Aussteiger im Drill

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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C.C.R
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Aussteiger im Drill

Ungelesener Beitrag von C.C.R »

Guten Abend liebe Forengemeinde.

Ich habe eine Frage die sich an alle "Drill-Profis" richtet.
Mir sind in der letzten Zeit immer mal gute Forellen vom Haken gesprungen. Ich weiß das man mal einen Fisch verlieren darf, aber bei 30% der Fische ist es schon lässtig.
Das kommt so das ich einen Biß auf Nymphe bekomme, dann über die Rute den Anschlag setzte, den Fisch für einige Zeit drillen kann ( dabei immer auf eine gespannte Schnur achte!) nur dieser sich dann den Haken durch Kopfschütteln entledigt.
Im Buch "Hohe Schule auf Forellen" steht, man sollte die Schnur beim Sprung einer Forelle möglichst lose lassen um ein herausprellen zu vermeiden?!
Kann mir jemand Tip´s dazu geben?

Mein Gerät:
Mittelschnelle Rute #4
Verjüngtes Vorfach mit 0,16 oder 0,18 Spitze.
Nymphen (meist Goldkopf) auf Hakengröße 10,12oder 14 wiederhakenlos

Mit freundlichen Grüssen Jürgen
"Die Toleranz ist nicht grenzenlos. Sie findet ihre Grenze, vielleicht ihre einzige Grenze, in der etwaigen Intoleranz des anderen."
Zitat aus der deutschen Politik
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Börni
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Ungelesener Beitrag von Börni »

Es gibt aber auch widerhakenlose Haken, welche sehr gut halten. ich kann dir da denn 103BL von Tiemco als Trockenhaken nennen. natürlich kannst du den nicht nehmen, um eine Nymphe zu binden, aber es sollten sich doch sicher auch N.-Haken geben, welche diese nach innen gebogene Spitze haben. (?)
Gruss Börni
"Fish, I'll stay with you until I am dead." [The Old Man and the Sea, Ernest Hemingway]
Spessart Räuber
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Ungelesener Beitrag von Spessart Räuber »

Hallo,

meiner Erfahrung nach gibt es keinen wirklich erfassbaren Hintergrund, warum manchmal die Forellen bestens am Haken bleiben und manchmal jede zweite verloren geht. Mich ärgert es auch, wenn ich einen guten Fisch im Drill verliere. Das würde mich jedoch nie dazu bringen, wieder mit Widerhaken zu fischen. Lieber den einen oder anderen Fisch verloren als mit dem unnötigen und schädlichen Widerhaken fischen.

Meine persönliche Meinung

Cheers

Klemens

P.S. War heute am Bach, eine Äsche, zwei Bachforellen und zwei Regenbogenforellen in durchaus erfreulicher Größe (+40). Keinen einzigen Fisch verloren trotz widerhakenlosem Fischen
It is ironical that the "holier than thou" attitude adopted by some fly-fishermen, which has its origins in the trout fishing dry-fly cult of Edwardian days, is based on a curios fallacy.
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Kurt Mack
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Ungelesener Beitrag von Kurt Mack »

Hallo!

Haken mit Widerhaken bringen selten mehr Fische, weil oft das Gewebe in dem der Haken sitzt, reißt.
Das geschieht häufiger, wenn die Forelle die Nymphe schon mit Vorsicht probiert und dann häufiger knapp gehakt wird.
Bei stark befischten Beständen fische ich unauffälliger:
-keine Goldköpfe, sondern nur Kupfer- oder Golddraht, bei klarem Wasser verzichte ich auch darauf
-wuschelige Nymphen, die mehr Eigenleben haben. Sie sinken langsamer, aber es gibt wesentlich mehr Bisse
- "stachelige" Nymphen, dem Dubbing mische ich 10-15% Grannen (Kalb, Hund) zu, da entsteht beim Binden eine kleine Flaschenbürste, die den harten Haken "versteckt". Die Grannen schneide ich auf 2-3mm runter.
Vielleicht ist es auch der "Crunch-Effekt", den die Fische noch nicht kennen. Diese Art fische ich erst eine Saison, da fehlen noch die Erfahrungwerte. An der Nagold und Mur waren die Anfangserfolge aber beachtlich.
-mit bewegten Nymphen arbeiten: leichte Zitterbewegungen oder auch bei georteten Fischen den "Leiseling-Lift"???
Dadurch schnappt der Fische vertrauensvoller zu oder im letzten Fall gieriger. Deshalb haken sich wesentlich mehr Fische besser und die Quote der "Ausschlitzer" sinkt deutlich.

