Im trüben Wasser fischen

Wie der Name schon sagt: Vor der Haustür fischt es sich fast immer am besten. In Deutschland gibt es eine Vielzahl großartiger "Fliegenwasser". Habt Ihr Fragen oder wollt Ihr eine Empfehlung aussprechen?

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Im trüben Wasser fischen

Beitragvon AndiArbeit » 12.06.2020, 06:04

Guten Morgen!

Gestern war ich nach den Regentagen endlich wieder am Fluss gewesen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass mehr und vor allem trübes Wasser im Bächlein ist. Dies wurde bei der Ankunft auch visuell bestätigt.
Man konnte auch im ruhigen Fahrwasser vereinzelt Fische steigen und Anflugnahrung sehen. Es stellte sich aber heraus, dass es sehr schwierig wird, etwas ans Band zu bekommen. Erst nach Sonnenuntergang, noch war es ja nicht dunkel und ich meine Fliege aggressiv (zupfend, fasst wie ein Streamer) geführt habe, konnte eine Forelle verhaftet werden. Mein Kumpel ist gleich auf Streamer umgestiegen und war auch sofort erfolgreich.
Was nehmt ihr in so einer Situation oder geht ihr da überhaupt ans Wasser?

Kai
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Harald aus LEV » 12.06.2020, 08:58

Hallo Kai,

bei solchen Verhältnissen bekommen die Fische einen Schlupf kaum mit, weil sie die Aufsteiger schlicht und ergreifend nicht sehen.
In einer solchen Situation kann es helfen, eine Fliege mit mehr Volumen anzuknoten und aktiv zu führen, um eine stärkere Wasserverdrängung herbeizuführen und über das Seitenlinienorgan aufmerksam zu machen. Wie weit man dabei gehen möchte, ist natürlich eine andere Frage.
Bei hohem, trüben Wasser haben die Fische genug mit sich und der Situation zu tun.
Sie ziehen sich an Stellen zurück, die weniger der Strömung ausgesetzt sind und da sie die Nahrung nicht so gut sehen können, fressen sie auch weniger.
Die Trübung wird überwiegend durch gelöstes Sediment hervorgerufen, dass mit dem Atemwasser durch die Kiemen fließen dürfte. Ob das die Atmung beeinträchtigt, weiß ich zwar nicht, könnte es mir aber vorstellen.

Gruß
Harald
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Hawk » 12.06.2020, 10:09

Harald aus LEV hat geschrieben:Bei hohem, trüben Wasser haben die Fische genug mit sich und der Situation zu tun.
Sie ziehen sich an Stellen zurück, die weniger der Strömung ausgesetzt sind und da sie die Nahrung nicht so gut sehen können, fressen sie auch weniger.
Die Trübung wird überwiegend durch gelöstes Sediment hervorgerufen, dass mit dem Atemwasser durch die Kiemen fließen dürfte. Ob das die Atmung beeinträchtigt, weiß ich zwar nicht, könnte es mir aber vorstellen.


Hier muss man finde ich stark unterscheiden.
Hat man wirklich eine trübe Brühe mit quasi 0 Sichttiefe dann stimme ich dir zu.

Aber z.B. an meinem Vereinsbach(5m breit 30cm -1m tief) hat man die besten Chancen auf große Forellen bei Sichttiefe von 20-40cm.
Am meisten Sinn macht unter solchen bedingungen Streamerfischen, aber auch auf nymphe habe ich schon gut gefangen ( dann aber etwas größere und etwas auffälligere Muster als normal, z.B. Squirmy Worms).

Wenn man Fische aktiv steigen sieht sollte aber auch Trockenfliege klappen.
Hatte ichs o mal an der Kyll, Sichttiefe nur 40cm aber die Fische trotzdem gut am steigen, die Standen halt direkt unter der oberfläche um die Köcherfliegen sehen zu können.


Man muss sich aber auf die bedingungen einstellen und die Technik und auch die befischten Spots anpassen.
Gruß
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Achim Stahl » 12.06.2020, 13:12

Moin,

hohes und moderat angetrübtes Wasser sind Großfischbedingungen.

Die großen Bachforellen sind dann fast immer im Jagdmodus und verlassen ihre Unterstände.

Wooly Buggers in schwarz und purple, tief gefischt sind dann perfekt.


Viele Grüße!

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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon fjorden » 12.06.2020, 16:18

Hallo,
wie schon geschrieben kommen bei trübem Wasser am Bach meist die besten Fische raus. Fische schwarze größere Fliegen, oder schwarze Goldkopf, Chilimps, oder orangene Goldkopf oder auch, wenn die Fische steigen, Trockenfliegen. Gerade in Kleinstgewässern offenbaren sich so manche Überraschungen, die sonst bei klarem Wasser in der Deckung stünden oder schnell das Weite suchen.
Gruß
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Royal Coachman » 12.06.2020, 17:21

Hallo Freunde!

