Wo sind unsere Insekten geblieben?

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Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon Fliifi-Sepp » 07.05.2021, 02:34

1981 habe ich meinen Führerschein gemacht. Der Weg zu nächsten Disco war weit und an einem lauen Sommerabend mußte man oft an eine Tankstelle fahren, weil die Waschanlage die vielen Insekten nicht mehr "geschafft" hat.
Lange Jahre schon mußte ich keinen Insektenschwamm mehr verwenden. Die wenigen Insekten an einem lauen Sommerabend schafft meine Waschanlage problemlos.
Nach unterschiedlichen Studien haben wir in den letzten 30 Jahren bis zu 80% unserer Insekten verloren. Nicht der Arten, sondern der Gesamt-Masse!

Die "konventionelle" Landwirtschaft mit Pestizid-Einsatz und Überdüngung mit Gülle durch zu hohe Tierbestände, verbunden mit Futtermais-Anbau (Erosion der Böden) soll einen wesentlichen Teil dazu beitragen, daß unsere Gewässer und unser Trinkwasser großflächig schwer belastet sind.

In der Schweiz gibt es nun eine Initiative gegen diese Umweltsünden, die auch Rolf Fischknecht als Tierarzt und Betreiber der Seite "Swissflies" finanziell unterstützt. Unbedingt auch die sehr informativen Videos dazu anschauen:
https://lebenstattgift.ch
https://www.initiative-sauberes-trinkwasser.ch

Das sollten sich alle Schweizer zu Herzen nehmen und für diese Initiativen stimmen!

Wäre schön, wenn es auch in anderen Ländern solche konstruktiven Initiativen geben würde.

LG Sepp
Fliifi-Sepp
 
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon orkdaling » 07.05.2021, 07:58

Moin Sepp,
erstmal zu dem was die Schweizer vor haben - gute Sache.
Nun kommt das "Aber" - Zitat:
"Die "konventionelle" Landwirtschaft mit Pestizid-Einsatz und Überdüngung mit Gülle durch zu hohe Tierbestände, verbunden mit Futtermais-Anbau (Erosion der Böden) soll einen wesentlichen Teil dazu beitragen, daß unsere Gewässer und unser Trinkwasser großflächig schwer belastet sind."

Durchaus richtig aber es ist zu einfach alles auf die "konventionelle Landwirtschaft" zu schieben, die gab es schon immer und es gibt auch heute erhebliche Unterschiede bei der Belastung der Bøden, des Trinkwassers.
Unterschiede innerhalb der Mitgliedslænder der EU, einschliesslich CH,Lux,N und auch zwischen konventionell produzierenden Landwirten.
Schau dir die Belastung mit Nitraten und Phosphaten an, welche Lænder die Spitzenwerte einnehmen, welches von der EU verklagt wurde ...
Es ist also nicht unbedingt der Landwirt selbst sondern die ihm vorgegebenen oder sagen wir besser aufgezwungenen Produktionsmethoden.
zB die Førderung der Stromproduktion (dazu Mais in Monokultur), die Abhængigkeit von der verarbeitenden Industrie vom Milchpreis bis Zuchtschwein...

Einfach gesagt, die Agrarlobby regiert in der EU. Auch gerade jetzt beschlossen, die 55Mrd Subventionen an die Landwirtschaft werden zu einem Grossteil (38Mrd) an die Flæche der Betriebe gekoppelt. Wer gross ist bekommt viel, nicht etwa als Ausgleich fuer Schutzztreifen oder Ersatz fuer den Minderertrag durch weniger Duengemittel. Auch der Handel mit Guelle erfolgt weiter. Die wird gewinnbringend verkauft an Betriebe wo keine Guelle anfællt.
Fruehere konventionelle Landwirte hatten soviele Tiere wie ihr eigener Hof ernæhren konnte, heute hast du Mastbetriebe mit Guelle und auf der anderen Seite reine Pflanzenzuchtbetriebe.
Ganz zu schweigen davon das man den Urwald rodet um Soja fuer Tier- und Fischfutter zu produzieren.
Oder man verkauft die Milchueberproduktion als Milchpulver bis hin zum Joghurt nach Afrika und zerstørt die dortigen Kleinbauern.
Natuerlich auch von der EU geførdet - man hilft ja Afrika.

