Fehler beim Maifliegenfischen

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Royal Coachman
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Sven!

Genau darum geht es, Du gehst fischen "wenn es sich zeitlich ausgeht", das ist etwas anderes, als sich einen Tag "frei zu schaufeln" und dann ausschließlich zu Fischen und nicht um eine "Nebentätigkeit" die im Berufstress eingebettet ist.

Das soll keine Kritik sein, oft geht es auch nicht anders, nur habe ich leider erlebt, dass der Berufstress sich am Wasser nahtlos fortsetzt und hier zumindest wäre Entschleunigung dringend angesagt.

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Harald aus LEV
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Harald aus LEV »

Ich habe mich schon vor Jahren vom zwanghaften Fische verabschiedet und dem Genussfischen verschrieben.
Früher zog ich häufig los, auch wenn ich nur ein kurzes Zeitfenster hatte. Habe dabei zwar Fische gefangen, aber erholt oder ruhiger war ich danach nicht. Heute muss ich nicht jeden Tag Fischen (kann ich zeitlich auch gar nicht). Ich gehe Fischen, wenn ich es zeitlich einrichten kann. Dann versuche ich mich zu entspannen und zu beobachten. Darauf folgt das Fischen - konzentriert aber ohne Hast.
Und man glaubt es kaum, auch so kann man Fische fangen.
Auch muss ich nicht bei Lufttemperaturen von +25 Grad C fischen. Die Gewässer, die ich befische sind teilweise stark der Sonne ausgesetzt, sodass auch in den schattigen Partien das Wasser für Forellen zu warm bleibt. Ich glaube, dass das oft unterschätzt wird. Das aufgeheizte Wasser strömt in die Schattenpartien, kühlt sich aber dort erst sehr langsam ab. Wenn an solchen Stellen jemand fischt, und eine ausgedrillte Forelle released, hat er ihr einen schlechten Gefallen getan. Bei solchen Temperaturen haben die Fische genug mit Atmung und Stoffwechsel zu tun. Da muss ich sie nicht zusätzlich stressen.

Gruß
Harald
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trutta1
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von trutta1 »

Lieber Harald und RC,

Ja! Genau darum geht es!
Dem möchte ich auch nichts weiter hinzuzufügen!

TL, Frank
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Maggov
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Maggov »

Hallo,

ich gehöre auch zu der Fraktion die sich die Zeit zum Fischen dann nehmen muss wenn es Arbeit und Familie zulassen. Mal passt das mit einem Maifliegenschlupf zusammen, mal nicht. Was das Thema "Entschleunigung" betrifft so können sicherlich einige hier im Forum bestätigen dass sich das bei mir über die Jahre hinwegverändert hat. Vor 15 Jahren hätte ich 20 Minuten nach Ankunft im Wasser gestanden und durchgefischt, heute sieht das etwas entspannter aus und ich werfe deutlich weniger als ich beobachte. Ich glaube auch dass diejenigen die hart fischen und sogar diejenigen die dabei nicht gut fangen was aus dem Tag raus bekommen. Zumindest in meinem Fall war in beiden Konstellationen am Abend ein zufriedener und müder Markus wieder zu Hause und ich habe diese Anfangsjahre nicht bereut. Mit nur beobachten übt man nicht das Werfen, probiert nicht verschiedene Taktiken aus und gewinnt nicht die notwendige (Selbst-)Sicherheit für "den einen Wurf". Da ich den Luxus habe meist sichitige Gewässer fischen zu dürfen fische ich kaum noch auf Verdacht sondern suche die Fische und fische dann. Das klappt doch aber auch nur dort wo man so fischen kann - Stelle mir gerade einen kopfschüttelnden Meerforellenfischer vor...

Da ich aber auch kein Wasser habe wo starke Maifliegenschlüpfe vorkommen ist genau da eine Ausnahme: sehe ich vereinzelt Maifliegen am Wasser kann es schon passieren dass ich eine anknüpfe und damit Suchfischen betreibe. Die Chance eine Forelle auf die dicke Trockenfliege zum Steigen zu motivieren ist einfach zu verlockend und es funktioniert recht gut. Dass ich damit an einigen Strecken einem Nachfolgenden Fischer 2 Std. Funkstille beschere ist richtig, trifft aber auch zu wenn ich suchend den Fische "vertrete".