Bei angetrübtem Wasser ist die Schlitterfliege (Stimulator) perfekt.

Stärkere Aufprall auf der Wasseroberfläche und um diese Zeit schlüpft auch immer wieder eine Perla maxima, die bekanntlich perfekt über das Wasseer laufen kann.

tight lines
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Harald aus LEV » 14.06.2020, 09:11

Ich habe mich auf das Foto von Kai bezogen. Das sieht für mich so stark eingetrübt aus, dass die Sichtigkeit des Wassers </=10 cm ist.
Das habe ich selbst schon erlebt.
Ich gebe Euch Recht, dass eine weniger starke Eintrübung, ich nenne es gerne "angestaubt", die Fangchancen deutlich erhöhen.

Gruß
Harald
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon fjorden » 14.06.2020, 10:27

Hallo Kai,
schau bei so Bedingungen auf Einmündungen, so klein sie auch sind. Diese klaren in der Regel viel schneller auf und häufig stellen sich die Fische dort ein. Wenn eine Strecke auch einen Bach oder einen Oberlauf zur Verfügung hat würde ich bei Hochwasser oder starker Trübung es immer dort versuchen. Meistens gibt es nur! dann die Chance eine große dort abgewachsene Forelle zu fangen.
Gruß
Fjorden
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon AndiArbeit » 14.06.2020, 16:01

Vielen Dank für die Tipps! Werde ich beim nächsten mal berücksichtigen. Sichtweite war unter 10 cm. Morgen mach ich nochmal an die Stelle. Mal schauen wie die Suppe aussieht.
Kai
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Royal Coachman » 14.06.2020, 16:35

Hallo Harald!

Du hast natürlich völlig Recht, bei Sichtweisen um die 10 cm geht gar nix mehr.

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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Voggy » 14.06.2020, 18:45

Bei kurzen heftigen Regengüssen mit anschließenden Wasseranstieg und entsprechender Trübung habe ich auch sehr gute Erfahrungen mit Terrestrials in kleineren Gewässern gemacht. Weil dann oft diese Form von Nahrung ins Wasser eingetragen wird. Dazu kommt die stimmulierende Eigenschaft der oft großen Fliegen und der Anstieg der Aktivität der Fische. Habe aber auch schon mit großen Schwarzen Nymphen bei Latte Macchiato Wasser gut gefangen.
Bei dem auf dem Bild gezeigten Wasser würde ich auch eher den Streamer anknoten ;)
LG
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon AndiArbeit » 15.06.2020, 21:58

Nabend Gemeinde!
Bin grad heim vom nicht mehr ganz so trübem Fluss. Habe heute super auf Wooly Buggers gefangen. Schöne größere Bafo‘s konnte ich landen. Leider wollte die Refo des Jahres ](*,) ](*,) ](*,) nicht bis in den Kescher. Meine 19er Spitze war der Gewalt der schönen Dame nicht gewachsen. Die war bestimmt +50. Was für ein Monster in dem Gumpen, werde mir wohl für das nächste mal ne straffere Spitze ranknüpfen. Hoffentlich ist die genauso Standorttreu wie die Bachforellen.
Jedenfalls war der Tip von Achim mit den Großfischen bei trüben Wasser goldwert. Danke dafür.
Schönen Abend noch!
Kai
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon FlyandHunt » 16.06.2020, 08:14

Hallo Kai,

Glückwunsch zum tollen Angeltag.
19er Spitze hält 50er Forelle nicht aus? Dann nutzt du das falsche Material!

Grüße
Ferdinand
„There is no greater fan of fly fishing than the worm. “ Patrick F. McManus
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon AndiArbeit » 16.06.2020, 08:42

FlyandHunt hat geschrieben:Hallo Kai,

Glückwunsch zum tollen Angeltag.
19er Spitze hält 50er Forelle nicht aus? Dann nutzt du das falsche Material!

Grüße
Ferdinand


Vorfachmaterial ist Monofil GTM von Stroft, vor drei Jahren erworben und dunkel und kühl gelagert. Habe aber frischen 20er FC. Werde ich beim nächsten mal benutzen. Streamer war mit Rapallaknoten dran.
Ich bin immernoch gefläscht. Mich würde interessieren, ob die großen Refo‘s auch Standorttreu sind.
Kai
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Re: Im trüben Wasser fischen

Beitragvon Dominikk85 » 16.06.2020, 12:01

19er GTM trägt mehr als 20er FC2, insbesondere wenn man die knotentragkraft bedenkt.
Dominik
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