Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel übrig

Wie der Name schon sagt: Vor der Haustür fischt es sich fast immer am besten. In Deutschland gibt es eine Vielzahl großartiger "Fliegenwasser". Habt Ihr Fragen oder wollt Ihr eine Empfehlung aussprechen?

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Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel übrig

Beitragvon jo » 16.11.2021, 11:57

Hallo zusammen,

seit mittlerweile acht Jahren befische ich Rügen, d.h. die Bodden und den Strelasund. Im ersten Jahr konnte ich am ersten Tag 10 Fische landen, damals war das Revier noch als Raubfischparadies bekannt. Allerdings hat sich seither eine Menge zum Negativen hin entwickelt. Seit ca. drei Jahren höre ich andere Fliegenfischer und Angler zunehmend häufiger über niedrige Fangzahlen klagen. Bisher war mir das relativ egal, weil ich weiterhin am ersten Tag gefangen habe (ca. 1-2 Fische am Tag).

Doch letzte Woche war anders. Zu dritt haben wir eine Woche lang durchgefischt und in Summe nur zwei Fische gefangen, ich selbst ging komplett leer aus. Dabei hatten wir beste Bedingungen und kennen das Revier mittlerweile hervorragend. Andere Petrijünger berichten ähnliches und selbst der Top-Guide unter den Fliegenfischern führt seine Klientel nicht täglich zum Fisch, auch da dauert es bei einigen Leuten etliche Tage, bis ein Hecht an der Leine hängt.

Klar, es geht nicht nur um das Fangen, Fliegenfischen ist so viel mehr. Trotzdem ist Rügen für mich durch, die Entwicklung der letzten Jahre ist einfach zu traurig.
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Michael. » 16.11.2021, 12:46

Hallo,

leider ist dieser "Hechtschwund" nicht nur auf Rügen beschränkt. Auch auf Mön, sozusagen dem "verlängerten Rügen" im Norden und dem einstigen Hechtparadies schlechthin mit früher geradezu unglaublichen Fangzahlen und Stückgrößen ist aktuell kein nennenswerter Hechtbestand mehr vorhanden. Ich war letzte Woche mit meinem Seven Bass fast täglich auf Stege Nor und Stege Bucht fischend unterwegs, habe wirklich alles probiert, Ergebnis = Null Kontakte, Null Sichtungen, Null Ergebnisse bei anderen Anglern (es waren auch kaum welche unterwegs, warum wohl weiß ich jetzt...).

stegenor.jpg
stegenor.jpg (282.69 KiB) 1002-mal betrachtet


Im Nachhinein mal etwas recherchiert, stößt man dann auf sowas, neben den vielen hochtrabenden Fangberichten und Angelbeschreibungen, die einfach nicht mehr zutreffend sind):

- https://sh-ugeavisen.dk/index.php/2019/ ... chte-mehr/

- https://abenteuer-meeresangeln.de/angel ... hecht.html

Das lässt schon tief blicken... Ich denke, daneben ist auch der immense Kormoranbestand mit Schuld, der tagtäglich die Futtergrundlage der Hechte wegfrisst.

Zum Glück lief die Meerforellenfischerei besser!

Gruß
Michael
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon orkdaling » 16.11.2021, 13:07

Moin,
hier mal was aktuelles https://lnu.se/en/meet-linnaeus-univers ... ltic-pike/
( https://www.ifishman.de/en/projects/bod ... oddenpike/ )

Ich bin ja nicht so der Hechtfreund, erstens gibts hier i,d.R keine und wenn ich mich in Suedschweden rum treibe høre auch von schon erschreckenden Rueckgang.
Da helfen wohl auch keine Quoten und Fenster mehr.
Im Schærenparadies , frueher Ziel der Hecht und Barschfischer, ist fast nichts zu fangen. Aber wohl weniger durch Entnahme der Angler sondern durch Kormoran und Robben verursacht.
Gruss Hendrik
Zuletzt geändert von orkdaling am 16.11.2021, 13:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon jo » 16.11.2021, 13:07

@Michael: Danke für den ehrlichen Einblick.