Was das Fischen bei grenzwertigen Wassertemperaturen betrifft so ist das für mich unabhängig von der Art wie man fischt, entweder denkt man dran und beherzigt es oder eben nicht. Viel wichtiger in diesem Zusammenhang erscheint mir die Frage ob ich bei solchen Temperaturen entnehme kann oder releasen will. Wer entnimmt und nicht im Kindergarten fischt kann das wg. mir auch bei 25 Grad Wassertemperatur im Hochsommer machen - wer releasen will sollte sich aus meiner Sicht stets fragen wie hoch die Überlebenschancen sind, nicht nur wenn es heiß ist auch in anderen Fragen wie Widerhaken andrücken, welche Hakengrößen im Verhältnis zu den Fischgrößen Ok sind, was für eine Vorfachstärke/Gerät ich wähle und ob Suchfischen zur Stelle/Population passt... Das passt für mich aber nicht mehr in den Kontext von dem Eingangsthread.

Die Abendsprünge habe ich oft verpasst weil ich zu früh heim gefahren bin, bereut habe ich das i.d.R. nicht weil mir die Zeit am Wasser wichtiger war als der Fangerfolg. Wenn ich abends zu Hause sein muss dann fahre ich trotzdem lieber tagsüber ans Wasser als ganz zu Hause zu bleiben. Und wenn das Wasser/Wetter zu heiß für eine Stammstrecke ist so habe ich Gott sei Dank Alternativen. Diesen Luxus haben aber auch nicht alle.

Was die Chancen betrifft eine Bachforelle im prallen Sonnenschein an zu treffen sehe ich es auch so, bei Regenbogen (aber auch bei Aiteln, Karpfen und Äschen) habe ich aber auch schon das Gegenteil erlebt.

Deshalb finde ich es schwer aus dem Maifliegen- und anderen Beispielen hier eine gute, allgemeingültige Regel ab zu leiten.

Ich verstehe das Eingangsposting so, dass derjenige der Erfahrung an einer Strecke hat diese mit den "Neulingen" teilen sollte - hilft ihm (Spot wird nicht dauernd vergällt) und dem Anderen (spart sich die Energie für das richtige Moment auf), aber Erfahrungen von einem auf das andere Wasser zu übertragen ist gefährlich. Was Neues rauskommt sollte ich nicht per se verteufeln und was früher gut ging nicht als altbacken oder überholt abtun. Dann kann aus uns allen doch nur ein noch besserer Fliegenfischer werden ;)

LG
Markus
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trutta1
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von trutta1 »

Hallo Markus,

bei mir war es in etwa so wie bei Harald!
Einige Stunden Fischen nach der Arbeit waren zwar besser als nichts, aber eine richtige Erholung oder Entschleunigung fand fast nie statt.
Lediglich beim Maifliegenfischen, das ich schon wirklich lange so betreibe, empfand ich immer eine Besserung. Ich war irgendwie sofort Eins mit der Natur!
Kann natürlich auch daran liegen, dass ich mir für diese Zeit immer eine Woche frei nehme.

In jungen Jahren noch als ,,Läufer" und ,,Dauerwerfer" unterwegs, lernte ich ziemlich schnell warum die ,,Alten" irgendwo am Ufer, versteckt im Gras saßen. Anfangs dachte ich sie waren einfach müde und mussten sich ausruhen, ob ihres Alters.
Nachdem ich Gewässerwart wurde und am Ende des Jahres die Fangbücher der ,,Alten" in den Händen hielt, wusste ich mehr!
Ich machte es ihnen nach, was Anfangs noch nicht so ganz einfach für mich war!
Aber ich wurde irgendwie ruhiger und der Erfolg blieb auch nicht aus.
Klar fing ich weniger, aber ich konnte dadurch auch wesentlich selektiver Fischen.
In den letzten Stunden des Tages einfach am Bach zu sitzen, die Natur beobachten und einfach genießen!
Wenn dann noch die Große steigt.........

TL, Frank
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Hawk
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Hawk »

trutta1 hat geschrieben: In jungen Jahren noch als ,,Läufer" und ,,Dauerwerfer" unterwegs, lernte ich ziemlich schnell warum die ,,Alten" irgendwo am Ufer, versteckt im Gras saßen. Anfangs dachte ich sie waren einfach müde und mussten sich ausruhen, ob ihres Alters.
Nachdem ich Gewässerwart wurde und am Ende des Jahres die Fangbücher der ,,Alten" in den Händen hielt, wusste ich mehr!
Als ehemaliger Gewässerwart und Anhänger der Läufer und Dauerwerfer Fraktion kann ich zumindest für die von mir befischten Gewässer ganz klar das Gegenteil behaupten, an denen gibt es (leider) keine effektivere Methode als mit einem Koppenstreamer oder einer Mausimitaton alle möglichen Unterstände auf Verdacht abzuklappern. Selbst in der Maifliegenzeit habe ich noch keine 40+ forelle steigen sehen.
Mit ins Gras setzen und abwarten könntest du hier ziehmlich lange warten.
Gruß
Sven
Royal Coachman
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Hawk!

