Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Alles rund um Stärken & Schwächen, Marken, Klassen, Aktionen u.s.w. der für unser Hobby unverzichtbaren "Gerten" und "Schnuraufwickler". Du hast allgemeine oder spezielle Fragen, gute oder schlechte Erfahrungen zu bestimmten Gerätschaften mitzuteilen? Hier ist Platz dafür und Du bekommst die Antworten, die Du suchst...

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Federkiel
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Pezon & Michel Dumme Frage

Ungelesener Beitrag von Federkiel »

Hallo,

ich bin kein Pezon & Michel- Kenner. Ich dachte immer, dass diese traditionsreiche Firma Anfang der 1980er Jahre langsam "weggesiecht" ist und dass es sie heute gar nicht mehr gibt.

ABER: Ich war heute auf der Anspo in Kassel (Rudi Heger hatte die neue SAGE CIRCA mit). Auf der Anspo habe ich einen Stand gesehen, auf dem Spinnruten (Graphite) von Pezon & Michel ausgestellt waren und das Logo "Pezon & Michel" war auch an mehreren Stellen weithin sichtbar angebracht. Auf dem Stand hatte aber niemand Zeit für meine Frage, so dass ich dort unverrichteter Dinge wieder weggegangen bin.

Meine Fragen: Gibt es Pezon & Michel noch als Rutenbauer (Bambus) in Frankreich oder wurde nur der Name verwendet (für asiatischen Spinnrutenschrott)? Was ist aus dieser Firma geworden?

Gruß

Michael
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HansAnona
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von HansAnona »

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Frank.
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Lieber Michael,

nachdem Pezon & Michel tatsächlich "weggesiecht" und vom Markt verschwunden war (die letzten Gespließten wurden wohl 1984 gebaut), hatte zunächst 1996 (in manchen Quellen heißt es auch 1999) die Firma François Hue Pêche die Rechte am Markennamen erworben und unter ihrem Dach auch Produkte vertrieben, die zum Teil Nachbauten der Klassiker waren - vor allem Köder und Rollen, aber auch Bambusruten. Soweit ich weiß, gab es aber damals schon keine eigene Fertigung von Gespließten mehr, und der hohe Qualitätsanspruch war vergessen. Allerdings übernahm François Hue Pêche noch Reparaturaufträge für die alten Ruten und Rollen, hatte auch noch viele Ersatzteile am Lager.
Wenn ich recht informiert bin, war aber auch die Gespließten-Reparatur "outgesourct", wie es so schön heißt. Vom Stammsitz in Amboise - in der Nähe von Paris - war der Firmenname nach Saint-Brieuc umgezogen.
Was zwischen 1984 und 1996 mit P&M war, weiß ich nicht - wahrscheinlich war die Firma schlicht pleite und nicht mehr existent.
Das Geschäft mit dem Namen lief zunächst wohl ganz gut (besonders ordentliche Raubfischruten wurden günstig angeboten), geriet dann aber auch ins Stocken.
Seit 2003 existiert der Markenname wieder als Einzelunternehmen. Dort gibt es alles, was mit dem Fischen zu tun hat - auch große Serien von Teleskopruten.
Tatsächlich existierte das Label P&M also während der gesamten letzten Jahrzehnte - aber eben wirklich nur das Label. Die Produktphilosophie hat sich freilich radikal verändert, ebenso wie die Zielgruppe. Als Bambusruten-Bauer gehört die Firma längst der Vergangenheit an. Deine Vermutung hinsichtlich Asien teile ich. Genaues weiß ich aber nicht.

Eine P&M-Vertretung gab es während all dieser Jahre im Angelcenter Kassel.

Dein Frank
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von Federkiel »

Lieber Frank,

vielen Dank. Schade, ich dachte ich käme doch mal irgendwie an eine P&M Sawyer Nymph heran.

