Wen's interessiert

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Wen's interessiert

Beitragvon Royal Coachman » 25.07.2020, 20:59

Hallo Freunde!

Im 8-ten Jahr an meinem Bach zeigen sich zum ersten Mal positive Veränderungen im Fischbestand.

Bei dem Kormoraneinflug vor 4 Jahren wurden wahrscheinlich fast alle Besatzfische und deren Nachkommen gefressen.
Die folgenden Jahre war nur ein geringer Bestand aber von überwiegend autochtonen Fischen zu registrieren.

Nun hat sich meine Hoffnung bestätigt, dass Fische, die in diesem Bach geboren und aufgewachsen sind, mit den vorkommenden Fressfeinden besser umgehen können als der Besatz.

Zum ersten Mal hat sich die Alterspyramide geändert, jetzt nähert sich die Verteilung einer normalen Pyramide an, wir haben überwiegend Forellen im Bereich 25-40 cm und darüber auch noch einige richtig große mit 50+.

Reiher haben trotz starker Präsenz von weißen Reihern im Winter (über 30 Stück am Ausfluss) keinerlei Einfluss mehr, einige Späher der Gänsesäger sind ebenfalls wieder abgezogen und Kormorane werden mittlerweile letal vergrämt, tauchen also auch nicht mehr auf.

Die starke Unterstützung im Bereich Laichplätze durch Aufbrechen des Untergrunds und Einbringen von Kies hat sich überdies sehr bewährt.

Auch die Hechtpopulation, die den Bach im Oberlauf trennt, scheint kein Problem mehr zu sein, es kommen genügend Bachforellen auf, wobei interessant ist, dass die großen Bachforrellen gerne bei den Hechten stehen.

Im Unterlauf wächst um diese Zeit der Bach beinahe vollständig zu, wobei ich das früher übliche Ausmähen schon vor Jahren eingestellt habe.

Leider ist die Ansiedlung von Elritzen gescheitert, sie sind nach zwei Jahren einfach verschwunden, wahrscheinlich sind die Düngeeinträge, die vorwiegend die Flachwasserzonen belasten, einfach zu hoch. Der Bestand an Mühlkoppen dagegen ist stabil.

Wer Lust hat kann vorbeikommen, ein gekühltes Bier steht immer bereit, gefischt kann auch werden.

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Re: Wen's interessiert

Beitragvon Forstie » 25.07.2020, 21:43

Servus Gebhard,

es freut mich für Dich, diese Zeilen lesen zu können. Das hört sich nach einer sehr positiven Entwicklung an.

Dein Angebot klingt für mich auch sehr verlockend, wenn ich Dir auch einen gewissen Wagemut aussprechen muss, das hier so öffentlich zu schreiben! :wink:

Ich wünsche Dir weiterhin viele schöne Stunden an Deinem Wasser!

Viele Grüße

Martin
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon Trockenfliege » 25.07.2020, 22:52

Danke für deine Beschreibungen, sehr schön, dass sich nach einigen Rückschlägen eine solch positive Entwicklung ergeben hat.
Ein kühles Bier nehme ich gerne..

LG
Reinhard
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon Royal Coachman » 26.07.2020, 00:07

Hallo Forstie!

Da mach Dir mal keine Sorgen, da kommt ja doch keiner, diese Einladung steht seit Jahren, mein Bier muß ich immer selbst vernichten :mrgreen:

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Re: Wen's interessiert

Beitragvon fliegenfeger » 26.07.2020, 08:43

Hallo Gebhard,

interessante Sache. Ich bin erstaunt, dass die Forellen zu solchen Größen abwachsen. Ich fische hier auch an einem schönen Bach, wo seit 10? Jahren kein Besatz mehr stattfindet. Es sind viele Fische drin, aber ich habe selten mal einen Fisch über 30 cm gefangen. Das kann natürlich an meiner Unfähigkeit liegen, am Nahrungsangebot oder....
Deshalb würde mich interessieren wie das Nahrungsangebot, neben den Koppen, in deinem Bach aussieht? Gibt es bei Bachforellen auch einen Verbuttungseffekt? Ein Biologe hat mir erklärt, dass Bachforellen jenseits der 35cm eher die Ausnahme sind?!

Ich wünsche dir weiterhin viel Freude mit deinem Bach und für das Bier gibt es bestimmt mal eine Gelegenheit.

Gruß
Armin
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon Royal Coachman » 26.07.2020, 11:21

Hallo Armin!

Mein Bach hat ein beinahe unerschöpfliches Nahrungsangebot, allerdings haben sich die Forellen eine zusätzliche Nahrungsquelle erschlossen (nicht alle!).

