Flussrenaturierung auf eigene Faust und auf Eigeninitiative

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Flussrenaturierung auf eigene Faust und auf Eigeninitiative

Beitragvon ricoh » 21.06.2020, 20:23

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich wollte mich mal erkundigen, ob man als Privatperson selbstständig (d.h. ohne behördliche Absprache) Renaturierungsmaßnahmen an Oberflächengewässern vornehmen darf? Hat jemand damit Erfahrung?

Also rein hypothetisch angenommen man hätte einen begradigten Fluss/Bach, den man regelmäßig befischt. Man könnte doch nach dem Fischen immer 2-3 Stunden für kleinere Maßnahmen aufwenden. Dazu zähle ich zum Beispiel:

  • Müll Sammeln am/um das Gewässer
  • Rückbau von Uferbefestigungen
  • Einbau von Totholz
  • Entfernen von Hindernissen
  • Arbeiten die ein Gewässer in seine "natürliche" Form bringen sollen
  • Strömungslenkende Maßnahmen
  • usw.
... nur, dass wir uns richtig verstehen: ich meine hier jetzt nicht mit dem Bagger anzurücken - aber so Sachen, die sich in kleinen Gewässern recht einfach umsetzen lassen, um den Fluss in "die richtige Richtung zu lenken", um sozusagen einen Anstoß zu geben.

Ideen, Anmerkungen, Kritik?

LG
Diego
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Re: Flussrenaturierung auf eigene Faust und auf Eigeninitiat

Beitragvon Hawk » 22.06.2020, 09:05

Müll sammeln sollte ok sein den Rest kannst du vergessen.

Die restlichen Sachen kannst du ohne behördliche Genehmigung, sowie Genehmigung der Grundbesitzer vergessen.
Letzteres ist oft das schwierigere, denn durch ufererosion könnte denen ja ein paar cm Land verloren gehen :roll:

ich gehe jetzt mal davon aus das du Pächter der genannten Gewässer besitzt, als einfacher Gastkartenfischer sowas anzuleiern geht auf jeden Fall garnicht.
Gruß
Sven
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Re: Flussrenaturierung auf eigene Faust und auf Eigeninitiat

Beitragvon Beppo » 22.06.2020, 10:16

Hallo Diego, hallo in die Runde,
nennt sich Gewässerausbau was du ansprichst. Dem steht das WHG, sowie das WG des jeweiligen Bundesland, sowie die Naturschutzgesetze entgegen.
Das wäre eine löbliche Initiative nur ist sie von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Bundesrepublik schafft es nicht die WRRL umzusetzen und dann wollen Privatleute in deren "Handwerk" pfuschen !?
Kann dir leider keine Hoffnung machen
Gruß Beppo
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Re: Flussrenaturierung auf eigene Faust und auf Eigeninitiat

Beitragvon Dominikk85 » 22.06.2020, 11:50

Denke ich auch. An fremden Gewässern und Grundstücken sowieso nicht, aber selbst wenn die Grundstücke am Fluss dir gehören und du das fischereirecht hast stechen Dinge wie Hochwasserschutz, Naturschutz und Sicherheit von Passanten dein eigentumsrecht aus.

Da könnte z.b ein Hochwasser passieren und dann sagt jemand du hast da aber am Fluss rumgedoktort und damit die Gefahr verstärkt. Ist zwar wahrscheinlich Blödsinn, aber es ist ein Risiko.

Daher kann man so was eigentlich immer nur mit behördlicher Genehmigung machen und wenn du kein recht an den Grundstücken und am Wasser hast müssen müssen diese Leute natürlich auch on Board sein.

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Re: Flussrenaturierung auf eigene Faust und auf Eigeninitiat

Beitragvon Maggov » 22.06.2020, 17:28

Hallo Diego,

nach unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Wasserwirtschaftsämtern kann ich Dir aus eigener Erfahrung folgende Ideen mitgeben:

- Sammeln von Müll (ist für mich keine Renautierungsmaßnahme an sich, dass sollte alle Fischereiberechtigten machen nicht nur der Fischrechtsinhaber), kannst Du theoretisch auch mit einer schönen Aktion versehen und mit der Tageskarte für Gastfischer ein Müllsäcklein mit überreichen und dort als Verpflichtung festlegen dass alle sammeln sollen. Benötigt keinerlei Genehmigung ausser dem Einverständnis des TK-Nehmers (normal unetrschreibst Du mit der TK und gibst damit Dein Einverständnis). Müsstest dann aber auch sagen wo die Müllbeutel ein zu werfen sind, nicht dass Dir sonst ein Anwohner aufs Dach steigt weil er "Fremdmüll" kriegt.

