Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

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Trockenfliege
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Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Trockenfliege »

Die meisten von uns haben zumindest schon mal was von der 3,75° Methode gelesen. Oder auch der CCM Common cent Methode.

Bei beiden Methoden geht es darum, einer Rute durch eine definierte Biegung einer Schnurklasse zuzuordnen.

Dabei gefällt mir die CCM besser, da hierbei die Rute deutlich stärker belastet wird.
Ich möchte jetzt keine Diskussion hier eröffnen, welche Methode besser ist oder wie genau sie sind, bzw. wie genau die Schnurklasse wirklich passt, die man nach der Umrechnung dann haben soll.

Ich habe nie nach einer dieser Methoden gemessen, habe jetzt aber interessenshalber einige Ruten nach einem ähnlichen Schema vermessen.
Dabei habe ich mich an der Biegung der CCM orientiert, allso eine Durchbiegung der Rute um ca. 1/3 der Rutenlänge.
Das wären bei einer 9´ (2,75m) also ca. 90cm.

Mit geht es nur um einen Vergleich meiner Ruten und nicht, aus dieser Biegung eine genaues Schnurgewicht zu finden!
Ich weiss, was ich mit meinen Ruten werfen kann, manche Ruten fische ich sehr viel und kann sie daher sehr genau beurteilen, andere sind vielleicht neu, wenig gefischt oder haben mich einfach ob ihrer Klassenangabe überrascht.
Meine alte Sage LL 9´5 zb. kam mir - sehr Sage untypisch eher leichter vor als 5.
Oder auch die 5er Method und die 6er Wraith kamen mir beim Werfen von der Wurfkraft her identisch vor - ihre Aktionen, Kopflastikkeit sind aber unterschiedlich.
Es ging mir also in 1. Linie um einen Wurfkraftvergleich der Ruten.

Dadurch, dass ich mit vorgegebenen Gewichten gearbeitet habe, war eine genaue Austarierung wie bei den beiden oben angesprochenen Methoden nicht nötig und das Ganze ging viel schneller.

Versuchsaufbau:
Die Ruten werden waagerecht in einen Rutenhalter gelegt, sodaß die vordere Auflage im vorderen Bereich des Griffes liegt. Dann habe ich mit der Wasserwaage die Waagerechte oberhalb des Griffes überprüft.
Danach habe ich die Höhe der Spitze über Grund gemessen, die je nach Rutendurchhang variabel war um ca. 2 cm. Unterschiede im Durchhang der verschiedenen Ruten sind mir egal.

Dann habe ich je nach Schnurklasse entweder 110, 130 oder 170 gr. an die Spitze gehängt.
Ziel war es, eine Durchbiegung von ca. 85 - 95cm zu erhalten bei 9` , also ca. 1/3 Rutenlänge.
Die Gewichte ergaben sich einfach aus dem, was ich gerade zur Hand hatte und das waren 3 Karpfenbleie ( ja, auf die angel ich auch :mrgreen: , wenn auch heute fast nur noch mit Kieselsteinen)

Dabei haben sich meine werferischen Eindrücke bestätigt: Die 5er Method und die 6er Wraith wurden auf den cm gleichstark durchgebogen, ca. 83 cm bei 130gr.
Und auch bei der 5er LL zeigte sich, dass sie tatsächlich ca. 1 Klasse unter anderen Sage 5ern lag - oder 5ern anderer Firmen.
Die XP und die VXP in 5 haben bei 130gr einen Durchhang von 94 bzw. 93cm, sind also gleichstark, wenn auch unterschiedlich in Schnelligkeit, Wurfgefühl.


