E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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stalling-frank
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E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von stalling-frank »

Hallo zusammen,

wie sind eure Erfahrungen mit E-Befischung (nur zur Bestandsaufnahme) hinsichtlich der Aktivität und Nahrungsaufnahme der Fische? Dauert es nach der E-Befischung nur Stunden oder doch mehrere Tage, bis die Fische wieder ihr normales Fressverhalten zeigen? Nehmen die sonst standorttreuen Bachforellen wieder ihre alten Standplätze ein oder ergibt sich diesbezüglich ein völlig neues Bild?

TL
Frank
Royal Coachman
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo !

Ich halte eine ausschließlich zur Bestandsaufnahme durchgeführte E-Befischung für ganz schlecht.

Besonders die Kleinfische nicht nur Jungforellen werden geschädigt, sie treiben ab und werden von den "Unterlieger-Räubern" als willkommener Snack
gefressen.

Auch eine solche "Bestandaufnahme" bei Äschen konnte ich mit erleben, am nächsten Tag wurde nochmals die gleiche Strecke "untersucht", kaum eine
Äsche von vorher über 200 wurde am nächsten Tag noch gefangen.

Solche Befischungen sollte man nur in einem Gewässer durchführen, das schwer geschädigt ist, um fest zu stellen, was ist denn überhaupt noch da.

Ich weiß, jetzt werden einige wieder über mich herfallen, aber solche Erlebnisse kann man nicht wegdiskutieren.

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RC
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trutta1
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von trutta1 »

Hallo Frank,

Bestandaufnahme über Fressverhalten bzw. Nahrungsaufnahme?? Was soll das bringen? Wenn ich einen Bach bewirtschafte, bin und sollte ich auch über den Nährtierbestand meines Bachs informiert sein!
Und nach dem Nährtierbestand wird sich das Fressverhalten der Bachforellen richten! Einfach mal Steine umdrehen oder Pflanzen untersuchen, dann weiß ich auch was die Forellen fressen. Auch ein guter Kleinfischbestand ist ein guter Gradmesser für die biologische Vielfalt im und am Bach!
Wir hatten unseren Bach lediglich zur Laichfischgewinnung elektrisch abgefischt, um den Bestand an heimischen Bachforellen zu erhalten.
Für alle Kleinfischarten ist ein elektrisches Abfischen, wie RC richtig beschrieb, nicht nur Stress sondern Lebensgefährlich!

TL, Frank
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AlexX!!
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von AlexX!! »

hi

also bei uns kommt alle zwei Jahre das RP und macht WRRL Monitorings E-Fischen auf einer Referenzstrecke.
Ich war schon mal Tags drauf dort fischen und hab keine eine Einschränkung gemerkt.
Ich hab mir den Bach nach der Fischung immer genau angeschaut ob nicht irgendwo tote Fische zurück bleiben,
aber noch nie was entdeckt.
Bei anderer Gelegenheit, als wir Fische zum Umsetzen nach dem E-Fang (Fischbergung) gehältert haben, ist schon der ein oder andere
Fisch nicht mehr zu sich gekommen (im Eimer)

Grüße
"Besatz mit fangreifen Forellen ist wie eine Droge.
Es macht die Angler doof, und süchtig ... sie wollen immer mehr" (by Steini/GWForum)
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von orkdaling »

Moin,
soviel ich weiss werden in allen ! Mefo- und Lachs- Bæchen/Fluessen in DK durch den Dænischen Verband , die Eigner und dauch DTU (Dæn.Tech Uni) Elektrofischen zur Bestandskontrolle durchgefuehrt. Nur so kann man den gesamten Fischbestand ueberwachen , Besatz oder Hegemassnahmen einleiten und auch aftfremde Arten entnehmen.
ZB dieses Jahr in ganz DK, S, N, GB ein sehr grosser Bestand an Buckellachsen.
Dies geschieht aber auch in reinen Bafo und Æschenfluessen, wo man dann den einen oder anderen Schnæpel, Døbel oder halt Grundel feststellt.
Hier geschieht es nur in kleineren Fluesschen, in grøsseren werden die Laichgebiete mit Tauchern ueberwacht bzw Fischzæhlungen durchgefuehrt.
Weder von der DTU noch vom Dæn. Verband, auch nicht hier von Umweltdirektorat oder NINA (Inst. f. Naturforschung) hab ich was von Gefæhrdung der Kleinfische gehørt.
Natuerlich wird es , egal ob im Tiefland oder Gebirgsbach, den einen oder anderen Verlust geben, man muss aber den Nutzen dazu ins Verhæltnis stellen.

