mich herum waren da erfolgreicher. Aber an diesem Tag segelte ein Weißkopfseeadler tief über mich hinweg, setzte sich 30m weiter in einen Baum am Ufer und beobachtete mich den restlichen Nachmittag. Bald folgte ein zweiter, offensichtlich der Partner. Nun ja, ich war dann wohl auch nicht mehr wirklich mit den Gedanken beim Fischen und beobachtete meinerseits diese imponierenden Greife, die mich auch diesen Tag ohne Biss in guter Erinnerung behalten lassen.
Einheimische Fliegenfischer versicherten mir, dass hier im Norfork auch richtig dicke Brocken von mehreren Pfund unterwegs sind, allerdings hatte ich nicht das Glück mich mit so einer Trophy Trout zu messen. Macht nichts, ich habe hier das Fliegenfischen erlernt und lieben gelernt. Auch wenn die Möglichkeiten in „meiner Ecke“ bei weitem noch nicht ausgeschöpft wurden, lohnt der Blick in die Umgebung, denn weiter südlich sind lohnende Flüsse, wie z. B. der White River und der Little Red River. Ich glaube, die Weltrekord Brown Trout wurde dort in Arkansas gefangen. Na, vielleicht das nächste Mal. Zu guter letzt: ich kann nur jedem empfehlen, für eine Reise in die USA die Fliegenrute mit einzupacken – oder vielleicht unter den günstigen Bedingungen dort einzukaufen. Egal wohin es in den Staaten auch immer gehen mag, eine spannende Möglichkeit zum Fliegenfischen gibt es ganz sicher. 
Cheers ´n´ tight lines!

So ganz nebenbei, falls man die Route66-Tour (Chicago–L.A.) fährt, kommt man automatisch in Springfield MO vorbei. Wenn man also in der Gegend ist, könnte man vielleicht hier und da mal vorbeischauen. Für ´ne Idee, klick den link:

BassPro Shops. Ein Outdoorgigant in Springfield MO:
http://www.basspro.com/homepage.html?CMID=&cm_mmc=&cm_guid=&hvarAID=
&hvarEID=&cm_ven=&cm_cat=&cm_pla=&cm_ite=

Backcountry Outfitter. Hier gibt es auch aktuelle Tipps und Infos zu Gewässern und fängigen Mustern:
http://www.backcountryoutfitters.org/

Kanuverleihs am Norfork, es gibt aber noch andere:
http://www.twinbridgescanoe.com/
http://www.riveroflifefarm.com/canoeing.html

Missouri Department of Conservation. Für allgemeine Infos über Bestimmungen und die Region:
http://mdc.mo.gov/

Trout Park im Rock Bridge County. Man kann hier auch in schönen, aber total überbesetzten Gewässern fischen, mit ebenso vielen Anglern… das war allerdings nicht mein Fall. Aber das Restaurant bietet frische und vorzügliche Forellengerichte an. http://www.rockbridgemo.com/


Ein Beitrag von P.W. für www.fliegenfischer-forum.de
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