Mal übersichtlicher, Belastung mit 130gr., alles 9´Ruten:
Method 5er : 83 cm
Wraith 6er : 83 cm
XI3 6er : 75 cm
SP + 5er : 83 cm
Sage Response 6 : 83 cm
Winston MX 6 : 85 cm
RPL+ 4er! : 91 cm
Killwell Innovation 6 : 77cm

Belastung mit 110gr.:

RPL+ 4er : 83 cm
RPL 4er : 86 cm
LL 5er ! : 90 cm

Jetzt mal 8,5´Ruten, Belastung mit 110 gr. , da im Schnitt leichtere Schnurklassen:

Daiwa Hexagraph 5/6 : 85cm
Loomis IMX 6er : 78 cm
Epic Glasblank 6er : 84 cm
Orvis Western 6er : 77 cm
Hardy Sovereign 6/7 : 79 cm
Hardy deluxe 6/7 : 77 cm

Cabelas schnelle 4er : 80 cm
Winston Boron II 4er : 88 cm
Fenwick Worldclass 5er : 85 cm
CTS Glas 4er : 90 cm

Ich habe noch viel mehr Ruten vermessen, aber da viele von denen Eigenbauten sind, die keiner kennt oder auch Glasruten, will ich euch hier nicht damit langweilen.

Aber noch ein paar Schmankerl:

2 6-teilige Exori Reiseruten, beide mit 130gr.:

9´ 5/6 : 90 cm
9´7/8 : 85cm
Also bei der angeblich 2 Klassen höheren Rute gerade mal 5cm Unterschied.

Nun lässt aber die Erfahrung mit meinen Ruten in Kombination mit den Meßergebnissen folgende Schlüsse zu:

Bei GLEICHER Länge und gleichem Belastungsgewicht bedeuten ca. 10 cm Unterschied ca. eine Schnurklasse.

- d.h. die 7/8er Exori ist gerade mal 1/2 klasse stärker als die 5/6er
- die 6er Epic ist gerade mal eine 5
- die 5er LL eine 4
- die SP+, 5 locker eine 6
- die XI3, 6 eine 7
- die Winston MX 6 , die beim ausgiebigen Vergleich mit einer Winston Boron II in 7! sich als etwas stärker erwies, ist eine 6. ( und die Boron 7 dann allenfalls eine 6-)
- die 5er Methode eine 6
- die 6er Wraith ist tatsächlich eine 6
- die 4er RPL+ eine 5
- eine alte Fenwick HMG 9´ 10 ist eine 8er ( sie ist ein wenig schwächer als die 8er Affinity X)
- eine noname 5er Glasrute ist eine Klasse stärker als die 6er Hardy Glas.
usw.

Ich habe bisher ca. 70 meiner Ruten vermessen.

Direkte Vergleiche ungleichlanger Ruten werden natürlich schwieriger, hier wäre dann eine Vermessung a´la CCM bis zu einer definierten Auslenkung besser geeignet.
Für meine Zielsetzung reicht diese Art der Vermessung aber völlig aus, da ich sehr gute Vergleichsmöglichkeiten mit mir sehr gut bekannten Ruten habe.

Es hilft auch bei manchen Diskussionen. So wurden die Serie der obengenannten Noname Glasblanks mit der 3,75° Messung durchweg leichter gemessen als ihre Angabe, obwohl sie meiner Meinung nach alle schwerer ausfallen. Dieses Ergebniss der 3,75° Methode könnte an der extrem weichen Spitze dieser blanks liegen, die schon bei geringer Belastung die 3,75° Linie erreichen.
Dabei wird die extrem progressive Entwicklung des blanks nicht berücksichtigt. Bei einer Biegung um ca. 1/3 Rutenlänge geht dagegen die Belastung schon deutlicher ins HT.
Ach ja, die 8´ "5er" Noname wirft eine 11,5m Keule mit 22gr ziemlich locker....
Ob ich da mit meiner Einschätzung von Klasse 6 immer noch ein bischen daneben liege... :mrgreen:

LG
Reinhard
Fliifi-Sepp
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Hallo Reinhard, interessanter Thread!