Das www ist voll davon :
https://www.facebook.com/sarahwieneroff ... 194995579/
https://www.bund.net/fileadmin/user_upl ... klaert.pdf
https://www.swr.de/odysso/agrarlobby-ge ... index.html

Auch hier in Norge wird zZ mal wieder gestreikt, die Bauern kippen den Regierenden die *menschliches Verdauungsprodukt* vor die Tuer. Die Einen wollen mehr Stuetze von Staat, die Anderen weniger Mittel fuer die bevorzugte Fischzucht, die Dritten Arbeitskræfte aus dem Baltikum und vom Balkan, die Vierten keine Agrarimporte besonders bei Kæse und Fleisch ,... also eine Gemengelage wie in der EU.
Dann kommt noch dazu das auch hier im Sept. gewæhlt wird.

Auch hier gibt es viel weniger Insekten, weniger Vøgel, weniger Wildblumen...
Aber versuch mal dem Bauer zu erklæren das er weniger Duenger einsetzen soll, das er die dreifache Menge braucht um vergleichsweise das zu ernten was man unter optimalen klimatischen Bedingungen erzeugt.
Muss ein Bauer duengen und spritzen um den Vorteil der suedlicher gelegenen Bauern auszugleichen ?
Schon ein Bauer hier oben im Trøndelag hat andere Bedingungen als ein Bauer in Sued Norge.
Und auch die Ertræge in Sued Norge liegen weit unter dem EU Durchschnitt.
Also doch lieber Getreide aus der EU kaufen und zu Futter verarbeiten?
Soja wæchst ja hier nicht darum kommt das fuer die Fischzucht aus Sued Amerika, von da wo gestern noch Bæume standen.

Weder eine Initiative aus der Schweiz noch aus Norge werden an diesen Zustænden etwas ændern, das was da produziert wird darueber lacht die EU-Agrar-Lobby. Die sehen die Schweiz und Norge max als Absatzgebiet fuer Unkrautvernichter.
Gestern im TV gesehen - in Mitteldeutschland soll eine Flæche von 120 Fussballfældern mit Solarcellen bestueckt werden.
Ja wenn man mit der konventionellen Landwirtschaft so wie sie heute praktiziert wird nichts verdient, na dann macht man aus bestem Ackerboden
halt Stromgewinnung. Natuerlich nicht ohne Førdermittel !

Aber es wære dumm nichts zu tun. Ich erklære meinen Mitfischern und Bauern immer was ich so als Lehrling Ender der Siebziger geerntet habe, da werden sie blass und haben noch mehr Angst vor der EU.hahahaha
Den Schweitzern wuensche ich wiel Erfolg!

Gruss Hendrik

Na einer geht noch.
Ich hab seit ein paar Jahren Insektenhotels aufgestellt, meine Pflaumen und Kirschbæume sind voll das ich Æste stuetzen musste.
Sogar die Johannis- und Stachelbeeren , selbst Erdbeeren gedeihen im kaltem Norden bestens.
Und da wo Platz ist fæhrt nicht Kollege Roboter , da hab ich Wildblumenmischungen angelegt.
Geduengt wird nur mit Kompost, Torf, Abdecken mit geheckseltem Strauchschnitt gegen die Trockenheit im Sommer...
kann eigentlich jeder tun !
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon orkdaling » 07.05.2021, 18:20

Oh , sehe eben das das bøse Wort durch *menschliches Verdauungsprodukt* ersetzt wurde.
Ok, muesste dann aber *tierischers Verdauungsprodukt* heisssen was da vor der Treppe der Parteizentrale der regierenden Partei abgekippt wurde.
Aber ganz umweltbewusst, damit nichts in die Kanalisation gelangt wurde eine grosse Plane untergelegt.
Freundliche Bauern!
Gruss Hendrik
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon Harald aus LEV » 08.05.2021, 09:22

Hallo Sepp,
ich finde das ist eine gute Aktion und sollte von anderen Ländern übernommen werden.

