Immer problematisch?

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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Tristan
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Immer problematisch?

Ungelesener Beitrag von Tristan »

Hallo,

Angestoßen durch eine Diskussion über Kescher habe ich mir ein paar Gedanken zu deren Einsatz gemacht, vor allem in Kombination mit dem ebenfalls aktuellen Thema C&R und das alles auch noch zu einer Jahreszeit in der wir (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht auf Forellen sondern eher auf Hecht, Barsch und Zander fischen. Heraus gekommen sind folgende Fragen:


1. Tragen alle Fischer immer Schaden davon gekeschert zu werden? Hier zu bedenken: Kammschupper (z.B. Barsch und Zander) haben keine erkennbare Schleimschicht. Abgesehen davon, dass es logisch erscheint die Schleimschicht eines Fisches nicht zu beeinträchtigen, gibt es tatsächlich Erfahrung oder Beweise für eine ernsthafte Schädigung (Entzündung, Infektionen, Tod) welche auf eine Schleimverletzung zurück zu führen ist?

2. Welche Fischarten sind besonders empfindlich/robust?

3. Überwiegt bei empfindlichen Fischarten der Vorteil einer intakten Schleimschicht den Nachteil einer verlängerten Drillzeit?

4. Gibt es Kescher die eine Schleimhautverletzung minimieren? Vielleicht möglichst weiche Netze? Es gibt ja auch spezielle C&R Kescher mit flachem Netz...


tl, Gruss

TRistan
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hares ear
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Ungelesener Beitrag von hares ear »

Guten Morgen Tristan,
ich habe mal schnell ein wenig recherchiert und bin auf folgende interessante Textstelle gestossen (die Quelle ist kanadisch http://www.mnr.gov.on.ca/mnr/pubs/fishi ... elines.pdf und der ganze Artikel durchaus lesenswert):

Type of Landing Net
Despite the widespread use of landing nets by anglers there has been relatively little
investigation into the damage caused by their use or which of the available types of net result in
the lowest injury to fish. Generally, it is recommended that the use of landing nets be limited as
it is thought to increase fin damage, and remove the protective mucus layer, thus increasing
susceptibility to disease. Barthel et al. (2003) examined the effects of landing net mesh type on
injury and mortality in bluegill. They quantified the effects of netting for a 168 h period after
capture and found that there was zero mortality in fish that were landed without a net while fish
that were landed with a net experienced a mortality rate of 4 to 14%. There was also increased
pectoral and caudal fin abrasion and dermal disturbance (scale and mucus loss). Of the four
types of landing net mesh types compared (rubber, knotless nylon, fine knotted nylon and coarse
knotted nylon), the knotted mesh types resulted in greater injury and mortality than rubber or
knotless mesh. Thus, injury (and therefore mortality) can be reduced if the use of landing nets is
limited to those instances where their use is required to safely land and control fish to prevent
mechanical injury. However, when the use of a landing net is required or preferred, it is best to
use one made of rubber or knotless mesh.

Also bei Bluegills (einer kleinen Barschart) wurde nach der Kescherlandung eine 4-14 % Sterblichkeit fest gestellt, während die Mortalität bei Handlandungen 0 % nach 168 Stunden war
TL
Florian
Fisch ist mein Leben
Michl
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Ungelesener Beitrag von Michl »

Hallo,
bestimmt tragen Fischer Schaden davon wenn sie gekeschert werden.
Oft schadet es aber mehr dem Kescher. :D
Spass beiseite, Tristan.
Ich denke man kann das nicht allgemeingültig sagen.
Es gibt wohl viele Faktoren die eine wichtige Rolle spielen, so z. B. die Wassertemperatur und die Gewässergüte, auch die Verfassung des Fisches spielt sicher eine Rolle.
Pilzbefall nach Schleimschichtverletzung ist wohl meist tödlich, aber nicht jede Verletzung der Schleimschicht führt zum Verpilzen.
Wenn Forellen Laichbetten schlagen bleibt die Schleimschicht nicht unversehrt, und bei Lachsen oder Meerforellen im Fluss hab ich schon oft erhebliche Abschürfungen mit Schuppenverlust gesehen ohne das die Fische merklich beeinträchtigt waren.
Grundsäzlich nehme ich nicht gern einen Kescher wenn der Fisch zurückgesetzt werden soll da der Fisch sich im Netz wälzt und dabei die Schleimschicht regelrecht abgestreift wird.
Bei uns am Bach hat sich die Handlandung am besten bewährt.
Das kann ich nach 10 Jahren Erfahrung und Beobachtung sicher sagen.
Kammschupper sind nach meiner Meinung was die Schleimschicht angeht robust.
Aber z. B. Zander sind aus anderen Gründen etwas mimosig, da muß man sehr vorsichtig sein beim abhaken.
Grundsätzlich denke ich das Drill und eine Schleimschichtverletzung zusammen schon bedenklich sind.
Speziell bei wärmeren Temperaturen.
Die robustesten Fische die ich kenne sind Karauschen und Goldfische.
Einen der letzteren hab ich mal aus einem Kormoranschlund gezogen
(verschieden an Bleivergiftung) und in einem Gartenteich schwimmen lassen da er sich noch bewegte.
Der war Wochen später immer noch gut dabei.
Es gibt knotenlose Keschernetze, die sind sicher besser als die geknoteten.
Ich hab so einen und lande trotzdem zu 95 % mit der Hand bzw. hake im Wasser ab, halte das für schonender.
Wie gesagt bei uns am Bach hat sich das bewährt wir haben sehr selten tote Fische im Wasser.

