Mit der Fliegenrute auf Wels

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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pitt
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von pitt »

Moin

Waller mit Fliegenrute zu drillen kling etwas abstrakt für mich, aber es werden doch andere grosse und starke Fische mit der Wedel gedrillt und gelandet, warum also nicht.
Wichtig wird dabei die Technik sein, vor allem das, wie der Druck auf den Fisch ausgeübt wird. Hier die beste Erklärung die ich kenne, von Andy Mill:

https://www.youtube.com/watch?v=q3ZUZKVdC3o

Aber auch das wird schnell zur Makulatur, wenn der Angler kein Platz zum Fighten hat, oder der schwere Fisch unter einen Vorsprung in einer starken Stömung flüchtet ... für mich doch etwas zu abstrakt das ganze
“I’d rather make a bad cast to the right fish than a perfect cast to the wrong one.”
Gruss
pitt
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dreampike
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von dreampike »

Hallo Sven,

ja klar, aber dann baust Du den Druck nicht über die Rute auf, sondern läßt die Rute außen vor und ziehst mehr oder weniger direkt an der Schnur. Ähnlich wie in dem oben verlinkten Video, da ist der Winkel so flach, dass nur noch die Buttsection der Rute geringfügig abfedert. Dann kommt es drauf an, was stärker ist, das Vorfach oder die Fliegenschnur. In diversen anderen Bluewater-Videos sieht man Rutenbrüche (meist im Handteil), aber kaum Schnurabrisse. Und wenn, dann bricht das eingebaute Klasstippet, das eine wesentlich geringere Tragkraft als die eigentliche Schnur hat.

In meinem Hausgewässer kommen auch Waller bis 2,40 und dicke Karpfen in der 50-Pfd.-Klasse vor, die gelegentlich im flachen Wasser herumziehen und wohl auch ansprechbar wären. Auch wenn es mich reizt, diese Kolosse mit der Fliegenrute zu befischen, habe ich mich bisher zurückgehalten weil Waller und Karpfen vermutlich in das Kraut flüchten und sich dort unlösbar festsetzen würden. Ohne Boot ist man da chancenlos. Selbst mit Boot, ich hatte gestern vom Bellyboot aus einen 60er Hecht, der warum auf immer auf die Idee kam, sich in das Kraut am Grund zu bohren. Über die 10er-Rute war er nicht mehr zu bewegen, so dass ich die Schnur in die Hand nehmen musste, um ihn frei zu bekommen.

Klar kann man mit dem richtigen Gerät auch riesige Fische mit der Fliege fangen, das gelingt aber am ehesten, wenn man wie beim Bluewater-Fischen offshore über tiefem Wasser fischt und keine Hindernisse zu erwarten sind. Dann kann der Fisch abziehen, man hat 400-600m 50lbs-Backing auf der Rolle und das Boot kann ggf. dem Fisch folgen.

Außerdem macht es auch Spaß, den großen Wallern beim Watfischen im flachen Wasser zu begegnen und sie zu beobachten. Das ein oder andere Mal bin ich sogar von so einem Urian angerempelt worden...

Wolfgang aus Ismaning
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Hawk
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von Hawk »

Ich würde mich nach 50lb Schnüren umschauen, entsprechendes GSP backing und ein minimal dünneres tippet wählen und es einfach mal versuchen. Bei den Tropenschnüren steht ja meistens ein temperaturbereich für den die ausgelegt sind ich meine mich dunkel zu erinnern das das bei Rio irgendwas knapp über 20° war. keine Ahnung wie warm das Wasser bei dir wird aber im Sommer könnte das ja ggf. schon hinhauen. Bei niedrigeren Temperaturen werden die Schnüre recht steif aber nicht unfischbar.

50lb Druck ist schon verdammt viel damit sollten sich die Durchschnittsfische eigentlich halbwegs kontrollieren lassen. Wenn So ein 2m+ Monster einsteigt und mit der Strömung abrauscht dann war es das halt.
Aber das Risiko das ein kapitaler Fisch mal nicht zu halten ist besteht ja fast immer...
Gruß
Sven
Maggov
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von Maggov »