Gruß
Harald
RFFS-
Rheinischer Fliegenfischer Stammtisch

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(Metallica)
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon Poulsens » 08.05.2021, 11:11

Auch ich kann mich erinnern, als ich vor über 10 Jahren nach Schweden-Norwegen fuhr, sah man die Autos dort mit Gaze vor dem Kühlergrill, als Insektenfang, ich glaub das ist auch dort nicht mehr so doll, Dänemark mit all den Feldern auch .
Gruselig das Ganze.
Paul
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon The Sharpshooter » 08.05.2021, 20:10

Servus,
kleines „off topic“ … oder doch nicht … :doubt:

Bei unseren Sommerlagern mit Jugendlichen in den frühen 70zigern, hatten wir häufig sogenannte „Blödeldiskussionen“ veranstaltet. Das Thema sollte möglichst absurd, unrealistisch und bar jeglichen Vorbehalten oder ideologischen Hintergründen sein. Die Idee dahinter: die Kids sollten lernen freudig zu diskutieren, sich zu trauen – auch vor mehr Leuten aufzustehen und zu reden, Argumente zu finden und zu entwickeln, die „Gegenseite“ zu verstehen, aber dennoch zu widerlegen usw usf – klingt sehr „pädagogisch“ - war aber oft auch ein Riesenspaß. Die beliebtesten Themen waren: „Der Nachbar klaut einen Eimer Trinkwasser“ oder „Müssen wir Fangnetze vor die Autowindscheiben spannen zum Schutz der Insekten“ … völlig absurde Themen … damals :smt017

lG Christian
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon orkdaling » 09.05.2021, 07:10

moin nochmal.
besser kuerzer kann man es nicht zusammenfassen
https://www.wwf.de/aktuell/insektenster ... rmationen/

Uebrigens die aktuelle Duengemittelverordnung der EU ist von 2019 und wird 6/2022 verbindend gueltig !

Lesestoff
https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2021- ... weltschutz
https://www.zeit.de/wissen/2020-07/wild ... usa-kanada
https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019- ... -kloeckner

Gruss Hendrik
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon MarkusZ » 09.05.2021, 14:38

Hallo,

The Sharpshooter hat geschrieben:in den frühen 70zigern


Da haben die Bauern noch richtige Giftkeulen wie DDT gesprizt. Was in den Kunstdüngern damals so drin war, will ich gar nicht wissen

Wir hatten zu der Zeit noch 5 Vollerwerbslandwirte im Ort, die Viehzucht und Ackerbau betrieben haben.

In unserem Flüsschen gab es damals unter jedem Stein massig Fischnährtiere und an Bachforellen und Äschen war kein Mangel.

Heute haben wir noch einen Landwirt, der im Nebenerwerb Biolandbau betreibt, und einen mit nem Pferdehof. Der Rest hat aufgegeben.

Am Ufer fast nur noch Grünland.

Die Wasserqualität ist eine Stufe besser geworden, auch die Klärwerke sind deutlich leistungsfähiger.

Fischnährtiere haben deutlich abgenommen, Äschen sind verschwunden. Bachforellen könnte man reichlich fangen, wenn man wollte, aber nur zwischen Mitte April und Anfang September. Und die haben ziemlich Einheitsgröße und Aussehen.

Dürfte wie so oft nicht ne einzige Ursache sein, die solche Veränderungen bewirkt.

Da spielt wohl einiges zusammen.
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon orkdaling » 09.05.2021, 17:56

Markus,
"Was in den Kunstdüngern damals so drin war, will ich gar nicht wissen"
In den Kunstduengern war damals genau das drin was heute auch drin ist, egal ob fuer die Landwirtschaft oder den Hobbygærtner.
Da steht zB drauf NPK Duenger. Dazu die Angabe in Prozent fuer Stickstgoff,Phosphor,Kali.
Das Problem sind nicht die Bestandteile der Kunstduener sondern das Ueberduengen damit!

Neben dem Ausbringen der Guelle ( in den 70igern halt noch Stalldung da ja mit Stoh eingestereut wurde) als organische Duengung erfolgt ja noch die Duengung mit Kunstduenger.
Beide Gaben sollten das abdecken was a) der Boden laut Bodenwertzahl/Bodenanalyse und b) die entsprechend angebaute Kultur benøtigt.
Mal ganz einfach, auf einem sandhaltigem Boden mit Bodenwertzahl von 65 brauche man mehr Duengemittel als auf einem humusreichem Boden mit Wertzahl von 100 (høchste Stufe). Dann erfordert jede Kultur unterschiedliche Mengen der verschiedenen Næhrstoffe.
Darum ja auch Fruchtfolgen statt Monokultur um die Bøden nicht auszulaugen.
Schon im alten Messepotamien/Zweistromland betrieb man die Dreifelderwirtschaft, heisst: 2 verschiedene Fruchtfolgen +1 Ruhejahr

Das mit dem Næhrstoffbedarf, dem Anteil in den einzelnen Duengemitteln wusste der Bauer in den 70igern als ich das mal erlernt habe genau so gut wie der Bauer heutzutage.
Kein normal denkender und wirschaftlich arbeitender Bauer wird zuviel Kunstduenger kaufen, also Geld verschwenden.
Duengemittel und Pestizide/Funkizide sind aber verschieden Paar Schuhe !