Ich habe vor einiger Zeit auch eine Reihe meiner Ruten nach einer der genannten Methoden vermessen lassen. Das Ergebnis war ähnlich oder genau so, wie Du es schilderst:

Sage LL 8,6´#5 3-teilige gemessen eine #4 (die "alte" LL, nicht die neue "Trout LL"!)
Lage SP 9´#6 2-teilig in gemessen eine #7
Sage RPL+ 9´#6 4-teilig gemessen eine #7
Sage TXL 7´#3 3teilig gemessen eine #2

Ich kenne die genannten Ruten aus jahrelanger praktischer Erfahrung sehr gut und die Messungen bestätigten meine bisherigen Eindrücke meist:
Die LL (als #5 gekennzeichnet) bekommt "ein ganz neues Leben" mit einer Schnur #4.
Auch die TXL (als #3 gekennzeichnet) wird mit einer Schnur #2 wesentlich "spritziger".
Die Sage RPL+ (als #6 gekennzeichnet) entwickelt ihr volles Potential erst mit eine Schnur #7 wirklich.
Nur die Sage SP (als #6 gekennzeichnet) läßt sich zwar mit einer Schnur #7 auch gut werfen, aber für mein Empfinden paßt eine Schnur #6 besser.

Die vier genannten Ruten sind nur Beispiele für die anderen Ruten, die ich vermessen habe lassen.

Obwohl nicht das Thema in diesem Thread, möchte ich ergänzen, daß sich die oben geschilderten Erfahrungen auch auf exakt gewogene (also der tatsächlichen Gewichtsklasse entsprechenden) Schnurklasse beziehen. Auch da gibt es teils erhebliche Abweichungen zu den Angaben der Hersteller.

Aus meiner Sicht kann beides nicht toleriert werden:
Falsche Angaben zur Schnurklasse der Rute und genau so wenig falsche Angaben zur Gewichtsklasse der Schnüre!
Der schon seit einigen Jahren geläufige Trend einiger Hersteller, Ruten mit niedrigeren Schnurklassen anzugeben, für die es dann "übergewichteter Schnüre" bedarf, ist schlichtweg eine Vera...... der Käufer, die ich strikt ablehne!!!!

Klar, daß eine LL in der Länge oft auch kürzere Entfernungen eingesetzt wird und da eine Schnur #5 eher besser "funktioniert". Und auch, daß eine Sage RPL+ in der genannten Länge (damals zumindest) oft für weitere Wurf-Entfernungen verwendet wird. Aber ich will selber entscheiden, für welche welche Situationen ich niedrigere oder höhere Schnuklassen verwende. Von den Herstellern erwarte ich mir korrekte Angaben, nämlich die, die dem entsprechen, was auf den Ruten und den Schnüren steht!

Man kann über die AFFTA-Klassifizierung diskutieren, aber Tatsache ist, daß diese zumindest eine Vergleichbarkeit (korrekt angegeben) der Ruten und Schnüre geährleistet. Und sooo Praxis-fremd ist die AFFTA-Klassifizierung richtig angewendet zumindest bei Einhand-Ruten auch nicht.

LG Sepp
Zuletzt geändert von Fliifi-Sepp am 10.01.2022, 22:39, insgesamt 1-mal geändert.
superfredi
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von superfredi »

:D interessant finde ich auch, das Reinhart gerade mal 70 (!) seiner Ruten vermessen hat! :D
Da würde ich gern mal Mäuschen spielen, was so für Schätzchen darunter sind ! :p :daumen
Fliifi-Sepp
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Schön, daß Reinhard nur 70 seiner Ruten vermessen hat. Das heißt, er hat noch mehr.

Gleich mal zu meiner Frau und ihr diesen Beitrag zeigen. Die meint immer, daß niemand so viele Ruten brauchen kann, wie ich habe. Vielleicht versteht sie dann, daß man eigentlich sogar mehr Ruten braucht, als ich sie habe?

Danke, Reinhard!!!