Es werden hier die massiv vorkommenden Stockenten gefüttert, da sind die Forellen natürlich sofort vor Ort und auch oft recht massiv. Im unteren Teil wo das nicht vorkommt ist die Größe auch auf 25-35 cm reduziert, aber trotzdem kommen-man sieht es in der Laichzeit- auch durchaus größere Exemplare vor.

Bachforellen können je nach Nahrungsangebot und Habitat über 10 kg erreichen.

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Re: Wen's interessiert

Beitragvon MarkusZ » 26.07.2020, 17:44

Hallo,

Royal Coachman hat geschrieben:Im 8-ten Jahr an meinem Bach zeigen sich zum ersten Mal positive Veränderungen im Fischbestand.


Freut mich für Dich. Geduld zahlt sich manchmal halt doch aus.

Wenn die Bewirtschaftungsmaßnahmen dann letztendlich doch Erfolg zeigen, freut man sich umso mehr.

Dürfte Gewässerwarten von Angelvereinen deutlich schwerer fallen, denn sie müssen sich meist gegen ungeduldige Mitglieder durchsetzen.

Deshalb sind m.E. manche Gewässer in Privatbesitz besser aufgehoben.

fliegenfeger hat geschrieben:Es sind viele Fische drin, aber ich habe selten mal einen Fisch über 30 cm gefangen[/quote="fliegenfeger"]

fliegenfeger hat geschrieben:Ein Biologe hat mir erklärt, dass Bachforellen jenseits der 35cm eher die Ausnahme sind?!


Solche Pauschalaussagen deuten eher darauf hin, dass der Biologe eher wenig über verschiedene Gewässertypen und Lebensräume Bescheid weiß.

Ist schon ein Unterschied, ob man einen eher nahrungsarmen, kalten Bach im Hochland hat oder einen Wiesenfluss im Tiefland.
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon fliegenfeger » 26.07.2020, 19:38

Hallo Gebhard, Markus

der Bach, wo ich fische ist kein kalter Bach im Hochland, denn da sind ja Bachforellen von 25cm schon die Ausnahme. Es ist ein Wald- und Wiesenbach mit vermutlich zu wenig Nahrung.
Wie ist das mit der Verbuttung?

Gruß
Armin
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon MarkusZ » 26.07.2020, 19:55

Hallo,

fliegenfeger hat geschrieben:Wie ist das mit der Verbuttung?


Wenn es tatsächlich Verbuttung wäre, könntest Du ja selber was dagegen tun.

Verbuttung bedeutet ja, dass für die Menge an Fisch zu wenig Nahrung da wäre, weshalb dann nicht die Größen erreicht werden, die bei genügend Nahrung für alle Fische möglich wären.

Wenn also andere Prädatoren fehlen, müsste halt der der Mensch die Anzahl der Fische auf das Maß reduzieren, dass es für das einzelne Individuum wieder optimal ist .

Ob das bei Dir der Fall ist oder da andere Ursachen für verantwortlich sind, kann man per Ferndiagnose wohl kaum beurteilen.

Die Aussage, dass Bachforellen natürlicherweise nur selten über 35cm groß werden, würde ich aber für die Gewässer, die ich so kenne, stark bezweifeln.
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon Gammarus roeseli » 26.07.2020, 20:52

Servus Gebhard,
finde ich immer interessant! :D

fliegenfeger hat geschrieben: der Bach, wo ich fische ist kein kalter Bach im Hochland, denn da sind ja Bachforellen von 25cm schon die Ausnahme. Es ist ein Wald- und Wiesenbach mit vermutlich zu wenig Nahrung.
Wie ist das mit der Verbuttung?

:-k
@ Armin

Ein Wald- und Wiesenbach…. Zuordnung vermutlich in Richtung der „Unteren Forellenregion“!?
fliegenfeger hat geschrieben: mit vermutlich zu wenig Nahrung
Ist irgendwie schwierig nachzuvollziehen …. , da das Ertragspotential der (so genannten) „Unteren Forellenregion“ in kg/ha höher ist (!!) als das Ertragspotential der Barben- oder Brachsenregion in kg/ha ….

Fakt ist, große Bachforellen brauchen tiefes Wasser, gibt es kein tiefes Wasser, gibt es auch keine großen Bachforellen in dem Wasser.... selbst dann nicht, wenn es an Fischnährtieren nur so wimmelt …..

Was meint den der Gewässerwart vor Ort zu dieser Problematik!?

LG Christian
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon AlexX!! » 26.07.2020, 23:52

Gammarus roeseli hat geschrieben:Servus Gebhard,

Fakt ist, große Bachforellen brauchen tiefes Wasser, gibt es kein tiefes Wasser, gibt es auch keine großen Bachforellen in dem Wasser.... selbst dann nicht, wenn es an Fischnährtieren nur so wimmelt …..