Der Unterschied von frueher und heute, in der frueheren Jahren wurde noch auf Stroh gehalten was dann als Stalldung ausgebracht wurde und den Boden nicht nur mit Næhrstoffen anreicherte sondern auch noch Humus gebildet wurde.
Auch da wusste der Bauer das Schafmist wertvoller ist als Schweinemist oder das Huehnermist mehr Phosphor enthælt.
(Beispiel Guano ,Vogeldung mit hohem P-Anteil gibts auch heute, Hornspæne als Langzeitdueneger ebenfalls, einfach mal in Blumenladen schauen)
Spæter oder halt heute gab/gibt es aber fast keine Stallhaltung auf Stroh, nee strohlose Haltung was dann zur Guelle wird.

Diese Guelle fællt in den heutigen Mastbetrieben an und muss ja irgendwo hin - das ist das Problem!
Dazu kommt noch das man keine eigenen Flæchen hat wo man die Guelle zur Duengung entsprechend dem Boden/Anbaukultur ausbringen kann.
Also wird das Zeug durch die Lande gefahren, sogar ueber die Grenzen!
Heute kommt es zur Ueberduengung, die Bøden werden mit Nitraten angereichert, es werden Monokulturen angebaut mit einseitigem Bedarf, nicht zuletzt gelangt das alles in die Fluesse bzw Grundwasser, die Insekten sterben und die Trinkwasserpreise steigen.

Egal ob konventionell arbeitender Bauer oder Bio Bauer, wenn man soviel Dung/Guelle bzw Kunstduenger einsetzen wuerde wie frueher bzw soviel wie Boder/Abbaukultur/Fruchtfolge erlauben - na dann wære das alles kein Problem.
Gernau darum hielt man frueher soviel Tiere wie der Betrieb durch Pflanzenproduktion ernæhren konnte - da gab es keine Mastanlagen und Guelleprobleme.
Frueher gab es aber Feldgehølze, Windschutzstreifen, Bachlæufe mit breitem Uferstreifen, Organische Duengung (Voraussetzung fuer Bakterien und Insekten)
Heute gibt es neben Mastanlagen auch landw. Grossbetriebe mit Monokulturen die Bodenerrossion, Trockheit verursachen und wo nach einen heftigem Regen die Guelle in die Bæche gelangt.

Ich ging 76 in die Lehre in einem Pflanzenzucht/Vermehrungsbetrieb mit 7000ha ( 1ha =100x100m), heute haben die ueber 10.000ha.
Das sind zehntausend Fussballfelder ! Und dafuer bekommt man pro Hektar Nutzflæche Stuetze von der EU.

Man kønnte auch auf Duenger verzichten, den Bauern mit hoher Bodenwertzahl weniger oder keine Førdermittel geben und denen mit niedriger Bodenwertzahl entsprechend mehr. So als Wettbewerbsausgleich.
Aber wo bleibt die Guelle, wo das Milchpulver was nach Afrika geschickt wird (wieder mit EU Stuetze), wo das viele Schweinefleisch was der Exportweltmeister nach Asien schickt ( nicht mehr Fussball- nee Schweinefleischweltmeister) und wieviel Kunstduenger, Pestizide braucht man dann eigentlich noch ?
Hat die Agrarlobby ein Interesse daran was zu ændern? Wollen die vom Giesskannenprinzip der Førdermittelverteilung weg?
Haben die Lust auf Renaturierung, Bachstreifen, Windschutzgehølze, Bluehstreifen ?
Oder sind die mehr an Stroh und Mais fuer die Stromproduktion interessiert? Wieder mit Førdermitteln.
Und natuerlich an den sogenannten Pflanzenschutzmittel die weltweit vermarktet werden.

Es ist einfach auf die Bauern zu schimpfen aber was sollen sie unter den gegeben Bedingungen machen (ich rede von Bauern nicht von den Agrar/Mastbetrieben)
Der eine baut Mais in Monokultur an weil er vom konventionellen Hof nicht leben kann, der andere schlægt sich als Biobauer ueber die Runden, der næchste verkauft besten Ackerboden fuer die Aufstellung von Solarzellen...