Man kann auch Forellen zum steigen bringen.

tight lines
RC

PS: es wird nur kaum probiert.
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Hawk
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Hawk »

Ich würde um eine Kiste Bier wetten das du außerhalb der Maifliegenzeit an meinen Heidebächen keine 35+ Forelle zum steigen bringst :wink:
edit: furchende Reizfliegen wie Stimulator, Goddard Sedge oder große Foam Muster mal ausgenommen damit klappt das gelegentlich.
Gruß
Sven
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MahiMahi
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von MahiMahi »

Royal Coachman hat geschrieben:Man kann auch Forellen zum steigen bringen.
Das geht auf jeden Fall.
Die ganze Saison fische ich und mein Sohn schon so. Erste Märzwoch 2 Grad kalt trotzdem 6 Farios zum Steigen überredet.
Letztes Wochenende im Schwazwald nichts steigt trotzdem nur trocken gefischt, wir haben nicht gezählt.
Alles auf 14er Paraloop im schnellen und langsamen Wasser. Keine Monsterfliegen.

LG
Harry
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von trutta1 »

Hallo Sven,

erst einmal geht's hier ja ums Maifliegenfischen!
Deine Heidebäche kenne ich nicht, aber die Bäche die ich befische sind alles sandgeprägte Tieflandforellenbäche.
In einem Punkt hast Du Recht! Außerhalb der Maifliegensaison wird's schwer, was wirklich Gutes mit der Trockenfliege zu überlisten.
Da sind die großen Reizfliegen, Hopper oder gar Frosch und Mausstreamer auf jeden Fall die bessere Wahl!
Vor allem wenn man es auf größere Forellen abgesehen hat.
Und auf diese nicht besetzten, sondern wild aufgewachsenen großen Bachforellen fische ich seit Jahren zur Maifliegenzeit, wie beschrieben.
Die Durchschnittsgröße der zur Maifliegenzeit gefangenen Bachforellen hat sich dadurch bei mir sehr positiv verändert!
Die Durchschnittsmenge eher verringert, was mich aber nicht stört!

Halt mehr Qualität in allen Belangen!

TL, Frank
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Fliifi-Sepp »

So unterschiedlich sind die Erfahrungen!

Aus meinen Erfahrungen heraus schließe mich der Fraktion der Mayfliegenfischer in der Mayfliegenzeit an. Aber nicht nur dann.

Etwas vor der Maifliegenzeit ging ich an einen guten Pool einer stark befischten Strecke. Eine Gruppe von vier Fliegenfischern kam mir entgegen. Sie erzählten mir, daß sie alle den Pool mit Nymphen und Streamern durchgefischt hätten. Einige Fische wären schon an den Haken gegangen, aber keine wirklich nennenswerten.

Keine guten Voraussetzungen! Aber da ich nun schon mal dort am Wasser stand, wollte ich noch ein paar Würfe mit meiner 10er Trockenfliege machen. Nach ein paar Würfen kam von ganz unten der "Chef vom Pool", eine Bachforelle von deutlich über 50 Zentimeter und nahm meine Fliege gierig! Leider hatte ich in der Strömung keine Chance mit meinem 16er Vorfach Stroft GTM und plombierte den Fisch.
Nach Wechsel auf 18er Vorfach bekam ich im gleichen Pool noch einige weitere gute Fische an den Haken, aber keiner war so groß, wie der erste.

An anderen Stellen konnte ich ich noch einige weitere Fische zwischen 40 und 50 Zentimetern mit der Trockenfliege fangen. Während der ganzen Zeit war keine regelmäßige Steigaktivität erkennbar.

Richtig RC: Man kann die Fische auch zum Steigen bringen!

LG Sepp
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von MahiMahi »

Hallo zusammen,
diese Fario mit ...cm hatte mein Junior im Juno aus einem Schwarzwaldflüßchen mit der Trockenen aus ca. 2 m Tiefe motivieren können.
Fario55.jpg
Fario55.jpg (753.12 KiB) 466 mal betrachtet
LG
Harry

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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Danke Hendrik, für die Links zu den Videos!

Das sind ja coole Typen!

Ein Lied über die Fliegen beim Fliegenfischen zu singen, ist wirklich witzig. Und so wie es ausschaut, sind die auch recht resistenz gegen Stechmücken (wenn das welche sind, zumindest schauen sie unseren recht ähnlich), die sie in ganzen Schwärmen umkreisen?

Die Videos sind wirklich gut und unterhaltsam gemacht!

LG Sepp
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Re: Fehler beim Maifliegenfischen

Beitrag von trutta1 »

Danke fürs reinstellen Hendrik!

Sind wirklich schöne Videos!

TL, Frank
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