Was die Ursachen betrifft, so könnten wir hier unzählige Threads damit füllen. Aber eine Sache möchte ich dazu loswerden: Fast täglich habe ich Leute im Naturschutzgebiet fischen gesehen, sowohl Blinkerschmeißer vom Boot aus als auch watende Fliegenfischer...
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon chrmuck » 16.11.2021, 13:26

Hallo Jo, hallo Michael,

gerne wäre ich in diesem Winter mal Rtg. Norden zum Hechtfischen, aber Eure Berichte lassen mich schlußfolgern, dass ich - um nichts zu fangen - auch zu Hause bleiben kann ;) und nicht so weit fahren muss! Nein, Spaß beiseite. Das sind Entwicklungen, wie sie sich doch tatsächlich bei vielen Angelthemen abzeichnen (gerade aktuelle Meerforellenfischen in der Ostsee), häufig sind es Angelthemen, die medial unheimlich publik gemacht werden und wahrscheinlich werden die entsprechenden Ziele auch entsprechend häufig aufgesucht und sind hochfrequentiert. Dazu dann noch ein paar sich änderne ökologische Faktoren und schon geht´s rapide bergab. Ob so eine "Kurzanalyse" auf Rügen und Mon zutrifft kann ich nicht sagen, aber bei anderen "heissen" Themen ist das nicht ganz von der Hand zu weisen.

Erstaunlicherweise schaffen es die Niederländer, dass der ganze Hechtboom zwar boomt, aber die negativebn Auswirkungen scheinen nicht so groß zu sein. OK, es gibt sehr rigide Bestimmungen, fast überall C & R und das ganze Land ist der Hotspot, so dass sich negative Aspekte vielleicht nicht direkt so auf Einzelziele auswirken können.

Da wir alle (zumindest) indirekt an den negativen Aspekten mitwirken, müssen vielleicht auch wir Fliegenfischer uns fragen, ob und was wir zu einer Verschärfung der Situation beitragen oder eben Nicht (!) beitragen. Schliesslich sind wir ein Teil des Zirkus und partizipieren daran... Nicht beitragen bedeutet medial zurückhaltender sein (ich frage mich z. B., was in zwei, drei Jahren an den ganzen noch-so-tollen Äschengewässern Bestandsmäßig los sein wird), heisst auch verantwortlich mit dem Fischfang umzugehen und heisst auch, dass eine Tagesstrecke von 10 und mehr gefangenen Fischen vielleicht gut für´s Ego ist, aber selbst bei einer Mortalität von nur 10 % kann sich jeder ausrechnen, was so eine Tagesstrecke letztlich bedeutet. Bestimmt ein schwieriges Thema, aber im Zusammenhang mit solchen Hotspots (... da musst Du unbedingt mal hin, lauter große Fische!) kann das m. E. durchaus zu einem Problem werden. Bin mal gespannt, ob das jetzt nicht zu provokativ ist...

Zu unserer Entlastung; ich bin überzeugt, dass in diesem Zusammenhang auch sich änderne ökologische Rahmenbedingungen erheblich beitragen. Wie das genau auf Rügen ist, kann ich nicht sagen. Aber zusammen mit einem gewissen Befischungsdruck leiden Bestände unbestreitbar. Beim Thema Äsche leicht auszumachen; Kormoran und sich zeitgleich verschlechternde Gewässerrahmenbedingungen bedeuten halt schnell das Aus.

Und zu guter Letzt geht´s vielleicht auch um unsere Erwartungshaltung. Klar, wenn ich an so´n Superspot fahre, vielleicht eine lange Anreise in Kauf nehme, dann muss es schliesslich auch mit dem Fisch klappen. Muss es vielleicht auch nicht immer... Wie oft war ich an der Ostsee und es hat nicht geklappt? Mehr als einmal... Trotzdem schön!

Einen herzlichen Gruß, Christian
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Pelsi » 16.11.2021, 17:21

Hallo zusammen,

ich kann den Vorpostern nur zustimmen!

Alleine dieses Jahr war ich 3x auf Rügen(teile.beruflich)und konnte jeweils mehrere Tage fischen gehen, Ende August, Anfang Okt und Anfang November.