LG Sepp
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von TorstenHtr »

Hallo Reinhard,

Es gibt verschiedene Verfahren; international ist nur das CCS halbwegs verbreitet. So kompliziert ist es nicht, ich würde gerne meine (alte) Anleitung als PDF anhängen, leider erlaubt mir das Forum das nicht. Daneben existieren Erweiterungen, wie Messen der dynamischen Eigenschaften (z.B. Messung der Eigenfrequenz) oder auch Bestimmung des Trägheitsmoments.

Man kann auch eine Kurve aufnehmen und daraus ein Polynom interpolieren. Anbei eine uralte Messung von 2009.

Viele Grüße,
Torsten
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orkdaling
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von orkdaling »

Moin,
mal meine drei Cent dazu. Wie Torsten schrieb, es gibt mehrere Messmethoden.
Ausserdem, mir nuetzt es wenig wenn ich weiss wie eine Rute im 1/3 arbeitet, aber die eine ist es eine spitzenbetonte Rute und bei der anderen handelt es sich um eine Rute mit parabolischer Aktion die bis in den Griff arbeitet. (gibt sogar Ruten mit Wechselspitze)
Um es mal einfach zu sagen, es gibt Ruten die sich besser zum schiessen eignen aber nicht zu Unterhand taugen, bei DH schon gar nicht wenn dabei nur das 1/3 arbeitet.
Ich mach mir auch keinen Kopf um 1g Wurfgewicht, nicht nur weil es heute Ruten fuehrender Hersteller gibt wo nicht nur 2 Klassen (z.B. #5/6) drauf stehen sondern drei Klassen. Z.B. #7/8/9 oder gar #9/10/11 - das geht mir dann auch zu weit, aber Sinn der Aktion ist es nun mal (weil man in den verschiedenen Stilen eine erhebliche Breite hat) an zu geben was man da an Leinengewichten ran hængen kann.
Und fakt ist nun mal, egal welche Methode, egal wie genau vermessen, an einer zb EH#7 mit ermitteltem und vom Hersteller angegebenenWurfgewicht von 17g (12g bei 9,15m laut AFFTA was optimal mit einer WF konformen Leine passt) genau diese Gerte verlangt aber in Switch Cast bzw Unterhand eine Leine von 19-21g- sonst funktioniert dieser Wurf nicht.
Und wenn ich es mal noch krasser darstelle, selbt eine genau vermessene DH #10 mit 38g wirft auch Leinen von 48g und mehr bei der Long Belly Technik.
Ich weiss aber das eine meiner Gerten eine steifere Spitze hat und eben diese 38g in Spey cast besser wirft ,aber die andere eine durchgehende Aktion hat und die Langleinen besser wirft- da wæren wir bei der Rutenaktion die sich nicht nur auf die Spitze oder1/3 bezieht sondern auf die gesamte Biegekurve, egal ob 9ft oder 18ft Rute.

Ist ja schøn zu wissen ob die eine Rute 1g mehr WG hat und die andere 1g weniger, fuer mich ist die Aktion der Rute entscheidender und die Leinen (besonders EH Vollschnuere) haben neben Rear-Taper noch eine bis zu 4m Lange Handlingszone, dann gibt es noch sowas wie Doppelzug oder Anker - all das muss man beachten !

Ach ja, meine letzte erworbene fuer die Saison 2021 - da steht doch tatsæchlich 41-45g drauf, dazu noch AFFTA 10/11 und die fische ich mit 42 bis 52g Leinengewicht.
Wenn ich in die AFFTA Tabelle schaue die seit 2004 gilt, dann beginnt #10 mit 33,1g und endet bei 55,8g.
Die #11 jedoch bei 39g und endet bei 61,7g - was wohl alles richtig ist , aber diese Gerte kann ich auf grund ihrer Aktion, Biegekurve, Material nur bis zu den 52g belasten, da hat sie ihre Leistungsgrenze. Gluecklicher Weise hab ich noch eine ander #10, steifer in Spitze bis Mittelteil, haut auch 22m und 56g weg.
Das zu wissen ist entscheidend !