Gruß Michl
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aeschenking
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Ungelesener Beitrag von aeschenking »

Hallo zusammen

Meiner Meinung nach, bzw. wie schon gesagt wurde, kommt es sehr auf die Situation an. Denn ich glaube auch daran, dass einen Fisch bis zur vollständigen Kapitulation auszudrillen, sicherlich mehr Schaden anrichtet als ein kurzer Aufenthalt in einem knotenlosen Netz.

Handlandung wird von mir bevorzugt, allerdings nur bei kleinen Fischen, die dann nicht einmal aus dem Wasser gehoben. werden. Vorteil des widerhakenlosen Fischens! :D

Bei großen Fischen kenne ich keine schonende Methode. Erstens fange ich selten einen und zweitens würden die sowieso in der Pfanne landen. :lol:

Tight Lines Martin
Ich werde morgen, ihr werd es seh´n,
frühmorgens wieder fischen gehen...
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Tristan
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Ungelesener Beitrag von Tristan »

Hallo,

Habt Dank für die Antworten. Am Forellenbach lande ich, wie ihr auch, die allermeisten meiner Fische mit der Hand. Da ich derzeit vermehrt Hechten nachstelle und ich für diese bisher eigentlich immer einen Kescher verwendet habe, bin ich nun eben ins Grübeln gekommen... Ein paar kleinere Hechte zum Üben der Handlandung wären für den Anfang nicht schlecht [-o<

@ hares ear - der Link ist gut. Ich habe mir den zugrundeliegenden Artikel noch als PDF aus dem Netz geholt und werde ihn mir bei gelegenheit man genauer anschauen - über Flossenverletzungen hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht... Wieder ein neuer Denkanstoss.

Gruss

TRistan
Michl
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Ungelesener Beitrag von Michl »

Moin,
für Hechte nehm ich den Boga Grip bzw. einen Nachbau.
Geht recht gut, da kannst Du den Hecht am Maul ein Stück aus dem Wasser heben und unten in die Kiemendeckel greifen, dann öffnet (meist) der Hecht die Schublade und du kannst den Grip wegnehmen und dann mit der Zange den Haken lösen.
Die Grip-Nachbauten haben den Nachteil dass der Greifer nicht drehbar gelagert ist. ansonsten zu empfehlen.
Ich nutze das Ding vom Boot aus sehr gerne.
Müsste aber auch vom Ufer aus gehen.

Michl
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Achim Stahl
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Ungelesener Beitrag von Achim Stahl »

Moin,

Handlandung ist gut, soweit sie beherrscht wird. Was ich ab und zu aber am Wasser sehe ist oft haarsträubend. Da werden die Fische entweder so lange gedrillt bis sie sich gar nicht mehr rühren, oder sie flutschen den Anglern aus den Händen und landen im Dreck, oder die Angler fassen den Fischen in die Kiemen, oder sie reißen sie im letzten Moment ab... #-o

Dann doch lieber einen Kescher. Wenn man ein knotenloses nicht zu tiefes Netz benutzt und den Fisch nicht aus dem Wasser hebt ist diese Landung schonend und sicher.

Mit Boga Grip und den entsprechenden Nachbauten habe ich inzwischen auch viel Übles gesehen. Man kann mit diesen Teilen einem Fisch ganz häßlich den Unterkiefer perforieren. Die original Boga Grips haben sogar eine Waage eingebaut. Wiegt man damit einen guten Fisch, der am Boga Grip hängt, reißt man ihm eine üble Spalte in den Unterkiefer, genau wie mit einem Gaff. Mit den Nachbauten ist es noch heikler, da sich die Fische auch bereits verletzen können wenn sie sich drehen. :-k

Den Fischen ist mit Sicherheit am meisten damit gedient, wenn jeder Angler selbstkritisch mit sich ins Gericht geht: Wenn ich die Handlandung (noch) nicht beherrsche, sollte ich zumindest bei größeren Fischen lieber zum Kescher greifen. Und wenn ich mich nicht traue, mit leichtem Gerät hart zu drillen, sollte ich lieber eine Schnurklasse höher und mit stärkeren Vorfachspitzen fischen.

Der Trend, immer leichter fischen zu wollen, verbunden mit dem Umstand, dass die meisten dieses Gerät im Drill nicht beherrschen schädigt die Fische bestimmt mehr als die Kescherproblematik.