In den letzten Jahren war ich ebenfalls regelmäßig da, von daher habe ich einen relativ genauen Überblick über das Geschehen dort.

Früher war es so, dass die Fänge auch erarbeitet werden mussten, so wie einige Guides, Instagram Poster und andere Möchtegerninfluencer es weißmachen wollen, ist es schon lange nicht mehr!

Schneidertage waren immer schon mal drin, aber dass was dieses und letztes Jahr (nicht) gelaufen ist, war schon sehr traurig!

Ich habe dieses Jahr in ca. 10 Fischtagen 4 Fische gefangen.

Ich behaupte mal, dass ich mich dort echt gut auskenne, Fakt ist aber, dass der Bestand absolut am Boden liegt!

Ich habe mehrere Boote in Naturschutzgebieten gesehen, Angler( auch gerne aus Nachbarländern) die mit 6 Leuten auf einer kleinen Nussschale Blinker rauspfeffern sind keine Seltenheit, ob hier Mindestmaße eingehalten werden, wage ich zu bezweifeln.

Mein Ferienhausvermieter hat mir Geschichten erzählt, dass in den letzten Jahren ohne Rücksicht auf Verluste Fleisch gemacht wurde, Hechte und Barsche, deutlich unter Mindestmaß wurden abgeschlachtet…

Ich kann nicht verstehen, warum dort quasi keine Kontrollen stattfinden…

Was mich auch seit einigen Jahren wundert, es ist kaum Fischbrut und Futterfisch zu sehen, da ist der Hecht Rückgang natürlich logisch, da haben die vielen Kormorane auch ihren Anteil!

Ich kenne einige Top-Guides, oftmals mussten selbst deren Kunden ohne! Fang nach Hause geschickt werden.

Selbst sogenannte Geheimplätze werden regelmäßig überrannt…

Früher konnte man einen halben Tag fischen ohne einen anderen Angler bzw Boot zu sehen,
zwischendurch kam ich mir in den letzten Jahren vor, als wäre ich an der Sava Bohinika, alle 25 M steigt ein neuer Angler über mir ein…

Schlimm ist auch, dass ich in diesen 10 Fischtagen mindestens an 8 verschiedenen Orten, Stellnetze gesehen habe.

In Gesprächen mit Einheimischen hört man sogar Verzweiflung heraus was die leergefegten Bodden angeht…

Also, ich habe für mich mit dem Thema Rügen abgeschlossen!
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Harald aus LEV » 16.11.2021, 19:01

Das ist traurig.
Vor allem, wenn es nicht die natürlichen Prädatoren sind, sondern Angler, die erstens den Hals nicht voll bekommen und zweitens nicht davor zurückschrecken in Schongebieten zu fischen. Hier gilt es schärfer zu kontrollieren und auch Strafen zu verhängen, die weh tun.
Früher habe ich gedacht, dass es nicht möglich sei, ein Gewässer mit der Angelrute leer zu fischen. Da bin ich jedoch von regelhaftem und verantwortungsbewusstem Verhalten ausgegangen.
Die aktuelle Situation zeigt, dass das heute nicht mehr gilt.
In früheren Zeiten gab es auch immer mal wieder einen starken Andrang auf ein Gewässer, wenn es in einem der Angelmagazine als Hotspot angepriesen wurde. Das verlief sich jedoch, wenn in den nächsten Ausgaben andere Gewässer gepimpt wurden. Und die Magazine kamen/kommen nur alle paar Monate aus der Redaktion.
Bei den neuen Medien ist das anders. Da gibt es rund um die Uhr Updates, garniert mit den tollsten Fischpornos.
Riesige Fische, direkt in die Linse gehalten (damit sie größer wirken) und gerne auch markig mit der Rute zwischen den Zähnen oder quer über der Schulter. Und anschließend wird der Fisch dann gnädig releast. Wie es mit den Überlebenschancen steht weiß keiner. Was ist der Fänger doch für ein toller Hecht!
Und das nicht nur Freizeitangler, nein auch die professionellen müssen ja ihr Geld verdienen. Also wird die Kreatur zum Statisten. Wenn die Situation dann kippt, kommt der große Aufschrei.
Neben den ohnehin sich schnell ändernden Umweltbedingungen und den immer häufiger auftretenden biologischen Eindringlingen die hier keine natürlichen Feinde haben, kommen dann noch die menschliche Unvernunft und Egoismus hinzu.
Heute geht es schnell, ein bislang funktionierendes Biotop zum kippen zu bringen. Aber wie lange wird es dauern, ein einmal gekipptes Paradies wieder aufzubauen, wenn es überhaupt noch möglich ist.