Natuerlich tragen die Vermessungen, egal welche Methode , dazu bei wie ich meine Rute einschætzen und was ich damit anstellen kann.
Besonders dann wenn man eine Rute aus USA fischt wo nur " 8-line" drauf steht und ich nicht weiss ob die Brueder das Teil, handelt sich um eine Switch, nach EH oder DH klassifiziert haben. Erst nach Suche im www und "nachmessen" stellte sich heraus das dieses Teil ca26 braucht . Und was bedeutet das nun wieder _ liegt ueber der Einhandtabelle aber unter der Zweihandtabelle- halt 11,6ft Switch.
Ach ja vom selben Hersteller hab ich noch eine "8 line" mit 13,6ft mit dem Zusatz 600+/-50grain.
Nur hat dieses Teil eine medium-fast Aktion und ich kann diese 35 -42 g damit werfen ohne mir einen Kopf ueber Biegung zu machen, die wirft alles in dieser Klasse.

Ach ja, sicher kommt nun wieder - Der mit den dicken langen Pruegeln.
Ich hab auch EH und die werfen das was GL oder Scott dort als Fenster drauf gedruckt haben, noch nie nachgemessen weder Rute noch Leine. Eben weil da ein Fenster drauf steht, weil die Strippen eine Handlingszone haben, weil die mal Ueberkopf und mal Unterhand geworfen werden.
Und mal ehrlich, schon wenn man eine Rute im Laden ohne Schnur wedelt bekommt man mit wie in etwa die Aktion ist, ob man sich das Teil næher anschaut und probewirft oder gleich wieder ins Regal stellt.
Kann mich aber tæuschen, bei nur 4 Switch, ca 10 EH und 10 DH die aktiv sind, bei ein paar Sammlerstuecken, genau weiss ich das alles nicht mehr, aber ich weiss immer noch welche Rute welche Aktion hat und welche Leine in Gewicht und Profil dazu passt.

Gruss Hendrik

Na einer geht noch, ich kenne aber auch meine Eisangeln und weiss welche fuer Mormyschka geeignet ist und welche einen Blink mit 15cm Vorfach und Made vertrægt.
Trockenfliege
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Trockenfliege »

Thorsten und Hendrik, vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt.

Es geht mir bei dieser Vermessung nicht um der direkten Zuordnung einer Schnurklasse zu einer Rute, sondern um den Vergleich.

Beispiel s.o. : Jemand hat schon die 5er Method, von der er weiss, was sie wirft. Jetzt möchte er eine neue schnelle Rute in 6 als Ergänzung.
Er entscheidet sich für eine 6er Wraith, die auch als sehr schnelle Rute verkauft wird. Dann stellt er aber fest, dass er mit der Wraith auch nur die gleichen Schnüre werfen kann, wie mit der Method.
Die Wraith fühlt sich zwar insgesamt anders an, wirft aber nicht mehr Schnurgewicht. Wenn er jetzt beide Ruten nach diesem sehr einfachen Schema vermisst, weiss er warum. Beide Ruten sind gleich wurfstark, klassengleich. Dies ist aber keine Aussage über ein tatsächlich zu werfendes Schnurgewicht!

Oder er hat eine Rute vergleichbar mit der 5er LL, s.o., und möchte die nach unten hin ergänzen, also eine Klasse leichter. Dann kauft er sich eine Rute wie die RPL 4 und wundert sich.
Wenn er dann die beiden Ruten mit dieser Messung vergleicht, wird er feststellen, dass die 4er RPL kräftiger ist, als die 5er LL. Ganz einfach.

Eine tatsächliche Schnurgewichtszuordnung mache ich erst, wenn ich zumindest eine der beiden Ruten ausführlich kennen gelernt habe.
Dann kann ich sagen: Meine mir gut bekannte Method 5 wirft das Gewicht XY sehr gut, also kommt die 6er Wraith, die ich noch nicht geworfen habe, sondern nur vermessen, mit dem gleichen Gewicht XY genausogut zurecht.