Ach ja, und dann gibt es noch die Kollegen, die zusätzlich zu ihren superfeinen Vorfachspitzen die Widerhaken nicht andrücken... :smt075


Viele Grüße

Achim
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Ungelesener Beitrag von Michl »

Hallo,
also mal etwas grundsätzliches:
Wenn ich fische muß ich damit rechnen das ich was fange, und das schadet dem Fisch ganz sicher immer.
Waidgerechter Umgang und Achtung vor der Kreatur sollten selbstverständlich sein,aber das es zu diesem Thema verschiedene Ansichten gibt wissen wir alle.
Was den Boga angeht kann es zu schlimmen Verletzungen führen wenn ich ihn benutze.
Dann wird der Fisch abgeschlagen und mitgenommen. Sofern maßig.
Die Entscheidung darüber traue ich mir zu.
Was ich mir auch zutraue ist die Entscheidung über die Dicke meiner Vorfächer, ebenso über angedrückte oder nicht angedrückte Widerhaken.
Ich will niemand zu nahe treten aber Fischen und Jagen sind nicht zum Wohle der einzelnen Kreatur, wenn ich das nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren kann suche ich mir eine andere Freizeitbeschäftigung.
Nix für ungut Achim, aber das musste ich jetzt mal loswerden.
Hab übrigens schon viel Gestorchel mit dem Kescher gesehen mit anschließendem Fischverlust durch Totalabriss oder der Fisch wurde außen am Kescher hängend geborgen.
Es gibt immer Licht und Schatten, nix ist perfekt.

Gruß Michl
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Achim Stahl
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Ungelesener Beitrag von Achim Stahl »

Hallo Michl,


jetzt muß ich auch mal was loswerden. Du hast geschrieben:
Was den Boga angeht kann es zu schlimmen Verletzungen führen wenn ich ihn benutze.
Dann wird der Fisch abgeschlagen und mitgenommen. Sofern maßig.
(Polemik-Modus ein): Warum dann nicht ein Gaff nehmen? (Polemik-Modus aus) 8) 8) 8)

Weiter schreibst du:

Was ich mir auch zutraue ist die Entscheidung über die Dicke meiner Vorfächer, ebenso über angedrückte oder nicht angedrückte Widerhaken.
Ich will niemand zu nahe treten aber Fischen und Jagen sind nicht zum Wohle der einzelnen Kreatur, wenn ich das nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren kann suche ich mir eine andere Freizeitbeschäftigung.
Nix für ungut Achim, aber das musste ich jetzt mal loswerden.
Das finde ich super! Ich bin heilfroh über jeden verantwortungsvollen Fischer am Wasser. Das liegt daran, dass ich immer noch viel zu häufig die andere Sorte Fischer antreffe, die glauben, ohne Widerhaken zu viele Fische zu verlieren oder meinen, mit dickeren Vorfachspitzen als 0,12 mm nichts zu fangen. Meine Erfahrung ist, dass bei vielen die Gier oder der Erfolgsdruck vorherrschen und der verantwortungsvolle Umgang mit der Kreatur häufig in den Hintergrund rückt.

Ich habe die Intention dieses Threads so verstanden, dass es tendenziell darum geht, den Schaden, den man den Fischen zuführt so gering wie möglich zu halten. Dazu habe ich mich geäußert und meine Beobachtungen aus der Praxis herangezogen. Was ich am Wasser tue kann ich normalerweise mit meinem Gewissen vereinbaren, aber wenn ich einen Fisch verangle oder er mir bei der Handlandung in den Dreck fällt, hinterlässt das bei mir ein sehr schlechtes Gefühl. Mit einem Gemeinplatz wie "Es gibt immer Licht und Schatten" ist es da nicht getan. Mir geht es schon darum, solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.


Viele Grüße

Achim
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Ungelesener Beitrag von Michl »

Hallo,
Warum nicht das Gaff:
(Ohne Modus) Weil es dabei nicht zu Verletzungen kommen kann sondern wird.
Hatte noch nie Verletzungen mit dem Grip.
Kann es aber für die Zukunft nicht ausschließen.
Werde das Teil trotzdem weiter benutzen.
Wenn ich einen (untermaßigen) Fisch verangele hab ich auch ein schlechtes Gefühl und es tut mir leid um den Fisch.
(Ein maßiger wird dann mitgenommen und gegessen.)
Aber ich kann es für die Zukunft nicht ausschließen.
Ich gehe trotzdem weiter Fischen.
Absichtlich macht wohl keiner Fehler, jeder versucht aus seiner Sicht alles richtig zu machen.
Licht und Schatten wird es aber immer geben.
Was Du als Fehler ansiehst ist für andere vielleicht normal.
Das heist nicht das man alles akzeptieren muß, aber die Maßstäbe sind nun mal verschieden.

Gruß Michl
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