Ich finde die Schweizer Iniative gut, aber letztendlich ist es nur ein Tropfen auf den heissen Stein und den Insekten wir es nur besser gehen wenn sich grundsætzlich was an den Produktionsverhæltnissen/methoden und Subventionen andert. Und nicht zuletzt vom Verhalten der Verbraucher.

Gruss Hendrik
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon MarkusZ » 09.05.2021, 18:41

Hallo,

orkdaling hat geschrieben:Es ist einfach auf die Bauern zu schimpfen aber was sollen sie unter den gegeben Bedingungen machen


Bei uns haben fast alle Höfe aufgegeben.

Der Nebenerwerbsbiolandwirt hat nur paar Hühner und etwas Gemüse in Direktvermarktung.

Der Pferdehof nutzt die Mehrzahl der ehemaligen Felder als Grünland oder Reitfläche.

Gift spritzen hab ich schon ewig keinen mehr sehen und dass kaum noch gedüngt wird, riecht man.

Würde also nicht behaupten wollen, das bei uns in der Gegend die Landwirte die Hauptschuld tragen.

Allerdings weiß bei uns eh keiner so genau, wie es um den Insektenrückgang bestellt ist, denn ein regelmäßiges Monitoring gab es im letzten Jahrtausend nicht.

Bei der vielzitierten Krefelder-Studie wurden die Fallen m.W. in einem Naturschutzgebiet gestellt.

Natürlich dürfte die intensive, industrielle Landwirtschaft ihren Anteil dran haben.

Aber so plakativ alles den Bauern allein in die Schuhe schieben zu wollen, wäre jetzt nicht mein Ding. Das überlasse ich entsprechend medienaffinen, spendensammelnden Organisationen.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass da ne ne Kombination verschiedener Faktoren ne Rolle spielt.

Herauszufinden an welchen man dann ggf. was ändern könnte, ist m.E. Sache der Wissenschaft.
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon orkdaling » 10.05.2021, 06:45

Moin nochmal,
ja das ist ein seitenfuellendes Thema, leider meist nur auf die Landwirtschaft bezogen die zweifelsfrei einen Hauptanteil ausmacht.
Jeder kann sich darueber informieren, im TV sowie auf den Seiten der jeweiligen Regierungen usw.
https://www.br.de/rote-liste/insekten-i ... r-100.html
https://www.bundesregierung.de/breg-de/ ... tz-1581358

Mir ist es aber, wie erwæhnt, zu einfach das alles an den Bauern aufzuhængen.
Nur mal ein paar Beispiele, Umweltgifte gibt es auch in den Farbanstgichen bzw Materialien der so gelobten Fassadendæmmung, in Reifenabrieb in Form der Weichmacher. Bodenversieglung findet in allen Kommunen statt, ueberall Beton oder Asphalt.

Soja, grossflæchig in Suedamerika angebaut wo dafuer Wald abgefackelt wird, befindet sich im Tierfutter (einschliesslich norw. Zuchtlachse) aber auch im gelobtem Tofu (wir schonen ja die Umwelt wenn wir weniger Kuh essen , hahaha)
Palmøle, in Monokultur in Asien angebaut, sind nicht nur in Schokoriegeln, nee auch in den Hautpflegemitteln den LachsfischerInnen.

Schmetterlinge wandern nicht nur von Mexiko bis Canada, nee sie nutzen auch den Jet Stream um von Afrika ueber Spanien bis hin nach Scandinavien zu kommen, so wie viele Zugvøgel auch.

Das mit dem Insektensterben ist also nicht unbekannt, es ist ein globales Problem das man weder an deutschen, schweizer oder norwegischen Bauern aufhængen kann. Es ist auch hinreichend erforscht, nur es geschieht ausser ein paar Aktionsplænen viel zuwenig. Lobby læsst gruessen!

Kurz und knapp, keine Insekten bedeutet keine Bestæubung , keine Insekten bedeutet aber auch weniger Vøglel, Igel, Eidechsen, Fischlein ...
Ende vom Lied sind dann Mæuse oder Blattlausplagen. Aber dafuer gibt es dann ja wieder was auch der Chemischen Industrie fuer den Bauern und Gartenbesitzer.

