Fischkrankheiten

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orkdaling
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Fischkrankheiten

Beitrag von orkdaling »

Moin,
ich mach mal was neues auf um die aktuelle Diskussion ( Regenbogenforelle - Sie ist zurueck ) nicht zu kapern.
Was mich interessiert ist, gibt es (neben den fast schon ueblichen Erscheinungen wie Verpilzung) andere Fischkrankheiten nach Besatz mit Bafo und Rebo?
Hier (N und S) ist ein aktuelles Thema der Befall von Wildfischen mit Infektiøser Lachsanemie.
Ja was hat lachsanemie nun mit Rebo zu tun?
Es ist inzwischen nachgewiesen das nicht nur der atlantische Wildlachs sondern auch Rebo und Coho (pazif./Silberlachs) davon befallen wird.
Nicht nur in N, auch vor Scotland, Chile, Canada, USA, Schweden wurde der Befall nachgewiesen.
Meist in Zuchtanlagen aber auch verbreitet durch Besatzfisch.
Vielleicht ist ja auch bekannt das es im Vænern, einen der grossen schwedischen Seen, Lachse gibt,
Auch bekannt als Gullsprångslaxen oder auch Klarælvslaxen. Seit 2013 ist dort der fuer Smolts tødliche Parasit Gyrodactylus nachgewiesen.
Wie kann das sein wo doch diese Lachsart nur vom Vænern in den Klarælv und weiter Trysilelva wandert um zu laichen?
Nur mal nebenbei, der Klarælv ist seit 1940 nicht mehr duchgængig, heute mit 8 Dæmmen verbaut (Wasserkraft).
Einen kønnen sie zZ nicht mehr ueberwinden so das die Fische dort entnommen werden muessen um sie anschliessend (mit Tankwagen )70km oberhalb wieder aus zu setzen. Nur so kønnen sich die Vænerlaxe vermehren bzw der Stamm erhalten werden.
SVT meldet 2020 den Fang und Transport von 5 Tonnen lachs https://www.svt.se/nyheter/lokalt/varml ... _-QyBfky34
Geplant war auch die Zusammenarbeit von S und N um den Klarælv (so heist er auf schwedischer Seite) bzw den Trysilelva fuer die lachse wieder passierbar zu machen. Da tut sich aber zZ gar nichts weil Norge nicht den Gyro im Trysil will.
Ursache, im Vænern wurden Rebo gemæstet und bei Strurm hat es solche Anlagen zerlegt, die Rebo konnten entfliehen und damit den Gyro verbreiten.
Zuchtfisch also als Uebertræger und somit ist der einzige Binnenlachsstamm gefæhrtet.
Gibt noch einen weiteren in Norge, den Namsenlachs, ein Stamm der auch durch Verbauung keinen Zugang zum Meer hat, wo sich ein kleinwuechsiger Suesswasserstamm entwickelte. Diese werden nur max 20cm ! Ergebnis der Evolution, nur in kleinsten Bæchen konnten diese Lachse laichen und haben sich den Bedingungen angepasst.
2019/2020 wurden in einer Reihe Fluesse die in die Ostsee/Skagerrak muenden tote Fische (Lachs/Mefo) mit grossflæchigen Geschwueren gefunden.
Bis auf einen Grenzfluss zwischen N/S waren andere Flusse bisher nur sporadisch betroffen. Die Ursachen sollen die selben sein wie bereits frueher beim Ostseelachs festgestellt, Mangel an Vitamin B1, meldet forskning.se
In den Zusammenhang will ich noch mal darauf verweisen das seit 1.1.2020 vielerorts eine Desinfektionspflicht fuer die Angelausruestung besteht wenn man diese im Ausland benutzt hat, analog Fluessen mit Aufstieg anadromer Arten wo man ja generell desinfizieren muss wenn man den Fluss wechselt.
Gruss Hendrik
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AlexX!!
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Re: Fischkrankheiten