Gruß
Harald
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Vogtlandsalmon63 » 16.11.2021, 20:39

Das Problem war abzusehen. Da spielen vielfältige Faktoren eine Rolle.
Ich befische die Bodden um Rügen seit 36 Jahren. In der Zeit habe ich festgestellt,dass mit immer mehr Artikeln in diversen Zeitschriften die Angelfischerei in den Bodden Kommerzialisiert wurde und es gibt heute fast keine Stelle in den Bodden mehr, wo nicht alle Stunde fünf neue Angler einsteigen und die Hechte über 50 cm abknüppeln. Obwohl in den letzten Jahren die Entnahme auf 3 Fische geregelt ist.
Außerdem muss man sich jetzt um so mehr auskennen um Fische zu fangen. Früher war das einfacher. Da spielt die Windrichtung, Strömung, Wetter und einiges mehr rein. Dann fängt man auch noch.
Wenn man an der Stelle im Bild mit Belly rumpaddelt,würde ich auch fast nichts fangen. Da ist an der Kannte draußen maximal 2,5 m Tiefe und die Scheuchwirkung eines Schwimmkörpers ist dort immens. Da fängt man bei l. Nichts!
Gruß
Robby Vogtlandsalmon63.
Außerdem, wenn man die Hechtfillets welche die Fischer fangen nach Holland verkauft, dann müsste man sich doch mal Gedanken machen, warum die Holländer bei sich keine Fische entnehmen. Habe ich mit Gesprächen vor einigen Jahren von zwei Fischern erfahren.
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Cowie » 16.11.2021, 20:48

Harald aus LEV hat geschrieben:Das ist traurig.
Vor allem, wenn es nicht die natürlichen Prädatoren sind, sondern Angler, die erstens den Hals nicht voll bekommen und zweitens nicht davor zurückschrecken in Schongebieten zu fischen. Hier gilt es schärfer zu kontrollieren und auch Strafen zu verhängen, die weh tun.
Früher habe ich gedacht, dass es nicht möglich sei, ein Gewässer mit der Angelrute leer zu fischen. Da bin ich jedoch von regelhaftem und verantwortungsbewusstem Verhalten ausgegangen.
Die aktuelle Situation zeigt, dass das heute nicht mehr gilt.
In früheren Zeiten gab es auch immer mal wieder einen starken Andrang auf ein Gewässer, wenn es in einem der Angelmagazine als Hotspot angepriesen wurde. Das verlief sich jedoch, wenn in den nächsten Ausgaben andere Gewässer gepimpt wurden. Und die Magazine kamen/kommen nur alle paar Monate aus der Redaktion.
Bei den neuen Medien ist das anders. Da gibt es rund um die Uhr Updates, garniert mit den tollsten Fischpornos.
Riesige Fische, direkt in die Linse gehalten (damit sie größer wirken) und gerne auch markig mit der Rute zwischen den Zähnen oder quer über der Schulter. Und anschließend wird der Fisch dann gnädig releast. Wie es mit den Überlebenschancen steht weiß keiner. Was ist der Fänger doch für ein toller Hecht!
Und das nicht nur Freizeitangler, nein auch die professionellen müssen ja ihr Geld verdienen. Also wird die Kreatur zum Statisten. Wenn die Situation dann kippt, kommt der große Aufschrei.
Neben den ohnehin sich schnell ändernden Umweltbedingungen und den immer häufiger auftretenden biologischen Eindringlingen die hier keine natürlichen Feinde haben, kommen dann noch die menschliche Unvernunft und Egoismus hinzu.
Heute geht es schnell, ein bislang funktionierendes Biotop zum kippen zu bringen. Aber wie lange wird es dauern, ein einmal gekipptes Paradies wieder aufzubauen, wenn es überhaupt noch möglich ist.