Dünnere Vorfächer bringen nach meinen Erfahrungen wenig, weil der Unterschied von 0,18 auf 0,14 nicht groß ist. Wesentlich besser ist es die Nymphe unverdächtig ohne "Dreggen" zu führen. Da ist auch zu beachten, das die Strömung über dem Grund oft wesentlich langsamer als an der Wasseroberfläche ist.
Beim herbstlichen Äschenfischen beobachte ich gerne das unter Wasser abtreibende Laub und bin jedes Jahr erstaunt über die stark gebremsten Bewegungsabläufe.

Tschüß, Kurt
Royal Coachman
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Kohlefaser ?

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Jürgen !

Dieses Problem kenne ich sehr gut, da kannst Du wenig machen, es entsteht, wie von Dir beschrieben, wenn die Forelle "rüttelt".
Besonder bei "diagonal stromab" tritt das massiv auf.

Einige werden jetzt aufheulen:

Kohlefaser! Die Ruten reagieren zu schnell und schlagen zurück!

Da ich normalerweise Gespließte fische, habe ich neulich mit einer Kohlefaser genau dieses Problem gehabt, die Forelle dreht sich mit großer Geschwindigkeit und die Rute reagiert zu stark und zu schnell!

Also zurück zum Auto auf Gespließte gewechselt, natürlich gibt es auch hier Aussteiger, aber nicht in dem Maße wie bei der Kohlefaser.

freundlichst
Royal Coachman
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Kurt Zumbrunn
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Ungelesener Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Hallo Jürgen
Ich denke, eine weichere Rute könnte diesem Problem Abhilfe verschaffen. Heutige Kohlefasergerten sind eher Wurfmaschinen als Drillgeräte. Eine vollparabolische Gesplisste macht im Drill eigentlich fast alles mit und der Fisch schafft es selten, aus dem "Bungeejumpingseil" auszuschlitzen.
Wenn ich eine Rangliste über Drillfähigkeiten von Ruten machen müsste, sähe diese wie folgt aus:
1. Gesplisste mit vollparabolischer Aktion
2. Glasfaser
3. Meist ältere Kohlefasergerten mit durchgehender Aktion

Beste Grüsse
Kurt
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Trockenfliegen- und Bambuspurist
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maggus
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Ungelesener Beitrag von maggus »

Hallo Leute,

ich kann mich Kurt nur anschliessen... Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine weichere Rute, die die Fluchten eines Fisches einfach besser abfedert, im Drill einfach Vorteile bringt und man weniger Fische verliert. Ich habe selbtst vor ein - zwei Jahren das Problem gehabt dass ich an einer schönen Rute mit schneller Aktion Fische mitten im Drill verloren habe... Ok ich fische auch zu 90% ohne Wiederhaken.... Aber seit ich häufiger mit einer Rute mit einer weicheren Aktion fische hatte ich wesentlich weniger Aussteiger im Drill... Ob mit oder ohne Widerhaken spielte dabei eine eher untergeordnete Rolle...

Was mir neuerdings eher Sorgen macht ist die Quote an "Fehlbissen" unmittelbar beim Anschlag... Soll heissen: Der Fisch beisst, ich schlage an und nach 1-2 sec ist er Sieger und ich habe den Hakne mit Vorfach zurück... :-) Dagagen habe ich leider momentan kein Rezept....

Gruss Markus
Royal Coachman
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Hakenspitze

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Markus !