Beitrag von AlexX!! »

Moin,

bei uns in Süddeutschland ist die Pkd sehr weit verbreitet. sie ist nicht unbedingt letal, schwächt aber vor allem Jungfische


https://de.wikipedia.org/wiki/Prolifera ... der_Fische

beim letztjährigen Monitoring war die Durchseuchung in unsreren Gewässern bei über 50%

Gruße
Alex
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orkdaling
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Re: Fischkrankheiten

Beitrag von orkdaling »

Moin,
ich hab mal noch was zu Gyrodactylus salaris. Viele Fischer denken ja das nur Lachse befallen werden. Nicht nur in Scandinavien, gibt ja auch Projekte in Deutschland die betroffen werden kønnten.
Nun wurde durch gentechnische Untersuchungen erwiesen das es inzwischen 6 verschiedene Varianten gibt, der Bursche mutiert und befællt auch Rebo, Æsche, Saibling (Quelle : Norw. Veterinærinstitut)
Es gibt eine Reihe Untersuchungen dazu, der befallene Bestænde, Rueckverfolgung - leider hab ich dazu nichts auf deutsch.
Nur das hier https://de.wikipedia.org/wiki/Gyrodactylus_salaris
Einer der grossen Fluesse im Sueden des Landes , Drammenselva, ist zZ in Behandlung und dort wurde nachgewiesen das die Lachse von entflohenen Regenbogenforellen mit Gyro infiziert wurden.
Eines der gøssten Fischsterben ( Laksanemie in Aufzucht) vor Chile wurde ebenfalls durch Rebo uebertragen. Das ist nun zweifelsfrei durch DNA Untersuchungen erwiesen.
Æhnlich wie bei Schweinepest oder auch Influenza oder..., Viren mutieren und tauchen in anderen Varianten auf.
Wenn also ein genetisch reiner Bestand wirklich geschuetz werden soll dann sicher nicht durch das besetzen mit Zuchtfisch aus ungeklærter Herkunft oder wie im anderem Faden zu lesen durch artfremde Fische die als Uebertragungswirt dienen (kønnen).
Es ist also nicht die Frage ob es geschehen kann sondern wann es geschieht.
Gruss Hendrik
MarkusZ
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Re: Fischkrankheiten

Beitrag von MarkusZ »

Hallo,
orkdaling hat geschrieben:Wenn also ein genetisch reiner Bestand wirklich geschuetz werden soll
Ich bin der Meinung, dass nicht nur genetisch reine Fische vor Krankheiten und Parasiten geschützt werden sollten, sondern möglichst alle Fischbestände.

Fischbesatz birgt immer Risiken. In Fließgewässern natürlich mehr, als in künstlichen, ablassbaren Teichen.

Ob die dann von allochthonen oder autochthonen Besatzfischen übertragen werden, ist dann realtiv egal.
Wobei die artfremden Fische dann noch zusätzliche Risiken bezüglich der Gewässerökologie bringen.

Schlimmstenfalls sind die artfremden Fische zwar Überträger, aber selber immun und übernehmen dann die Vorherrschaft im Gewässer.

Aber in DE Vereinsgewässer so zu bewirtschaften, dass ohne Besatz noch genügend Entnahmemenge für die Ansprüche der Angler bleibt, dürfte in vielen Fällen schwierig werden. Das ist wohl nur in kleinen Vereinen mit exklusiver Mitgliedschaft oder in Privatgewässsern möglich.

In Nordamerika oder Skandinavien sieht das sicher anders auch.

Wobei ja auch da manche Gewässer mit "hatchery fish" besetzt werden um die Wildfischbestände zu entlasten.

Die Mastfischzucht in Netzgehegen ist dann natürlich eine zusätzliche Gefahrenquelle.

Das bekommen ja u.a. auch die Wanderfische in Teilen British Columbias zu spüren.
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