Gruß
Harald


Harald, du Wupperkollege, du sprichst mir zu 100 % aus der Seele... =D>

Diese von dir beschriebene spezielle Klientel, die sich Angler oder Fischer schimpft, kot.t mich einfach nur noch an... :kotz

Danke für deine offenen und wahren Worte!
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon fjorden » 17.11.2021, 00:02

Hallo,
vereinzelt ist es ja schon geschrieben. Wir sind nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems. Mit ständig wachsender Poularität vom Fischen auch Fliegenfischen wird es eher noch schlimmer. Im Stege Noer konnte man regelrecht miterleben wie das Fischen auf Hecht gehypted wurde. Ich weis seit Anfang der 90iger von den sehr guten Hechtbeständen dort, es hat mich aber nie gereizt, denn diesen konnte ich auch am Niederrhein fangen.
Gruß
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Hawk » 17.11.2021, 09:28

Harald aus LEV hat geschrieben:Riesige Fische, direkt in die Linse gehalten (damit sie größer wirken) und gerne auch markig mit der Rute zwischen den Zähnen oder quer über der Schulter. Und anschließend wird der Fisch dann gnädig releast. Wie es mit den Überlebenschancen steht weiß keiner. Was ist der Fänger doch für ein toller Hecht!


Genau die Angler die die Fische releasen sind schuld und nicht etwa Berufsfischer die während der Schonzeit tonnenweise Hechte an den Laichplätzen abfischen :roll:
Gruß
Sven
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon orkdaling » 17.11.2021, 10:06

Moin,
Ich will ja nicht bestreiten das - (Zitat) "Wir sind nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems. Mit ständig wachsender Poularität vom Fischen auch Fliegenfischen wird es eher noch schlimmer." - die Fliegenfischer ebenso eine Mitschuld tragen. Aber die Betonung liegt auf Mitschuld !
Wenn man das Problem so einfach løsen kønnte dann kønnte man ja die Angelfischerei dort untersagen wo dies zutrifft.
Dann duerften nur noch Hecht und Barsch in den Verkaufstheken landen die aus Netzen stammen !?
Da bræuchte man sich auch keinen Kopf ueber die riesiegen Kormoran und immer grøsser werdenden Robbenbetsænde machen!?
Ich frage mich aber auch wie es sein kann das Hecht und Barsch auch dort verschwinden wo gemessen an Flæche und Anglerschaft , wo weder C&R und Fleischmacher einen Einfluss haben, also eher zu vernachlæssigen sind.
Nur zu Info, auch entlang der gesamten schwedischen Ostsee, den Schærengærten vor Stockholm und auch Øland sowie Gotland sind die Hechte und Barsche bedroht.

Das der Dorsch in der Ostsee bedroht ist wissen wir, das der Lachs bedroht ist ebenfalls, nun auch die Hechte und Barsche !
Das alles an den zweifellos mitschuldigen Anglern fest zu machen ist aber wohl doch uebertrieben oder zumindest zu einfach erklært.
Selbst wenn es keine Fleischmacher und Guides mehr gibt wuerde es den Bestænden nicht viel besser ergehen.
Wo sind die Kontrollen, gibt es Strafen die wirklich treffen?
Ich erinnere mal an die Ausfuhrquote (N) fuer Fisch bzw die Strafe - 8000Nkr pro Vergehen und plus 200Nkr pro Kilo.
Ich hatte auch berichtet was sich an den grossen schwedischen Seen abspielt, das dort Hecht, Zander, Aal, Krebse in Massen gefangen werden und das Land verlassen.
Dann noch die unerlaubte Schleppfischerei die Lachse und Mefos ueber Littauen und Polen wieder auf den EU Markt bringen.
All das ist ja klar belegt, hat in den letzten Jahren genau so zugenommen wie die Guides mit den schicken Booten.