Hallo,

In Frankreich gehen einige Spinnfischer mit dem Belly auf Welse - v.a. in den großen Flüssen und Altwassern. Ich denke es ist sehr vorteilhaft weil man dem Fisch folgen und die Position beim Hängern gut wechseln kann. Die Drills sind zumeist an sehr kurzer Leine. Dass es dann immer noch Verluste gibt (wie im Fall von Dreampike - bei starkem Kraut wird drumrumpaddeln wohl auch nicht immer helfen) denke ich ist gegeben aber so gut es geht minimiert. Leider ist in meiner Gegend der Einsatz von Belly Booten eher seltenst erlaubt und vom Ufer aus denke ich sind diese Strukturen nicht ausreichend abdeckbar (unabhängig davon ob es dann auch Hecht oder Wels oder sonst was gehen würde). Ich habe keine Zweifel dass Fliegentackle ausreichend ist einen Wels zu bändigen - sonst wäre die Salzwasserfischerei mit der Fliege nicht so populär und erfolgreich geworden. Ich denke ein Wels kann bzgl. Belastung an das Gerät mit z.B. einem Tarpon oder GT in gleicher Größe maximal gleich ziehen... Das Gerät dass die Spinnfischer verwenden sieht für mich auch nicht nach Big Game Gerätschaften aus.

Da weiter oben die Frage nach der Taktik / Köderwahl kommt: versucht doch mal auf youtube "silure topwater" ein zu geben und schaut Euch ein paar Clips an. Die Bisse sind am hellen Tag und die Fischerei ist i.d.R. mit dem Belly gegen das Ufer in die Strukturen die Unterstände sein könnten (Bäume, Unterspülungen, Totholz, ...). Die gleiche Taktik sollte sich mit einer Fliegenausrüstung gut fischen lassen - und klar sieht man auf YT nur die Erfolge und nicht die Fehlversuche, die schiere Menge an Clips interpretiere ich aber so dass das keine soo falsche Taktik wäre. Also vielleicht auch mal an bedeckten Tagen tagsüber probieren - ich hoffe es klappt!

LG

Markus
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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antidotepp
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von antidotepp »

Hey Leute,

vielen Dank für die ausführlichen Infos! Da sind schon richtig gute Sachen dabei, die ich auf alle Fälle berücksichtigen werde.
In unserer Elbe ist Bootsangeln leider verboten. Das heißt, im Extremfall geht der Waller mit mir spazieren. Aber Unterstände und Steinpackungen halten sich im Grenzbereich des Machbaren.
Was für mich Sinn ergibt, ist der Einbau von Sollbruchstellen, falls man doch mal den Köder weghängt. Habt ihr da eine Idee, wie man das gut umsetzen könnte?

Als Rute wird eine 10er NFC Iconoglass zum Einsatz kommen. Habe bei Glas und Waller irgendwie weniger Bauchschmerzen, als mit Carbon.

Grüße
Christian
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Kurt Mack
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von Kurt Mack »

Hallo!

Hier mal ein paar meiner Erfahrungen über das Welsfischen. Die meisten habe ich einer 2-jährigen Phase vor 20 Jahren gemacht. Wobei ich wegen einiger meiner Kumpel immer dicht am Thema war.