LG Christian


Hi Christian... was ist bei dir "tiefes Wasser" ?

LG
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon superfredi » 27.07.2020, 06:26

Hallo
Schön zu lesen , das es Aufwärts geht und Eure (Deine) Bemühungen Erfolg zeigen. :)
Wenn ich bei uns hier mal solche Stellen in allgemeinen Gewässern "ausmähren" würde und das der Falsche sieht, bekäme ich sofort eine Anzeige.
Ist das bei Euch legal möglich oder ist das ein reines Privatgewässer ?
Bei uns ist alles so vom BUND oder Landschaftsschutz überwacht, das fast nichts mehr gemacht werden darf. Selbst in den Umflutgeländen die eigentlich immer freigehalten werden müssten, geht nichts ohne Sondergenehmigungen.
Wir haben hier sogar eine so superschlaue Ministerin, die einen kompletten Stausee in ein endlich intaktes Forellengewässer (Helme) ablassen möchte, um dann möglicht mit voller Absicht den Stausee Fischfrei zu haben, da die Fische die Wasservögel fressen (!!!) bzw. Ihnen die Nahrung wecknehmen. Politiker wissen es halt immer besser....
Fred
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon fliegenfeger » 27.07.2020, 08:23

Hallo,

@Markus

MarkusZ hat geschrieben:Wenn also andere Prädatoren fehlen, müsste halt der der Mensch die Anzahl der Fische auf das Maß reduzieren, dass es für das einzelne Individuum wieder optimal ist .


Würde das bedeuten untermaßige Fische zu entnehmen?! Das kann ja keine Lösung sein.

@Christian

einen Gewässerwart gibt es leider nicht, da das Wasser in Privatpacht ist. Was ist für dich tiefes Wasser? Bei einer durchschnittlichen Wassertiefe? von 35cm (Pegelwert stark abhängig vom Wasserstand) gibt es auch Löcher von 1m bis 1,5m.
Die Monstergumpen von mehreren Metern Wassertiefe gibt es da nicht.

Sorry an Gebhard, ich wollte/will von deinem Thema nicht zu weit abschweifen. Für das Bier hätte ich noch eine Idee: mach doch ein kleines Forumstreffen. :mrgreen:

Gruß
Armin
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon FlyandHunt » 27.07.2020, 10:40

Hallo RC,

klingt sehr interessant und schön, dass es noch positive Wandlungen gibt. Unser Bach, ist wirklich nur noch ein Bächlein. Ein Industriegebiet wurde geschaffen und ein natürliches Feuchtgebiet trocken gelegt. Seitdem ist im Sommer Ebbe und ich gehe gar nicht mehr angeln, erst wenn der Regen da war. Sehr schade und traurig. Früher gab es auch die 50er+ Fraktion. Das ist aber schon ein paar Jahre her.

@ RC: Was mich noch interessiert ist das Anlegen vom Laichgebiet. Kann man das einfach machen, wenn ja wie? Oder nur mit behördlicher Genehmigung!?

Die tiefe des Wassers mag sicher eine Rolle spielen, jedoch aber noch wichtiger sind die sicheren Standorte. Uferüberhang, Wurzeln, tiefliegende Sträucher/Bäume.
Selbst da habe ich in 40-50cm Wassertiefe Kiloforellen gefangen.

Offtopic: Auch wenn die Länge ja oft entscheidend ist, ich beurteile Fische lieber nach Gewicht.

Grüße
Ferdinand
„There is no greater fan of fly fishing than the worm. “ Patrick F. McManus
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Re: Wen's interessiert

Beitragvon MarkusZ » 27.07.2020, 11:40

Hallo,

fliegenfeger hat geschrieben:Würde das bedeuten untermaßige Fische zu entnehmen?! Das kann ja keine Lösung sein.


Keine Ahnung wie hoch euer Schonmaß ist. Menschen müssten sich aber schon dran halten.

Wenn aber die Masse an Fisch tatsächlich untermaßig ist und nur wenige Exemplare das Schonmaß erreichen, dann läuft da ggf. schon was schief.

Ich kenne Privatstrecken an kleinen Bächen wo die BaFos regelmäßig über 50cm oder noch größer abwachsen.

Aber Ferndiagnosen sind wie gesagt nicht zielführend.

Und mit den wenigen Daten zum Lebensraum schon mal gar nicht.

Allein an einem Faktor liegt so etwas aber i.d.R. nicht.

Freut mich jedenfalls, dass es wenigstens bei RC jetzt positive Entwicklungen gibt.
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