Uebers Fressverhalten finde ich keine Informationen da die Bestandskontrollen ja zu einer Zeit durchgefuehrt werden wo die Fluesse gesperrt werden, also beginnende Schonzeit aber vor der Laichzeit.
Gruss Hendrik
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trutta1
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von trutta1 »

Hallo Frank,

hatte Deine Fragestellung völlig falsch verstanden!
Da wir bis auf einmal, ausschließlich zur Laichfischgewinnung elektrisch abfischten und dies somit in der Schonzeit stattfand, kann ich über die Nahrungsaufnahme nach einer Bestandsaufnahme nichts beitragen.
Innerhalb einer Saison (April-September) würde ich nur in wirklichen Ausnahmefällen zu einer Bestandserfassung raten. Zumindest in unseren Bächen hat sich bei den Bachforellen dann ein ausgesprochenes Revierverhalten ausgebildet. Dies könnte durch das elektrische Abfischen beeinträchtigt werden, da sich gerade die jüngeren Jahrgänge
neue Reviere erschließen müssten. Dadurch würde sich auch die jährliche Zuwachsrate verringern.

TL, Frank
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Frank!

Nochmals meine persönliche Meinung und Erfahrung.

Bei der E-Fischerei wird auschließlich auf die laichfähigen Bestände geachtet, insbesonders Jungfische und Kleinfische aller Art, selbstverständlich auch die Jungforellen werden bei dieser Methode ebenfalls vom Strom erfasst und für eine gewisse Zeit gelähmt.

Nur werden diese kleinen Fische aber nicht eingesammelt, denn das interessiert nämlich niemand, sondern sie treiben ab und werden von den Räubern, die weiter unterhalb natürlich nicht betäubt worden sind, gefressen.
Besonders Bachforellen greifen alles an, was sich im Wasser unnatürlich bewegt, (Spinner usw.) diese betäubten Fische sind eine leichte Beute, da sie durch ihre taumelnden Bewegungen einen kranken Fisch darstellen.

Dies schädigt das Naturaufkommen von Salmoniden und eben auch die Kleinfischarten (Elritzen, Gründlinge, Schmerlen usw. ) massiv.

Wenn man sich natürlich nur auf die fangfähigen Fische konzentriert, wird man sicherlich keinerlei Schäden feststellen.


tight lines
RC

PS: reicht das heutzutage ?
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von orkdaling »

Moin,
RC hat natuerlich Recht mit der Aussage das betæubte Fische eine leichte Beute sind "wenn" man sie abtreiben læsst.
Das sollte aber nicht erfolgen, ZB nicht wenn man gezielt Junifisch fuer Besatzmassnahmen entnimmt.
Auch muss eine E-Befischung nicht in der Saison erfolgen.

Hier mal was aktuelles , (einer der bekanntesten Lachsfluesse in Norden) dabei schøn erklært warum die Kontrolle aus drei Sæulen besteht.

Umsetzung von Managementmaßnahmen im Fluss Reisa 2021
Reisa Elvelag plant, wie in den letzten Jahren bereits in diesem Herbst Monitoring-Maßnahmen durchzuführen. Die Überwachungsmaßnahmen werden mit Mitteln der Staatsverwaltung in Troms und Finnmark durchgeführt.

Folgende Aktivität ist geplant:

Elektrofischerei von Fischbrut
Der Zweck des Elektrofischens von Jungfischen besteht darin, die Dichte der Lachsbrut an ausgewählten Stellen im Reisa-Fluss zu messen, um die Reproduzierbarkeit des Flusses im Vergleich zu den Vorjahren vergleichen zu können. Diese Art der Erhebung wird seit mehreren Jahren durchgeführt.

Driftzahl von Lachs
Lachszählungen sind für Ende September geplant. Der Zweck der Lachszählung ist es, einen Überblick über die Anzahl der verbleibenden Lachse nach dem Ende der Fangsaison zu erhalten. Meerforelle und Meerforelle werden ebenfalls durch Beobachtung registriert. Die Zahlen aus der Lachszählung sind notwendig, um den Laichbestand des Flusses und damit auch das Fangpotenzial für die kommenden Jahre abschätzen zu können. Das Lachszählen ist eine äußerst wichtige Verwaltungsaufgabe.

Testfischen / Forschungsfischen
In der kommenden Zeit soll im Reisa-Fluss Probefischen auf Elemente von Zuchtlachsen durchgeführt werden. Ziel ist es, mindestens 50 Lachse zu fangen, um Schuppenproben zu entnehmen. Diese Proben werden zur Analyse an NINA gesendet. Ziel der Versuchsfischerei ist es, Zahlen über die Menge an gezüchteten Lachsen im Fluss im Vergleich zu den Vorjahren zu erhalten. Die Ergebnisse der eingereichten Schuppenproben können auch Antworten darauf geben, wie alt und wie groß die Fische waren, als sie den Fluss als Smolts verließen, wie lange der Fisch im Meer war, bevor er in den Reisa-Fluss zurückkehrte...

mein Senf dazu - auch kann anhand der Proben festgestellt werden oB es sich um Mehrfachlaichner (beim atl. Lachs) handelt.