Es ist schon manchmal deprimierend, was aus Firmen mit großen Namen werden kann. So weit ich gelesen habe, hatte die auch Spleißmaschinen von extremer Genauigkeit etc.

Gruß

Michael
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Frank.
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Federkiel hat geschrieben:ch dachte ich käme doch mal irgendwie an eine P&M Sawyer Nymph heran.
Ich halte die Augen gerne für dich offen, lieber Michael.

Dein Frank
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sebsonic
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von sebsonic »

Oha, länger nicht geschaut, da hat sich ja noch was getan.

Die neueren P&M Ruten sind mir durch meine zweite Leidenschaft, dem feinen Spinnen auf Barsch auch schon untergekommen. Sieht wohl wirklich so aus wie mehr oder minder konfektionierte Ware aus asiatischen Kohlefaser-Laboren mit zielgruppen-gerechtem Grafitti-Totenkopf-Design - naja ...

@Markus: Glasfaser hatte ich auch schon überlegt, vor allem Vision und Hardy. Die Ruten sind aber doch allesamt recht kurz und 8' wäre wirklich das absolute Minimum, eher 8'6". Es gibt zwar keinen hohen Bewuchs im Rücken, aber nach vorne gilt es eben einiges an Schilf, Brennesseln und Kraut (im Wasser) zu überbrücken, was die Schnurkontrolle nicht eben erleichtert. Waten ist verboten, würde aber ohnehin wenig Sinn machen. Wenn ich die Chance habe, würde ich sowas aber gerne mal ausprobieren.

U. Hildebrandt hat bei seiner nächsten Auktion auch zwei P&M Ruten im Katalog, sowie eine Cult Fiber. Wenn ich es schaffe, fahre ich evtl. mal hin und schaue mir das live an. Ist bestimmt auch so spannend. Ansonsten warte ich vielleicht sogar noch die EWF im nächsten Jahr ab, obwohl das dann mit den Maifliegen schon schon knapp werden kann :lol: Du hast schon recht, Olaf. Was bringt einem der teuerste Wein, wenn man ihn vom Lambrusco nicht unterscheiden kann.

@Michael: Eine Frank Sawyer Nymph ist die Tage in der Bucht weggegangen, angeblich ungefischt, für GBP 425, SN: 7245810310 (Item: 221129727526, in beendeten Auktionen suchen).

tl, cu seb
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HansAnona
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von HansAnona »

Die Ebay-Auktion ist interessant, um zu sehen wie gelogen wird. Bereits am Schraubrollenhalter erkennt Mann, dass die Rute nicht aus 1958 sein kann..

Sawyer-Nymph: 8'10-­‐3x1-­‐4/5wt (1957-­‐77)

Seriennummer SN: 7 245 81 0310: 7 = 70er Jahre; 245 = Rutencode; 81 = Länge 8`1; (Rute Nummer 310?)

Gruß Alf
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Frank.
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Danke, lieber Alf: stimmt. Die Jahresangabe in der Auktion ist falsch.

Genau liest sich die Seriennummer wie folgt:

7 = 70er Jahre
245 = Rutencode
81 = 8’10 ft. (= 269 cm)
3 = Jahr 3 der 70er, also 1973
10 = 10. Fertigungsstück des Jahres 1973.

Von 1958 kann die Rede also nicht sein …

... und, mal ganz allgemein: Es ist schon sehr, sehr merkwürdig, ein wie hoher Prozentsatz der Klassiker von Pezon & Michel, Hardy usw. als "ungefischt" auf den Markt kommt.
Hmm.
Man kann leicht den Eindruck gewinnen, dass damals ungefähr jede zweite Rute als reine Dekoration gekauft worden ist. Allein in den letzten paar Wochen haben Freunde mich drei Mal (!) um Rat gebeten, ob sie auf eine "ungefischte" P&M bieten sollten (nicht wahr, Gebhard? Du erinnerst dich: Für zwei der Ruten haben wir beide unabhängig voneinander eine fast wortgleiche "Expertise" abgegeben - die Bilder haben bewiesen, dass es sich um sogar noch ziemlich schludrig restaurierte, außerdem aus mehreren Ruten zusammengepuzzelte Stecken handelte, die auch noch beide mit einiger Sicherheit Spitzenbrüche hinter sich hatten).