Dieses kurze Austeigen, nach ca 2 sec könnte an den verwendeten Haken liegen. Ich habe neulich an der A. einige solcher Bisse mit kurzem Kontakt gehabt und es war mit großer Wahrscheinlichkeit, die zu kurze Hakenspitze; leider hatte ich die "Adams" nur mit diesen Haken gebunden. Als später Duns am Wasser waren, hier hatte ich welche mit längerer Hakenspitze, trat das Problem nicht mehr auf.

Übrigens hast Du Recht, mit meiner Smuggler habe ich das Problem des "Rüttelns" auch nicht.

freundlichst
Gebhard

PS. übrigens haben Goldkopfnymphen durch das zusätzliche Gewicht des Goldkopfes den Nachteil des Heraushebelns durch die Fliehkräfte, wenn die Schnur lose wird!
Der immer auf Seiten der Fische steht!
kepzky606

Ungelesener Beitrag von kepzky606 »

Den von Maggus beschriebenen Effekt habe ich auch erlebt. Als ich von einer recht steifen Schimanorute umgestiegen bin auf meine Loop Yellow Line habe ich viele Fische nach dem Anhieb verloren.
Kann es sein, dass weichere Ruten eine anderes Anschlagverhalten zeigen und daher der Haken nicht so tief bzw. fest eindringt?

Hat jemand andere Erklärungen für dieses Phänomen?
Tight Lines

Erik
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maggus
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Ungelesener Beitrag von maggus »

Hi Royal Coachman,

dein Tip mit der langen Hakenspitze finde ich sehr gut! Hättest du eine Empfehlung für einen Trockenfliegenhaken und einen Nymphenhaken mit einer langen Hakenspitze? Was hältst du von einem Tiemco TMC/TRP-Spearpoint 2499 BL (siehe Heger-Katalog)? Ich finde den Haken recht interessant!

Zu dem Beitrag von Erik würde ich sagen dass eine Rute mit einer härteren Aktion bestimmt den Anhieb besser durchbringt und die Schnurdehnung des Vorfachs besser kompensiert aber ich hatte leider vor allem bei dünneren Vorfächern auch schon den tollen Effekt dass als Belohnung dafür gleich mal die Schnur direkt an der Fliege/Nymphe gerissen ist, v.a. auf kürzere Distanz.... Daher fische ich jetzt lieber mit Ruten mit mittlerer bzw. weicherer Aktion, z.B. eine Gespliesste!

Gruss Markus
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Nymph-Tom
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Ungelesener Beitrag von Nymph-Tom »

Hallo,

Meiner Meinung nach der beste momentan erhältliche Nymphenhaken ist der Partridge-Authentic Czech Nymph Hook und wenn man es schwer mag der Partridge-Leaded Czech Nymph Hook.

Die Haken bestehen aus relativ dickem Draht in Nickelausführung und haben eine zur Seite geschränkte Hakenspitze natürlich ohne Widerhaken.

Diese Haken sind nicht so filigran wie viele Nymphenhaken und daher sehr stabil und bringen auch schon ein gewisses Eigengewicht mit.

Früher habe ich beschwerte Haken immer direkt aus CZ bestellt, welche nicht Widerhakenlos waren aber seit es die oben genannten gibt verwende ich nur noch diese.

Gruss,
Tom
C.C.R
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Ungelesener Beitrag von C.C.R »

Hallo,

danke erstmal für die vielen Tips. Die meisten sagen, das es der Haken wäre. Dem kann man auch zustimmen, ist ja die Verbindungsstelle vom Gerät zum Fisch.
Da ich meine Rute (SteelFin Explorer #4 7,5") als mittelschnell bis moderat, von der Aktion her sehe, werde ich wohl in Zukunft mehr wert auf die Haken nehmen. Also lange Hakenspitze?!
Aber ein angedrückter Wiederhaken sitzt doch auch etwas besser als ohne Wiederhaken, zumindest bei ähnlichem Hakendesign. Da ja noch eine kleine verdickung bleibt.
Noch eine Frage:
Würde jemand von euch beim Kopfschütteln des Fisches die spannung von der Schnur nehmen? Dazu müsste man auf jeden Fall vertrauen in seinen Haken haben.

Mit freundlichen Grüßen Jürgen
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