Die "80/20" Regel

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hshl
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Die "80/20" Regel

Beitrag von hshl »

Hallo Wurffreunde,

so langsam bereiten sich viele von Euch auf das bevorstehende Saisonende vor und vielleicht ist der eine oder andere daran interessiert, wie die aktuelle Diskussion bezüglich der physikalischen Beschreibung / Eigenschaften unserer Fliegenruten ist :wink: .

Unverändert ist die Einsicht, dass unsere Fliegenruten „biegsame, flexible Hebelarme“ darstellen (selbstredend :lol: ). Verändert hat sich aber die Einsicht, wie die Fliegenrute die im Griff eingegebene Energie zur Spitze hin überträgt.

Von dieser veränderten Einsicht bezüglich der Energieübertragung ist auch die sogenannte „80/20“ Regel betroffen. Die vorgenannte Regel besagt, dass der Hebelarm unserer Fliegenruten rund 80 % und die Biegung / Ladung der Fliegenrute rund 20 % zum Wurf beitragen. Dieses Verhältnis kann zwar etwas variieren, allerdings wurde auf Grundlage dieser Regel der "Ladung" (da sie nur einen Beitrag von um die 20% herum leistet) eine eher geringe Bedeutung für den Fliegenwurf zugesprochen.

Anfang 2016 ist es gelungen, den Fliegenwurf mit einem „2D Modell“ abzubilden und seitdem wurde diese Regel sukzessive „aufgeweicht“. Mit diesem Modell wurde bestätigt, dass die Biegung nicht nur eine „Ladung“ im Sinne einer gespeicherten, potentiellen Federenergie, sondern auch eine Umverteilung des Drehimpulses hervorruft. Unter Berücksichtigung dieser Umverteilung zeigt sich, dass in Anhängigkeit vom verwendeten Equipment sehr große Abweichungen von dieser Regel möglich sind.

Für eine gewöhnliche, moderne Einhand- Fliegenrute hat das „2D Modell“ beispielsweise folgende Beiträge für die Energieübertragung errechnet (nachzulesen im Thread #13 auf Sexyloops): Hebelarm = 55%, Kombination Hebelarm/Feder = 15%, Reine Feder = 17%, Kombination Feder/Peitsche = 3%, Reine Peitsche 10%). Bei einer langen Zweihandrute reduziert sich der Beitrag des Hebelarms sogar auf nur 30%, während sich die Beiträge der anderen Energieübertragungsgrößen entsprechend erhöhen (die Zweihandrute stellt diese Regel fast auf den Kopf !).

Anders gesprochen: der Hebelarm trägt weniger und die Biegung mehr als bisher gedacht zur Energieübertragung bei ! :!:

Für mich sind das spannende Entwicklungen 8) ! Für alle, die tiefer einsteigen wollen, empfehle ich meinen Artikel „Einfluss des Drehimpulses auf den Fliegenwurf“.

Tight lines, Tobias
Energieübertragung Griff -> Spitze = Hebelwirkung ("Rotation + Translation") + Zwischenspeicherung ("Rutenladung") + Umverteilung ("Drehimpuls/Massenträgheit")
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