Ja, zum Teufel, warum haben so viele Fliegenfischer ihre sauteuren Gespließten niemals gefischt?
Reihenweise Invalidität direkt nach dem Kauf?
Regelmäßig festgestellt, die Rute sei zu schade zum Fischen?
Schon beim Heimweg hat sich die Überzeugung verfestigt, dass eine Teleskoprute doch die praktischere Lösung sei?
Der Kauf wurde von Anfang an geplant, um die Rute in die Erbmasse für die nicht-angelnden Kinder einzureihen?
Erst auf dem Sterbebett fällt den Käufern ein, dass sie vor 40 Jahren ihre neue Gespließte in der Garage liegen gelassen und dort vergessen haben?

Alles einigermaßen unwahrscheinlich. Mit den Suchworten "Ebay Pezon Michel ungefischt" erziele ich aber bei Google allein 111 Treffer.
"Ebay Pezon Michel fly rod unused" bringt 2.160 Ergebnisse.

Schon komisch, oder?

Der Terminus "ungefischt" ist für mich bei alten Gespließten schon beinahe ein Indiz dafür, dass man die Finger von dem Angebot lassen sollte.
In aller Regel ist das ein erlogener Kaufanreiz für Fliegenfischer, die sich

1. nicht mit Gespließten auskennen und sich
2. die Wathose mit der Kneifzange anziehen.

Ungefischt bedeutet bei alten Gespließten im Klartext oft: möglichst billig restauriert.

Das erklärt übrigens auch den geringen Preis, den die Rute bei Ebay erzielt hat. Diejenigen, die sich auskennen, sind gar nicht erst eingestiegen.

Euer Frank
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sebsonic
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von sebsonic »

Hallo,

nachdem ich hier so 'ne Welle gemacht habe, will ich die Sache hier auch mal kurz auflösen: Ein Vereinskollege hat mir dankenswerterweise eine Speciale Normale in 8´6 zum Probieren zur Verfügung gestellt, die ich dann auch käuflich erwerben konnte. Vor Längerem gab es schon eine vintage Lightweight LRH und über das Forum auch eine E-Spule dazu. Die Tage ist mir noch eine Exori Reflex 8´#5 ins Haus geflattert (bei EUR 30.- Neupreis konnte ich einfach nicht wiederstehen :roll: ), sodaß das Thema Glasfaser ebenfalls abgedeckt wäre - das wird meine Dschungel-Rute.

Ihr habt schon recht, die Bambus-Rute ist schon recht schwer. Da habe ich auch erstmal gestaunt. Aber wenn man die anfängliche Trägheit überwunden hat und die Masse in Bewegung ist, ist es einfach nur ein Traum zu spüren, wie die Rute für einen arbeitet. Und wie gesagt, gibt es von der Länge her an unserem Bach keine Kompromisse.

An der Stelle nochmal herzlichen Dank an alle, die mir - auch per PN - wertvolle Ratschläge gegeben haben und nicht zuletzt auch an die Verkäufer. Die Sonne scheint, die Saison ist bereits offen und am Wochenende geht´s am zum ersten mal mit neuem Tackle an den Bach - Ick freu mir.

tl, cu seb
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von palakona »

Das Ganze kann man vergessen,- genau so wie die meisten Hardy Taper! Allein, der Glaube hilft!
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HansAnona
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von HansAnona »

palakona hat geschrieben:Das Ganze kann man vergessen,- genau so wie die meisten Hardy Taper! Allein, der Glaube hilft!
Sprich darüber mal mit jemandem der in Lourdes geheilt wurde. Hier spielt der Glaube keine Rolle. :roll:

Liebe Grüße, Alf
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sebsonic
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von sebsonic »

palakona hat geschrieben:Allein, der Glaube hilft!
und der versetzt ja bekanntlich Berge .... *facepalm*
Beste Grüße, Sebastian
palakona
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von palakona »

Habe mich hier schon mehrfach unbeliebt gemacht, da kommt es auf ein weiteres Mal auch nicht an.
Die P&M Ruten haben eine schöne "Tradition" und die zieht wohl immer noch heute.Und sie sind relativ billig zu erwerben, das erweckt Phantasien! Ich habe einmal eine Master type Lambiotte bis auf das 100dertstel nachgehobelt mit hochwertigem Bambus aus erstklassiger Quelle (Servus nochmals!) und vorsichtigster Knotenbehandlung. Das Ergebnis war eine totale Enttäuschung. Fazit für mich: Taper, bei denen das beste vom Bambus weggefräst wurde, dann per Hand nachzumessen, wo dann schon kaum noch Kraftfasern vorhanden sind, bei den Originalen,- ergiebt keinen Sinn, das bringt dann "Freak-Taper", die die Welt nicht braucht!
Grüße Wolfhard
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von tea stick »

palakona hat geschrieben:Habe mich hier schon mehrfach unbeliebt gemacht, da kommt es auf ein weiteres Mal auch nicht an.
Und genau das ist der Grund, lieber Wolfhard, weshalb ich Deine Beiträge gerne lese!

Deine Enttäuschung nach dem Nachbau der Master - Lambiotte ist verständlich und bedauernswert, aber nicht unbedingt überraschend. Ich habe auch schon - selbst nach mehrmaligen Nachmessen klassischer Ruten - Werte erhalten, die selbst bei Berücksichtigung des arithmetischen Mittels der drei Messungen auf einer Station Ergebnisse brachten, die so garnicht zum angestrebten Taper passen wollten... Da muss man schon aufpassen bei der Verwendung einschlägiger Tapertabellen, die ja auch nur auf Nachmessungen beruhen. (Auch eigene Messfehler sollte man nicht ausschließen; seit ich Besitzer einer Kleindrehmaschine bin, setze ich mich mit der Natur der Messfehler auseinander.)
Ich denke, Nimbus und Niedergang von P&M ist gerade vor dem Hintergrund des Truman-Embargos und der Entwicklung des glasfaserverstärkten Kunststoffes durchaus nachvollziehbar, sind sie doch als noch junge Firma direkt in diesen Konflikt hineingeschliddert. In der Taperentwicklung waren sie zweifellos führend, nicht zuletzt dank Ritz's Zuarbeit. Der junge Mann kam ja voller feuriger Ideen aus Amerika zurück! Nur schade, dass er so viel Zeit für seinen Hotelbetrieb verplemperte...
Und dann wurden sie - und nicht nur sie - auch noch von dem Kostendruck steigender Löhne gepeinigt, wovon die Massenherstellung der GFK-Manufaktur weniger betroffen war. Dem Kostendruck ist allgemein ein neues Produkt ausgesetzt, sobald es in Serie geht. Dann wird am ehesten der Faktor korrigiert, der am kostenintensivsten ist - die Arbeitszeit. Und das geht nun mal zu Lasten der Qualität. Wenn ich bedenke, dass das Richten der Spleiße und die Knotenbehandlung bei mir den größten Teil der Arbeitszeit bei der Blankherstellung verbrauchen, und übertrage diese Erkenntnis auf die Manufaktur, dann möchte ich nicht in der Haut des Spleißrichters stecken, der gesagt bekommt, dass er zu teuer wird! Und das Spleißen und Knotenrichten kann auch von einer noch so teuren und aufwendigen Präzisionsmaschine nicht ersetzt werden.
Unter diesem Aspekt wäre es für den Sammler wohl sinnvoll, sein Augenmerk auf die frühesten (ältesten) Exemplare einer Serie zu richten, wo das Modell noch im Vordergrund steht und der Kostendruck noch nicht so stark an der Qualität geknabbert hat.
Diese erwähnten Kostenwirkungen sind nicht nur bei P&M festzustellen, sondern auch bei Hardy und nahezu sämtlichen Rutenmanufakturen in den Staaten. Selbst der Rutenmacher mit Auftragsfertigung für den Handel bekommt ihn schmerzhaft zu spüren. Für ihn muss es ja wie Hohn klingen, wenn wir Hobby-Stöckchenmacher damit prahlen, dass Zeit für uns keine Rolle spielt....(z.B.: Ludwig Reim mit seiner "Oktavia" oder Kurt Zumbrunn mit seiner "Rose"; derartige Entwicklungen wären in der Manufaktur nicht denkbar!).
Diese Verlagerung der Bambusrutenfertigung in den privaten Bereich hat aber auch faszinierende positive Folgen: Die Herstellungstechnologie entwickelt sich rapide weiter - die Bambusrutenmacherei ist nicht tot! Jeder arbeitet und tüftelt und bastelt nach besten Kräften und trägt sein Scherflein zur Weiterentwicklung bei. Und wenn wir das dann noch hier im Forum diskutieren können...