Auf nichts anderem beruht ja die CCM, allerdings ordnen die einem definiertem Gewicht eine Schnurklasse zu, die aber nicht unbedingt mit meinen praktischen Ergebnissen übereinstimmt.
Das kann an meinem Wurfstil liegen ect.
Also nochmal: Wenn jemand nach "meiner" Methode vermisst, bekommt er vor allem mal einen Vergleich seiner Ruten und kein exaktes Schnurgewichtsergebniss.
Das bekommt er erst aufgrund seiner eigenen praktischen Wurfpraxis, s.o.

Was ich für mich rausgefunden habe ist aber, das bei einem Auslenkungsbereich von ca. 80 - 90 cm an 9´Ruten eine Abweichung von ca. 10 cm etwa einer Schnurklasse entspricht.
Wenn eine mir bekannte Rute sich bei 130gr. um 80 cm auslenkt, dann ist eine gleichlange Rute bei einer Auslenkung von 90gr. ca. 1 Klasse leichter.
Diese 10 cm haben sich auch erst aus meiner praktischen Erfahrung ergeben.

Hendrik, bei CCM oder "meiner" Methode wird nicht 1/3 der Rute ausgelenkt, sondern die Auslenkungslänge entspricht einem 1/3 der Rutenlänge!
Dabei wird eine Rute schon weit ins Handteil belastet.

LG
Reinhard
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Trockenfliege »

Ja Sepp, es sind noch einige mehr.......
Bisher habe ich fast nur über 2,4m gemessen, nur bis Klasse 9, keine Gespliesste, keine 2- Hand, nur wenige meiner alten Glasruten........ :mrgreen:

R.
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von orkdaling »

Moin Reinhard,
habs schon verstanden, bisher hab ich es noch mit Probewerfen herausbekommen, zumindest bei den DH wo manchmal eine Untere Rutensktion in Festigkeit eines Zaunpfahls verbaut wird.
Du solltest zu sowas uebergehen - nicht Kisten wie im Bild damit man sieht was man eingelagert hat, nee auf die Ruten und dann kann man die Aktion scannen
8c903a94d4226eea9c2fb30eea195757.jpg
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Spass!
Hendrik
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von TorstenHtr »

Hallo,

anbei zum Verständnis eine Zeichnung für das Common Cents System.

Ich denke das sollte fast selbsterklärend sein, diese Messung charakterisiert die Biegesteifigkeit bei 1/3 Rutenlänge Auslenkung. Mit dem Aktionswinkel wird zusätzlich die Art der Aktion abgebildet. Z.B. hat eine Rute mit ausgeprägter Spitzenaktion einen höheren Aktionswinkel, weil die Spitze steiler ausgelenkt wird, ich denke das ist recht gut verständlich.

Die ERN (= Effektive Rutennummer) wird aus dem Testgewicht bestimmt, typische Werte liegen im Bereich 1 - 15 für Fliegenruten; 1 hätte eine total weiche Rute, 15 ein richtiger Prügel (für SW oder Castingsport). Es ist ein also Index der etwas über die Biegesteifigkeit aussagt. Prinzipiell kann die ERN auch für die Prognose einer Schnurklasse verwendet werden, da Bill die Funktion an die Herstellerempfehlungen der Schnurklassen orientiert hat. Er wurde dafür auch kritisiert; bspw. Magnus Agnus vom Magazin "Fly Fishing & Fly Tying" hatte für seine Reviews nur das Testgewicht und den Aktionswinkel angegeben. In der Tat ist die Zuordnung zur Schnur z.T. auch vom Werfer/Wurfstil abhängig, das kann schlecht in dem System abgebildet werden. Ich persönlich würde eine etwas höhere ERN für eine bestimmte Schnurklasse bevorzugen, d.h. ERN 6 für eine #5 Schnur.