Hier noch eine Video wie das Driftzæhlen erfolgt, eine der schonendsten Massnahmen
https://www.nrk.no/video/49136
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von stalling-frank »

Hallo zusammen,

ich kenne mich mit E-Befischung gar nicht aus und deshalb habe ich aus euren interessanten Beiträge dazugelernt. Mir ging es wirklich nur darum, ob nach der E-Befischung erst einmal eine Woche gar nichts mehr geht. Hierzu hat Alex seine Erfahrungen dargestellt.

TL
Frank
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von orkdaling »

Moin,
da bei der Elektrofischerei auch Gefahr fuer Fischer ausgeht (bei unsachgemæsser Handhabe) muss man einen Kurs besuchen und die werden meines Wissens in allen Landesverbænden durchgefuehrt. Vielleicht mal Kontakt aufnehmen !?
Keine Ahnung was heute an Gerætschaften verwendet wird, meine Erfahrungen damit liegen ueber 25 Jahre zurueck.
Der Stromfluss der zwischen Kathode und Anode wellenførig wirkt liegt ja bei ca 1,5m, die Fischlein sind nach kurzer Zeit munter, was sollte tags darauf noch auf sie noch wirken?
Ich hab schon (als es noch erlaubt war) im Odertal/Polder auf der einen Seite gefischt und auf der anderen Seite sammelte der Fischer Hechte ,Zander und Aale ein.
Gruss Hendrik
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von Bernhard »

Hallo zusammen!

Um auf die eingengs gestellte Frage zurückzukommen: Fische reagieren auf eine E-Befischung in der Regel mit einer gesteigerten Nahrungsaufnahme, d. h. bereits nach kurzer Zeit ist mit einer erhöhten Aktivität zu rechnen. Wer sich das zunutze machen will, geht noch am selben Tag fischen.

Wenn es bei einer E-Befischung zu massiven Schäden am Fischbestand kommt, dann wurde irgendwas grundlegend falsch gemacht. Bei einer professionell durchgeführten Befischung - ich mache das beruflich seit fast 20 Jahren - sind signifikante Schäden nicht zu erwarten. Ich zähle nur ein paar Faktoren auf, die zu berücksichtigen sind:
- Lufttemperatur
- Wassertemperatur
- Leitfähigkeit des Wassers
- Verwendetes Gerät
- Sensibilität der Fischarten und -größen gegenüber dem elektrischen Strom
- Fang, Hälterung und Manipulation der Fische
- Zurücksetzen der Fische

TL, Bernhard
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Bernahrd!

Du wirst mir aber nicht erzählen, dass ihr beim E.Fischen Elritzen, Gründlinge, Schmerlen und Koppen eingesammelt, gehältert und wieder ausgesetzt habt?

Die gehören aber zu einem intakten System dazu, nicht nur Forellen und Äschen.

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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von webwood »

Lieber Gebhard,

ich widerspreche deinen Ausführungen nicht, doch habe ich etwas Erfahrung mit Kleinstfischen. Ein Zulauf zum Galgensee in Starnberg (Entwässerungsgraben) ist rappelvoll mit Lauben.
Wir haben dort abgefischt um Futterfische für die Würm zu erhalten. Es waren Teils derart viele Fische, so dass man den Kescher kaum mehr heben konnte. Die Fische kamen in Besatztanks, natürlich mit O2 Belüftung. Etwa 2-3 Stunden nach Entnahme haben wir die Fische in die Würm gesetzt.
Ich habe beim Besatz nicht einen toten Fisch gesehen und die Lauben verhielten sich auch völlig normal, d.h. sie sind flink in die nächstbeste Deckung geflüchtet.
Meine 5 Cent

TL
Thomas
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Re: E-Befischung - wann wieder normales Fressverhalten?

Beitrag von Peter Pan »

Hallo Zusammen,

ich fische auch schon ein paar Jahre elektrisch an diversen Bächen und habe bislang noch keine negativen Folgen beobachten können. Gerade die kleinen Fische schwimmen sofort davon, sobald kein Strom mehr fliest. Man muss das Gerät entsprechend einstellen und natürlich nicht bei hohen Temperaturen fischen. Das sollten wir aber mit der Fliege auch nicht tun.

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