Also trennen wir in der Diskussion mal schnell den Bauplan (Taper) vom Haus (Bambusrute)!

Positiv gestimmte Grüße

vom Freimut
TL!
sebsonic
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Re: Pezon & Michel Parabolic - Unterschiede?

Ungelesener Beitrag von sebsonic »

Hallo Wolfhard,

damit kann ich schon mehr anfangen, auch wenn mir selbst dazu die Erfahrung, bzw. der Vergleich fehlt. Danke für Deinen Nachtrag.

Mittlerweile habe ich auch schon ein paar Fische mit der Rute gefangen (BF bis 48cm)und was soll ich sagen - hat Spaß gemacht! Ist ein kräftges Stöckchen - selbst bei hartem Drill gab's da eigentlich keine großen Diskussionen, nach spätestens 2 Min war die "Show" vorbei - was angesichts der (kleinen) Größe des Gewässers und dem Krautbestands auch wünschswert ist. Ist auf jeden Fall schon mal ein ganz anderes "Feeling" als eine Graphit-Rute. Meinen Gefallen an weicheren, parabolischen Ruten habe ich somit gefunden.

Im Schweden-Urlaub hatte ich auch die Gelegenheit, die erwähnte Glasfaser-Rute ausführlich zu testen. Was die weggesteckt hat, alle Achtung. Tagelang außen am Rucksack (ohne Rohr) über Stock und Stein und und harter Einsatz am Fischwasser, hätte ich mit keiner anderen Rute getraut (ohne nicht mindestens ein Backup zu haben). Ich denke in die Richtung werde ich mich auch erstmal weiter umschauen um kommende Bedürnisse zu decken, da tut sich ja im Moment so einiges.

Bambus wird sicher wieder ein Thema - zum selberhobeln! Nicht jetzt, aber ich habe es auch nicht eilig. Mietswohnung und Priorisierung im Budget machen das im Moment eher unwahrscheinlich.

Zur Reproduzierbarkeit veröffentlichter Rutentaper habe ich letzt eine interessanten Artikel von Tom Morgan gelesen. Ich geb' das mal so weiter, ohne mich dazu großartig äußern zu können: Some Bamboo Rodmaking Thoughts.

Er hat seit diesem Jahr auch wieder Glasfaser-Ruten im Programm.

Und zu guterletzt noch ein bewegender Feature-Artikel über ihn und seine Frau, der vor kurzem seine Runden durch Blogs und Foren gedreht hat - inklusive passendem Video dazu.

Enjoy,
tl, cu seb
Beste Grüße, Sebastian
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