- Einbau von Totholz: wenn Du einen großen Baum einbringen willst kommst Du um den Bagger und die Genehmigung wg. Hochwasserschutz nicht drumrum. Ist mit den Brücken nicht einfach durch zu kriegen und wenn auch sehr aufwendig das Totholz hochwassersicher zu fixieren. Was aber geht und nicht zwingend der Genehmigung bedarf ist junge Büsche am Ufer zu schneiden und in einem Winkel in das Wasser einzubringen. Am besten zwischen zwei nahe am Wasser stehenden Stämmen mit einem Seil fixieren so dass bei Hochwasser das ganze genug Spiel hat. Hält ca. 6-8 Jahre im Wasser, kann auch in einer begradigten Strecke (wenn versetzt an den Uferseiten gemacht) die Strömung etwas in S-Kurven lenken. Ich bin mir recht sicher wenn man fragt wird das Procedere genauso umständlich wie das Baggern, ABER das Risiko ist ein ganz anderes. Wenn Du "Zurückbauen" musst, dann geht das mit Krafteinsatz und braucht nicht viel Geld (=kleines Risiko) und wenn man sich Gedanken macht was drunter so kommt kann man auch selbst die Risiken wegen Hochwasserschaden durch abreissen ganz gut einschätzen. Also Grauzone - aber hat definitiv nach 2-3 Jahren eine positive Wirkung.

- Strömungslenkende Maßnahmen (s.o.); Alternativ kann man Holzbretter mittels Pfosten als Strömungsbrecher installieren. Der Eingriff ist ungefähr genauso "invasiv" für mich wie Cocooning, musst die Pfosten tief in den Kiestreiben um das gut zu fixieren. Eignet sich m.M. nach hervorragend in geraden Abschnitten mit mässiger Strömung um dort den Strömungsverlauf etwas um zu lenken, die Lücke die unten bleibt nimmt nicht nur den Druck von den Brettern sondern unterstützt die Ausspülungen dahinter und (die Idee stammt vom Hebeisen) Du hast die Chance das Wasserinsekten die Rückseite als Lebens- und Brutraum erschliessen. Habe ich selbst noch nicht probiert, aber es klingt für mich schlüssig, umsetzbar udn somit gut. Ich denke auch hier wird formal eine Genehmigung notwendig sein. Ist aber mit verhältnismässig einfach selbst um zu setzen, vorrausgesetzt der GEwässergrund macht mit und passt.

- was ich nicht auf Deiner Liste gesehen habe aber für mich als machbar und unter diese Kategorie fällt: Pflege von Fischaufstiegshilfen. Diese werden mit Gehölz und anderem Mist bei Hochwasser mal verbarrikadiert und müssen durchgängig bleiben. Wenn es die einfach Fischtreppe ist haben wir das perfekte Equipement beim Fischen mit, die Wathose und Hände. Vieles lässt sich einfach raus ziehen.

- noch was auf Mindestrestwassermengen achten und wenn diese nicht eingehalten werden das Gespräch / Hilfe ersuchen. Darauf achten wann sich Änderungen an der Wehranlage ergeben / geplant sind, da werden Restwassermengen neu festgelegt und der Fischrechtssinhaber ist zu involvieren. Wird aber gerne versucht "durch zu mogeln".

- Gewässerrandstreifen: Nach dem Bienenbegehren sind breitere Gewässerrandstreifen vorgeschrieben - wird aber bis dato da wo ich unterwegs bin anscheinend nicht behördlich nachgehalten. Idealerweise wäre das ein Gespräch mit dem Bauern, da der aber Geld verliert fürchte ich eher dass der Aufwand das Melden und Nachhalten ist was draus geworden ist. Grundsätzlich ist die Höhe des Bewuchses an den Randstreifen aus meiner Sicht relevant - auch hohes Gras hängt über das Ufer und spendet Schatten und zusätzliche Nahrung. Man könnte natürlich auch "nebenbei" ein paar Weidenäste schneiden und in die Erde stecken in der Hoffnung dass diese zu Setzlingen werden. Ist wahrscheinlich auch irgendwo wieder verboten oder genehmigungspflichtig, deshalb schlage ich das besser nicht vor ;)

Bei allen Maßnahmen wäre ich vorsichtig - habe mit Covid gelernt dass es genug Spanner und Denunzianten in DE hat um sicher zu sein dass irgendjemand die Behörden informiert wenn ein Großaufgebot am Wasser zu Werke geht. Und diese sind meines Wissens nach definitiv genehmigungspflichtig und wahrscheinlich ohne Baugerät auch ineffektiv.

Keine Kritik, lieber die Ermutigung: Probier es auch mit den Behörden, manche Sachbearbeiter unterstützen, andere blocken. Involviere Deinen Fischereiverband. Es gibt Förderungen und (teilweise auch finanzielle) Unterstützung bei der Beantragung.

LG

Markus

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A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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