Viele Grüße,
Torsten
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Hans.
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Hans. »

TorstenHtr hat geschrieben:
Die ERN (= Effektive Rutennummer) wird aus dem Testgewicht bestimmt, typische Werte liegen im Bereich 1 - 15 für Fliegenruten; 1 hätte eine total weiche Rute, 15 ein richtiger Prügel (für SW oder Castingsport)....
Hallo Torsten,

wie hoch ist bitte (jeweils) das Testgewicht???

Dank und Gruß
Hans
Man muss nicht alles mitmachen...
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von orkdaling »

Moin Torsten,
ich hoffe ich darf dich mal zitieren, sicher erinnerst du dich daran (FFF 22.03.2007)
Auszug:

Es gibt keine AFTMA-Nummer für Fliegenruten - nur Fliegenschnüre wurden (und werden) von der AFTTA spezifiziert, d.h. du kannst keine AFTMA für Fliegenruten messen.
Die aufgedruckte Nummer ist im Prinzip eine Empfehlung des Herstellers für die Schnurklasse. Wird z.B. subjektiv durch Testwerfen ermittelt mit mehr oder weniger sinnvollen Aussagen...

Die Effektive Rutennummer (ERN) ist ein Indikator für die mittl. Steifigkeit der Fliegenrute. Je höher, desto steifer ist die Rute.
Der Aktionswinkel (AW - engl. AA, action angle) ist der Winkel zwischen Tangente Rutenspitze und Horizontale, bei 1/3 Rutenlänge Durchbiegung. Je höher, desto spitzenbetonter ist die Rute ....
Der AA (action angle) beschreibt die Aktion des Blanks und gibt den Winkel an, den die Blankspitze bei einer definierten Durchbiegung hat. Je größer der AA, desto schneller die Rute.
Leider geht das im Englischen ein wenig durcheinander - schneller eigentlich nicht sondern spitzenbetonter. Die Rückstellgeschwindigkeit kann mittels eines dynamischen Verfahrens gemessen werden - Beispiel: Messung der normierten Frequenz, wobei man ein Testgewicht an die Rutenspitze hängt (Simulation Fliegenschnur). Oder die natürliche Frequenz (ohne Testgewicht), die aber schwer zu messen ist.

Meine drei Cent,
kønnte man auch sagen - Steifheit der Rute (ERN) und Aktion des Blanks (AA) entscheiden was ich mit dem Teil letztendlich anstellen kann.
Hoher AA, also spitzenbetont, sorgt fuer enge Schlaufen, dagegen eine durchgehendere Aktion besser fuer grosse D-Loop , Switch Cast.
Oder noch einfacher, kurze Schnur schiessen lassen oder lange Leine ablegen sind auch 2 paar Schuhe. Darum ist mir auch relativ Wurst was da irgendjemand als AFFTA Angabe auf die Gerte druckt. Immer nur ein Richtwert!
Gruss Hendrik
Trockenfliege
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Trockenfliege »

Hans, hier findest du eine Tabelle.

https://www.common-cents.info/part1.pdf

Ich stimme aber nicht unbedingt mit dieser Schnurgewichtszuordnung überein.
Als Vergleichsmöglichkeit finde ich CCS gut, die dort genannten absoluten Werte passen für MICH nicht unbedingt.

LG
Reinhard
Zuletzt geändert von Trockenfliege am 13.01.2022, 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
Sterneskjud
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Sterneskjud »

Guten Tag,

für eine bessere Verständlichkeit zwecks der Sprache gibt es Torstens Abhandlung, die er hier als PDF nicht anhängen konnte, im Netz. Ich hoffe Thorsten weiß das auch. :D https://silo.tips/download/messverfahre ... iegenruten
Andere Abhandlungen und Übersetzungen anderer Leute zum CCS oder URRS gibt es im Netz auch.

freundliche Grüße
René
Royal Coachman
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Re: Ruteneinschätzung nach Biegesteifigkeit

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Freunde!

Als schon betagter Fliegenfischer frage ich mal, wofür ist das gut?
Was kann man damit anfangen?

tight lines
RC
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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