Gruss Hendrik

Ach ja, das mit den Høfesterben hat nicht nur was mit konventioneller, Grossflæchen oder Bio Landwirtschaft zu tun.
Im Zeitalter der Globalisierung exportiert man Zuchtfische (Forellen aus Chile, Doraden aus Griechenland, Lachse aus Norwegen...)
aber auch Schweinefleisch aus Deutschland rund um die Welt.
So wie der deutsche oder schweizer Kleinbauer nicht mehr von der Milch oder dem Schlachtochsen leben kann, so ergeht es auch den norwegischen Bauern (ca 1/3 der Høfe in den letzten 20 jahren verschwunden).
Die verdienen kein Geld mit dem Schweinebraten zu Weihnachten und schimpfen auch ueber deutsches Fleisch, vom Eisbein, Schweinekamm, Hackepeter ... Grillsaison læsst gruessen.
Und der sæchsische Fischer, dem die Kormorane alles aufgefressen haben, der ærgert sich ueber Ræucherfisch aus Norwegen, Wildlachs aus Canada...
Der næchste ueber die Butter aus Irland und suessen Joghurt gibt es wohl nun weltweit, selbst da wo die Hirten nur 10 Kuehe treiben.
Aber das wære wieder ein anderes Thema.

Und an die Lachsfischer und Meeresfischer sowie Gletscherbesteiger, die ja hoffentlich bald wieder reisen kønnen,
darum esst bitte Butter aus Røros, Ziegenkæse von der Hardanger Region, Rentiersalami aus der Finmark und trinkt das Bier aus der nørdlichsten Brauerei der Welt https://www.nzz.ch/panorama/norwegen-no ... nderklasse
ok, die ist auch klasse https://www.mack.no/de/
(wo wæchst eigentlich der Hopfen - By, Cz ?)
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon Fliifi-Sepp » 10.05.2021, 21:35

Hallo Hendrik,

da hast Du wohl Recht, mit dem was Du schreibst!

Hallo Markus,

Niemand will einfach nur den Bauern die Schuld in die Schuhe schieben und das habe ich definitiv auch nicht getan!
Wie bei den Initiativen in der Schweiz gut dargestellt, liegt es an der Subventionspolitik, daß wir eine Landwirtschaft haben, wie wir sie eben jetzt haben.
Die Bauern würden liebend gerne auf eine ökologischere Landwirtschaft umsteigen, wenn sie sich das leisten können. Einige haben sogar trotz der verfehlten Subventionspolitik auf Bio umgestellt. In Deutschland sind es ca. 10% in Österreich ca. 25%. Um aber eine Wende einzuleiten, müßten es mindestens 75% sein.
Das geht nur, wenn die Verbraucher mehr Bio-Produkte kaufen und wenn die Subventionspolitik nachhaltig geändert wird, so daß eine Kostenwahrheit bei den Lebensmitteln hergestellt wird. Dann wären Bio-Lebensmittel nicht mehr wirklich teurer, als konventionelle Lebensmittel.

LG Sepp
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon Sigi » 10.05.2021, 22:58

[quote="Fliifi-Sepp"] In Deutschland sind es ca. 10% in Österreich ca. 25%. Um aber eine Wende einzuleiten, müßten es mindestens 75% sein.[/quote]

Nun sind jedoch im Coronajahr 2020 die Umsätze an Bio Lebensmitteln in D um etwa 6% gestiegen. Lt.meiner Gattin, Marktforscherin in diesem Bereich.
Kann man nur hoffen, das unsere Marionetten der Agrar Lobby trotzen und endlich den bäuerlichen, regionalen Kleinbetrieben ihre Aufmerksamkeit
schenken. Denn die sollten es sein, die uns ernähren.
Und wenn die Subventionen nicht nach Fläche, sondern nach Nachhaltigkeit verteilt würden, wäre das ein ganz großer Schritt nach Vorn.

Dann wäre es zum Wohle des Volkes. Und dem der Insekten.

Gruß
Sigi
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon orkdaling » 11.05.2021, 09:06

Moin,
genau so ist es Siggi, das Gieskannenprinzip der Umverteilung der Agrarhilfen muss endlich weg.
Aber wie man sieht, es fehlt der Wille bei der Lobby und auch bei den einzelnen EU Vertragsstaaten.
Da streitet ma sich wer jæhrlich wieviel fuer seine Bauern raus holt.
So wie es jetzt læuft ist es ein Systhem bestehend aus Agrarlobby, Parteipolitik und Staatinteressen was eine Umgestaltung der Landwirtschaft vernindert.