- richtig erfolgreich ist nur das Fischen mit natürlichen Ködern, wobei der lebende Koderfisch mit Abstand der erfolgreichste ist
- mit der Spinnrute ist das gezielte Fischen auf Wels deutlich weniger erfolgreich, hauptsächlich, weil die Welse schnell dazu lernen. Sicher gibt es immer wieder große Fangerfolge unter bestimmten Bedingungen, aber die erfolgreichen Spinnfischer in der Szene suchen dauernd neue Plätze und Gewässer
- Welse kämpfen wenig gezielt, sie setzen meist nur ihr Gewicht und ihre durch den langen schmalen Hinterleib hohe Schubkraft ein. Welse, die ich fange durfte, zogen nicht gezielt in Hindernisse
- Laßt euch nicht von den empfohlenen Schnüren verunsichern. Die Welsruten, die ich testen durfte, konnten selten mehr als 7 kg Zugkraft umsetzen. Warum werden dann Schnüre mit 60 kg Tragkraft gefischt? Wegen der geringen Dehnung und einer zusätzlichen Sicherheit wegen Abrieb.
- Fische über 2 m sind auch beim gezielten Fischen mit Köderfisch an den meisten Gewässer, wie ein 6er im Lotto. Die meisten Fische sind zwischen 1 m und 1,50 m, heißt zwischen 8 und 23 kg. Solche Fische kann man mit stabilem Hechtgerät gut haken und drillen.
- wegen der großen Zahnplatten im Ober- und Unterkiefer gibt es beim Kunstköderfischen häufiger Probleme mit den Haken. Dort können die Haken nicht tief eindringen und biegen sich deshalb häufig auf.
- ich würde nicht zu tief fischen, da man mit Kunstköder in der Regel nur raubende Wels fängt. So hat man weniger Probleme mit Hängern und kann mehr Strecke machen.
- die meisten Welse beißen kurz nach dem Aufkommen der Kunstköder, je "fischähnlicher" der Platsch desto besser
- ein Hotspot an meinem Gewässer sind einmündende kleinere Seitengewässer nach einem Gewitterregen, idealerweise, wenn das Hauptgewässer noch relativ klar ist. im trüben Wasser braucht man aber auffällige Köder, z.B. Streamer mit dickem Kopf und/oder einem Gummischwanz oder welche die laut platschen
- die beste Zeit zum Fischen mit Kunstköder fängt in den nächsten Tagen an. Ab einer (konstanten) Wassertemperatur vom 14 °C fangen die Welse an ihre Reserven für die Laichzeit aufzufüllen. Ab 22 °C gehen die Chancen für 3 - 5 Wochen wegen der Laichzeit fast auf null zurück, kurz nach der Laichzeit ist es wieder sehr erfolgreich, aber schwierig den Zeitpunkt zu treffen. Im Sommer dann nach längeren Hitzeperioden, wenn durch Niederschläge wieder mehr Sauerstoff ins Gewässer kommt. Dazu halt die Abenddämmerung und im Sommer auch morgens früh.

Ich kenne Spinnfischer, die im Vergleich zu anderen guten Fischern, 10 Mal erfolgreicher sind. Der Hauptgrund ist freie Zeit. Zur richtigen Zeit am richtigen Platz bringt mehr Welse an den Haken als alle Köder, Techniken und Geräte zusammen.

Eine stramme 8er bis 10er Rute, Schwimmschnur und ein 40er Vorfach sollte die meisten Welse an den meisten Gewässern landen können.

Zum Essen sind mir die Größen von 80 bis 120 cm am liebsten. Das sind in der Regel Fische mit einem Alter von 6 bis 10 Jahren, was bei den Umweltbelastungen schon wichtig ist. Bitte die dunklen Fleischteile an der Seitenlinie entfernen. Sie schmecken oft tranig und beinhalten auch überdurchschnittlich viele Giftstoffe.

Ich hoffe auf viele Berichte!

Tschüss, Kurt
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antidotepp
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von antidotepp »

Hallo Kurt,

auch Dir noch einmal vielen Dank für die wertvollen Tipps! Des nimmt einem etwas die Angst vor dem "Übertackeln" und macht etwas klarer bei der Auswahl an Ausrüstung.
Grüße aus Dresden
Christian
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dreampike
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Re: Mit der Fliegenrute auf Wels

Beitrag von dreampike »

Hi, also eine 8er ist mir schon für das Hechtfischen zu schwach, die hat eindeutig zu wenig Liftpower um eine große Oma vom Grund wegzubewegen. Ich fische daher auf Hecht mit einer 10er und würde auf Waller auf keinen Fall drunter gehen, eher drüber, also # 12.
Der Vergleich mit Tarpons oder GTs hinkt, Salzwasserfische in den Tropen gehen mit der Geschwindigkeit eines ICE ab wie Schmidts Katze und versuchen ihr Heil in der Flucht. Ein Wels setzt meist nur seine Masse ein und versucht, ein Unterwasserversteck oder eine Krautbank zu erreichen. Daher werden sie so oft an kurzer Leine gedrillt und auf Biegen und Brechen davon abgehalten, ihr Ziel zu erreichen. Ich bin der Meinung, dass man auf diese Fische nur dann mit der Fliege gehen sollte, wenn man eine reelle Chance hat, sie zu landen.
In der Tat ist jetz,t wenn sich die Gewässer erwärmen der beste Zeitpunkt, sie tagsüber zu fangen. Jetzt kommen sie in die flachen Bereiche oder an die Oberfläche, dann kann man sie dor auch sehen. Eine Kormoranimitation an der Fliegenrute sollte übrigens auch fängig sein, es wurden schon öfter Kormorane in den Mägen von Wallern entdeckt...

Wolfgang aus Ismaning
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