Wie sieht es aber um die Økologie aus, konkret die Laichbedingungen, den Futterfisch, die Wasserqualitæt (von Giftalge bis Sauerstoffmangel) ?
In S diskutiert man eben das Verbot fuer Schleppnetzfischerei auf Hering von bisher 4 auf 12 sm zu erweitern.
Man diskutiert Abschussquoten fuer Kormoran und Robben (die es bereits gibt)
Man hat Quoten und Entnahmefenster fuer Hecht eingefuehrt und da kommt auch mal die Kuestenwache oder die staatl Fischereiaufsicht.
Frage- wie oft wurdet ihr in den letzten Jahren beim Mefo oder Hechtfischen kontrolliert ?

Also mir ist es zu einfach die Problematik auf die Fliegenheinis und Fleischmacher ab zu wælzen !
Ich erlebe aber auch Kontrollen an den norwegischen Lachsfluessen, an der Suedkueste (S) oder Bronholm (DK)

Gruss Hendrik

Nicht nur beim Fischklau muss kontrolliert werden, hier mal ein aktuelles Beispiel:
"Eine Delegation italienischer Jäger wurde am Freitagnachmittag, 29. Oktober, bei einem behördenübergreifenden Einsatz in Kristiansand angehalten. Die Jäger waren mit 2027 gefrorenen Drosseln auf dem Weg aus dem Land"
https://www.toll.no/no/om-tolletaten/ny ... fuglejakt/
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Hans. » 17.11.2021, 10:24

Harald aus LEV hat geschrieben:Riesige Fische, direkt in die Linse gehalten (damit sie größer wirken) und gerne auch markig mit der Rute zwischen den Zähnen oder quer über der Schulter.


Ja, und die Linse dabei auf Weitwinkel, das knallt dann optisch gleich noch mehr (erkennt man an den viel zu groß wirkenden Händen :wink: ), aber egal, hauptsache die Selbstkrönung sitzt. Wer nicht lange genug im Sandkasten gespielt hat, der muss lange nachholen.

Gruß
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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Harald aus LEV » 17.11.2021, 10:40

Hawk und Hendrik,
ich habe explizit geschrieben:
Harald aus LEV hat geschrieben: Hier gilt es schärfer zu kontrollieren und auch Strafen zu verhängen, die weh tun.

Das gilt natürlich für alle, für Berufs- und Nebenerwerbsfischer, aber ebenso für Freizeitangler, die wir Fliegenfischer ebenfalls sind.
Wir können nun mal nicht leugnen, dass wir zumindest teilweise Teil des Problems sind.
Wer untermaßige Fische entnimmt, sich nicht an Fangbegrenzungen hält und/oder in Schongebieten fischt, sollte so hart bestraft werden, dass er es zukünftig unterlässt.
Alle diejenigen, die sich an die Regeln halten werden ebenso bestraft, wenn es zukünftig Restriktionen wie Angelverbote geben sollte. Und das nur wegen derjenigen, die in kurzsichtigem Egoismus glauben, sich nicht an die Regeln halten zu müssen.
Es ist natürlich einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen, statt sich mal an die eigene Nase zu fassen.
Übrigens, wenn man mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf einen selbst.

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Re: Rügen: vom einstigen Raubfischparadies nicht mehr viel ü

Beitragvon Harald aus LEV » 17.11.2021, 10:50

@Hendrik,
bitte spanne den Bogen jetzt nicht wieder über Skandinavien zu den Dorschen und Lachsen bis nach Polen, Litauen oder Italien.
Natürlich liegt auch dort einiges im Argen, aber man muss nicht jedes mal das ganz große Fass aufmachen und die Bazooka herausholen und zig verschiedene Probleme benennen.
Ich schätze, dass die Verantwortlichen in dem genannten Gebiet auch so schon genug Probleme haben. Dass die Fischerei dort ein erheblicher Wirtschaftsfaktor ist, sollte wohl klar sein. Umso dringender ist es, dass sich die Verantwortlichen Gedanken machen, diesen Wirtschaftszweig zu erhalten. Der kann nämlich ganz schnell wegbrechen. Und dann kostet es wieder Arbeitsplätze.

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