Es muss halt viele solche Schweizer Iniativen geben, mehr Auflkærung die den Verbraucher erreicht usw.
Ein schønes Beispiel, es gibt auch Fischzuchtbetriebe die auf Soja verzichten und den Grossen zeigen das es geht.
Es gibt sogar Kommunen die in den Kuechen der Schulen, Kindergærten, Altenheimen auf Zuchtlachs verzichten.

Bio wird es aber nicht ueberall geben kønnen, schon aus Gruenden der Bodenfruchtbarbeit, dem (Næhrstoff)Bedarf der einzelnen Kulturen usw.
Die Monokulturen und das besonders in ganzen Regionen der einzelnen Lænder sorgen auch dafuer das sich Krankeiten besser entwickeln und verbreiten.
Folge ist grossflæchiger Einsatz von Pestiziden und Funkiziden.

Wir haben den Bauern empfohlen ihre Rundballer mit Grassilage (beinhalten ja Siliersalz) nicht in unmittelbarer Næhe von Bæchen zu lagern.
Es kommt immer wieder vor das Rehe,Hirsche,Elche diese durchbeissen um an das leckere Futter zu kommen, die Silagefluessigkeit tritt aus und gelangt bei Regen in hoher Konzentration in die Bæche. Nix mehr mit Eintagsfiegenlarven & Co. Auch nix mehr mit Fischbrut.

Solange die EU /Staaten nicht aus den Hufen kommen, solange die Agrar und Nahrungsmittellobby weiter ihr Spielchen treiben,
hælt es ja niemanden davon ab seinen kleinen Beitrag zu leisten.
Ich verzichte schon mal auf Soja, esse keinen Zuchtlachs und fange meine selber (hahaha - Spass!)
Nee , ich rede mit den Bauern die ja oft Eigner der Strecken sind, ihre Grassilage nicht am Bach zu lagern und die Windverhæltnisse beim Spritzen zu beachten. Keine Wasserinsekten - keine Smolts - dann verkaufst du auch keine Angelkarten mehr.
Windstærke/Richtung beachten?
Schaut mal wie man an die (Frueh)Kartoffeln kommt. Heute hat man ja keine Zeit mehr bis das Kraut abgewelkt ist, nee entsprechend Abnehmerwusch wird ein Teil zeitnah totgespritzt um ernten zu kønnen. https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/ ... -6770.html
Man kann aber dem Bauern sagen das er gefælligst zu einer Tageszeit spritzt wo das Gift nicht direkt ins Wasser verblæst.
Unterlassen wird es es nicht (kønnen), denn nur wer termingerecht die Fuehkartoffel liefert verdient damit gut Geld.
Ja ich weiss, schlaue Sprueche, geht natuerlich nur wenn man die Bauern noch kennt. Bei teilweise ueber die Grenzen arbeitenden Grossbetrieben geht das natuerlich nicht, da wird die Schweineguelle ueber die Lændergrenzen exportiert und was nicht dem Nitrat zum Opfer gefallen ist bekommt die chemische Keule auf den Kopf.

Na dann viel Vergnuegen mit Spargel und neuen Kartoffeln!
Gruss Hendrik
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Re: Wo sind unsere Insekten geblieben?

Beitragvon webwood » 11.05.2021, 12:16

Hallo,

kein Fachartikel oder kompetente Verlinkung. Da fehlt mir das Wissen, doch habe ich etwas Erfahrung mit Blühwiesen, sogenannte Bienenweiden.
Das bringt wirklich was. Zwar habe ich einen Mähroboter, der steht indes auf höchster Stufe, also Gänseblümchen, Löwenzahn und so kleine blaue Blümchen wachsen im Rasen und mittels Kontaktschleife habe ich 2020 eine Bienenweide angelegt, Das ist dadurch eine Area 51 für den Roboter. Es war erstaunlich wie viele Insekten (Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Nachtfalter, Heuschrecken, Spinnen) in einer relativ kleinen Fläche Platz und Nahrung fanden. Ich bin gerade dabei mehr Flächen als Blühwiesen in meinem Garten zu schaffen.
Klar hat nicht jeder einen Garten, aber wer kann, sollte einfach was für die Insekten abzwacken und hübsch anzusehen ist so eine Blühwiese ja zudem auch noch.

TL

Thomas
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